Joachim Cardinal Meisner Joachim Cardinal Meisner
Function:
Archbishop of Köln, Germany
Title:
Cardinal Priest of S Pudenziana
Birthdate:
Dec 25, 1933
Country:
Germany
Elevated:
Feb 02, 1983
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Kardinal schaut zum Kaffee vorbei
Sept 10, 2016
Unangemeldet, dafür aber nicht weniger willkommen taucht Joachim Meisner im Resl-Garten auf. Er plädiert für eine baldige Seligsprechung der Therese Neumann aus Konnersreuth.

Konnersreuth - Die Besucher, die am Dienstagnachmittag in den Resl-Garten in Konnersreuth gekommen waren, genossen, wie immer, die Pflanzenpracht der Anlage. Es wurde gefachsimpelt, das ehrenamtliche Betreuungspersonal trank Kaffee. Nichts Aufregendes, eben Alltag. Bis auf einmal fünf ältere Herren mit Barbara Wenisch in den Garten kamen und dem zufällig anwesenden Autor dieser Zeilen auffiel: "Den einen Herrn kenne ich doch irgendwo her".

Eine Einschätzung, die sich nach der Begrüßung als absolut richtig erweisen sollte. "Ich bin Bischof Meisner aus Köln", entgegnete der rüstige 82-Jährige. Es war der frühere Kölner Kardinal und Erzbischof Joachim Meisner. Er führte 25 Jahre lang als Bischof die Diözese Köln und war zuvor neun Jahre Bischof von Berlin. Ohne Allüren unterhielt sich der prominente Gast mit den ehrenamtlichen Helfern, gesellte sich an den Kaffeetisch und genoss den frisch gebackenen Kuchen von Theresia Malzer.

Mit im Gefolge des früheren Erzbischofs waren seine Freunde und Glaubensbrüder, Prälat Josef Michelfeit, der frühere Generalsekretär der Berliner Bischofskonferenz, sowie die Pfarrer Franz-Josef Baudisch (Diözese Hamburg), Reinhard Gröger (Diözese Dresden-Meißen) und Heribert Duschinski (Diözese Berlin). Die fünf Geistlichen verbringen derzeit einige Tage im Kloster Waldsassen - und nutzen die Gelegenheit, sich in der Region umzusehen. Auf dem Programm stand außerdem ein Besuch beim früheren Pilsner Bischof Frantisek Radkovský, am gestrigen Donnerstag wollten sie die Dreifaltigkeitskirche Kappl und die Spätberufenenschule Fockenfeld besuchen. Bayern kennt Bischof Meisner von seinen regelmäßigen Besuchen im niederbayerischen Kurort Bad Füssing. In Konnersreuth besuchte die hochrangige katholische Delegation mit Barbara Wenisch, die bei dieser Gelegenheit gerne die Gästeführerin gab, unter anderem die Pfarrkirche Sankt Laurentius, das Resl-Haus, den Friedhof und eben als letzte Station des Tages den Resl-Garten. Zu Mittag gegessen wurde in einem Konnersreuther Gasthaus, wo den fünf Würdenträgern die regionalen Spezialitäten ausgesprochen gut schmeckten.

Im Resl-Garten angekommen, freuten sich die diensthabenden Hermine Schaumberger und Kornelia Rosner über die prominenten Gäste. Nach einem kurzen Rundgang durch die Gartenanlage machten es sich die Gäste im Informations- und Ausstellungshäuschen bequem. Schnell setzten die Damen einen Kaffee auf. Und wie es der Zufall wollte, kam gerade Theresia Malzer vorbei, sie hatte selbst gebackenen Zwetschgen- und Apfelkuchen dabei. Es wurde nicht lange gefackelt, die ehrenamtlichen Helferinnen im Resl-Garten luden ihre Besucher zum Kaffeetrinken ein. Schnell kam die bunt gemischte Truppe ins Gespräch. Kardinal Meisner fand klare Worte. "Ich habe damals den früheren Bischof von Regensburg, den heutigen Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ermuntert, den Seligsprechungsprozess für Therese Neumann einzuleiten. Eine Kritik an dessen Vorgänger Manfred Müller ersparte er sich, "der traute sich damals noch nicht, wegen eines einzelnen Priesters".

Beim Besuch des Resl-Hauses war Kardinal Meisner eine Gedenktafel aufgefallen, die vom Kölner Künstler Egino Weinert geschaffen wurde. "Diesen Künstler kannte ich sehr gut", zeigte er sich erfreut über den bekannten Namen. Was die Seligsprechung der Therese Neumann betrifft, sagte der emeritierte Erzbischof: "Wenn es nach mir ginge, müsste Therese Neumann sofort seliggesprochen werden." Er gab aber zu bedenken, den genauen Stand des Prozesses nicht zu kennen.

Nachdem sich die Gäste gestärkt hatten, trugen sie sich in das Gästebesuch des Reslgartens ein. Wörtlich schrieb Erzbischof Joachim Kardinal Meisner: "Bei unserem Besuch in der Heimat unserer hochverehrten Resi Neumann in Konnersreuth möchten wir um eine baldige Seligsprechung dieser Glaubenszeugin bitten". Unterschrieben mit: "Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof em. von Köln".

Danach ging es in den Garten hinaus, wo der Kardinal den anwesenden Damen, nach einem kurzen Gebet, seinen bischöflichen Segen spendete. "Eine schöner als die andere", hieß er die Damen einer zufällig anwesenden Reha-Sportgruppe Nordic Walking aus Waldsassen willkommen.

Bei den Gastgebern bedankten sich die fünf Würdenträger für den "herzerfrischenden Nachmittag". Sie freuten sich, dass sie einige Zeit im Resl-Garten hatten verbringen können.

Als die fünf Herren aufbrachen, um Konnersreuth wieder zu verlassen, vergaß Kardinal Joachim Meisner nicht, allen ehrenamtlich Engagierten zu für die Kirche von heute zu danken.
Wenn es nach mir ginge, müsste Therese Neumann sofort seliggesprochen werden.

Joachim Kardinale Meisner, früherer

Erzbischof in Köln

http://www.frankenpost.de/lokal/fichtelgebirge/marktredwitz/Kardinal-schaut-zum-Kaffee-vorbei;art2442,5072572
German Eine Blutreliquie Johannes Pauls II. wird aus dem Kölner Dom gestohlen.
Jun 08, 2016
Kölns früherer Erzbischof, Kardinal Meisner, sah sie zuletzt. Er vermutet "irgendeine religiöse Überhitzung" als Tatmotiv.

Am Wochenende ist eine Reliquie Johannes Pauls II. aus dem Kölner Dom verschwunden: eine kleine gläserne Kapsel mit einem Tuch, das einen Bluttropfen des Papstes trägt. "Unbekannte", so teilte die Polizei mit, hätten die Kapsel "aus dem Sockel des Berührungsreliquiars gehebelt". Eine heiße Spur gibt es noch nicht – dafür aber jetzt immerhin einen prominenten Zeugen: Der Mann, der die Blutreliquie am Samstagabend als Letzter gesehen hat, ist Kölns emeritierter Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner.

Die Welt: Herr Kardinal, was haben Sie am Samstag im Dom gemacht?

Kardinal Joachim Meisner: Die Beichte abgenommen. Ich setze mich noch regelmäßig in den Beichtstuhl, Sie können immer Samstagsnachmittags zu mir kommen. Letzten Samstag war ich etwa um 18.30 Uhr fertig und bin dann zur Reliquie gegangen, um davor eine Kerze anzuzünden. Ich dachte noch: Wie schön, dass wir damals so ein schönes Reliquiar bekommen haben.

Die Welt: Wie haben Sie erfahren, dass der Bluttropfen verschwunden ist?

Meisner: Der Domprobst hat mich gleich am Sonntag angerufen. Ich war wirklich erschüttert: "Aber gestern war die Kapsel doch noch da!" Das wusste ich genau. Ich hatte noch meine Hand daraufgelegt, als Geste der Verehrung, und noch das Glas mit den Fingern gespürt.
Kardial Joachim Meisner war von 1989 bis 2014 Erzbischof von Köln
Foto: picture alliance / Geisler-Fotop Kardial Joachim Meisner war von 1989 bis 2014 Erzbischof von Köln

Die Welt: Die Polizei sucht jetzt nach Zeugen. Haben Sie sich schon gemeldet?

Meisner: Nein, ich glaube, der Domprobst hat denen schon alles gesagt. Ich meine, ich stünde den Ermittlern selbstverständlich zur Verfügung. Aber die können ja jetzt auch dieses Interview lesen.

Die Welt: Die Reliquie kam Ende 2013 in den Dom. Sie selbst haben Sie damals beigesetzt. Wie haben Sie sie eigentlich bekommen?

Meisner: Ich war bei einer Kapelleneinweihung in Krakau, als mich Johannes Pauls früherer Sekretär, Kardinal Dziwisz, beiseitenahm und sagte: "Wir haben die Reliquien des Papstes fertig. Zwei davon möchte ich Ihnen schenken, eine für Köln, eine zu Ihrer Verfügung." Reliquien verschickt man ja nicht per Post. Die eine wurde im Dom aufgestellt. Die andere habe ich einer kleinen Gemeinde in der Rhön geschenkt, für die ich mal als Weihbischof von Erfurt zuständig war. Die passen jetzt bestimmt besonders gut darauf auf.

Die Welt: Warum klaut jemand Papstblut?

Meisner: Materiellen Wert hat die Reliquie jedenfalls nicht. Ich kann mir nur vorstellen, dass irgendein irregeleitetes religiöses Gemüt dahintersteckt, das vielleicht einen Dieb beauftragt hat und den Papst einfach privat bei sich haben will, in der Nähe. Die Absicht ist ja vielleicht sogar edel – dass man den Heiligen aus irgendeiner religiösen Überhitzung heraus besonders verehren will. Aber man darf natürlich nicht so über die Stränge schlagen, und dass die Verehrung dem Täter guttut, kann ich mir auch nicht vorstellen. Unrecht Gut gedeihet nicht. Die Reliquie gehört ihm nicht, sie gehört auch nicht mir oder dem Dom, sondern dem Volk Gottes im Erzbistum Köln. Der soll unsere Reliquie wieder herausgeben.
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Die Welt: Sie als letzter Zeuge – Angst, dass die Polizei auch Sie verdächtigen könnte?

Meisner: Ach, ich glaube nicht, dass jemand auf so einen absurden Gedanken kommen könnte. Schon allein, weil ich viel zu ungeschickt wäre. Ich hätte die da gar nicht rausgehebelt bekommen.

Die Welt: Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass die Reliquie wieder auftaucht?

Meisner: Wir in Köln wenden uns ja an den Heiligen Antonius, wenn wir etwas verloren haben. Dem habe ich gesagt: "Jetzt zeig mal, was du kannst." Ich habe ihm schon ziemlich eingeheizt. Deshalb bin ich guter Hoffnung. Ich würde mir wünschen, dass die Blutreliquie wieder da ist, wenn ich am nächsten Samstag wieder in den Beichtstuhl komme.

http://www.welt.de/kultur/article156029853/Jetzt-spricht-der-letzte-Zeuge-Kardinal-Meisner.html
German „Im Nikolauskostüm begann meine Bischofskarriere“
Dec 24, 2014
Kardinal Meisner spricht im Interview über seine Kindheit in Schlesien, Heilige Messen ohne Publikum, die Bedeutung des Festes der Familie und seinen Geburtstag am ersten Weihnachtstag.

Herr Kardinal, Sie sind dieses Jahr emeritiert worden. Es ist also das erste Mal seit langem, dass Sie an Weihnachten nicht mehr an vorderster Front stehen. Was wird Ihnen fehlen? Was werden Sie womöglich zurückgewinnen?

Zunächst einmal sollte man die Emeritierung nicht als eine so große Veränderung im Leben eines Bischofs vermerken. So wie ein Ingenieur nach der Pensionierung Mensch bleibt, so bleibe auch ich Mensch. Aber ich bleibe eben auch Priester, Bischof und Kardinal, bis dass der Tod uns scheidet. Viele wissen das nicht. Wenn ich morgens auf die Straße gehe, dann sagen die Leute: „Guten Morgen, Herr Meisner!“ Dann sage ich: „Meinen Sie den Schornsteinfeger Meisner oder den Kardinal?“ Die Leute erwidern dann: „Aber Sie sind doch nicht mehr Kardinal.“ Dann sage ich: „Doch! Ich bin als Erzbischof emeritiert, Kardinal bleibe ich bis an mein Lebensende.“

Es hat sich also nichts geändert?

Doch! Ich habe weniger Zeit als früher. Das liegt daran, dass es viele gut mit mir meinen und glauben, der Kardinal habe jetzt nichts mehr zu tun. Und damit er nicht trübsinnig wird, laden wir ihn ein. Vor allem in der Advents- und Weihnachtszeit kann ich mich vor Einladungen kaum retten. Was möglich ist, mache ich gerne. Zum Beispiel bin ich am zweiten Weihnachtsfeiertag immer in Köln-Junkersdorf bei Klosterschwestern aus meiner Heimat Schlesien zu Gast. Zwei von ihnen haben mir mehr als 20 Jahre lang den Haushalt geführt, die rechnen zu Recht fest mit mir. Aber manchmal bin ich eben auch froh, wenn ich allein sein kann.

Also keine Entlastung durch die Emeritierung?

Doch, weil ich nicht mehr die großen Festpredigten halten muss. Ich habe das nie aus dem Ärmel geschüttelt, sondern mich immer gewissenhaft vorbereitet. Schließlich geht es darum, die Faszination des Evangeliums sozusagen an den Mann zu bringen.

Und nun?

In der Heiligen Nacht werde ich zwar im Kölner Dom die Messe mitfeiern, aber nur als Zweiter konzelebrieren, am ersten Weihnachtsfeiertag genauso. Ich brauche mir also nicht mehr zu sagen: Hoffentlich geht es mit der Predigt gut, sondern ich kann in den Dom hinübergehen und mich einfach nur auf die Messe freuen.

Hatten Sie bei Predigten je Angst, etwas zu sagen, worüber sich die Leute aufregen könnten? Sie sind da ja, erlauben Sie mir den Ausdruck: ein gebranntes Kind.

Nein! Zu meiner Emeritierung haben mir viele geschrieben: „An Ihnen konnte man sich immer orientieren, was katholisch ist und was nicht.“ Das ist doch das Schönste, was man einem Bischof sagen kann.

Aus Ihrer Zeit in der DDR kennen Sie die Diaspora-Kirche. Sie wissen, wie es ist, vor einer Handvoll Leuten eine Messe zu feiern. Was ist anders, wenn Sie an Weihnachten einen vollen Dom vor sich haben?

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Passen Sie auf: Als wir Kapläne in der DDR waren, da hat unser damaliger Bischof Hugo Aufderbeck zu uns gesagt: „Wenn ihr auf die Außenstationen fahrt, und es sind nur  zwei oder drei Omas da, dann werdet ihr aufgebracht sein und euch fragen: Wo sind denn all die anderen? Ist ein Fußballspiel? Aha! Dann sollt ihr den drei Omas sagen, wir warten noch einen Augenblick, vielleicht kommt noch jemand. Aber es wird niemand mehr kommen. Setzt euch also in die Bank und schaut von hinten auf die Omas, so lange, bis ihr den gegenwärtigen Herrn seht, der gesagt hat: ,Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.‘ Und wenn es so weit ist, dann feiert die Heilige Messe mit den drei Omas mit einer Hingabe, als wären 300 oder 3000 Leute da.“ Ist es Ihnen vielleicht sogar lieber, vor drei Großmüttern zu zelebrieren, die wenigstens stark sind im Glauben, als vor 3000 Menschen, von denen die meisten kein einziges Gebet mehr mitsprechen können? Nein. Wir sind schließlich keine Auswahlkirche, wir haben nicht darüber zu befinden, wer dazugehört und wer nicht. Im Übrigen bin ich überzeugt davon: Jeder kommt aus dem Dom ein bisschen anders heraus, als er hineingegangen ist. Ich würde sogar sagen: ein bisschen besser.

Was führt die Leute ausgerechnet an Weihnachten in die Kirche?

Weihnachten ist das intimste Fest, das wir haben. Seiner Faszination kann sich kaum jemand entziehen, selbst wenn er vom Christentum nichts hält. An Weihnachten wird mir immer wieder vor Augen geführt, dass jeder Mensch ein unsterbliches Heimweh und eine untilgbare Sehnsucht in sich trägt. Jeder spürt doch, dass er sich nicht selbst ins Dasein gesetzt hat, dass es einen Absender geben muss, einen Ursprung. Danach haben wir Heimweh. Das ging schon Adam so, der aus dem Paradies vertrieben wurde. Nach einer Sage ist er im Alter wieder an die Pforte des Paradieses zurückgekehrt, hat daran gerüttelt und gerufen: „Ich möchte wieder nach Hause.“ Oder denken Sie an Friedrich Nietzsche.

Ausgerechnet an den?

Nietzsche hat gedichtet: „Die Krähen schrei’n / Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt: / Bald wird es schnei’n – / Weh dem, der keine Heimat hat!“ Ein paar Jahre später ist er in Turin auf offener Straße einem gepeinigten Droschkengaul um den Hals gefallen. Das ist doch ein starkes Zeichen, dass das Religiöse, die Sehnsucht nach dem Absoluten, trotz aller Versuche von Marx, den Aufklärern und auch unseren Zeitgenossen nicht auszulöschen ist. Natürlich, vieles ist verschüttet, aber es ist da. Und Weihnachten zeigt, dass der Mensch nur richtig feiern kann, wenn er etwas feiert, das größer ist als er selbst.

Wie beurteilen Sie, dass sich heutzutage auch manche Muslime Weihnachtsschmuck an ihre Fenster hängen?

Das sind ja auch Menschen, Kinder Gottes wie wir. Deshalb ist das gut. Damit sind sie noch keine Christen, aber sie lassen sich von dem Ereignis berühren, das wir Christen feiern. Es wirkt ansteckend auf andere, weil es keine konstruierte Feier ist, sondern ganz und gar dem Wesen des Menschen entspricht.

Sie haben Weihnachten als das intimste Fest des Jahres bezeichnet.

Als das intimste, nicht als das höchste!

Intimität verbindet man auch mit dem Begriff der Familie. Nach vorherrschender katholischer Auffassung heißt das bis zu einem bestimmten Alter: wir und unsere Eltern. Später: wir und unsere Kinder. Fehlt Ihnen da nicht etwas?

Die Familie: Vater, Mutter, Kinder, die schon durch die Schöpfung geheiligt ist, wurde durch die Heilige Familie, Jesus, Maria und Josef, noch einmal geheiligt. Sie steht damit völlig außer Konkurrenz. Deswegen bin ich bis zu meinem ersten Jahr als Kaplan an Weihnachten immer bei meiner Familie in Thüringen gewesen. Durch meine Brüder habe ich inzwischen zehn Neffen und Nichten geschenkt bekommen, und die haben schon wieder Kinder und Kindeskinder. Wir treffen uns zwei Mal im Jahr. Einmal an Pfingsten bei mir, da muss ich eigens ein Haus mieten, weil wir inzwischen mehr als 70 Personen sind. Und am dritten Adventwochenende fahre ich immer zu ihnen.

Kann das ein Äquivalent sein für eigene Kinder?

Das brauche ich gar nicht. Als Seelsorger habe ich viele Kinder. Denken Sie an die Schüler, die ich früher im  Religionsunterricht hatte, an die Knaben und Mädchen aus den Chören. Oder an all die Ministranten und Jugendlichen, mit denen ich durch den Gottesdienst tief verbunden bin.

Wenn Sie den Familienbegriff auf diesen Personenkreis ausdehnen – ist es dann auch zulässig, dasselbe mit Freunden zu tun? Ich frage deshalb, weil es heute nicht unüblich ist, dass junge Leute an Heiligabend um 22 Uhr das Elternhaus verlassen, um sich in der Kneipe mit ihresgleichen zu treffen.

Das höre ich zum ersten Mal. Normalerweise haben die Gasthäuser doch geschlossen an Heiligabend. Ich meine jedenfalls, für ein Treffen mit Freunden sollte man sich lieber den Silvesterabend aussuchen. An Weihnachten, diese paar Stunden, sollte man zu Hause sein, bei den Geschwistern, Eltern und Verwandten.

Joachim Kardinal Meisner - Der emeritierte Erzbischof von Köln, stellt sich im Interview für die Weihnachtsausgabe des Magazins den Fragen von Timo Frasch. © Wohlfahrt, Rainer Vergrößern Joachim Kardinal Meisner, hier in seinem Arbeitszimmer in Köln, wurde am 25. Dezember 1933 in Breslau geboren, lebte nach der Vertreibung in Thüringen und war von 1980 bis 1989 Bischof von Berlin, von 1989 bis 2014 Erzbischof von Köln und Metropolit der Kölner Kirchenprovinz. Am 28. Februar nahm Papst Franziskus sein Rücktrittsgesuch aus Altersgründen an.

Sie haben also nie etwas vermisst?

Nie. Und zwar deshalb, weil wir einen sehr engen Zusammenhalt in der Familie haben. Ich will Ihnen mal ein Symbol dafür geben, damit Sie verstehen, was ich meine. Als unsere Mutter starb und wir sie auf dem Dorffriedhof beerdigt haben, da habe ich vorher zu meinen Brüdern gesagt: „Wir geben unsere Mutter nicht in fremde Hände,  wir vier tragen sie selbst zu Grabe.“ Und als wir den Sarg so in der Hand hatten, da hat unser Peter, der Bruder, der nach mir kommt, gesagt: „Jetzt versprechen wir der Mutter: Wir stehen weiterhin so zusammen, als wäre sie noch unter uns.“ Bis zur Stunde haben wir das gehalten.

Ausgerechnet an Weihnachten kommt es in vielen Familien zu Konflikten. Wie erklären Sie sich das?

Weihnachten soll der schönste Tag im Jahr sein. Da soll es an nichts fehlen. Und natürlich hat da jeder seine eigenen Vorstellungen davon. Zum Beispiel, dass alles sauber sein muss. Das ist eigentlich kein Ideal. Man sollte sich vielmehr sagen: „An Weihnachten soll es bei uns am unproblematischsten sein.“ Also keinen Weihnachtsputz, das sollte bis zum vierten Adventssonntag oder am besten bis zum dritten erledigt sein. Auch die Geschenke sollte man da beisammen haben. Denn das größte Geschenk, das man sich an Weihnachten machen kann, ist, dass man Zeit füreinander hat.

Haben Sie konkrete Ratschläge zur Deeskalation?

Der erste ist Rücksichtnahme. Man kennt sich doch in der Familie und weiß, was den anderen nervös macht, was wichtig ist für ihn. In Schlesien gibt es zum Beispiel ein sehr entfaltetes weihnachtliches Brauchtum, das vor allem in der Speisenabfolge zum Ausdruck kommt. Meine drei Brüder haben alle nicht-schlesische Frauen geheiratet – aber erst, nachdem diese das Weihnachtsessen vorgeführt haben, wie sie es von unserer Mutter gelernt haben. Wichtig ist auch der Humor, das heißt, über sich selbst lachen zu können. Wenn wir im Dom in der Heiligen Nacht die Messe feiern, dann sind da mindestens 120 Sänger, gut 60 Ministranten und vielleicht 20 Konzelebranten. Da kann vieles schief gehen, es kann leicht zu Spannungen kommen. Aber wir haben einen großartigen Küster, der Konfliktsituationen auch mal durch einen Witz auflösen kann.

Untergräbt das nicht die weihnachtliche Ehrfurcht?

Gar nicht. Wir müssen immer daran denken: Wir feiern ein Kind. Und Kinder lachen – und manchmal schreien sie auch. Jesus hat gesagt: „Lasset die Kindlein zu mir kommen.“ Wie hätte er gewollt, dass wir Weihnachten feiern? Diese Frage kann ich gar nicht richtig beantworten. Ich könnte mir höchstens denken, er würde nicht so überstreng sein und sagen: „Das dürft ihr nicht und jenes auch nicht.“ Mein Gott, wir müssen uns freuen dürfen, Kinder Gottes zu sein. Und alles, was schön ist, darf man in diese Festfeier mit hineinnehmen. Das Weihnachtsbrauchtum ist überall anders – und das sollte auch so sein.

Jesus, das geht aus der Bibel recht unzweifelhaft hervor, hat seine Jünger dazu aufgerufen, ihre familiären Bindungen zu lösen. Wie passt das zum Familienfest Weihnachten?

Die Menschen fallen nicht vom Himmel. Schon deswegen ist die Familie unbedingt notwendig für das Reich Gottes. Aber Jesus hat auch gesagt: „Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.“ Im Übrigen haben es die Familien immer als Ehre empfunden, wenn eine Frau oder ein Mann aus ihrer Mitte berufen wurde, für das Reich Gottes zu arbeiten, und so in einer neuen Familie Aufnahme fand.

Aber Jesus hat doch sogar in seiner eigenen Familie Irritationen ausgelöst.

Seine Botschaft war so neu, so radikal und so menschlich, dass sich die Leute natürlich wunderten. Aber: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Jesus war so überzeugend, dass er an Sabbat eine gelähmte Frau heilen konnte. Darauf stand die Todesstrafe, aber die Schriftgelehrten hielten still, denn es ging von ihm eine große Faszination aus.

Wir sprechen bei der Lehre Jesu von einer Heilslehre, nicht wahr?

Jesus ist kein Heilslehrer, er selbst ist das Heil.

Ich komme darauf, weil Sie als Priester und Bischof in der DDR Erfahrungen mit einer anderen Art von Heilslehre machen mussten. Können Sie mir erklären, worin der Unterschied besteht zwischen den Heilslehren, die das 20. Jahrhundert in mehrere Katastrophen geführt haben, und dem, was Jesus Christus verkündet hat?

Die sogenannten Heilslehrer, auf die Sie sich beziehen, haben immer andere ins Feuer geschickt. Jesus hingegen hat nie gesagt, „Marsch, vorwärts!“, sondern immer: „Mir nach!“ Er hat nicht andere für sich sterben lassen, sondern er selbst ist für uns gestorben.

Der Historiker Werner Dahlheim bezweifelt in seinem Buch „Die Welt zur Zeit Jesu“, dass sich die Weihnachtsgeschichte so zugetragen hat, wie es uns vor allem die Evangelisten Lukas und Matthäus schildern. Unter anderem schreibt er, dass Jesus wohl eher in Nazareth als in Bethlehem zur Welt gekommen sei. Auch belegten historische Quellen, dass, anders als im Lukas-Evangelium dargestellt, König Herodes und Quirinius, der Statthalter von Syrien, nicht zur selben Zeit amtiert haben können. Ficht Sie so etwas an?

Überhaupt nicht! Diese Besserwisserei von einigen Exegeten nehme ich gar nicht so ernst.

Dahlheim ist ein anerkannter Althistoriker.

Das ist genau das Gleiche. Historiker leben auch von Hypothesen. Natürlich: Lukas war bei der Geburt Jesu nicht dabei. Aber die Geschehnisse wurden sofort mündlich in der apostolischen Verkündigung überliefert.

Lukas schrieb erst 90 Jahre nach Christi Geburt.

Aber die Traditionsstränge darüber gab es schon vorher. Die Evangelien wurden ja gar nicht vom Weihnachtsereignis her geschrieben. Das kam am Ende. Die erste umstürzende Nachricht war historisch betrachtet die letzte: Tod und Auferstehung. Dann kamen die Kreuzigungsberichte. Dann das Leben. Und dann erst die Frage: Wie ist er denn auf die Welt gekommen? Man muss wissen: Das Christentum ist damals nicht als neue Religion empfunden worden, sondern als die Erfüllung des alten Bundes. Die Geburt Christi, so wie sie uns überliefert wurde, ist also nicht vom Himmel gefallen, sondern im Alten Testament wohl vorbereitet worden. Um die Weihnachtsgeschichte zu verstehen, muss man das Alte Testament kennen. Und deswegen nehme ich die Prämissen mancher Historiker nicht so ernst. Die Kirche weiß aus den alttestamentlichen Schriften mehr als sie.

Dahlheim ist sich der Tatsache wohl bewusst, dass die Evangelisten in einer Überlieferungstradition standen. Er wendet es aber anders als Sie und sagt etwa, dass es für Lukas oder Matthäus gar nicht anders vorstellbar war, als in Jesus einen Nachfahren des König David zu sehen.

Glaubt der Historiker denn, dass Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist? Daraus resultiert alles andere. Wenn ich das nicht akzeptiere, dann werde ich eher Widersprüche entdecken, als die Frohe Botschaft sehen und hören.

Bis in welche Verästelung hinein glauben Sie denn, dass es sich in der Heiligen Nacht so zugetragen hat, wie es uns berichtet wird? Stichwort: Ochs und Esel.

Das treibt mich gar nicht um. In der orthodoxen Welt wird Jesus in einer Erdhöhle geboren, bei uns hat sich der Stall etabliert. Aber darum geht es gar nicht. Und ob nun Ochs und Esel dabei waren? Ich bin der Meinung, sie waren es nicht, und auch die Kirche hat nie behauptet, dass es so gewesen sei. Das ist nämlich dem Propheten entlehnt: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt es nicht, und mein Volk versteht es nicht.“

Was ist für Sie die zentrale Botschaft, die von Weihnachten ausgeht und die Sie von keinem Historiker dieser Welt in Zweifel ziehen lassen?

Im Johannesevangelium heißt es: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Darum geht es. Dass Gott Mensch geworden ist, damit der Mensch wie Gott werde. Ein junger Mann hat mich mal gefragt: „Herr Kardinal, stimmt es wirklich, dass Gott uns zu seinem Ebenbild gemacht hat?“ Da habe ich gesagt: „Natürlich!“ Und da sagte der Mann: „Das ist so großartig, direkt zum Verrücktwerden!“ Und ich: „Ja, wir könnten trunken sein vor Glück. Doch was machen wir? Hocken da – und lassen uns nicht mehr von den Stühlen reißen.“

Sie haben an Weihnachten Geburtstag. Haben Sie das je als Zeichen der Vorsehung begriffen?

Als Unglück! Weil ich um des Hausfriedens willen genauso viel geschenkt bekam wie die anderen Geschwister, aber danach keinen Geburtstag mehr hatte. Erst als ich dann in der dritten, vierten Klasse war und begriff, was die Eltern mir über Jesus erzählten, da bin ich doch langsam stolz und dankbar geworden, dass mein Geburtstag auf den Tag des Herrn fällt.

Glauben Sie, dass Jesus nach unserem heutigen Kalender tatsächlich an einem 25. Dezember geboren wurde?

Meines Wissens wurde seine Geburt erst drei Jahrhunderte später auf diesen Tag gelegt. Aus der Luft gegriffen werden sie das Datum nicht haben. Aber auch das ist ganz egal. Ich will Ihnen lieber etwas erzählen. Als ich einmal im Allgäu im Urlaub war, habe ich in einer Dorfkirche einen Grabstein aus dem 17. oder 18. Jahrhundert entdeckt. Dem war zu entnehmen, dass der Verstorbene wie ich am 25. Dezember geboren worden und am 8. September gestorben war – also an Mariä Geburt! Und nun stand da: „Mit Jesus geboren, und gestorben am Geburtsfest der Mutter Gottes.“ Und weiter: „Wiewohl ich bin zwei Mal geboren, bin ich doch kein Mal gestorben.“ Seitdem sage ich immer zu meinen Mitarbeitern: „Das mit der Geburt stimmt schon mal bei mir, jetzt wäre es schön, wenn ich auch an einem 8. September sterben könnte!“ Das ist auch deshalb ein gutes Sterbedatum, weil es draußen noch nicht so kalt ist. Dann holen sich die Priester und die Leute, die zur Beerdigung kommen, keinen Schnupfen. Und wissen Sie, was mein ehemaliger Generalvikar und mein Sekretär immer am 9. September zu mir sagen: „Jetzt müssen wir wieder ein Jahr mit dir aushalten.“

Meine Oma, eine sehr gute Katholikin, leider verstorben …

Warum leider? Sie ist im Himmel, gönnen Sie ihr das!

Für sie war der Namenstag immer wichtiger als der Geburtstag. Wie war das in Ihrer Familie?

Wir in Schlesien kannten den Namenstag gar nicht. Ich habe das erst im Rheinland erlebt. Hier wird beides gefeiert – umso besser!

Was ist das schönste Geschenk, das Sie je zu Weihnachten bekommen haben?

Das war als Kind, da habe ich einen kleinen Holzwagen bekommen mit zwei Holzpferden davor. Die habe ich so innig geliebt, dass ich mit denen schlafen gegangen bin. Und wie das dann so geht: Am nächsten Tag waren sie fast plattgedrückt, und ich habe jämmerlich geheult. Aber der Vater war geschickt, der hat die dann gleich wieder in Ordnung gebracht.

Und das schönste Geschenk, das Sie anderen je gemacht haben?

Vielleicht war das meine Priesterweihe. Ich bin am 22. Dezember 1962 im Erfurter Dom zum Priester geweiht worden, am 23. Dezember hatte ich die Primiz und am 25. Geburtstag. Ich komme ja aus einer ganz kleinen Diasporagemeinde: 30 Dörfer, 2000 Katholiken – und ein Pfarrer. Wir waren also sehr zerstreut, aber wir haben sehr gut zusammengehalten. Zur Primiz hatte meine Familie so viele Päckchen bekommen, dass etwa ein Zentner Kaffee aus dem Westen zusammenkam. Und dann bin ich den ganzen Monat danach, in meinem Urlaub, jeden Abend zu einer anderen Außenstation unserer Gemeinde gefahren, habe dort die Heilige Messe gefeiert und den Primizsegen erteilt. Meine Mutter hat Kaffee und Kuchen mitgebracht. Nach dem Monat war der ganze Zentner Kaffee vertrunken. Davon reden die Leute heute noch.

Das heißt, nicht Ihre Priesterweihe war das Geschenk, sondern der Kaffee?

Nein, nein, das Hauptgeschenk war schon, dass Gott aus unserer kleinen armseligen Gemeinde einen Priester gerufen hat. Das hat alle erhoben.

Dieses Interview wird am Nikolaustag erscheinen. Der heilige Nikolaus war wie Sie ein Bischof. Was bedeutet er Ihnen?

Als Kind habe ich ihn gar nicht geliebt, da habe ich eher Angst vor ihm gehabt. Wegen des Knecht Ruprecht, und weil im Buch des Nikolaus alles drinstand, was ich im Lauf des Jahres angestellt hatte. Das Schöne an Nikolaus war aber, dass man wusste: Bald ist Weihnachten. Das ging mir schon an Sankt Martin so. Der spielte für mich als Kind eine ganz große Rolle. Da gab es immer diese Martinsbrötchen, die in der Mitte einen Knick hatten. Da bekam jeder zweite eines davon geschenkt, damit er es mit einem anderen teilen konnte.

Haben Sie selbst mal den Nikolaus gespielt?

Damit ging meine Bischofskarriere los! Ich war damals noch Gymnasiast und wurde von Schwestern, die einen Kindergarten betrieben, als Nikolaus angeheuert – ohne Knecht Ruprecht. Es gab schon damals in der Pädagogik so eine Richtung: dass man das Nikolausgewand vor den Kindern überstreifen solle, damit die sich nicht betrogen fühlen. Ich habe das immer für Quatsch gehalten. Aber weil man mich darum gebeten hat, habe ich es gemacht. Umso mehr gestaunt habe ich, dass mich die Kinder trotzdem für den richtigen Nikolaus gehalten haben. Wenn sie älter werden, ist das natürlich vorbei. Ich selbst weiß noch von mir zu Hause, dass ich an Nikolaus bemerkt habe, dass dessen Schuhe die meines Onkels Josef waren. Da ahnte ich: Der Onkel macht den Nikolaus.

Welche ist Ihre Lieblingsfigur in der Weihnachtsgeschichte?

Ich liebe den heiligen Josef. Seit einem Jahr ist er mein ganz besonderer Patron. Warum? Von ihm werden keine Worte berichtet, nicht ein einziges. Aber viele große Taten. Und von mir werden nur Worte berichtet und keine Taten. Aber Josef ist ein Heiliger und ich nicht. Und darum muss ich seinen Lebensstil übernehmen: nicht mehr so viel reden, wie jetzt mit Ihnen, sondern mehr tun für das Reich Gottes.

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/interview-mit-kardinal-joachim-meisner-ueber-seine-kindheit-13305980.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
German Kommentar: Der ausgeschlossene heilige Johannes Paul II.
Oct 24, 2014
Von Joachim Kardinal Meisner.

Das lange Pontifikat von Johannes Paul II. war theologisch und pastoral wesentlich akzentuiert von seiner Theologie von Ehe und Familie. Seine berühmten Mittwoch-Katechesen darüber bleiben unvergesslich. Das postsynodale Schreiben „Familiaris consortio“ ist unvergesslich und vieles mehr.

Bei einem Gespräch mit dem Heiligen Vater, kurz nach der Jahrtausendwende, sagte ich dem Heiligen Vater, er werde in die Geschichte eingehen als der Papst, der die politische Wende in Osteuropa wesentlich mitbestimmt hat. Der heilige Papst Johannes Paul II. protestierte dagegen und meinte, dass er in die Geschichte eingehen möchte, namentlich in die Kirchengeschichte, als der Papst, der für die Heiligung von Ehe und Familie eingetreten ist. Diesem Anliegen hat sein ganzes theologisches und pastorales Interesse gegolten und gilt es immer noch.

Der Heilige Vater, Papst Franziskus, erwähnte das auch in seiner Homilie anlässlich der Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. Nun wirkt es wie ein Ausschluss des heiligen Papstes aus der stattgefundenen Synode, da von den offiziell ernannten und berufenen Fachleuten niemand aus der Schule Johannes Paul II. berufen war.

Das in Rom existierende Institut „Heiliger Johannes Paul II.“ für Studien über Ehe und Familie war durch keine Vertreterin oder keinen Vertreter in den Vorbereitungsgremien und dann während der Synode in einem der Beratungsgremien dabei. Wie soll man sich das erklären?

Wie aus den spärlichen Nachrichten über die Synode zu entnehmen war, haben „Gott sei Dank!“ viele Bischöfe als Synodale die vom heiligen Papst Johannes Paul II. theologischen Grunddaten über Ehe und Familie in der Synode zur Sprache gebracht.

Die Kontinuität in der Lehrverkündigung war und ist immer die Garantie und die Solidität unseres Glaubens.

Von der Synode wird berichtet, dass manche Synodenteilnehmer mehr von der Lehre und wieder andere mehr vom Leben ausgingen. Deshalb kam es zu Meinungsverschiedenheiten, und das hätte die Synode sehr befruchtet. Hoffentlich vergisst dabei niemand, dass der Glaube gelebte Lehre ist! Deshalb ist auch nicht vorstellbar, dass man nur die Praxis verändern möchte, aber nicht die Lehre. „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14). Das ist das Herzwort des christlichen Glaubens. Das Wort ist nicht allein Fleisch (Leben) und auch nicht allein Wort (Lehre). Beides und untrennbar zusammen machen das fleischgewordene Wort, den christlichen Glauben aus.

Davon war der heilige Papst Johannes Paul II. durchdrungen. Sein Wort von den beiden Lungenflügeln des Glaubens hat hier seinen Ursprung.

Der heilige Papst Johannes Paul II. wurde unbegreiflicherweise gleichsam von den Vorbereitungsgremien der Synode ausgeschlossen. Wie soll man sich das erklären?

Am 27. April 2014 wurde Papst Johannes Paul II. in Rom heiliggesprochen. 100 000 Pilger waren dabei, die meisten waren seine Landsleute aus Polen.

Für die Synodenorganisatoren scheint das ohne Bedeutung zu sein: „Vox populi – vox Dei!“ Die Stimme des Volkes Gottes war nicht erwünscht und scheint darum auch nicht gehört worden zu sein.

http://www.die-tagespost.de/Kommentar-Der-ausgeschlossene-heilige-Johannes-Paul-II;art456,155825
German Er wollte nicht Erzbischof von Köln werden
Aug 26, 2014
Es hat keine vier Monate gedauert, bis Köln nach dem Rücktritt von Joachim Kardinal Meisner (80) mit Rainer Maria Kardinal Woelki (57) einen neuen Erzbischof bekommen hat. Nach dem Rücktritt von Kölns Erzbischof Joseph Kardinal Höffner im September 1987 dauerte es 16 lange Monate, bis am Ende Meisner vom Kölner Domkapitel gewählt wurde. Uns erzählt er jetzt exklusiv, wie es damals überhaupt dazu kam.

Höffner, der einen Monat nach seinem Rücktritt gestorben war, hatte seine Finger im Spiel, denn: „Kardinal Höffner hat mich dem Papst vorgeschlagen“, erklärt Meisner rückblickend. Das bekomme er in Rom immer erzählt und in Köln von Insidern bestätigt.

Demnach hatte Kardinal Höffner Papst Johannes Paul II. kurz vor seinem 80. Geburtstag daran erinnert, dass seine Nachfolge in Köln zu regeln sei.„Der Papst hat Kardinal Höffner gefragt, ob er einen Wunschkandidaten habe“, so Meisner. „Und Kardinal Höffner hat geantwortet: »Ja, aber das ist illusorisch.« Darauf der Papst: »Wieso, wer ist es denn?« Und Kardinal Höffner antwortete: »Der Bischof von Berlin.« Der Papst sagte nur: »Das wollen wir doch mal sehen, ob das illusorisch ist.«“

Damals war Deutschland noch geteilt, die DDR wurde von Erich Honecker regiert und Meisner war Bischof von Berlin – und sein Amtssitz im Osten. Meisner erfuhr von dem Plan des Papstes Johannes Paul II., als ihn der päpstliche Nuntius aufforderte, einen Nachfolger für den Berliner Bischofssitz vorzuschlagen – so erzählt es uns Meisner. Doch er wollte nicht nach Köln. Und er versuchte, dem Papst seinen Köln-Plan auszureden.

„Ich bin zum Papst gefahren, um ihm zu sagen, dass ich das nicht will“, so Meisner heute. Johannes Paull II. habe ihn in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo empfangen, der Papst habe im Bademantel auf dem Liegestuhl gelegen, es sei sehr heiß gewesen.

„Ich war froh, dass wir beide quasi auf dem Kreuz lagen und uns nicht anschauen mussten“, so der Kölner Alt-Erzbischof weiter. „Ich habe dem Papst erklärt, dass ich in Berlin bleiben wollte. Der Sitz des Bistums war ja im Osten. Ich wollte dortbleiben, um Christus zu verkünden und den Menschen in der DDR eine Perspektive zu bieten. Ich hatte acht Wochen vorher beim Katholikentreffen in Dresden vor 150 000 DDR-Katholiken gesagt: »Wir können nicht alle in den Westen gehen. Wir haben in diesem Land, der DDR, unsere Berufung«.“

Doch der Papst hatte sich festgelegt. „Er hat gesagt, ich solle mir keine Sorgen machen“, so Meisner: „»Das kommunistische System kippt«, war der Papst überzeugt. Ich habe ihn angesehen und gesagt: »Das haben Sie jetzt nicht ex cathedra verkündet, sondern ex Liegestuhl«. Aber der Papst hat natürlich doch recht. Ich fragte ihn noch, ob er vielleicht Geheimdienst-Informationen habe. Johannes Paul II. guckte in den Himmel und sagte: »Mein Geheimdienst ist da oben!«“

Doch nicht nur Meisner wollte nicht nach Köln – das Kölner Domkapitel wollte auch Meisner nicht. Johannes Paul II. hatte Meisner an die erste Stelle seiner drei Kandidaten umfassenden päpstlichen Vorschlagsliste („Terna“) gesetzt. Über mehrere Monate hatte das Domkapitel unzählige Male gewählt, nie gab es eine Mehrheit für Meisner. Dann änderte der Papst die Wahlordnung des Domkapitels – und boxte so Meisner als Erzbischof durch.

„Sie wollten mich nicht und ich wollte Sie nicht – also haben wir eine gemeinsame Basis“, soll Meisner bei seinem Amtsantritt zum Domkapitel gesagt haben. Diese Basis hat 25 Jahre lang gehalten…
Das Wahlrecht des Domkapitels

Der Kölner Erzbischof wird nicht vom Papst bestimmt, sondern vom Domkapitel gewählt – seit mehr als 800 Jahren. Die (derzeit 15) Domkapitulare machen dem Papst drei Vorschläge, der Papst schickt eine Liste mit drei Namen zurück („Terna“) – es können völlig andere sein. Bis 1988 musste mit absoluter Mehrheit gewählt werden.

Weil auch nach 16 Monaten noch kein neuer Erzbischof gewählt worden war, änderte Papst Johannes Paul II. das Wahlrecht: Im vierten Wahlgang reicht seither die relative Mehrheit. Es heißt, Meisner sei mit sechs Ja-Stimmen bei zehn Enthaltungen gewählt worden. Am 20. Dezember 1988 hat ihn der Papst zum Erzbischof von Köln ernannt. Am 12. Februar 1989 wurde Meisner ins Amt eingeführt.

http://www.express.de/koeln/geheimnis-nach-26-jahren-gelueftet-meisner--er-wollte-nicht-erzbischof-von-koeln-werden,2856,28203972.html
English Das neue Leben des Kardinals
Aug 12, 2014
Joachim Meisner lebt in einer kleinen Wohnung am Kölner Dom und versucht, sich im Alltag zurechtzufinden.

Ein Fahrradfahrer tritt auf die Bremse und kann gerade noch vor einem älteren Herrn stoppen, der im Zentrum von Köln über die Straße geht. Ein kurzer Blick, dann ist klar: Da läuft Kardinal Meisner, aber nicht mehr in Soutane, sondern im dunklen Anorak. So sieht man den 80-Jährigen jetzt nachmittags oft im Viertel spazieren gehen. Der einstige Erzbischof von Köln wohnt direkt neben seinem bisherigen Arbeitsplatz, im dritten Stock. Den Dom kann er von seiner neuen Wohnung aus allerdings nur hören und nicht sehen, weil Bäume davorstehen.

Den Abschied von der Macht hat er nach eigenen Worten gut verkraftet. „Es hat mich nicht existenziell bewegt.“ Die Wahl von Rainer Maria Kardinal Woelki zu seinem Nachfolger hat er mit Genugtuung aufgenommen. Dass manche Meisner weiter für die graue Eminenz halten, für den Strippenzieher im Hintergrund, bezeichnet er als absurd. „Darüber kann ich nur lachen! Ich höre gar nicht, was im Generalvikariat vor sich geht. Oder die Bischofskonferenz, da bekomme ich noch die Protokolle, die lese ich auch mit großem Interesse, aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich hätte dabei sein müssen.“

Und wenn man ihn um seinen Rat fragen würde? „Ich hätte auch keine Angst, meinen Rat zu geben, wenn ich nicht gefragt würde, sofern ich es für wichtig halten würde. Aber natürlich niemals über die Medien. Es wäre geradezu unanständig, wenn ein emeritierter Bischof das tun würde. Außerdem ist gerade Woelki selbstständig genug.“ Um seine konservative Linie – er selbst sagt: „katholische Linie“ – ist ihm nicht bange.

Unentschlossen ist Meisner noch, ob er seine Memoiren schreiben soll. Eigentlich wolle er nicht, aber ein Verlag dränge ihn dazu, weil man an seinem Leben die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts exemplarisch darstellen könne. „Ich habe ja noch elf Jahre die Nazizeit miterlebt. Dann die dramatische Flucht aus Breslau, die armselige DDR-Zeit ...“ Nachdem er als Bischof von Erfurt eine Predigt über „Marx und Maria“ gehalten hatte, sollte er ausgebürgert werden. Da habe er zu den Stasi-Leuten gesagt: „Die Ausbürgerung der Bischöfe macht immer noch der Papst – die Adresse kann ich Ihnen geben.“ Er hat dann nichts mehr von ihnen gehört.

Seinen persönlichen Sekretär hätte er behalten können, aber das hat er abgelehnt: "Der hat Besseres zu tun als Sekretär eines alten Bischofs zu sein, der musste raus und hat jetzt eine grosse Gemeinde übernommen!" Nun ist Joachim Meisner dabei, sich ein neues Leben aufzubauen - ohne Sekretär und Chauffeur. Neulich ist er zum ersten Mal seit langem wieder Bahn gefahren. Der 80 Jahre alte Senior wollte zur Goldenen Hochzeit seines jüngeren Bruders nach Thüringen. Die erste Panne bestand darin, dass sein Anschlusszug in Frankfurt nicht vom gegenüberliegenden Bahnsteig abfuhr, sondern sechs steile Treppen entfernt - und der Aufzug funktionierte nicht.

"In Fulda ging's dann gar nicht mehr weiter. Nach 40 Minuten sagten sie: "Die letzten beiden Wagen sind kaputt. Fahrgäste bitte umsteigen."" Im nächsten Anschlusszug fiel die Klimaanlage aus. "Es war eine wahnsinnige Hitze." Am Ende kam er mit eineinhalb Stunden Verspätung an. "Die Rückfahrt war noch schlimmer. Es war wirklich ein Chaos. Da muss ich sagen: Die Bahn in der DDR, die war zwar primitiver, aber wenigstens pünktlich." Ein Fahrkarten-Kontrolleur habe ihm neulich gesagt, er solle mal dafür sorgen, dass die Bahn von oben ein bisschen Hilfe bekomme. "Dem habe ich geantwortet: Den lieben Gott brauchen wir für andere Dinge, aber sicher nicht als Hilfsbremse. Strengt euch lieber selber an!"

weiter lesen: http://www.gmx.ch/themen/nachrichten/deutschland/82bfk6u-kardinal-joachim-meisner-ruecktritt#.A1000146

http://www.sz-online.de/nachrichten/das-neue-leben-des-kardinals-2902987.html
English Cardinal offends with Muslim birth rate remark
Jan 30, 2014
Cologne's Archbishop has sparked anger after praising the high birth rate among Catholics for making up for large Muslim families. He later admitted his choice of words was “unfortunate”.

Cardinal Joachim Meisner was speaking on Friday to members of a conservative Catholic group famous for their large families when he said: "I always say, one of your families to me makes up for three Muslim families."

Muslim organizations and politicians from the Social Democrat and Green parties said they were "stunned" by the comments – which came a month before Meisner, 80, was due to retire.

The Cardinal said in a statement on Wednesday he regretted that his comments had caused such "irritation".

He added: "It was never my intention to offend those of other faiths with this...perhaps my choice of words in this case was unfortunate."

"I have repeatedly stated that in many cases Muslim families set an example to our ageing society," he said.

Bekir Alboga of the Turkish-Islamic Union told Deutsche Welle in an interview that Meisner's comments would have a polarizing effect. "We need bridge-builders not polarizers," he said.

North Rhine-Westphalia's Minister for Integration Guntram Schneider said he was "very disappointed that a leading representative of the Catholic church is pitting people of different faiths against each other".

And the state's minister for schools Sylvia Löhrmann said: "Ranking the values of families, and thus children, on the basis of their religious affiliation isn't just against the constitution, it is also anything but Christian."

"Cardinal Meisner would be well advised to clarify these unfortunate statements," she added.

http://www.thelocal.de/20140129/cardinal-large-catholic-families-make-up-for-muslim-ones
French Un cardinal scandalise la communauté islamique
Jan 30, 2014
L'archevêque de Cologne en Allemagne, le cardinal Joachim Meisner, a provoqué aujourd'hui la colère d'une partie de la communauté islamique en Allemagne et l'incompréhension du gouvernement avec des propos sur les familles musulmanes jugés offensants.

Devant des membres du mouvement catholique conservateur Chemin néocatéchuménal, Mgr Meisner a assuré: "chacune de vos familles vaut aisément pour moi trois familles musulmanes".
Cette phrase prononcée devant des membres d'une organisation connue pour ses familles nombreuses a suscité l'ire des représentants de la communauté musulmane allemande.

Le prélat de 80 ans "ne fait que diffuser peur et incompréhension", a ainsi estimé Bekir Alboga de l'organisation turco-islamique Ditib, sur les ondes de la Deutsche Welle. "Nous avons besoin de médiateurs entre deux cultures en Allemagne, pas de gens qui suscitent les divisions", a-t-il ajouté.

De son côté, la chargée des questions d'intégration au sein du gouvernement d'Angela Merkel, Aydan Özoguz, a estimé qu'il s'agissait "de l'opinion personnelle d'un haut responsable catholique" qu'elle ne souhaitait pas commenter "même si (elle) ne la comprend pas", selon des propos tenus dans le quotidien régional Kölner Stadtanzeiger.

Le président du Conseil central des musulmans d'Allemagne, l'une des organisations représentatives de la communauté, Aiman Mazyek, a jugé que ces propos nourrissaient les opinions islamophobes "que nous ne connaissons pas au sein de l'Eglise catholique et en particulier de la part du nouveau pape" François.
Mgr Meisner, qui devrait prendre sa retraite à la fin février, a dit regretter ses propos, affirmant que le "choix de ses mots" avait "peut-être été malheureux". "En aucun cas ce n'était mon intention d'offenser des gens d'une autre religion", a-t-il ajouté, selon une mise au point publiée par l'agence allemande dpa.

L'Allemagne compte environ 4 millions de musulmans dont une grande partie de Turcs ou de personnes d'origine turque.

http://www.lefigaro.fr/flash-actu/2014/01/29/97001-20140129FILWWW00489-un-cardinal-scandalise-la-communaute-islamique.php
German Kardinal Meisner lebt „beinahe anspruchslos”: 11.500 Euro Monatslohn
Oct 17, 2013
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner (79) lebt mietfrei in einer fast 250 Quadratmeter großen Wohnung. Er müsse allerdings den Mietwert in Höhe von 1213 Euro versteuern, teilte sein Sprecher Christoph Heckeley am Mittwoch der dpa mit.

Die Wohnung befindet sich im Erzbischöflichen Haus in der Innenstadt. Dieses Haus stammt aus den 50er Jahren und wirkt eher nüchtern.

Für „Schönheitsreparaturen” sowie Heiz- und Betriebskosten zahlt Meisner eine monatliche Pauschale von knapp 500 Euro.

In seiner nunmehr fast 25 Jahre währenden Amtszeit sind den Angaben zufolge keine Sanierungs- oder Umbauarbeiten am Erzbischöflichen Haus und in der Wohnung angefallen, nur Reparaturen und normale Instandsetzungen wie ab und an mal ein Anstrich, aber „auch dies nur sehr selten”.

Meisner verdient im Monat gut 11.500 Euro. Das sei vergleichbar mit einem Oberbürgermeister einer 500.000-Einwohner-Stadt in NRW. Zwei Ordensschwestern führen ihm den Haushalt. Meisner fährt seit vier Jahren einen 7er BMW.

Heckeley betonte: „Persönlich lebt Kardinal Meisner immer schon beinahe anspruchslos und in der Zuwendung zu den Menschen, so dass er in dieser Hinsicht voll und ganz auf einer Linie mit dem Papst ist.”

Kardinal Meisner lebt „beinahe anspruchslos” - Lesen Sie mehr auf:
http://www.aachener-zeitung.de/lokales/region/kardinal-meisner-lebt-beinahe-anspruchslos-1.678705#plx2016818948
German Kardinal schätzt Feministin
May 12, 2013
Kardinal Joachim Meisner schätzt die Feministin Alice Schwarzer.

Obwohl diese ihn häufig scharf angegriffen hat, hält er sie für "viel vernünftiger, als sie oft dargestellt wird. Wir können eigentlich ganz gut miteinander", sagte der 79-Jährige. "Ich war sogar vor Jahren im Frauenturm eingeladen." Schwarzer verfolge jedes Jahr die Fronleichnamsprozession, weil diese sie an ein Kindheitserlebnis erinnere. "Dann nicke ich ihr zu, wenn ich sie sehe, und sie nickt zurück."

http://www.welt.de/print/welt_kompakt/koeln/article116046318/Kardinal-schaetzt-Feministin.html
German Kardinal Meisner predigt am Karfreitag über den Kreuzweg der Kirche : "Seligmachendes Leiden Christi"
Mar 30, 2013
In der Predigt zum Karfreitag sprach Erzbischof Joachim Kardinal Meisner davon, dass die katholische Kirche einen "Passionsweg" zu gehen habe. Gleichzeitig betonte er die tröstende Kraft des Kreuzes.

"Die Sache geht auf jeden Fall gut aus", betonte Erzbischof Joachim Kardinal Meisner in seiner Predigt am Karfreitag. Am Ende stehe Ostern, aber der Weg dorthin führe über Golgatha. Er beschrieb den Pilgerweg der Kirche als Kreuzweg: Beschimpfung, Verurteilung, Verrat und Benachteiligung seien darin vorgesehen. Kardinal Meisner forderte die Gläubigen dazu auf, mit dem Volk Gottes in aller Welt mitzufühlen.

Das Kreuz sei gleichermaßen das Zeichen für die Verfolgungen der Welt wie auch für die Tröstungen Gottes, betonte Meisner. Je näher am Kreuz man sei, desto fröhlicher sei das Herz und desto gläubiger das Dasein. In der Liturgie werde die Leidensgeschichte Christi "beata passio" genannt - das "seligmachende Leiden Christi". Alle Gläubigen seien aufgerufen, daran teilzuhaben, so Kardinal Meisner.

Karfreitags-Messe beginnt traditionell zur Todesstunde Jesu

domradio.de übertrug am Karfreitag ab 15 Uhr das Pontifikalamt aus dem Kölner Dom, im Internet und im Radio. Es zelebriert Erzbischof Joachim Kardinal Meisner. Es sang der Kölner Domchor unter der Leitung von Eberhard Metternich und Stefan Klösges.

In der Feier vom Leben und Sterben Jesu Christi gedenkt die Kirche dem Leiden Jesu am Tag seines Todes. Die Messe beginnt traditionell um 15 Uhr, der Todesstunde Christi. Sie gliedert sich in Köln in vier Teile: Wortgottesdienst, Kreuzverehrung und Kommunionfeier und anschließende Grablegung. Nach der Predigt folgen in der Feier die Großen Fürbitten, zehn Fürbitten, in denen unter anderem für die Einheit der Christen, für alle, die nicht an Gott glauben und für die Regierenden gebetet wird. Die Messdiener verwenden in der Feier statt Glocken hölzerne Klappern.
German Kardinal Meisner läßt „Pille-danach“-Kritikern antworten – mit einer Antwort, die keine ist
Mar 11, 2013
Der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, ließ Kritikern antworten.

(Köln) Kritisiert wurde mit einer Protest-Mail-Aktion gegen dessen umstrittene Entscheidung, die „Pille danach“ ohne abtreibende Wirkung unter bestimmten Auflagen zu billigen und an katholischen Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ausgeben zu lassen. Lebensrechtsorganisationen und katholische Ärzte sprechen von einer „Phantom-Pille“, weil bei jeder bisher bekannten „Pille danach“ eine abtreibende Wirkung nicht ausgeschlossen werden könne.

Meisner, dem die deutsche Bischofskonferenz am 21. Februar gefolgt ist, stützte sich in seiner Entscheidung auf die Studie der Vorsitzenden einer internationalen Abtreibungslobby. Zunächst wurde in Medien unter Berufung auf den Kardinal behauptet, Papst Benedikt XVI. sei über den Schritt informiert gewesen und habe ihn gebilligt. Eine Behauptung, die Kardinal Meisner wenige Stunden später nach einer Intervention aus Rom dementieren mußte.

Leider beantwortet Kardinal Meissner weiterhin nicht einige grundlegende Fragen, an erster Stelle, warum die wissenschaftlichen Argumente und die Bedenken der katholischen Ärzte ignoriert werden. Warum er es mit der Entscheidung so eilig hatte (stimmen Gerüchte, daß die grüne Gesundheitsministerin von Nordrhein-Westfalen mit der Streichung staatlicher Zuschüsse an die katholischen Gesundheitseinrichtungen gedroht hatte)? Warum wurde nicht eine neutrale wissenschaftliche Prüfung der „neuen Erkenntnisse“ abgewartet, wie dies inzwischen die Schweizer Bischöfe beschlossen haben?

So wurde die Replik des Kardinals zu einer Antwort, die keine ist.

Wir dokumentieren die Antwort des Erzbischofs von Köln, Joachim Kardinal Meisner an seine Kritiker:

   Sehr geehrte Damen und Herren,

   normalerweise werden Serienmails nicht beantwortet. Doch in diesem Fall ist eine Ausnahme deswegen angebracht, weil die Absender offensichtlich auf eine falsche Darstellung hereingefallen sind.

   1. Kardinal Meisner hat die „Pille danach“ nicht „gerechtfertigt“. Er hat zu konkreten Präparaten gar nicht Stellung genommen, sondern die unveränderten kirchlichen Prinzipien zum Lebensschutz erklärt und die Verantwortung für die Anwendung dieser Prinzipien den Ärzten aufgegeben.

   2. Die „Pille danach“ wurde in katholischen Krankenhäusern nicht „eingeführt“, sondern selbst für den Fall der Vergewaltigung wurde nach wie vor eine Abtreibung und auch die der Abtreibung gleichkommende Nidationshemmung abgelehnt. Nur die Hinauszögerung des Eisprungs wurde für vertretbar erklärt.

   3. In der Erklärung des Kardinals wird nicht von einer Pille geredet, die nicht frühabtreibend sei. Es kommt überhaupt kein Pillenname vor.

   4. Die Erzdiözese Köln hat sich keineswegs auf eine Studie der FIAPAC-Präsidentin berufen, sondern zur besseren Information für Interessierte auf Erklärungen der wissenschaftlichen deutschen Fachgesellschaften hingewiesen.

   5. Die Behauptung des anonymen Betreibers der Internet-Kampagne, an der Sie sich beteiligt haben, es gebe kein Präparat, das nicht auch frühabtreibend wirkt, ist durch nichts belegt.

   6. Der Herr Kardinal hat Ihrer Bitte, die Sachlage klarzustellen, längst entsprochen, nämlich mit der hier beiliegenden Erklärung, die es Ihnen gestattet, sich selbst ein Urteil zu bilden.

   Mit freundlichen Grüßen

   Domvikar Msgr. Oliver Boss
   Erzbischöflicher Geheimsekretär
   Erzbischöfliches Haus
   Sekretariat
   Kardinal-Frings-Str. 10
   50668 Köln

http://www.katholisches.info/2013/03/08/kardinal-meisner-last-pille-danach-kritikern-antworten-mit-einer-antwort-die-keine-ist/
English German cardinal urged Pope to fire Secretary of State
Feb 23, 2013

Cardinal Joachim Meisner of Cologne has revealed that he pleaded with Pope Benedict XVI to replace the Vatican Secretary of State, Cardinal Tarciscio Bertone, but the Pontiff firmly refused.

Cardinal Meisner told Frankfurter Rundschau that he approached the Pontiff, speaking on behalf of several cardinals, to demand a change at the Secretariat of State because Cardinal Bertone had proven incapable of handling his office. The German cardinal said that Pope Benedict dismissed the suggestion immediately, showing his loyalty to Cardinal Bertone. Cardinal Meisner recalled:

   During the Williamson affair, I even once, on behalf of a number of cardinals, went to the Pope and said: "Holy Father, you have to dismiss Cardinal Bertone! He's in charge--as would be the responsible minister in a secular government.” He looked at me and said, ‘Listen to me carefully! Bertone remains! Basta! Basta! Basta!” After that I never brought up the subject again.”

http://www.catholicculture.org/news/headlines/index.cfm?storyid=17066
German Kölner Stadt-Anzeiger: Kölner Stadt-Anzeiger: Gänswein soll Kardinal Meisner der Lüge bezichtigt haben
Feb 23, 2013

Köln (ots) - Der Sekretär von Papst Benedikt XVI., Erzbischof Georg Gänswein, soll den Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, der Lüge bezichtigt haben. Das berichtet der Osnabrücker Sozialethiker Manfred Spieker im "Kölner Stadt-Anzeiger" (Mittwochsausgabe). Spieker sagt, er habe am 14. Februar eine E-Mail von Gänswein erhalten, in der dieser schrieb, es sei "nicht wahr", dass Meisner ihn angerufen und mit ihm über seine Stellungnahme zur "Pille danach" gesprochen habe. Dies sei "zu dementieren". Der Kölner Erzbischof hatte zuvor im "Kölner Stadt-Anzeiger" gesagt, er habe nach seinem überraschenden Vorstoß, die "Pille danach" nach einer Vergewaltigung als Verhütungsmittel für ethisch vertretbar zu erklären, Gänswein telefonisch informiert. Dieser habe gesagt: "Der Papst weiß Bescheid. Es ist alles in Ordnung." Spieker, ein Protagonist der so genannten "Lebensschutz"-Bewegung, war auf Anfrage nicht bereit, dem "Kölner Stadt-Anzeiger" Gänsweins angebliche E-Mail zur Verfügung zu stellen, zitierte aber im Gespräch daraus. Er betonte, dem Sekretär des Papstes zuvor die entsprechende Passage aus dem Meisner-Interview vom 12. Februar geschickt zu haben. Es sei davon auszugehen, sagte der Osnabrücker Wissenschaftler, dass weder die Glaubenskongregation noch die Päpstliche Akademie für das Leben amtlich mit der Erklärung von Kardinal Meisner befasst gewesen seien, sondern dass nur telefonisch oder elektronisch ein schnelles Okay für die Erklärung des Kardinals eingeholt worden sei. Meisner hatte im KStA-Interview die Abstimmung seiner Erklärung mit den römischen Institutionen hervorgehoben. Kardinal Meisners Sprecher Christoph Heckeley bekräftigte, dass Meisners Erklärung "intensiv" mit der Akademie für das Leben und der Glaubenskongregation besprochen worden sei. Er wies aber auf ein mögliches Missverständnis von Meisners Aussagen hin. Der Kardinal habe nicht behauptet, Gänswein oder den Papst vorab über seinen Vorstoß in Kenntnis gesetzt zu haben, sondern erst nach der Veröffentlichung seiner Erklärung. Meisners Kehrtwende in der moralischen Beurteilung der "Pille danach" war eine Reaktion auf den Kölner Klinikenskandal. Im Dezember verweigerten zwei katholische Krankenhäuser einer vergewaltigten Frau die Behandlung, weil sie fürchteten, sonst auch über die "Pille danach" beraten zu müssen, deren Verschreibung in katholischen Häusern zum damaligen Zeitpunkt strikt untersagt war.

http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2013-02/26023218-koelner-stadt-anzeiger-koelner-stadt-anzeiger-gaenswein-soll-kardinal-meisner-der-luege-bezichtigt-haben-007.htm
Italian Il cardinal Meisner permette una forma di “pillola del giorno dopo
Feb 16, 2013
Il cardinale e arcivescovo di Colonia Joachim Meisner ha deciso che in futuro la “pillola del
giorno dopo” è permessa, se questo medicinale non ha l'effetto di far abortire, ma solo di impedire una fecondazione conseguente a violenza. Domradio.de documenta testualmente questa presa di posizione.

“Alla luce degli eventi recenti, ho discusso con esperti sulla questione della prescrizione della cosiddetta “pillola del giorno dopo”. Si è quindi evidenziato che questa definizione comprende diversi preparati con differenti principi attivi, i cui effetti diretti e collaterali vengono man mano sempre più chiariti nella discussione scientifica. Da ciò si possono trarre conseguenze etiche.

Se dopo una violenza viene impiegato un preparato il cui principio attivo è l'impedimento di un concepimento, con l'intenzione di impedire la fecondazione, questo è a mio avviso giustificabile. Se un preparato, il cui principio attivo è l'impedimento all'annidamento, viene usato con l'intenzione di impedire l'annidamento dell'ovulo già fecondato, questo continua a non essere giustificabile, perché in tal modo all'ovulo fecondato, cui spetta la protezione dovuta alla dignità di essere umano, viene attivamente tolto il fondamento vitale. Il fatto che capiti anche in maniera naturale che ovuli fecondati anche senza intervento umano non si annidino, non giustifica l'imitazione da parte dell'uomo di questo processo naturale. Perché la fine di una vita umana per via naturale viene chiamata evento naturale. Mentre la sua imitazione intenzionale si chiama uccisione.

I medici in istituti cattolici sono invitati ad andare incontro senza riserve al bisogno di donne violentate e ad attenersi, nel loro comportamento medico, ai principi sopra indicati, tenendo conto del nuovo stato della scienza medica. Oltre a ciò non c'è nulla da obiettare che essi in questo caso informino anche su metodi, che secondo la concezione cattolica, non sono giustificabili, e sulla loro accessibilità, se essi in questo, senza esercitare nessuna pressione, spiegano in maniera adeguata e argomentata anche la posizione cattolica. In ogni caso negli istituti cattolici l'aiuto a donne violentate deve andare naturalmente ben al di là della discussione su tali questioni.



Colonia, 31 gennaio 2013



Cardinale Joachim Meisner, Arcivescovo di Colonia”



L’antefatto…..



La pillola del giorno dopo



La cosiddetta pillola del giorno dopo, farmaco che può essere somministrato alle vittime di stupro per prevenire una eventuale gravidanza, è al centro della disputa. Il 15 dicembre scorso, una donna di 25 anni si era rivolta a un ambulatorio nei dintorni di Colonia, affermando di essere stata stuprata. La dottoressa in servizio, Irmgard Maiworm, notificò l'accaduto alla polizia e prescrisse il contraccettivo d'emergenza. La dottoressa informò poi il vicino ospedale di San Vincenzo, gestito dalle Cellitine, che avrebbe trasferito la paziente presso quella struttura per la verifica dell'evidenza di stupro. Ma la controparte cattolica si rifiutò di accogliere la paziente. Anche l'Ospedale del Santo Spirito, ugualmente gestito dalle suore, non volle accogliere la donna. «Non potevo crederci», ricorda la dottoressa Maiworm. La riluttanza dei medici cattolici è conforme alla linea di Joachim Meisner, l'arcivescovo ultraortodosso di Colonia. «Le vittime di stupro vengono trasferite in altre strutture», dichiara il portavoce del vescovo, «quando l'intenzione di assumere la pillola del giorno dopo è evidente».

Forti le proteste delle organizzazioni per i diritti delle vittime. «Il rifiuto di somministrare la pillola del giorno dopo alle donne che sono state stuprate costituisce una mancanza di assistenza del tutto ingiustificabile da parte di chi professa valori biblici e cristiani», afferma Annegret Laakmann dell'associazione nazionale Frauenwürde. «Con questa posizione, la Chiesa ufficiale discrimina ancora una volta le donne vittime di stupro». Anche Annette Diehl di Frauennotruf, telefono di emergenza per le donne, auspica un cambiamento nelle politiche della Chiesa. «Una donna che ha  subito violenza sessuale ha un comprensibile bisogno di assistenza. Non può semplicemente essere messa alla porta per motivi religiosi, nel mezzo del trattamento o del colloquio».

Le organizzazioni cattoliche gestiscono qualcosa come 420 ospedali in tutta la Germania. Nei contratti di assunzione, ai loro 165 mila dipendenti è solitamente imposto di condividere le linee guida dei vescovi e delle altre autorità religiose. In molte aree del Paese, la Chiesa cattolica esercita una grande influenza sul sociale. La Chiesa monopolizza intere aree rurali nelle quali gestisce praticamente tutte le strutture, dagli asili nido fino alle case di riposo passando per gli ospedali. Ciò complica la situazione dei dipendenti. Dal momento che spesso medici, educatori e infermieri non hanno alternative al lavoro per le organizzazioni cattoliche, si trovano in pratica obbligati ad accondiscendere alle linee guida.

http://nipotidimaritain.blogspot.ch/2013/02/il-cardinal-meisner-permette-una-forma.html#.UROEhOjHQjU
German Kölner Kardinal kritisiert die „Nummer zwei“ im Vatikan
Feb 16, 2013
Meisner zum Papst-Rücktritt

Tag 1 nach dem überraschenden Papst-Rücktritt: Nun hat sich einer seiner engsten Vertrauten, der Kölner Kardinal Joachim Meisner, in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ zu dem Thema geäußert.Dabei übte Meisner unteranderem heftige Kritik an Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone.

Papst Benedikt XVI. habe ein profiliertes Pendant im Amt gefehlt, wie es etwa Johannes Paul II. in Joseph Ratzinger gehabt habe.Während der Affäre um den Holocaust-Leugner Richard Williamson sei er, Meisner, sogar einmal im Auftrag mehrerer Kardinäle zum Papst gegangen und habe gesagt: „Heiliger Vater, Sie müssen Kardinal Bertone entlassen! Er ist der Verantwortliche - ähnlich wie der zuständige Minister in einer weltlichen Regierung.“

Da habe Benedikt XVI. ihn angesehen und gesagt: „Hör mir gut zu! Bertone bleibt! Basta! Basta! Basta!“ Danach habe er das Thema nie wieder angesprochen.

Die Anekdote sei typisch, so der Kölner Kardinal: „Die Ratzingers sind treu. Das macht ihnen das Leben nicht immer ganz einfach.“

Bertone (78) stand als „Nummer zwei“ der vatikanischen Hierarchie vielfach im Fokus der Kritik. Auch sein Umgang mit der sogenannten Vatileaks-Affäre 2012 oder diplomatische Pannen wie um den Regensburger Vortrag von 2006 hatten wiederholt Spekulationen über seine Ablösung hervorgerufen. Zudem kritisierte Meisner die Deutschen für ihren Umgang mit dem scheidenden Papst Benedikt XVI. „Es hat mich immer verletzt, wie abschätzig, ja hämisch in Deutschland über den Papst gesprochen wurde.“

Vielen habe ein „Gefühl des Selbstbewusstseins, ja des Stolzes“ gefehlt, dass erstmals nach fast 500 Jahren wieder ein Deutscher „ein solches Amt mit dieser globalen Verantwortung“ bekleidet habe.

Neuer Papst sollte um die 70 sein

Meisner (79) wünscht sich als kommenden Papst ein vitalen Intellektuellen um die 70 Jahre. Er müsse „von ähnlich hoher Bildung sein wie Joseph Ratzinger, mit großer menschlicher Erfahrung und - vor allem - von vitaler Gesundheit“, sagte Meisner.

Eine „Mischung aus Wojtyla und Ratzinger wäre gar nicht schlecht“, so der Kölner Kardinal im „Kölner Stadt-Anzeiger“.

http://www.berliner-kurier.de/politik---wirtschaft/meisner-zum-papst-ruecktritt-koelner-kardinal-kritisiert-die--nummer-zwei--im-vatikan,7169228,21736314.html
German Kardinal Meisner erlaubt nun doch die „Pille danach“
Feb 09, 2013
Der Kölner Erzbischof rudert nach dem Skandal um zwei katholische Krankenhäuser zurück.

Köln. Nach dem Skandal um zwei katholische Kliniken in Köln, die die Behandlung eines Vergewaltigungsopfers ablehnten, rudert der Erzbischof von Köln zurück. Die Ärzte in den kirchlichen Einrichtungen dürfen nun doch die „Pille danach“ verschreiben. „Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar“, erklärte Joachim Kardinal Meisner (79).

Diese vom Erzbischof verwendete Definition trifft exakt auf die „Pille danach“ zu. Denn sie unterdrückt oder verzögert mittels Hormonen den Eisprung. Die Spermien sterben ab, bevor eine Eizelle in den Eileiter gelangen und befruchtet werden kann.

NRW-Gesundheitsministerin begrüßt die Erklärung

Die Ärzte dürften künftig auch vergewaltigte Frauen über Methoden zur Verhinderung einer Schwangerschaft aufklären, „die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind“, so Meisner weiter.

Die beiden Krankenhäuser reagierten erleichtert. Die Erklärung nehme den Medizinern die in letzter Zeit entstandene Unsicherheit und berücksichtige ihre Eigenverantwortung.

Die NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) begrüßte die Erklärung. Sie sei ein wichtiges Signal zur Sicherstellung einer umfassenden Versorgung von Frauen in Not in Krankenhäusern mit katholischer Trägerschaft.

Die Diskussion um die Verschreibung der „Pille danach“ war ins Rollen gekommen, nachdem Angestellte zweier katholischer Kliniken aus Sorge um ihre Anstellung ein Vergewaltigungsopfer nicht behandelt hatten. Sie begründeten dies damals damit, dass sie die 25-jährige Frau über die in ihrer Einrichtung verbotene „Pille danach“ hätten aufklären müssen.

http://www.wz-newsline.de/home/politik/inland/kardinal-meisner-erlaubt-nun-doch-die-pille-danach-1.1222888
German Kardinal Meisner: Manche „Pillen danach“ vertretbar
Feb 09, 2013

Köln – Der Kölner Kardinal Joachim Meisner lehnt nicht mehr alle Formen der „Pille danach“ im Falle einer Vergewaltigung ab. In dieser Situation sei nichts gegen Präparate einzuwenden, die eine Befruchtung verhindern, erklärte der Erzbischof heute in Köln. Allerdings seien nach wie vor jene Pillen ethisch nicht zu vertreten, die eine bereits befruchtete Eizelle an der Einnistung in der Gebärmutter hindern und dieser die Lebensgrundlage entziehen. Denn einer befruchteten Eizelle komme der Schutz der Menschenwürde zu.

Nach dem Fall der von zwei katholische Kliniken in Köln abgewiesenen vermutlich vergewaltigten Frau hatte Meisner zunächst betont, dass die „Pille danach“ auch im Fall einer Vergewaltigung abzulehnen sei. Nun verweist er auf Beratungen mit Fachleuten, in denen deutlich geworden sei, dass unter „Pille danach“ unterschiedliche Präparate mit verschiedenen Wirkprinzipien verstanden werden. In einer zusätzlichen Erläuterung betont das Erzbistum, dass die Abtreibungspille „RU 486“ aus Sicht der Kirche nach wie vor abzulehnen sei.

Die schwangerschaftsverhütenden Pillen seien nach katholischer Lehre nur zur „Verhin­derung einer verbrecherischen Befruchtung“ erlaubt, so das Erzbistum. In diesem Sinne habe die vatikanische Glaubenskongregation auch schon Ordens­schwestern, die in Krisenregionen Vergewaltigungen befürchten mussten, die Einnahme von empfängnis­verhütenden Mitteln erlaubt. Die Einnahme dieser Präparate sei aber Paaren in einer sakramentalen Ehe nicht gestattet, so das Erzbistum unter Hinweis auf die Enzyklika „Humanae vitae“.

In seiner Erklärung geht Meisner auch auf die Beratung vergewaltigter Frauen in katholischen Einrichtungen ein. Es sei nichts dagegen einzuwenden, dass Betroffene auch über Methoden und deren Zugänglichkeit aufgeklärt werden, die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar seien.

Allerdings müsse den Frauen „auf angemessene Weise“ auch die katholische Position erläutert werden, „ohne irgendwelchen Druck auszuüben“. In jedem Falle müsse in katholischen Einrichtungen die Hilfe für vergewaltigte Frauen „natürlich weit über die Erörterung solcher Fragen hinaus gehen“, so der Erzbischof.

Der Katholische Krankenhausverband begrüßte die Erklärung Meisners. Damit dürften manche Unsicherheiten in katholischen Einrichtungen ausgeräumt sein. Im Kölner Fall hatten die diensthabenden Ärzte die Untersuchung verweigert, weil damit unter anderem ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft und deren Abbruch sowie das Verschreiben der „Pille danach“ verbunden sei.

Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) zeigte sich ebenfalls zufrieden. Frauen, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind, müssten die Gewissheit haben, in allen Krankenhäusern Nordrhein-Westfalens mit gynäkologischer Abteilung auch die Möglichkeit der selbstbestimmten Entscheidung über die Einnahme einer „Pille danach“ zu erhalten, sagte Steffens. Die Erklärung von Kardinal Meisner beende die Verunsicherung, ob Frauen nach einer Vergewaltigung in einem katholischen Krankenhaus Hilfe finden, betonte die Ministerin. © dapd/EB/aerzteblatt.de
German Kardinal Meisner ändert Haltung zur „Pille danach“
Feb 09, 2013
Sensation in Köln: Ausgerechnet der politisch unkorrekteste Kirchenmann der Republik, Kardinal Meisner, schwenkt beim Thema „Pille danach“ um. Ist das nun Einsicht oder Taktik? Auf jeden Fall keine Anpassung der Lehre, sagen Theologen.

Köln. Was ist los mit Kardinal Meisner? Der radikale Abtreibungsgegner Klaus Günter Annen versteht die Welt nicht mehr, seit der Kölner Erzbischof am Donnerstag eine Kehrtwende bei der „Pille danach“ vollzogen hat. „Das ist ’ne Katastrophe, was der liebe Kardinal da produziert hat“, schimpft er. „Entweder er hat’s nicht richtig verstanden oder seine Berater haben ihn gelinkt!“

Viele trauten ihren Augen nicht, als ausgerechnet der politisch unkorrekteste Kirchenmann der Republik schriftlich mitteilte: „Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar.“ Und sie bewegt sich doch, möchte man meinen - in diesem Fall nicht die Erde, sondern die Kirche.

Die Mitteilung kommt zwei Wochen nach Bekanntwerden des Falles einer jungen Frau, die in Köln nach einer Vergewaltigung an zwei katholischen Krankenhäusern abgewiesen wurde. Die Ärzte hatten Angst, Probleme mit ihrem Arbeitgeber zu bekommen, wenn sie die Frau in einem Beratungsgespräch auf die „Pille danach“ hinweisen würden. Denn diese Pille war aus Sicht der Kirche bisher tabu.

Noch vor zwei Wochen erklärte Meisners Sprecher Christoph Heckeley: „Die „Pille danach“ hat eine abtreibende Wirkung.“ Die Zurückweisung der Frau stieß überall auf Empörung. Meisner entschuldigte sich, zeigte sich „beschämt“. Alice Schwarzer warf ihm jedoch Scheinheiligkeit vor, da er die „Pille danach“ immer noch verdamme. Dabei gehe es hier nicht um Abtreibung, sondern um Empfängnisverhütung.

Meisner (79) hat daraufhin Mediziner zurate gezogen und seine Linie nun tatsächlich geändert. Zwar hält er weiterhin auch nach einer Vergewaltigung alle Medikamente für unzulässig, die das Einnisten einer bereits befruchteten Eizelle verhindern. Vertretbar sei es aber, den Eisprung hinauszuzögern.

Genau darauf beschränkt sich nach Angaben des Berufsverbandes der Frauenärzte die Wirkung neuester Pillen mit dem Wirkstoff Ulipristal. „Es ist eine relativ neue Entwicklung, und deshalb kann man der Kirche nicht unbedingt einen Strick daraus drehen, dass sie das zunächst nicht gewusst hat“, sagt Verbandspräsident Christian Albring. „Wir haben von Anfang an gesagt: Wenn die Kirche mehr weiß, wird sie ihren Standpunkt revidieren.“

Die katholische Bischofskonferenz wollte sich am Freitag noch nicht dazu äußern, ob Meisners neue Linie nun die allgemeine Haltung der katholischen Kirche wiedergibt. Inoffiziell ist aus Kirchenkreisen zu hören, es gebe schon noch Gesprächsbedarf. Das Erzbistum Köln betont, dass Meisner die anderen Bischöfe vorab informiert habe.

Hat Meisner nun die offizielle kirchliche Lehre angepasst? „Nein“, sagt Eberhard Schockenhoff, Professor für Moraltheologie und Mitglied des Deutschen Ethikrates. Meisner habe lediglich zur Kenntnis genommen, dass es mittlerweile auch Pillen gebe, die mit der bestehenden Lehre zu vereinen seien.

Der Vatikan-Kritiker Hans Küng drückt es noch wesentlich drastischer aus: „Es wäre erfreulich, wenn es sich bei Meisners Aussage um eine grundsätzliche Wende der katholischen Kirchenleitung bezüglich Empfängnisverhütung und Abtreibung handelte. Leider geht es vielmehr um eine taktische Anpassung der rigorosen Kirchenlehre an die Realität angesichts der heftigen öffentlichen Reaktion auf die skandalöse Abweisung einer vergewaltigten Frau.“

http://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/Uebersicht/Kardinal-Meisner-aendert-Haltung-zur-Pille-danach
German Kardinal Meisner hält Pille danach in Ausnahmen für vertretbar
Feb 09, 2013
Kölns Erzbischof rückt von der harten Linie der katholischen Kirche ab: Eine Schwangerschaft zu verhindern, sei zulässig – unter Bedingungen.

Katholische Krankenhäuser im Erzbistum Köln dürfen vergewaltigen Frauen in bestimmten Fällen jetzt doch die Pille danach verordnen. Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner stellte klar, wenn das Medikament "mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar".

Wenn die nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommene Pille aber verhindere, dass sich bereits befruchtete Eizellen in der Gebärmutter einnisten, sei ihr Einsatz nicht hinnehmbar, sagte er in einer Erklärung des Erzbistums.

Meisner hat auch nichts mehr dagegen einzuwenden, dass Ärzte vergewaltigte Frauen über Methoden aufklären, die eine Schwangerschaft verhindern, "die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind". Zudem dürften sie ihnen den Zugang dazu erläutern. Die Mediziner müssten aber, "ohne irgendwelchen Druck auszuüben, auf angemessene Weise auch die katholische Position mit Argumenten erläutern".

Die Ärzte zweier katholischer Krankenhäuser hatten die Behandlung einer 25-jährigen Frau abgelehnt. Sie wollte Beweise einer Vergewaltigung sichern lassen und außerdem die Pille danach bekommen. Die Krankenhäuser lehnten dies mit der Begründung ab, gynäkologische Untersuchungen zur Beweissicherung seien seit zwei Monaten untersagt, weil damit ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft und deren Abbruch verbunden sei. Die Krankenhausleitung hatte klargestellt, dass Ärzte, die sich der Regelung widersetzten, mit fristloser Kündigung rechnen müssten.

Erleichterung in den Krankenhäusern

Meisner hatte sich bei der Frau später im Namen der Kirche entschuldigt.

Der Katholische Krankenhausverband Deutschland begrüßte Meisners Erklärung. Der Erzbischof benenne den Stand der medizinischen Erkenntnis und ordne ihn "positiv in die Wirklichkeit unserer Krankenhäuser ein", teilte der Verband mit. Zugleich mache Meisner die katholische Position zur Abtreibung deutlich.

Auch Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Bündnis 90/Die Grünen) äußerte sich positiv über die "klarstellenden Worte des Erzbischofs". Sie müssten für alle katholischen Kliniken in Nordrhein-Westfalen Signalwirkung haben.

http://www.zeit.de/gesellschaft/2013-01/kardinal-meisner-pille-vergewaltigung
German Rückt die katholische Kirche von ihrem Verbot ab?
Feb 09, 2013
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner gilt als Hardliner unter den deutschen Bischöfen. Nun vertritt ausgerechnet er eine Lockerung bei der Handhabung der „Pille danach“. Doch die Hürden für einen Kurswechsel sind groß.

Die katholische Kirche steht seit zwei Wochen in der Kritik, weil Ärzte in katholischen Krankenhäusern die „Pille danach“ weder verabreichen noch verschreiben dürfen – auch nicht Frauen, die vergewaltigt worden sind. Zwei Kliniken in Köln hatten die Untersuchung einer jungen Frau abgelehnt. Nun hat sich der Kölner Kardinal Joachim Meisner dazu geäußert und den Einsatz des Medikaments unter bestimmten Bedingungen gebilligt. Nun fragen sich viele, ob dies eine grundsätzliche Abkehr der katholischen Kirche von ihrer Haltung bedeutet.

Was hat Kardinal Meisner gesagt?

Nach einer Beratung mit Fachleuten sei ihm klar geworden, dass unter dem Begriff „Pille danach“ „unterschiedliche Präparate mit unterschiedlichen Wirkungen zu verstehen sind“, erklärte Kardinal Joachim Meisner am Donnerstag schriftlich. Es gebe Präparate, die die Zeugung verhinderten, und solche, die dazu führten, dass sich eine bereits befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnisten kann. Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat eingesetzt werde, um die Befruchtung zu verhindern, „dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar“. Präparate, die die Einnistung der befruchteten Eizelle verhinderten, seien aber „nach wie vor nicht vertretbar, weil damit der befruchteten Eizelle, der der Schutz der Menschenwürde zukommt, die Lebensgrundlage aktiv entzogen wird“. Zugleich forderte Meisner die Ärzte in katholischen Einrichtungen explizit auf, den „neuesten Stand der Wissenschaft“ bei der Behandlung von vergewaltigten Frauen zu berücksichtigen.

Bislang durfte in katholischen Einrichtungen die „Pille danach“ weder verabreicht noch verschrieben werden, da das Medikament als eine Form von Abtreibung gewertet wird, die der katholischen Morallehre widerspricht. Gerade Meisner war stets ein Verfechter der reinen Lehre, von der selbst bei Vergewaltigungsopfern nicht abgewichen werden durfte.

Warum hat der Kardinal seine Meinung geändert?

Vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass zwei katholische Kliniken in Köln eine Frau abgewiesen hatten, die fürchtete, betäubt und vergewaltigt worden zu sein. Der Fall hatte große Empörung ausgelöst – zumal sich herausstellte, dass die Ärzte die Behandlung deshalb abgelehnt hatten, weil sie sich unter Druck der Bistumsleitung fühlten und Angst hatten, sich falsch zu verhalten. Denn einen Monat zuvor hatten radikale Abtreibungsgegner eine Detektivin in katholische Kliniken in Köln geschickt, die testen sollte, ob sie die „Pille danach“ dort bekommt. Da einige der Kliniken mit externen Ärzten zusammenarbeiten, die nicht dem katholischen Arbeitgeber unterstellt sind, erhielt die Detektivin in einigen Krankenhäusern das Medikament – woraufhin die Abtreibungsgegner die Kliniken bei Kardinal Meisner denunzierten. Der Generalvikar verpflichtete kurz darauf alle katholischen Kliniken in Köln zu einer „Null-Toleranz-Linie“ bezüglich der „Pille danach“.

Nach großem öffentlichen Druck wegen des Falls entschuldigte sich Kardinal Meisner vor einer Woche: Dass einer notleidenden Person Hilfe verweigert wurde, widerspreche dem christlichen Auftrag und „hätte nie geschehen dürfen“. Gleichzeitig wiederholte er die rigide Position der Kirche, wonach die „Pille danach“ grundsätzlich abzulehnen sei. In den Tagen danach scheint auf allen Ebenen der Bistumsleitung nach Gesprächen mit Medizinern ein Umdenken stattgefunden zu haben.

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/pille-danach-rueckt-die-katholische-kirche-von-ihrem-verbot-ab/7724040.html
German Kardinal Meisner sagt Ja zur "Pille danach"
Feb 09, 2013
Zwei katholische Krankenhäuser in Köln haben einer vergewaltigten Frau ärztliche Hilfe verweigert. Hinter dem Skandal steht ein Konflikt um die sogenannte "Pille danach". Und dazu gibt es nun eine kirchliche Kehrtwende.

Zuerst verweigerten katholische Kliniken die Hilfe. Nach dem öffentlichen Aufschrei entschuldigte sich der höchste Repräsentant des Erzbistums Köln, unterstrich aber gleichzeitig die moralischen Grundlagen seiner Kirche in Sachen Empfängnis und Lebensschutz. Daran, dass die katholische Kirche einmal gezeugtes Leben unbedingt schützen will, hat sich nichts geändert. Geändert hat sich jedoch die Einstellung des Kölner Kardinals Joachim Meisner zu bestimmten Formen der "Pille danach".  Zur Begründung führte er an, er sei nicht auf dem neuesten Stand der medizinischen Forschung gewesen. Am vergangenen Donnerstag ließ der Kardinal durch seinen Sprecher Christoph Heckeley eine persönliche Erklärung veröffentlichen, in der es wörtlich heißt: "Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist das aus meiner Sicht vertretbar." Heckeley betonte allerdings noch einmal, es bleibe dabei, dass alles, was abtreibend wirke, nicht erlaubt sei.

Der offensichtlichen Lernfähigkeit Kardinal Meisners gingen Beratungen mit Fachleuten voraus. Er ließ mitteilen, er wisse jetzt, dass eine bestimmte Art von "Pille danach" verhütend sei und nicht abtreibend. Daraus lässt sich schließen, dass das Kölner Kirchenoberhaupt bisher glaubte, dass alle Arten von Pillen, die eine Frau nach dem Geschlechtsakt einnehmen könne, das Einnisten einer befruchteten Eizelle in der Gebärmutter verhinderten.

Dieser neue Standpunkt Kardinal Meisners sorgt für Klarheit hinsichtlich der Arbeit katholischer Krankenhausärzte. Die fürchteten bisher, mit ihrem Arbeitgeber in Konflikt zu geraten. Denn möglicherweise hätten sie die Patientin auch über die sogenannte „Pille danach“ aufklären müssen - was vor der Meisner-Erklärung moralisch schwer zu rechtfertigen war.

Für die Zurückweisung der vermutlich vergewaltigten Frau hatte Meisner sich bereits zuvor öffentlich entschuldigt: "Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst, denn er widerspricht unserem christlichen Auftrag und Selbstverständnis." Die Kirche müsse Vergewaltigungsopfern jede notwendige medizinische, seelsorgliche und menschliche Hilfe zukommen lassen. Ärzte von zwei katholischen Kölner Krankenhäusern hatten die hilfesuchende Frau mit der Begründung abgewiesen, dass sie kein Beratungsgespräch über die "Pille danach" führen wollten.

Der Schatten von "Humanae Vitae"

Unter „Pille danach" firmieren Medikamente unterschiedlichster Wirkungen. Eine Wirkung ist die "antiovulatorische", sie verhindert den Eisprung und damit, dass eine Eizelle befruchtet wird und Leben entsteht. Der hormonelle Wirkstoff namens Levonorgestrel ist vergleichbar mit der handelsüblichen Pille, wird lediglich höher dosiert und "postkoital", also nach dem Geschlechtsverkehr, eingenommen.

"Schon damit hat die katholische Kirche Probleme", sagt Antonio Autiero, Professor für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Seit der Enzyklika "Humanae Vitae" aus dem Jahr 1968 ist die sogenannte "künstliche Empfängnisverhütung" für Katholiken untersagt. "Daran hat sich lehramtlich bis heute nichts geändert." Die Regelung ist allerdings auch unter Katholiken umstritten und wird von vielen nicht eingehalten. Und da es "nur" darum geht, Leben gar nicht erst entstehen zu lassen, ist es ethisch auch weniger problematisch.

Doppelte Wirkung

Doch was geschieht, wenn ein Eisprung kurz vor dem ungeschützten Sex bereits stattgefunden hat, wenn die "antiovulatorische Wirkung" ihren Zweck verfehlt? Dann greift die „antinidative Wirkung“, die verhindert, dass ein schon befruchtetes Ei sich in die Gebärmutterschleimhaut einnistet. "Medizinisch fehlt die letzte Sicherheit, ob die "Pille danach" nur den Eisprung verhindert oder auch die Einnistung. Wenn das aber so ist, kommen wir in Richtung Abtreibung", erklärt Motraltheologe Autiero. "Mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle entstehen das Leben und die menschliche Würde. Deshalb ist es eine Form der Abtreibung, wenn man die befruchtete Eizelle daran hindert, sich einzunisten." Abtreibung, die Tötung menschlichen Lebens, ist mit der kirchlichen Lehre nicht zu vereinbaren. "Hier gibt es für das katholische Lehramt keinen Raum für Diskussionen", so Autiero. Ein Schwangerschaftsabbruch wird in katholischen Krankenhäusern nicht vorgenommen - auch nicht in den ersten Stunden oder Tagen einer Schwangerschaft.

Ausnahme vom Prinzip?
Soweit das Prinzip, die Lehrmeinung. Aber gibt es auch Ausnahmen? Was ist in extremen körperlichen und seelischen Notsituationen der Frau - etwa nach einer Vergewaltigung? "Für das Lehramt ist die Antwort klar", erläutert Antonio Autiero. "Abtreibung und auch Empfängnisverhütung ist in sich selbst verwerflich und daher niemals und in keiner Situation ethisch zu rechtfertigen." Diese "normative Ethik", die von obersten Prinzipien keine Ausnahme zulasse, habe sich in den vergangenen Jahren "radikalisiert", so der Theologe. In der wissenschaftlichen Moraltheologie steht dem aber ungebrochen eine Ethik gegenüber, die "von den Zielen und vom Kontext einer Handlung ausgeht". Und hier kommen neben dem unangetasteten Prinzip noch andere Fragen ins Spiel, etwa die konkrete medizinische oder seelische Notsituation, das Mitgefühl, die Begleitung, das eigene Gewissen, das Berufsethos. "Sind wir eine Kirche der Prinzipien oder sind wir eine Kirche der Begleitung?", fragt Autiero.

Und in der Praxis?

In dem Kölner Fall dominierte das Prinzip – auch aus Unsicherheit der betroffenen Mitarbeiter heraus, erklärt Autiero. "Wenige Monate zuvor hatte eine Ärztin arbeitsrechtliche Probleme bekommen, weil sie auf den 'Testkauf' einer ultrakonservativen Denunziantin hereingefallen war. Da wächst die Angst."

Dass es bisher große Unsicherheit in den katholischen Krankenhäusern gab, weiß auch Markus Jüngerhans. Er ist Geschäftsführer des Katholischen Krankenhausverbandes der Diözese Osnabrück und zuständig für 19 Krankenhäuser, von denen acht gynäkologische Abteilungen haben. "Ich kenne bislang keine schriftlich fixierten Regeln zum Umgang mit der Pille danach" , betont er. Das hat Vorteile für den Moment der Einzelfallentscheidung, allerdings auch den Nachteil,  "dass die Mediziner vielleicht mit dem Fall allein dastehen". Sein Appell: Die Ethikkommissionen der Krankenhäuser sollten die Diskussion intensivieren und Empfehlungen erarbeiten. Entscheidungsspielraum sieht auch er bei einem Medikament, das nach dem Geschlechtsverkehr allein den Eisprung verhindert. "Je nach Schweregrad und Notlage kann die Verabreichung eines solchen Medikaments medizinisch und moralisch gerechtfertigt sein", so Markus Jüngerhans. Mit ihm ist Kardinal Joachim Meisner jetzt auf einer Linie.

http://www.dw.de/kardinal-meisner-sagt-ja-zur-pille-danach/a-16547672
German Der Schwenk des Kölner Erzbischofs
Feb 09, 2013
Joachim Kardinal Meisner ändert seine Haltung zur "Pille danach"
Von Joachim Frank, "Kölner Stadt-Anzeiger

Und sie bewegt sich doch. Was Galileo Galilei im Streit mit der katholischen Kirche über die Erde und ihre Umlaufbahn um die Sonne sagte, das passt am Ende dieser Woche auch auf die Kirche selbst.

Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, der im katholischen Universum gern als Unbeweglichkeitsgarant des Zentralgestirns Kirche auftritt, hat einen Schwenk vollzogen. Die "Pille danach", für katholische Frauen, Ärzte und medizinisches Personal laut Meisners eigener Stellungnahme noch vor einer Woche tabu, soll jetzt nach Vergewaltigung erlaubt sein.

Diese Neubewertung ist die Folge des sogenannten "Kölner Kliniken-Skandals". Vor zwei Wochen wurde durch Recherchen des "Kölner Stadt-Anzeiger" bekannt, dass sich zwei katholische Krankenhäuser der Domstadt im Dezember geweigert hatten, ein Vergewaltigungsopfer medizinisch zu versorgen.

Der Fall löste bundesweit Empörung aus, weil ein angebliches "Missverständnis" des Klinikpersonals viel eher ein Stück Methode vermuten ließ: Wo beim Verstoß gegen kirchliche Normen die fristlose Kündigung droht, dort überlagert das Arbeitsrecht den hippokratischen Eid des Arztes; Angst vor dem Arbeitsplatzverlust überlagert den Reflex der Nothilfe und die Nächstenliebe. Alle dem, dem ärztlichen und dem christlichen Ethos verhilft Meisner nun wieder zu seinem Recht. Insofern ist seine Erklärung zur "Pille danach" auch ein Stück tätige Reue des Erzbischofs nach seiner persönlichen Entschuldigung in der vorigen Woche.

Besserwisser täten sich leicht, Meisners Kehre auf eine Art minimal-invasive Notoperation in eigener Sache zu reduzieren: Der Erzbischof versuche in aller Hast, eine weitere klaffende Wunde zu nähen, die der Kölner Skandal dem Image der Kirche und ihrem karitativen Auftrag zugefügt hat.

Richtig daran ist, dass wieder einmal erst massiver Druck dazu geführt hat, dass sich in der Katholischen Kirche etwas bewegt. Im Missbrauchsskandal war das nicht anders. Richtig ist auch, dass Meisner die "Pille danach" nur dann für zulässig erklärt, wenn sie keine Frühabtreibung zur Folge hat, wenn sie also rein verhütend wirkt, den Eisprung verhindert und damit eine mögliche - Zitat - "verbrecherische Befruchtung".

Diese seltsam sperrige Formulierung hebt den Vergewaltigungsfall vom einvernehmlichen Sex ab, den das kirchliche Lehramt nur unter Eheleuten für statthaft hält. Diese aber sollen von der "Pille danach" keinen Gebrauch machen dürfen, weil es beim ehelichen Sex - so Meisner wörtlich - "um die Ganzheitlichkeit eines liebenden Aktes" geht.

Ziemlich viele Wenn's und Aber's, bei denen schnell der Eindruck entsteht: Um hierin tatsächlich einen Fortschritt kirchlicher Positionen zu erkennen, braucht es einen ausgesprochen empfindlichen Bewegungsmelder. Die Chaostheorie spricht gegen ein solches "Ach, was soll's": Eine winzige Erschütterung kann ein gewaltiges Beben nach sich ziehen. Und: Die entscheidenden Folgen einer bestimmten Handlung können vollkommen andere sein, als beabsichtigt.

Der Kölner Fall ist schon jetzt ein Lehrstück dafür. Es waren rechtslastige pseudokatholische Spitzel, die Ende 2011 mit Scheinpatientinnen kirchliche Kliniken des laxen Umgangs mit der "Pille danach" überführen wollten. Trotz ihrer infamen Methoden fanden die Denunzianten im Erzbistum Köln zunächst weit geöffnete Ohren. Doch das Ergebnis, Stand Februar 2013: Die "Pille danach" ist nicht länger geächtet. Wenn das diese soganannten "Lebensschützer" geahnt hätten!

Das Entscheidende an Meisners überraschendem und - jawohl - spektakulärem Schritt freilich ist: Er nimmt eine Güterabwägung vor. Die Kirche verbietet Empfängnisverhütung, aber sie erkennt legitime Ausnahmen an. So durften bereits katholische Nonnen die Pille nehmen, wenn sie - etwa in Teilen Afrikas - befürchten mussten, Opfer von Massenvergewaltigungen zu werden, zum Beispiel durch marodierende Banden.

Gewiss, die Amtskirche ist damit noch nicht in der Mitte der Lebenswirklichkeit angekommen. Aber sie erschließt Räume, vor denen sie nicht mehr das große Stoppschild aufpflanzt: "Halt! Prinzip! Durchfahrt verboten!" Die Kirche, das zeigen Meisners Erklärungen zum "Kölner Fall", lässt sich anrühren von der Realität - anrühren in einem doppelten Sinn, nämlich argumentativ und emotional. Das wird Folgen haben.

Es ist übrigens keineswegs Zufall, dass diese Rührung gerade bei Kardinal Meisner so konkret Wirkung gezeigt hat. Schon im Missbrauchsskandal war seine Betroffenheit besonders tief, weil für ihn die sexuellen Gewalttaten von Geistlichen gegen Kinder und Jugendliche die Perversion des geistlichen Amts und des Heiligungsdienstes der Kirche darstellten.

Jetzt offenbarte der Kliniken-Skandal eine Perversion des Heilungsdienstes der Kirche. Und wieder war Meisner verstört und erschüttert. So sehr, dass er Konsequenzen gezogen hat. Konsequent für die Katholische Kirche wäre es, dieser Spur zu folgen, ohne vom nächsten Skandal vorangetrieben zu werden. Und sie bewegt sich doch - und das dann sogar aus freien Stücken.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kommentar/1997636/
Spanish El cardenal Meisner autoriza el uso de la píldora del día después en caso de violación
Feb 09, 2013
El arzobispo de Colonia se disculpa después de que dos hospitales se negaran a atender a una mujer violada

Es uno de los grandes líderes de la Iglesia europea. El cardenal de Colonia, Joachim Meisner, ve "justificable" el uso de la píldora del día después en caso de violación. Lo cuenta DW. Tras disculparse por el hecho de que dos hospitales católicos de su diócesis se negaran a a tender a una mujer violada, Meisner indicó que "si tras una violación se aplica un medicamento cuyo efecto es evitar una fecundación, entonces desde mi punto de vista es justificable".

Meisner hizo hincapié en que todo medicamento que tenga como efecto un aborto tras una fecundación sigue estando prohibido por la Iglesia. Por ello, tras asesorarse con expertos, indicó que "la píldora del día después" es anticonceptiva y no abortiva. El anuncio del cardenal permitirá claridad para que los servicios sanitarios de los hospitales católicos trabajen mejor. Las ginecólogas justificaron su negativa por miedo a ser despedidas ya que en su contrato incluye respetar los principios de la Iglesia Católica.

Irmgard Maiworm, una médico de un centro de emergencias de Colonia, atendió a una joven de 25 años en la madrugada del 15 de diciembre que dijo sospechar que había sido drogada con algún líquido en su bebida y luego violada. Maiworm llamó al cercano hospital de St. Vinzenz, manejado por una fundación católica de la orden de las Hermanas Celitinas. Le informaron que no recibían a mujeres violadas porque se planteaba el dilema de expedir "la píldora del día después", que contradecía los principios de la Iglesia católica. Otro hospital cercano rehusó dar atención a la joven explicando las mismas razones.

El caso recibió una amplia cobertura en los medios alemanes, y provocó que tanto la Fundación Celitina como la Arquidiócesis de Colonia rechazaron que hubieran dado instrucciones de negar la atención a mujeres violadas. "Lamentamos profundamente haber dado la impresión al público de que las víctimas de violación no puedan ser tratadas en hospitales católicos. Eso no es cierto", dijo la arquidiócesis en un comunicado, que subrayó que las víctimas de abusos recibirían todo el tratamiento necesario. La Fundación Celitina dijo que era un "malentendido".

El escándalo provocó indignación en Alemania y sucede en un momento difícil para la Iglesia católica, que ha enfrentado acusaciones recientes de haber impedido investigaciones de abusos sexuales en instituciones católicas.

http://www.periodistadigital.com/religion/mundo/2013/02/02/el-cardenal-meisner-autoriza-el-uso-de-la-pildora-del-dia-despues-en-caso-de-violacion-religion-iglesia-alemania-aborto.shtml
German Bistum steht zur „Pille danach“
Feb 09, 2013
Hat Kardinal Meisner die „Pille danach“ nun erlaubt oder nicht? Der katholische Hardliner Lohmann sagte bei „Günther Jauch“, der Kölner Erzbischof beziehe sich auf ein Präparat, das noch gar nicht existiere. Nun hat das Bistum reagiert – und die Sache endgültig klargestellt

Plötzlich war die Verwirrung groß. Caritas-Chef Peter Nehler pries in der Talksendung „Günther Jauch“ die geistige Kehrtwende von Kardinal Meisner in Sachen ‚Pille danach‘. Er sei froh, dass der Kölner Erzbischof in seiner Stellungnahme die Verschreibung des Präparats nach einer Vergewaltigung an katholischen Kliniken nun erlaubt und damit den Ärzten einen klaren Handlungsrahmen gegeben habe. Doch so klar schien Meisners Aussage nicht für alle zu sein.

Martin Lohmann, konservativer Hardliner und Chefredakteur des katholischen Fernsehsenders K-TV, widersprach in der Sendung Nehlers Lesart vehement. Der Kardinal habe nämlich von einem Präparat gesprochen, das noch gar nicht existiere. Denn eine „Pille danach“, die ausschließlich nur die Befruchtung verhindert, sei eben noch nicht erfunden, sagte Lohmann und riss die Deutungshoheit über Meisners Aussage an sich.

Das Erzbistum Köln zeigt sich einigermaßen überrascht von der hitzigen Debatte. „Um es ganz klar zu machen: Der Kardinal kennt ernstzunehmende Studien, die besagen, dass es eine so genannte ‚Pille danach‘ gibt, die allein die Wirkung hat, eine Befruchtung zu verhindern“, sagte Bistumssprecherin Nele Harbeke zum „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Die Studien besagen, dass diese Pille also nicht nidationshemmend sei, demnach also nicht die Einnistung einer bereits befruchteten Eizelle verhindert.“ Der Kardinal stütze sich bei seiner Entscheidung auf aktuelle medizinische und pharmazeutische Studien und Erkenntnisse, erklärte Harbeke. Es existiere auch eine Stellungnahme des Bundesverbandes der Gynäkologen vom 24. Januar, die zwei entsprechende Präparate nennt. „Herr Lohmann saß auf eigene Rechnung im Studio und nicht im Auftrag des Kardinals“, machte das Bistum deutlich.

Der radikale Pro-Leben-Aktivist Lohmann hatte bei Jauch zwischenzeitlich das Publikum gegen sich aufgebracht. Bei der Frage, ob seine eigene Tochter im Falle einer Zeugung nach Vergewaltigung selbst über eine Abtreibung entscheiden dürfe, sagte Lohmann: „Die Frage mit der Selbstentscheidung der Frau ist vielschichtig.“ Ein Raunen ging durch das ehemalige Gasometer in Berlin. Ebenfalls für Entsetzen sorgte seine Äußerung, Homosexualität sei so lange in Ordnung, so lange sie unterdrückt werde. Werde sie ausgelebt, so sei das als „Sünde“ zu werten.

Seine Ansichten zur Homosexualität brachten Lohmann schon Drohungen ein. Nach einer Sendung von „Hart aber fair“ im Dezember vergangenen Jahres, in der sich der Katholik gegen eine Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften mit der Ehe als auch ein Adoptionsrecht für schwule oder lesbische Paare ausgesprochen hatte, erhielt er eine anonyme Email: „Ich bin homosexuell und habe AIDS, wohne in Bonn und bin nun entschlossen ihnen auch das Geschenk dieser Immunerkrankung zu geben. Wenn sie also demnächst einen kleinen Piekser verspüren sollten, dann war ich das wohl mit meiner Nadel." Lohmann erstattete  Strafanzeige und stellte beim christlichen Mediendienst Medrum klar: "Jeder Mensch verdient Respekt und ist ein Abbild Gottes. Deshalb liegt es mir fern, irgendjemanden zu diskriminieren oder herabzusetzen.“

http://www.ksta.de/politik/debatte-bei-jauch-bistum-steht-zur--pille-danach-,15187246,21636764.html
French Pilule du lendemain: "oui mais" pour le cardinal Meisner
Feb 09, 2013

Si après un viol, un supplément est utilisé dans le but d'empêcher la fertilisation, c'est de mon point de vue justifiable". Cette petite phrase du cardinal allemand Mgr Joachim Meisner, archevêque de Cologne, a fait du bruit outre-Rhin. Car si l'archevêque a réitéré son refus absolu de toute forme d'avortement dans le scandale qui affecte actuellement l'Eglise allemande (deux hopitaux catholiques ont refusé une victime de viol parce qu'elles ne pouvaient pas lui prescrire de pilule du lendemain), c'est bien de la pilule du lendemain qu'il s'agit, laquelle agit à deux niveaux: soit en bloquant l'ovulation afin d'empêcher une éventuelle conception, soit, si la conception a eu lieu, en empêchant la nidation de l'oeuf dans l'utérus. Un mécanisme contraceptif et un mécanisme abortif. Problème: si sur le papier la dissociation de ces deux effets est aisément compréhensible, comment être certain que l'effet abortif n'aura pas lieu?

http://www.lavie.fr/religion/lamatinale/pilule-du-lendemain-oui-mais-pour-le-cardinal-meisner-04-02-2013-35901_400.php
German Gibt es Meisners „Pille danach“? Darf es sie geben? - Kölner Kardinal bleibt bei seinem Wort
Feb 09, 2013
Berlin/Rheinland-Pfalz. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner bleibt bei seiner Haltung zur „Pille danach“, obwohl konservative katholische Kreise und Gynäkologen ihn zu einer Korrektur aufgefordert haben. Der Kölner Erzbischof hat in der vergangenen Woche überraschend die Verschreibung der „Pille danach“ in katholischen Kliniken an Vergewaltigungsopfer erlaubt

Voraussetzung dafür: Das Medikament verhindert allein die Befruchtung der Eizelle. Tabu bleiben soll für die Ärzte jene Pille, die eine Einnistung einer bereits befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut verhindert.

Frauenärzte: Medikamente vernichten immer auch den Lebenskeim

Laut „Spiegel“ bestreiten mehrere Frauenärzte, dass es eine „Pille danach“ gibt, die allein die Befruchtung verhindert. Auf dem deutschen Markt seien nur zwei Produkte erhältlich („Ellaone“ und „Pidana“), die beide nicht nur einen Eisprung der Frau verhindern, sondern auch bereits befruchtete weibliche Lebenskeime vernichten würden. Ähnlich hatte sich auch der Gynäkologe Bernhard von Tongelen in der ARD-Sendung „Günther Jauch“ geäußert.

Eine Sprecherin Meisners widersprach den Medizinern gegenüber unserer Zeitung: „Diese Informationen sind nicht auf der Höhe der Zeit. Das Wort des Kardinals bleibt bestehen.“ Dies werde im Übrigen gestützt durch den Bundesverband der Gynäkologen und mehrere internationale Studien. Die Position Meisners hätten schon 1995 auch die katholischen US-Bischöfe eingenommen. Der Ethikrat im Bistum Trier lässt derzeit in einem Gutachten durch den Heidelberger Gynäkologen Thomas Rabe prüfen, ob es tatsächlich ein Präparat der „Pille danach“ gibt, das keine abtreibende Wirkung hat.

Aus Sicht des Caritas-Präsidenten Peter Neher müssen in katholischen Kliniken vergewaltigte Frauen umfassend beraten werden, um eine selbstbestimmte Entscheidung über eine nachträgliche Empfängnisverhütung zu fällen. Dabei müsse es der Arzt akzeptieren, wenn sich die Frau für ein Medikament mit abtreibender Wirkung entscheidet. Die Abweisung eines Vergewaltigungsopfers durch zwei katholische Kliniken in Köln widerspreche dem Selbstverständnis der Caritas. Der Chef der rheinland-pfälzischen Frauenärzte, Werner Harlfinger, hält dies sogar für einen Verstoß gegen die Berufsordnung der Ärzte. Denn diese verbiete es den Ärzten, Weisungen von Nichtmedizinern entgegenzunehmen.

http://www.rhein-zeitung.de/regionales_artikel,-Gibt-es-Meisners-%E2%80%9EPille-danach%E2%80%9C-Darf-es-sie-geben-Koelner-Kardinal-bleibt-bei-seinem-Wort-_arid,550095.html
German Die Gretchenfrage der katholischen Sexualmoral
Feb 09, 2013
05.02.2013 ·  Und er dreht sich doch: Die Erklärung des Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner zur “Pille danach“ ist grundsätzlicher und folgenreicher, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Auslöser war der Fall einer mutmaßlich vergewaltigten Frau, die in zwei katholischen Krankenhäusern abgewiesen worden war.

Der Kardinal kam auf leisen Sohlen. Um die Mittagszeit des vergangenen Donnerstags verbreitete die Pressestelle des Erzbistums Köln eine „Erklärung“ von Joachim Kardinal Meisner zur „Pille danach“. Überrascht waren Freund und Feind des Kölner Erzbischofs aber nicht nur von dem Umstand, dass Meisner sich in einer heiklen Angelegenheit wieder einmal auf eigene Faust und ohne jede Rücksprache mit den anderen Bischöfen geäußert hatte. Noch überraschender war der Inhalt der Erklärung, zumal Meisners Pressestelle gleichzeitig eine Erklärung zu der Erklärung veröffentlichte.

Was war geschehen? Zwei Wochen zuvor war bekanntgeworden, dass eine mutmaßlich vergewaltigte Frau in zwei katholischen Krankenhäusern abgewiesen worden war. Die Ärzte, die auf Verlangen einer Notfallpraxis eine anonyme Spurensicherung hätten durchführen sollen, sahen sich dazu außerstande. Sie wollten sich nicht in eine Situation bringen, in der sie im Rahmen eines Beratungsgesprächs auf die „Pille danach“ hätten aufmerksam machen müssen. Deren Verschreibung, so dachten bis zum vergangenen Donnerstag nicht nur die beiden Ärzte, sei mit der katholischen Sittenlehre, wie sie das Lehramt der Kirche verbindlich ausgelegt habe, nicht zu vereinbaren.
„Wirkweise nicht immer zu Gänze bekannt“

In der Tat. Noch im Jahr 2008 und damit schon im Pontifikat von Papst Benedikt XVI. hatte die vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre die katholische Doktrin auf den neuesten Stand gebracht. Wie bislang grundsätzlich abgelehnt wurde die älteste, in Deutschland in den neunziger Jahren unter dem Namen Mifegyne zugelassene Abtreibungspille. Deren Wirkweise sei keine andere als die „beabsichtigte und direkte Tötung eines menschlichen Lebens in dem zwischen Empfängnis und Geburt liegenden Zeitraum“ und daher unter allen erdenklichen Umständen abzulehnen. Kein günstigeres Urteil fällte die Glaubenskongregation über neuere Mittel, die nicht kontragestiv, also abtreibend, sondern intergestiv wirkten, indem sie die Einnistung (Nidation) eines befruchteten Embryos in die Gebärmutter verhinderten.

„Wahr ist“, befand die Glaubenskongregation, „dass die Wirkweise der verschiedenen angewandten Mittel nicht immer zur Gänze bekannt ist. Experimentelle Studien zeigen aber, dass die nidationshemmende Wirkung gewiss vorhanden ist.“ Wer also ein solches Mittel wünsche oder verschreibe, der handele mit dem Vorsatz zur Abtreibung. Roma locuta, causa finita? Bis zum vergangenen Donnerstag.

Denn Kardinal Meisner führte in seiner Erklärung einen dritten Typ der „Pille danach“ ein. Dieser solle geeignet sein, nicht erst die Nidation zu verhindern, sondern schon die Zeugung: „Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat...mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist das aus meiner Sicht vertretbar“, ließ der Kardinal die Öffentlichkeit wissen. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen und erst recht nicht den Verdacht, der Kölner Kardinal schreibe eigenmächtig ein neues Kapitel der katholischen Sexualmoral, sekundierte die Pressestelle mit einer Erklärung. Der Kardinal berücksichtige wissenschaftliche Erkenntnisse, wenn er sich im Vergewaltigungsfall für Präparate einsetze, die den Eisprung oder die Befruchtung verhinderten. „Bisher wurde davon ausgegangen, dass die nidationshemmende Wirkung das zentrale Wirkprinzip der Präparate sei, die als ,Pille danach‘ bezeichnet werden. Das ist offenbar nicht mehr Stand der Wissenschaft.“

Der aber lautet keineswegs so, dass bei einer ovulationshemmenden „Pille danach“ eine nidationshemmende Wirkung gänzlich ausgeschlossen sei. Zu diesem Ergebnis kommen jedenfalls die Mitglieder eines trägerübergreifenden Ethikrates im Bistum Trier, die seit dem vorvergangenen Jahr an Empfehlungen über dem Umgang mit Notfallantikonzeptiva in katholischen Krankenhäusern arbeiten. In einer Arbeitsfassung der Empfehlungen heißt es über den seit dem Jahr 2009 zugelassenen Wirkstoff Ulipristal, der eine Verhinderung von Schwangerschaften bis zu 120 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr ermöglicht, indem der Eisprung verhindert oder verzögert wird: „Eine Einwirkung auf die Nidation, mithin eine abortive Wirkung, ist nicht ausgeschlossen.“ Daher sei sein Einsatz mit dem Gebot der Achtung des menschlichen Lebens von seinem Beginn an nicht vereinbar.
Vorgaben aus Rom nicht in Zweifel gezogen

Ähnlichen Zweifeln hinsichtlich der abortiven Wirkung unterliegt indes die von Meisner angeführte „Pille danach“ namens Levonorgestrel, die im Prinzip die Befruchtung verhindern soll. Dessen war sich der Kardinal wohl bewusst. Nur so lässt sich ein Absatz der Erklärung der Erklärung interpretieren, der mit dem Satz beginnt: „Bei der Entscheidung muss der Arzt aus eigener wissenschaftlicher Einschätzung abwägen, inwieweit bei einem Präparat eine nidationshemmende Wirkung besteht.“ Ausgeschlossen ist sie offenbar nicht - und kann doch in Kauf genommen werden. „Andererseits haben bekanntlich sehr viele Präparate und Verhaltensweisen Nebenwirkungen, die das beginnende menschliche Leben schädigen oder im Extremfall sogar töten können. Ganz ausschließen kann man das nie“, heißt es in der Erklärung der Erklärung. Will sagen: Es liegt in der Verantwortung des Arztes und des Verbrechensopfers, ob eine „Pille danach“ verwendet wird, deren Wirkprinzip im Grenzbereich von Empfängnisverhütung und Nidationshemmung und damit einer Abtreibung liegt.

Selbstverständlich liegt es Meisner fern, die Vorgaben Roms in Zweifel zu ziehen. Über die Instruktion „Dignitatis Personae“ heißt es in der Erklärung der Erklärung, dass deren „Grundsätze“ weiterhin gültig blieben. Allerdings müsse bei der „Pille danach“ eine Differenzierung vorgenommen werden.
Ein kleiner Schritt für die Ethik, einer großer für die Kirche

Indes ist Meisners Differenzierung grundsätzlicher und folgenreicher, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Denn der Kölner Kardinal hat Normbegründungsverfahren in die innerkatholische Debatte über das Pro und Contra künstlicher Empfängnisverhütung eingebracht, die auf Seiten des Lehramtes bislang tabu waren. Keinen Zweifel lässt der Kardinal an der grundsätzlichen Ablehnung der Abtreibung durch die katholische Kirche. Wenn „im Notfall“ empfängnisverhütende Mittel nicht mehr rundheraus abgelehnt werden und eine abortive Wirkung „als Nebenwirkung“ um eines höheren Gutes willen in Kauf genommen wird, dann hat Meisner den Boden der in einer römisch-katholischen Interpretation des Naturrechts begründeten Sexualmoral des Lehramtes verlassen - wenn auch nur einen kleinen Schritt weit. Ein weiterer kleiner Schritt für die Ethik, ein großer aber für die Kirche wäre es, wenn sie ihre gesamte Sexualmoral nach den Regeln der Güterabwägung revidierte und dem Verhältnis von Handlungen und Nebenwirkungen mehr Beachtung schenkte.

So wurde der Ausstieg der katholischen Kirche aus der gesetzlichen Schwangerenberatung in Deutschland vor mehr als zehn Jahren von Meisner im Verein mit dem heutigen Papst damit begründet, dass sich die Kirche nicht mitschuldig machen dürfe an der Tötung von Menschenleben. Am vergangenen Donnerstag verpflichtete Meisner die Ärzte in katholischen Einrichtungen, sich rückhaltlos und unter Berücksichtigung des neuesten Standes der Wissenschaft der Not vergewaltigter Frauen anzunehmen. Dabei dürften sie auch über Methoden und deren Zugänglichkeit aufklären, die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar seien, wenn sie dabei auch die „katholische Position mit Argumenten“ erläuterten. Im Prinzip haben die katholischen Beraterinnen im Schwangerschaftskonfliktfall bis zum Jahr 2001 genau das gemacht - und dieses mit dem „Beratungsschein“ sogar schriftlich bestätigt. Die Entscheidung für oder gegen das Kind lag in den Händen der Schwangeren - so wie heute die Entscheidung über die „Pille danach“.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/erklaerung-zur-pille-danach-die-gretchenfrage-der-katholischen-sexualmoral-12050871.html
German Kardinal Meisner entschuldigt sich bei Vergewaltigungsopfer
Jan 27, 2013
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat sich bei einem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer für die Abweisung in zwei katholischen Krankenhäusern in Köln entschuldigt. "Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst", heißt es in einer am Dienstag verbreiteten Pressemitteilung des Erzbistums Köln.

Köln (dapd). Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat sich bei einem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer für die Abweisung in zwei katholischen Krankenhäusern in Köln entschuldigt. "Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst", heißt es in einer am Dienstag verbreiteten Pressemitteilung des Erzbistums Köln.

"Es gab und gibt auch keine kirchlichen Anweisung, Vergewaltigungsopfer anders zu behandeln oder gar abzuweisen. So etwas darf sich auf keinen Fall wiederholen", erklärte Meisner. "Ausgenommen sind nach unserem Selbstverständnis allerdings alle Maßnahmen, welche die Tötung eines möglicherweise schon gezeugten Kindes bedeuten", heißt es weiter.

Die junge Frau hatte im Dezember nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung in zwei katholischen Kliniken um eine Spurensicherung gebeten und war dort abgewiesen worden.

http://www.derwesten.de/region/kardinal-meisner-entschuldigt-sich-bei-vergewaltigungsopfer-id7510211.html
English German Cardinal 'Ashamed' at Rape Victim Treatment
Jan 27, 2013

A senior German bishop is publicly apologizing after two Catholic hospitals turned away a rape victim seeking treatment that included emergency contraception.

Cardinal Joachim Meisner said the hospitals should have provided the woman with medical help, though they would have drawn the line at treatment that would have prevented a pregnancy.

The incident December in the western city of Cologne caused uproar in Germany, where many hospitals are run by the Catholic and Protestant Churches.

Meisner said in a statement Tuesday that the Church was "deeply ashamed by this incident because it goes against our Christian mission."

He denied that the Church had issued an order for hospitals to turn rape victims away. He says both hospitals have also apologized.

http://abcnews.go.com/International/wireStory/german-cardinal-ashamed-rape-victim-treatment-18283288
German Kardinal Meisner entschuldigt sich nach Klinikaffäre
Jan 27, 2013
Er gilt als streitbarer Kirchenmann. Doch nun zeigt sich Kardinal Meisner beschämt und entschuldigt sich bei einem Vergewaltigungsopfer. Die Frau war von zwei katholischen Kliniken abgewiesen worden

Erzbischof Joachim Meisner hat sich nach der Kölner Klinikaffäre bei dem abgewiesenen Vergewaltigungsopfer entschuldigt. "Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst, denn er widerspricht unserem christlichen Auftrag und Selbstverständnis", stellte er am Dienstag in einer Stellungnahme fest.

Was der Frau widerfahren sei, hätte nie geschehen dürfen. Es gebe keine kirchliche Anweisung, Vergewaltigungsopfer anders zu behandeln oder abzuweisen.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass eine junge Frau nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung an zwei katholischen Krankenhäusern in Köln abgewiesen worden war. Es müsse genau erforscht werden, was zu dieser Abweisung geführt habe. "So etwas darf sich auf keinen Fall wiederholen", stellte Meisner fest.

Kirche muss Hilfe leisten

"Eine Vergewaltigung ist ein schlimmes Verbrechen", sagte der Kardinal. Die Kirche müsse in einem solchen Fall jede notwendige medizinische, seelsorgerische und menschliche Hilfe leisten, einschließlich der Spurensicherung.

Meisner sprach sich aber indirekt gegen die Verordnung der "Pille danach" aus. Die Kirche vertrete eine klare Position des absoluten Lebensschutzes. Er sei sich bewusst, dass das wie in dem Fall der jungen Frau zu "unerträglichen Entscheidungssituationen" führen könne.

Krankenhausträger bedauert "Missverständnis"

Im Dezember hatte eine Notärztin in Köln versucht, die Spurensicherung bei einem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer in zwei vom katholischen Cellitinnen-Orden getragenen Kliniken vornehmen zu lassen. Beide Häuser verweigerten dies jedoch unter Hinweis auf ihre Ethikrichtlinien.

Der Träger entschuldigte sich nach Bekanntwerden des Vorgangs und bezeichnete ihn als "Missverständnis". Vergewaltigte Frauen würden nicht abgewiesen, allerdings werde ihnen die "Pille danach" nicht verschrieben. Weil diese eine befruchtete Eizelle töten kann, lehnt die katholische Kirche sie wie jede Methode der Abtreibung ab.

Krankenhausverband weist Drohungen zurück

In derselben Debatte hat der Katholische Krankenhausverband Deutschlands (KKVD) Drohungen von Politikern zurückgewiesen. Im Kölner Fall seien Fehler gemacht worden, sagte KKVD-Geschäftsführer Thomas Vortkamp am Dienstag im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Freiburg.

Dennoch sei es lächerlich, dass "jetzt manche Gesundheitspolitiker meinen, katholische Kliniken in Gänze in Frage stellen zu müssen". Kirchliche Krankenhäuser hätten "das verfassungsrechtlich geschützte Recht, bestimmte medizinische Leistungen wie Abtreibungen nicht anbieten zu müssen".

Vortkamp reagierte auf Äußerungen von Gesundheitspolitikern von CDU, SPD und Grünen, die nach der Abweisung eines Vergewaltigungsopfers an zwei Kölner Kliniken gefordert hatten, dass katholische Krankenhäuser "vom Netz genommen werden" sollten.

Kirchliche Häuser wollen Gespräch mit Bischöfen suchen

Der Geschäftsführer räumte ein, dass das Nein zu Abtreibungen negative Konsequenzen für die kirchlichen Häuser haben könne. In Potsdam sei beispielsweise vor Jahren die Übernahme einer kommunalen Klinik durch eine katholische Einrichtung gescheitert, weil sich das Land Brandenburg mit Blick auf Abtreibungen verpflichtet gesehen habe, den Versorgungsauftrag sicherzustellen.

Laut Vortkamp stehen die katholischen Kliniken in Deutschland in einem "enormen Spannungsfeld" zwischen kirchlichen Moralvorstellungen und gesellschaftlichen Erwartungen. Das zeige sich etwa bei Themen wie der "Pille danach", der Pille oder Fragen der Empfängnisverhütung.

Die kirchlichen Häuser wollten deshalb auch das Gespräch mit den Bischöfen suchen, kündigte der Geschäftsführer an. Dabei müsse geklärt werden: "Kann man sich völlig abschotten, kann man alles mitmachen? Das sind schwierige ethische Fragen, die aber die einzelnen Krankenhäuser nicht allein lösen können."

"Bewusstsein für ethische Grundlagen schaffen"

An die Leitungen der katholischen Kliniken in Deutschland appellierte Vortkamp, bei ihren Mitarbeitern und insbesondere bei den Jüngeren "immer wieder ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was in den Einrichtungen zu leisten ist und was aus ethischen Gründen nicht gemacht wird."

Der KKVD vertritt bundesweit etwa 435 Kliniken in katholischer Trägerschaft mit etwa 98.000 Betten und an die 165.000 Beschäftigten. Bei den rund 2.000 Kliniken bundesweit ist jedes vierte Krankenhaus in katholischer Trägerschaft.

http://www.welt.de/regionales/koeln/article113046794/Kardinal-Meisner-entschuldigt-sich-nach-Klinikaffaere.html
German Kardinal Meisner entschuldigt sich bei Sex-Opfer
Jan 27, 2013

Köln –  

Man kennt ihn als streitbaren, in der Sache äußerst konsequenten Kirchenmann: Joachim Kardinal Meisner (79). Nun zeigt sich der Kölner Erzbischof beschämt – und entschuldigt sich bei der jungen Kölnerin (25), die Opfer einer Vergewaltigung wurde und im Nippeser St. Vinzenz-Krankenhaus sowie im Heilig-Geist-Krankenhaus abgewiesen wurde.

Die Abweisung der jungen Frau – sie hatte in der ganzen Republik für Unverständnis gesorgt. „Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst, denn er widerspricht unserem christlichen Auftrag und Selbstverständnis“, erklärte Meisner am Dienstag.

Was dieser jungen Frau in zwei katholischen Krankenhäusern widerfahren sei, hätte nie geschehen dürfen. Deshalb müsse genau erforscht werden, was dazu führte. Weiter erklärte er: „Die beiden Krankenhäuser haben sich inzwischen bei der Patientin entschuldigt. Ich schließe mich dieser Entschuldigung auch persönlich an.“

Eine Behandlung und auch die Spurensicherung, seelsorgerische und menschliche Hilfe nach einer Vergewaltigung – ja, unbedingt. „Ausgenommen sind nach unserem Selbstverständnis allerdings alle Maßnahmen, welche die Tötung eines möglicherweise schon gezeugten Kindes bedeuten“, so Kardinal Meisner.

Eine Grundhaltung, die von vielen Menschen nicht geteilt wird. Und wohl erneut eine Welle von Kirchenaustritten zur Folge haben wird – wie schon im Frühjahr 2010, nach Bekanntwerden der Missbrauchfälle in katholischen Einrichtungen.

„Wir befürchten dies“, erklärte Nele Harbeke, Sprecherin des Erzbistums Köln. „Inzwischen haben viele Leute angekündigt, austreten zu wollen.“ Es seien Sätze gefallen, wie dieser: „Für mich reicht’s jetzt, ich trete aus“. Ob diesen Mitteilungen auch Taten folgen, könne erst später bewertet werden. „Noch lassen sich unmittelbare Reaktionen nicht ablesen.“

2010 waren nach den Missbrauchsvorwürfen die Austritte in Köln um 41 Prozent gestiegen: Von 10 727 im Jahr 2009 auf 15 163 im Jahr 2010

http://www.express.de/koeln/vergewaltigte-abgewiesen-kardinal-meisner-entschuldigt-sich-bei-sex-opfer,2856,21526394.html
German Kardinal Meisner entschuldigt sich
Jan 27, 2013
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat die Abweisung einer offenbar vergewaltigten Frau durch zwei katholische Kliniken in Köln bedauert und sich dafür entschuldigt. Das Krankenhaus hätte Hilfe leisten müssen, einschließlich der Spurensicherung.

Köln.

Erzbischof Joachim Meisner hat sich nach der Kölner Klinikaffäre bei dem abgewiesenen Vergewaltigungsopfer entschuldigt. „Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst, denn er widerspricht unserem christlichen Auftrag und Selbstverständnis“, stellte er am Dienstag in einer Stellungnahme fest. Was der Frau widerfahren sei, hätte nie geschehen dürfen. Es gebe keine kirchliche Anweisung, Vergewaltigungsopfer anders zu behandeln oder abzuweisen.

In der vergangenen Woche hatte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet, dass eine junge Frau nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung an zwei katholischen Krankenhäusern in Köln abgewiesen worden war. Es müsse genau erforscht werden, was zu dieser Abweisung geführt habe. „So etwas darf sich auf keinen Fall wiederholen“, stellte Meisner fest.

„Eine Vergewaltigung ist ein schlimmes Verbrechen“, erläuterte der Kardinal. Die Kirche müsse in einem solchen Fall jede notwendige medizinische, seelsorgerische und menschliche Hilfe leisten, einschließlich der Spurensicherung.

Meisner sprach sich aber indirekt gegen die Verordnung der „Pille danach“ aus, die durch Verhinderung oder Verzögerung des Eisprungs eine Schwangerschaft verhindern kann. Die Kirche vertrete eine klare Position des absoluten Lebensschutzes. Er sei sich bewusst, dass das wie in dem Fall der jungen Frau zu „unerträglichen Entscheidungssituationen“ führen könne.

http://www.ksta.de/politik/klinik-skandal-kardinal-meisner-entschuldigt-sich,15187246,21526330.html
German Kardinal Meisner entschuldigt sich nach Kölner Klinikaffäre
Jan 27, 2013
Die Zurückweisung einer vergewaltigten Frau in zwei katholischen Kliniken hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Nach den Trägern hat sich nun auch Erzbischof Meisner bei dem Opfer entschuldigt und eine Aufarbeitung des Falles angekündigt.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat sich für die Abweisung einer vergewaltigten Frau in zwei katholischen Kliniken in Köln entschuldigt. „Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst, denn er widerspricht unserem christlichen Auftrag und Selbstverständnis“, teilte der Erzbischof am Dienstag in einer Stellungnahme mit. Was der Frau widerfahren sei, hätte nie geschehen dürfen. Es gebe keine kirchliche Anweisung, Vergewaltigungsopfer anders zu behandeln oder abzuweisen. „So etwas darf sich auf keinen Fall wiederholen.“

Die Patientin habe in großer Not Hilfe gesucht und keine Aufnahme gefunden. Eine Vergewaltigung sei ein schlimmes Verbrechen. „Gerade hier müssen wir jede notwendige medizinische, seelsorgliche und menschliche Hilfe leisten“, so Meisner. Dies schließe die Spurensicherung ein. „Deshalb muss jetzt genau erforscht werden, was dazu führte, diese Frau nicht aufzunehmen“, sagte der Erzbischof.

Meisner sagte, dass das Nein der Kirche zu Abtreibungen nach Vergewaltigungen von vielen Menschen nicht geteilt werde. Er sprach von einer „grundsätzlichen und bedrängenden moralischen Entscheidung“ und einer „geradezu unerträglichen Entscheidungssituation“. Dennoch sei er davon überzeugt, „dass wir diese Position des absoluten Lebensschutzes nicht relativieren dürfen, weil wir sonst die Menschenwürde insgesamt relativieren“.
Im Dezember hatte eine Notärztin in Köln versucht, die Spurensicherung bei einem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer in zwei vom katholischen Cellitinnen-Orden getragenen Kliniken vornehmen zu lassen. Beide Häuser verweigerten dies jedoch mit Hinweis auf ihre Ethikrichtlinien. Der Träger entschuldigte sich nach Bekanntwerden des Vorgangs und bezeichnete ihn als „Missverständnis“.

Vergewaltigte Frauen würden nicht abgewiesen, allerdings werde ihnen die „Pille danach“ nicht verschrieben. Weil diese eine befruchtete Eizelle töten kann, lehnt die katholische Kirche sie wie jede Methode der Abtreibung ab.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/vergewaltigungsopfer-abgewiesen-kardinal-meisner-entschuldigt-sich-nach-koelner-klinikaffaere-12034419.html
German Kardinal Meisner entschuldigt sich nach Kölner Klinikaffäre
Jan 27, 2013
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat sich nach der Kölner Klinikaffäre bei dem abgewiesenen Vergewaltigungsopfer entschuldigt. „Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst, denn er widerspricht unserem christlichen Auftrag und Selbstverständnis”, stellte er am Dienstag in einer Stellungnahme fest. Was der Frau widerfahren sei, hätte nie geschehen dürfen.

Es gebe keine kirchliche Anweisung, Vergewaltigungsopfer anders zu behandeln oder abzuweisen.

In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass eine junge Frau nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung an zwei katholischen Krankenhäusern in Köln abgewiesen worden war. Es müsse genau erforscht werden, was zu dieser Abweisung geführt habe. „So etwas darf sich auf keinen Fall wiederholen”, stellte Meisner fest.

„Eine Vergewaltigung ist ein schlimmes Verbrechen”, erläuterte der Kardinal. In einem solchen Fall müsse jede notwendige medizinische, seelsorgerische und menschliche Hilfe geleistet werden, einschließlich der Spurensicherung.

Meisner sprach sich allerdings indirekt gegen die Verordnung der „Pille danach” aus, die durch Verhinderung oder Verzögerung des Eisprungs eine Schwangerschaft verhindern kann. Die Kirche vertrete eine klare Position des absoluten Lebensschutzes. Er sei sich bewusst, dass das wie in dem Fall der jungen Frau zu „unerträglichen Entscheidungssituationen” führen könne.

An die „Null-Toleranz-Grenze” für die „Pille danach” hatte der Caritasverband die katholischen Krankenhäuser im Erzbistum in einem Rundbrief vom 13. Februar 2012 erinnert. Die Klinikleitungen sollten Vorkehrungen prüfen, die die Ausstellung eines Rezeptes für die „Pille danach” in ihrem Haus wirklich ausschlössen. In dem Brief, der auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, wird die Schulung und Unterweisung von Mitarbeitern angeregt, „sich so gemäß der Lehre der Kirche zu verhalten”, dass der Schutz des ungeborenen Lebens deutlich werde. Der „Kölner Stadt-Anzeiger” hatte zuvor berichtet.

Patienten solle immer klar sein, mit wem sie es zu tun haben: Mit dem Klinikpersonal oder einem Notarzt der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), der die „Pille danach” verschreiben kann. Anlass für den Rundbrief ist nach Angaben von Caritas und Erzbistum die Täuschungsaktion einer Frau gewesen. Die hatte in vier katholischen Krankenhäusern ein Rezept für die „Pille danach” bekommen, allerdings von den dort angesiedelten KV-Notfallpraxen.

http://www.aachener-zeitung.de/lokales/region/kardinal-meisner-entschuldigt-sich-nach-koelner-klinikaffaere-1.499706
German Kardinal Meisner: Ein beschämender Vorgang
Jan 27, 2013
Nachdem eine junge Frau nach einer Vergewaltigung von zwei katholischen Kliniken in Köln abgewiesen wurde, hat sich nun der Kölner Erzbischof zu Wort gemeldet. Kardinal Joachim Meisner entschuldigte sich bei der Frau.

"Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst, denn er widerspricht unserem christlichen Auftrag und Selbstverständnis", stellte er am Dienstag (22.01.2013) in einer Stellungnahme fest. "Eine Vergewaltigung ist ein schlimmes Verbrechen", sagte der Kardinal. Die Kirche müsse in einem solchen Fall jede notwendige medizinische, seelsorgerische und menschliche Hilfe leisten, einschließlich der Spurensicherung.
Reaktion eine Woche nach Bekanntwerden

In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass eine junge Frau nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung an zwei katholischen Krankenhäusern in Köln abgewiesen worden war. Die Weigerung der beiden Kliniken hatte bundesweit Empörung ausgelöst. Aus den eigenen Reihen hagelte es ebenso Kritik wie von Ärzten, Beratungsstellen und der Politik. Die beiden Krankenhäuser, die zur "Stiftung der Cellitinnen zur heiligen Maria" gehören, hatten nach Bekanntwerden des Falls von einem "Missverständnis" gesprochen.

Kardinal weiter gegen die "Pille danach"
"So etwas darf sich auf keinen Fall wiederholen", so Meisner. Er sprach sich in seiner Stellungnahme aber indirekt gegen die Verordnung der "Pille danach" aus, die durch Verhinderung oder Verzögerung des Eisprungs eine Schwangerschaft unterbinden kann. Die Kirche vertrete eine klare Position des absoluten Lebensschutzes, so der Erzbischof.

http://www1.wdr.de/themen/panorama/vergewaltigungsopfer118.html
German "Komm, steigen Sie ein in mein Lebensvehikel"
Nov 04, 2012
Kardinal Meisner zieht positive Bilanz der Bischofssynode

Am Sonntag ging sie zu Ende: Die Weltbischofssynode zur Neuevangelisierung im Vatikan. Einer der deutschen Teilnehmer war der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner. Nach seiner Rückkehr aus Rom lud er domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen ins Erzbischöfliche Palais und zog eine Bilanz der Synode.
domradio.de: Drei Wochen lang haben sich Bischöfe aus aller Welt in Rom zur Weltbischofssynode getroffen. Das Thema Neuevangelisierung stand im Mittelpunkt. Mit dabei war natürlich unser Kölner Kardinal Meisner. Er ist jetzt wieder zuhause. Herr Kardinal, wie haben Sie die Weltbischofssynode erlebt?
Kardinal Joachim Meisner: Als ein hoch interessantes Gremium, erfahrungsmäßig eine Partizipation am Episkopat der Weltkirche. Und das ist ein sehr beglückendes Gefühl und zeigt, für wen man alles geradezustehen hat, und die eigenen Probleme im eigenen Land relativieren sich erheblich. Auf der anderen Seite sind die Erfolge der anderen die eigenen Erfolge, und auch die Verluste der anderen sind die eigenen Verluste. Und dieses Teilen von Mühe und von Erfolg, von Freude und Versagen - das gibt ein ungeheures Gefühl der Stärke und der Ermutigung. Wir sind also hier nicht allein, sondern wir sind eingebunden in die katholische Weltkirche, die anderthalb Milliarden Gläubige umfasst.

domradio.de: Was haben die deutschen Bischöfe von Ihren Mitbrüdern gelernt, was können wir als Deutsche daraus lernen?
Kardinal Joachim Meisner: Also, dass wir keinen Grund zum Klagen haben, dass unsere Probleme schon erheblich sind, aber das kein Grund besteht, unsere Fahne auf Halbmast zu flaggen, sondern es gibt viel schwierigere Situationen. Und ich muss es Ihnen einmal so sagen: In herzlicher Solidarität sind wir auch allen verbunden, die aus den sogenannten muslimischen Ländern kommen. Also die muslimischen Länder sind nicht alle gleich, aber in vielen Ländern, das wissen wir selbst, wie Syrien, Ägypten …, weiß die Kirche oft nicht, wie es weitergehen soll. Und für die, die ausharren, haben wir unsere Solidarität erklärt, für Syrien haben wir auch so eine Art ad hoc-Sammlung durchgeführt, jeder Bischof hat so viel er bei sich trug, in eine Kollekte gegeben. Auch als ein Zeichen: Wir lassen Euch nicht allein. Und eine kleine Delegation des Kardinalskollegiums oder überhaupt der Synode will zu einer gegebenen günstigen Zeit nach Syrien reisen, um den Christen zu sagen: Wir gehören zu Euch und wir stehen zu Euch.

domradio.de: Sie haben die Probleme in unserem eigenen Land angesprochen. Welche Impulse haben Sie mitgebracht, um vielleicht hier das immer schwierigere Verhältnis zwischen Gesellschaft und Kirche neu zu beleben - auch im Sinne der Evangelisierung?
Kardinal Joachim Meisner: Erst einmal müssen wir die Welt so nehmen, wie sie ist. Und Säkularisation hat ja nicht nur einen negativen Touch, sondern hat auch einen sehr positiven. Das bedeutet nämlich, und das ist nur im Raum des Evangeliums möglich, dass Gott aus der Welt, nämlich in seine Transzendenz entlassen worden ist, dass man also konkret gesagt, die Berge und die Täler sind nicht von Göttern bevölkert, sondern die sind säkularisiert, die sind uns freigegeben, d.h. wir brauchen keine Angst zu haben, die Bodenschätze auszugraben, wenn wir die Berge aufgraben, dann graben wir den Göttern nicht die Bäuche auf, sondern das heißt, die Welt ist entmythologisiert worden, und nur dadurch konnten Technik, Naturwissenschaften und die ganzen Errungenschaften entstehen, es ist ja nicht umsonst so, dass es hier in einem europäisch-christlich geprägten Land oder Kontinent passiert ist, die Welt ist freigegeben dem Menschen in die Hände.

Aber Gott steht in Relation, es ist seine Welt und die Welt ist uns zu guten Händen übertragen, wir haben die Welt zu verwalten und wir dürfen von ihr leben - ganz im Sinne des Schöpfers. Und darum ist das eine hohe Verantwortung. Und das ist unseren Menschen wieder bewusst zu machen, gerade hier in unserer Gesellschaft, in Deutschland, wo wir so mit materiellen Gaben gesegnet sind, und doch ist unter uns oft so viel Unzufriedenheit und Neid und Missgunst - das Erste ist doch, dass wir dankbar sein müssen, dass die Fähigkeiten, die in unserem Volk stecken, genutzt werden; dass wir durch all die Mühen zur Solidarität kommen und dass wir uns vor allem wieder erinnern lassen, dass Gott lebt. Und indem wir Gott Gott sein lassen, bleibt die Welt Welt, das heißt unser Lebensraum; und der Mensch kann Mensch werden. Das heißt: Er ist geradezu ein Beauftragter Gottes, der die Schöpfung nicht als sein Eigentum betrachtet, sondern als das uns Anvertraute, mit dem der Mensch wuchern muss im Sinne des Schöpfers zugunsten der Mitmenschen.

domradio.de: Wie können wir denn unsere Mitmenschen, gerade auch hier in Deutschland, heutzutage erreichen? Das wird ja immer schwieriger. Haben Sie etwas gelernt, bei dem man vielleicht sagen kann: Da können wir konkret versuchen, den Glauben auch denen mitzuteilen, die ihn eigentlich verloren haben.
Kardinal Joachim Meisner: Das gibt es ganz konkret. Und zwar hat davon meine Intervention gehandelt. Und ich bin sehr, sehr dankbar, dass ein einziger Bischof zu mir gekommen ist und gesagt hat: Herr Kardinal, ich bitte Sie um eine englische Kopie, das ist das einzige, mit dem ich als Bischof von Bangladesch etwas machen kann. Und da habe ich mir gedacht, wenn das in Bangladesch die einzige Möglichkeit ist, dann muss das ja in Köln und in Deutschland auch gehen. Und ich habe einfach die Apostelgeschichte wie der Philippus exegiert, das heißt, der Philippus stellt sich an den Rand der Straße, und jetzt kommt angefahren ein Äthiopier, der von einer Wallfahrt nach Jerusalem kommt und sich dort eine Devotionalie gekauft hat, eine Jesaja-Rolle, und die liest er. Und der Philippus steht am Straßenrand und fragt ihn: Verstehen Sie denn was Sie da lesen? Da antwortet der: Wie soll ich das denn verstehen, wenn mir das niemand erklärt? Können Sie das? Komm, steigen Sie ein in mein Lebensvehikel. Und da steigt Philippus ein und erklärt es ihm. Und als sie eine Zeit lang gefahren sind und Philippus erklärt hat, da kommen sie an ein Wasser und da sagt der Äthiopier: Komm, jetzt halten wir an, jetzt kannst Du mich taufen. Das heißt, das ist überall möglich, dass wir Christen an die Straße gehen, und in Deutschland allein sind von zehn Leuten, die wir treffen, acht auf dem Rückweg von irgendeiner christlichen, religiösen Sozialisation, in irgendeiner Weise. Und manchmal buchstabieren die herum: Wie ist das mit meinem gegenwärtigen Leben in Verbindung zu bringen? Wie kann mir das bei diesen Schwierigkeiten helfen? Und es ist niemand da, der sie fragt, weil wir Christen froh sind, wenn uns niemand fragt. Wir kommen nicht auf den Gedanken, andere zu fragen oder einzuladen, in ein Stück unseres Lebens einzusteigen. Dazu brauche ich kein theologisches Examen oder gar eine Promotion, ich brauche auch gar keine kirchliche Sendung; es muss etwas in meinem Leben geben, das deckungsgleich ist mit dem Evangelium. Das ist in Bangladesch möglich, und das ist auch in Deutschland möglich. Die Zauberformel, die ich jetzt unseren Medien sagen kann, wie wir jetzt praktisch die ganze Gesellschaft erreichen, die gibt es nicht. Aber das ist möglich, dass wir auf die Straße gehen, dass wir die Menschen fragen, dass wir ein Stück in ihr Leben einsteigen, dass wir sie ein Stück begleiten. Ich brauche gar nicht den ganzen Katechismus kennen, aber es muss in mir ein Lebensstück geben, das deckungsgleich ist mit dem Evangelium.

Das Interview führte Ingo Brüggenjürgen (Chefredakteur domradio.de)
Hintergrund
Eine positive Bilanz der Bischofssynode in Rom haben die deutschen Teilnehmer auf einer Pressekonferenz im Vatikan gezogen. Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner bewertete die Synode als Vergewisserung, dass es eine "verpflichtende Teilhabe an der Freude und den Sorgen dessen gibt, was in der Weltkirche passiert. Die Synode ist ein Ausdruck von Solidarität. Neuevangelisierung ist vor allem zunächst Selbstevangelisierung. Der Mensch muss bei sich anfangen, den Glauben zu verstehen und zu verkünden." Kardinal Meisner betonte, dass diese Selbstevangelisierung zugleich Nächstenliebe bedeute. "Diese Nächstenliebe wiederum ist die Solidarität und das Mitfühlen und Mitbeten mit allen Christen in der Welt. Wir Bischöfe führen kein Solistendasein, sondern sind eingebunden in das Kollegium der Weltbischöfe." Die Verantwortung zur Evangelisierung liege bei jedem Gläubigen selbst. "Wir dürfen uns von keinem Auftrag des Evangeliums dispensieren, sondern müssen den Glauben mutig und nach außen sichtbar leben", so Kardinal Meisner. Der Kölner Erzbischof hob vor allem den selbstlosen Einsatz vieler Christen in der verfolgten Kirche hervor: "Hier wird ein lebendiges und aufopferungsvolles Zeugnis des Glaubens für das Evangelium gegeben. Gerade diesen Menschen gilt unsere besondere Solidarität." Übereinstimmend betonten alle deutschen Synodenteilnehmer, dass es in den Beratungen gelungen sei, die Säkularisierung nicht nur als Gefahr, sondern als Herausforderung und Chance für die eigene Verkündigungsarbeit zu sehen. Aus Deutschland nahmen an der Synode die Erzbischöfe Joachim Kardinal Meisner und Dr. Robert Zollitsch (Freiburg) sowie die Bischöfe Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück) und Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst teil. Seit dem 7. Oktober beraten 262 Bischöfe sowie 140 internationale Fachleute und Beobachter aus der ganzen Welt über das Thema "Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des Glaubens". Die Synode endete an diesem Wochenende mit einem feierlichen Gottesdienst im Petersdom.

Während der Generaldebatten in der Bischofssynode in Rom hatten die deutschen Synodenteilnehmer ihre Statements abgegeben. Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Dr. Robert Zollitsch und der Bischof von Osnabrück, Bischof Dr. Franz-Josef Bode, sprachen vor den Teilnehmern der Synode. Kardinal Meisner sagte in seiner Intervention: "[...] In Wirklichkeit schlägt sich ein überwiegender Teil der Menschen, zumindest in Europa, mit Fragen herum, von denen er nicht weiß oder wahrhaben will, dass es religiöse Fragen sind. Darum ist die Straße in unseren Städten und Dörfern der Ort für die Weitergabe des Glaubens. Und es braucht dabei nicht das Engagement eines hauptberuflichen Christentums, um Gottes Aufruf gehorsam zu sein." Der Erzbischof rief dazu auf, anderen Menschen zuzuhören, für sie mitzudenken und ihnen Weggenosse auf dem Weg zum Glauben zu werden.

http://www.domradio.de/aktuell/84834/komm-steigen-sie-ein-in-mein-lebensvehikel.html
German Ein Synodenveteran berichtet
Nov 03, 2012
Als "Synodenveteran" bezeichnete sich Kölns Erzbischof Joachim Kardinal Meisner in Rom. Die aktuelle Synode über die Neuevangelisierung ist bereits seine zehnte. In seiner Erklärung vor Pressevertretern forderte der Kardinal am Dienstag ein Ende der "Selbst-Säkularisierung".

Der Kardinal rief Christen in Deutschland auf, der wachsenden Entchristlichung entgegenzutreten. Die Kirche müsse "von einer Selbst-Säkularisierung zu einer Selbst-Evangelisierung kommen". Kirche und Glaube seien in der Öffentlichkeit zu wenig präsent. In Gottesdiensten müsse die Feier des Mysteriums Christi wieder stärker in den Vordergrund treten.

Zentral für eine Neuevangelisierung sei auch die Praxis des Bußsakraments, betonte der Kardinal. "Das ist doch wirklich der Gesundbrunnen, der die Menschen dynamisiert!" Zunächsten sollten die Katholiken nach innen gehen, um dann nach außen dynamisch zu werden, empfahl der Kölner Erzbischof. Er wünsche sich von der Synode, "dass, wer mit uns in Berührung kommt, auch wirklich mit Jesus Christus in Berührung kommt".

Zugleich dämpfte der Kardinal die Erwartungen, dass die Synode rasche Ergebnisse hervorbringt. "Mit Blick auf die Vorbereitungstexte der jetzigen Synode sage ich: Wir müssen uns davor hüten, unsere Bemühungen zu sehr nach außen zu richten, sondern vielmehr bei uns selbst anfangen."

Zollitsch erwartet "eine Reihe von Anstößen"
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erhofft sich von der derzeit im Vatikan tagenden Bischofssynode Impulse für die deutsche Kirche. Er erwarte "eine Reihe von Anstößen" für eine zeitgemäße Glaubensverkündigung.

"Ich bin sicher, dass ich bereichert nach Hause gehen werde", sagte Zollitsch am Dienstag vor Journalisten im Vatikan. Mit einem Allheilmittel gegen den Glaubensschwund dürfe man allerdings nicht rechnen. Zugleich sei es den deutschen Bischöfen wichtig, ihre eigenen Erfahrungen in die Weltsynode einzubringen.

Bode: Kirche braucht Zeugen, keine Lehrer
Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hob hervor, dass die Glaubensverkündigung nicht allein in einer Unterweisung bestehen dürfe. Sie bedürfe des gelebten Glaubenszeugnisses, so Bode. Die Kirche brauche keine Lehrer, sondern Zeugen, zitierte er Papst Paul VI. (1963-1978).

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sprach sich bei der Pressekonferenz für eine verstärkte Begleitung von Erwachsenen in Glaubensfragen aus. Eine Taufpatenschaft müsse wieder wie in der frühen Kirche als lebenslange geistliche Begleitung verstanden werden und dürfe sich nicht darauf beschränken, dem Patenkind eine goldene Uhr zu schenken, so der Bischof.

Zollitsch, Tebartz-van Elst und Bode nehmen als Delegierte der Deutschen Bischofskonferenz an der Synode teil. Kardinal Meisner wurde vom Papst persönlich in die Versammlung berufen. Insgesamt 262 Bischöfe sowie 140 Fachleute und Beobachter beraten bis zum 28. Oktober im Vatikan über das Thema "Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des Glaubens".

http://www.domradio.de/aktuell/84450/kardinal-meisner-ruft-zu-selbst-evangelisierung-auf.html
German "Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen"
Nov 03, 2012
Seit einer Woche tagt in Rom die Bischofssynode - bereits die zehnte für "Synodenveteran" Kardinal Meisner. Im domradio.de-Interview zieht der Kölner Erzbischof Bilanz, spricht über das Zweite Vatikanische Konzil und die Rolle der Frau in der Kirche.

domradio.de: An der Synode nehmen über 250 Bischöfe teil, auch Experten und Beobachter sind dabei, Haben da alle Beteiligten überhaupt die Möglichkeit, zu Wort zu kommen?
Meisner: Jeder hat die Möglichkeit, eine Intervention abzugeben. Das macht die Arbeit ein bisschen mühselig. Wir sitzen hier seit vergangener Woche und hören von früh bis abends die Interventionen - die sehr interessant sind. Aber am interessantesten sind die Sprachzirkel. Da kommen wir zur Sache. Denn wichtig ist, dass man einen Erfahrungsaustausch hat und fragt: Wie macht Ihr denn das? Die Ergebnisse aus dem Sprachzirkel aufgrund der Interventionen werden in einer Schlusserklärung zusammengetragen und den Papst übergeben. Der macht dann daraus normalerweise ein apostolisches Schreiben, das bis zu zwei Jahre später erscheint.

domradio.de: Das Thema ist der Glaubensschwund gerade in den westlichen Ländern, sicher auch in den Sprachzirkeln. Was ist Ihrer Ansicht nach heute die Ursache dafür, dass der Glaube schwindet?
Meisner: Wir müssen uns zunächst selber fragen. Wenn ich mit dem Zeigefinger auf andere zeige, zeigen drei Finger auf mich selber zurück. Wir müssen uns sehr ernst fragen: Was haben wir denn verkehrt gemacht? Ich bin ein Synodenveteran. Ich bin der, der am längsten an Synoden teilnimmt. Zehn habe ich ungefähr mitgemacht. Und seitdem ist es nicht aufwärts, sondern abwärts gegangen. Wir müssen uns vom Heiligen Geist belehren und führen lassen, wie wir das Evangelium zu verkünden haben, was uns die Apostelgeschichte für ein Modell gibt; dass wir in der Lehre der Apostel verharren, nicht der eine Hü und der andere Hott sagt; und dass wir ein Brot in der eucharistischen Gemeinschaft brechen, im Gebet und in der Gemeinschaft überhaupt. Ich bin guter Hoffnung, dass die Synode ein gutes Ergebnis haben wird.

domradio.de: Wird auch darüber, was verkehrt gemacht wurde bisher?
Meisner: Ich kann nur sagen, was ich verkehrt gemacht habe. Und das müssen Sie sich auch selber fragen. Gehen wir regelmäßig zur Beichte, dass die Sünde aus unserem Leben getilgt wird und wir Raum schaffen für den Heiligen Geist? Ich habe vor dem guten Papst Johannes Paul II. mal gefragt, ob Gott nicht den Fehler gemacht hat, seine Kirche Menschen anvertraut zu haben, und ob er sie nicht Engeln hätte anvertrauen sollen. Da sagte er: Du hast das Leben von Gott erhalten, und in Taufe, Firmung und Weihe auch den Heiligen Geist. Daraufhin fragte ich: Und was ist trotz dieser großartigen Gaben aus mir geworden. Und er: Bleib dran! Das halte ich für ganz wichtig. Die Bedingungen in den säkularen Gesellschaften sind zwar bedeutend schwieriger geworden. Aber wir dürfen uns nicht entmutigen lassen. Bleiben wir dran!

domradio.de: Alle die bei der Synode dabei sind, erhoffen sich auch Impulse durch das Konzilsjubiläum. Auch hier in Deutschland wird zurzeit viel über das Zweite Vatikanische Konzil gesprochen. Glauben Sie, dass dieses Ereignis 50 Jahre nachdem es stattfand immer noch die Strahlkraft für eine Neuevangelisierung?
Meisner: Wir müssen nur die Texte richtig erklären. Es liegt eine gewisse Tragik über dem Konzil und den Texten: Man das Konzil oft so interpretiert hat, dass es eine neue Kirche gebracht hat. Dabei haben Konzile immer versucht, die alte Kirche in die Gegenwart zu übersetzen und gegenwärtig zu machen. Was die früheren Konzile beschlossen haben, muss mit in die Gegenwart übersetzt werden. Dann wird erst die ganze Fülle, der ganze Reichtum eines Konzils deutlich. Und dann erst fangen unsere Texte an zu leuchten.

domradio.de: Eine Woche hat die Synode zur Neuevangelisierung bereits hinter sich. Von einigen Beteiligten waren auch schon selbstkritische Töne zu hören. So hat beispielsweise der Erzbischof von Brüssel angemahnt, Frauen müssen stärker in die kirchliche Arbeit eingebunden werden. Stehen auf dieser Synode Themen auf dem Programm, die beispielsweise hier in Deutschland im Dialogprozess besprochen werden?
Meisner: Kaum, mehr nebenbei. Man wird gefragt, ob das Weiheamt für die Frau in Deutschland geöffnet wird. Aber das hat der Erzbischof von Brüssel nicht gesagt. Es gibt eine charismatische Dimension. Und hier sind - gerade in der orthodoxen Theologie - die sogenannten Myronträgerinnen, d.h. die Frauen, die an das Grab Christi gingen, um den toten Leib zu salben. Und da sagt er: Hier liegt eine Dimension, ein ungeheures Missionsfeld für unsere Frauen. Denn ohne die Frauen gibt es keine Evangelisierung.

http://www.domradio.de/aktuell/84563/wir-duerfen-uns-nicht-entmutigen-lassen.html
German Kardinal Meisner: Wir sind nicht die letzten Mohikaner
Nov 03, 2012
Kölner Erzbischof bei der Bischofssynode in Rom im Gespräch mit ZENIT über Glaubenswissen, Kirche in Deutschland und eucharistische Frömmigkeit

VATIKANSTADT, 17. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Joachim Kardinal Meisner nimmt als Synodenvater, „Synodenveteran“, wie er sich genannt hat, an der Bischofssynode für die Neuevangelisierung teil. Er ist ein Vertreter der ersten Stunde und hat bereits an zehn Synoden teilgenommen. Die Glut Christi sei ansteckend durch Propaganda und Berührung, wie er es ausdrückte. ZENIT befragte den Kardinal zur aktuellen Lage der Kirche in Deutschland.

ZENIT: Eine vertiefte, an den Zeitgeist unangepasste Glaubensweitergabe stößt auf Widerstand. Wir als Christen müssen uns diesem Widerstand aussetzen. Sehen Sie das auch so? Worauf müssen sich die Christen in Deutschland einstellen?

Joachim Kardinal Meisner: Das war meistens so, dass bei der Verkündigung von Anfang an die Botschaft abgelehnt wurde, wie schon Simeon zu Maria sagt: „Zum Fall und zum Aufstehen für viele“. Da darf man sich nicht wundern, das muss man einfach akzeptieren. Trotzdem bringt der Glaube eine Befreiung des Menschen. Bei der Menschwerdung hat sich Gott in die Menschenwelt inkulturiert, der Mensch ist nun eingeladen, sich in die Welt Gottes zu inkulturieren, damit eine Zivilisation der Liebe entstehen kann. Wir kommen nämlich nicht als diejenigen, die nichts haben, sondern vielmehr als diejenigen, die etwas bringen. Das müssen wir uns bewusst machen. Wir sind nicht die letzten Mohikaner…wir sind die ersten Boten einer neuen Welt, von der die meisten Menschen noch gar nichts wissen. Bei der Firmung wird die Stirn gesalbt, nicht der Rücken. Wir sollen uns nicht beugen, sondern mutigen Hauptes schreiten.

ZENIT: Sie haben in Ihrem Redebeitrag geäußert: „Die Christen sind froh, wenn Ihnen keine Fragen gestellt werden“. Wurzelt die Unsicherheit der Gläubigen in der Unwissenheit? Ist es nicht Aufgabe der Hirten, den Glauben klarer zu lehren, damit den Menschen aus dieser Unwissenheit herausgeholfen wird?

Joachim Kardinal Meisner: Wissen Sie, ich habe vor 50 Jahren bei einer Bischofskonferenz in Fulda gepredigt und habe gesagt: „Die Glaubensweitergabe ist völlig zusammengebrochen. Das liegt nicht nur an den Gläubigen, sondern auch an den Katecheten und an uns, an den Zeugen“. Da ging ein Aufschrei durch unser ganzes Land, aber auch von meinen Kollegen, die haben gesagt, das wäre nicht richtig. Heute stimmen sie mir alle zu. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß, schien das Motto zu sein.

Ein Ansatzpunkt wäre beispielsweise die Taufe als Einführung in das Glaubensleben. Die Kindertaufe ist nur gerechtfertigt, wenn ein Zeuge und die Eltern garantieren, dass sie dem Kind in Theorie und Praxis den Glauben nahebringen. Es gibt heute so viele Menschen, die gar nichts wissen. Es gibt bei uns in Köln den „Tag der offenen Moschee“. Von uns ist eine Vertreterin eines Pfarrgemeinderates mit dabei gewesen, die gefragt worden ist - nachdem die Muslime ihren Gottesbegriff erklärt hatten -was denn die Dreifaltigkeit sei. Sie konnte nicht darauf antworten, sie hatte keine Erklärung. Man muss einfach erkennen, dass es so nicht weiter gehen kann, man muss sich doch endlich einmal informieren! Wir haben den Weltkatechismus, wir haben den Jugendkatechismus, aber niemand scheint sie zu lesen!

ZENIT: Es scheint, dass die Menschen in Deutschland zu sehr auf die Ortskirche bezogen sind und dabei den Blick nach Rom verlieren. Halten Sie es für wichtig für die Deutschen, sich mehr der Weltkirche öffnen?

Joachim Kardinal Meisner: Wir Deutschen scheinen eine Tendenz zur Nationalkirche zu haben. Das fing ja schon bei der Reformation an, das geht heute auch weiter. Wir scheinen immer zu meinen, wir seien die Vorreiter der Weltkirche. Aber es geht nicht ohne Petrus. Indem wir uns in die ganze Kirche inkorporieren, werden viele Probleme in die richtige Perspektive gerückt und werden ganz klein. Andererseits bekommen wir auch viel Zuversicht und Mut. Ich habe bis 1989 in der DDR gelebt. Die innere Freiheit kam immer aus der Verbindung mit Rom. In der DDR wollte man eigene Diözesen einrichten. Da habe ich erklärt, dass das nicht geht. So etwas entscheidet nur der Heilige Vater. Umgekehrt haben die Menschen in politischen Gesprächen zu mir gesagt: „Sie sind unausstehlich! Aber, hinter Ihnen steht der berühmte kleine weiße Mann in Rom mit der Milliarde Katholiken und darum müssen wir Sie ernst nehmen.“ Obwohl wir ja nur vier Prozent waren…

ZENIT: Sehen Sie bei sich in der Diözese auch die Tendenz, dass sich gerade die Jugendlichen wieder „klassische“ Anbetungsformen wünschen? Gibt es einen neuen Aufbruch zur Transzendenz? Ist dies ein wesentlicher Aspekt der Neuevangelisierung?

Joachim Kardinal Meisner: Ja, natürlich. Das haben wir hier auch schon oft gehört: Dass nämlich die Schönheit ein wesentliches Merkmal der Transzendenz ist: Ens et verum et bonum et pulchrum convertuntur. Die Schönheit ist für den Christen in der Liturgie sichtbar. Wir müssen den Menschen wieder zu verstehen geben, dass wir es nicht sind, die Liturgie machen. Die Liturgie ist vor uns da, wir treten zu ihr hinzu. Es gibt die Anbetung der Heiligen, der Engel Gottes und wir nehmen an dieser Anbetung teil. Daher lädt uns ja die Kirche auch dazu ein, am Anfang der Liturgiefeier unsere Schuld zu bekennen, damit wir dann gereinigt zu diesen „Konzelebranten“ des Himmels passen. Es handelt sich um eine Lebensader unserer Kirche. Das zeichnet sich gewiss auch in der Jugendbewegung ab. Nach den Weltjugendtagen hat man mit mir darüber gesprochen, wie es denn nun weitergehen kann. Bei uns gibt es die Aktion „Nightfever“ [ZENIT berichtete], eine Bewegung der Jugend. Ich bin immer sehr ergriffen, wie viel Elan es da in Glaubensfragen gibt. Das geht viel einfacher als mit der älteren Generation. Die jungen Menschen entwickeln wieder ein Gespür für die Form und den Inhalt.

Ein Beispiel ist auch die Messdienerschaft im Dom zu Köln. Das sind hauptsächlich junge und ältere Männer, die sich gegenseitig rekrutieren. Sie kommunizieren auch immer auf die Zunge, was von ihnen selber ausging. Das ist sehr wichtig. Was mich am meisten bedrückt, das ist wirklich die Profanierung der Eucharistie. Ich habe einmal in einem großen Gottesdienst mehr als 4000 Kommunionen ausgeteilt. Daraufhin habe ich zum örtlichen Pfarrer gesagt, dass seine Gemeinde doch nun vor eucharistischer Energie „bersten“ müsse. Es war aber eher ein Abbau spürbar.

Wir haben so viel abgebaut, aber nichts an die Stelle des Abgebauten gesetzt. Beispielsweise gibt es kein eucharistisches Fasten mehr, die Kommunionbänke sind weg, die Kommuniontücher sind weg. Jeder kann kommen und sich die Kommunion in die Hand drücken lassen. Darum fehlt es den Menschen dann auch an Ehrfurcht. Darum fühlen sich die „wiederverheirateten“ Geschiedenen ausgeschlossen. Sehr viele von ihnen sind treu, dürfen aber keine Kommunion empfangen. Andere haben ein vernachlässigtes Glaubensleben, kommen aber und „machen das Händchen“ auf.

Es muss eine neue Kultur der Eucharistie geschaffen werden. Wir haben in Köln im nächsten Jahr den eucharistischen Kongress, davon erwarten wir uns viel.
German Kardinal Meisner zur Diskussion um die Gleichstellung der "Homo-Ehe"
Sept 16, 2012
"Nachdenklichkeit ist angebracht"

Seit Wochen hält die Diskussion um eine steuerliche Gleichstellung homosexueller Paare an. Für Joachim Kardinal Meisner ist die Ehe von zwischen Mann und Frau "die Keimzelle des Staates". domradio.de dokumentiert seinen Debattenbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" von Freitag in voller Länge.
"Es gilt als modern, alte Zöpfe abzuschneiden und vermeintlich spießige Vorstellungen vergangener Zeiten entschlossen anzupassen. Mehr oder weniger bewusst ist dies auch die verbreitete Haltung in der Diskussion um die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe. Doch hier ist mehr Nachdenklichkeit sehr angebracht.

Es ist das ureigenste Interesse des Staates, dass es die Ehe zwischen Frau und Mann gibt, denn aus der Ehe erwächst die Familie, und sie ist seine Keimzelle und Bestandsgarant. Jeder Mensch und Bürger hat genau eine Mutter und einen Vater. Deshalb stellt unsere Verfassung die Ehe zwischen Mann und Frau unter besonderen Schutz, denn die Ehe ist damit weit mehr als die gegenseitige Übernahme von Verantwortung füreinander. Das sollte eigentlich eine Binsenweisheit sein.

Daraus ergibt sich aber: wenn der Staat nicht mehr die Ehe besonders als Lebensgemeinschaft von Mann und Frau fördert und schützt, sondern gleichgeschlechtliche Partnerschaften ebenso, dann fördert er eigentlich nur eine Form des sexuellen Zusammenlebens. Dies aber ist etwas völlig anderes als der Schutz der ehelichen Lebensform als generative Keimzelle, und der Staat sollte es sich sogar untersagt sein lassen, hier regelnd einzugreifen: Denn die Kriterien, nach denen seine Bürger ihr privates Zusammenleben gestalten, gehören rechtlich einzig und allein in deren persönlichen Entscheidungsbereich.

Letztlich ist die sexuelle Orientierung ja auch nur einer von vielen möglichen Beweg-gründen, eine Lebensgemeinschaft zu bilden - wirtschaftliche oder politische Überlegungen sind ebenso denkbar wie rein pragmatische. Unter Umweltaspekten etwa könnte der Staat dann auch Fahrgemeinschaften rechtlich der Ehe gleichstellen. Was alle diese Kriterien möglichen Zusammenlebens von der Ehe fundamental unterscheidet, ist der generative Aspekt: er ist untrennbar und einzig mit der Ehe verbunden, weil er ihr innewohnt, selbst wenn er nicht in jedem Fall realisiert wird. Die sexuelle Orientierung ist ja nur deshalb konstitutiv für die Ehe, weil sie Voraussetzung für die Weiter-gabe des Lebens ist.

Nun kann man einwenden: die Fortpflanzung lässt sich auch anders organisieren als in der Ehe; die Techniken sind vorhanden. Abgesehen von der Frage, welchen Eigen- und Stellenwert ein Kind dann noch hat: auch das ändert nichts daran, dass jeder Mensch genau eine Mutter und einen Vater hat - und er hat überdies ein Menschenrecht darauf zu wissen, wer seine biologischen Eltern sind. Vater und Mutter sind keine bloßen Funktionen, sondern fundamentale Existenzweisen des Menschen.

Doch die existenziell bedeutsamen Begriffe "Mutter", "Vater", "Familie" werden immer häufiger rein funktional definiert, gleichsam soziotechnisch mit dem Begriff "Verantwortung" oberflächlich besehen neu gefüllt, doch bei näherem Hinsehen werden sie gleichzeitig ihres wesensmäßigen Inhalts beraubt. Indem man glaubt, Familie bloß funktional neu definieren zu können, verdrängt man die leibliche Komponente der Wesensbegriffe Mutter und Vater. An die Stelle der Leiblichkeit tritt eine merkwürdige Form der "Leihlichkeit". So wesentlich und auch anerkennenswert Verantwortung für-einander ist: sie kann die Substanz der Seinsweisen "Mutter" und "Vater" nie ersetzen. Genau besehen könnte man sagen: Mitten im selbstverliebten Exhibitionismus unserer Gesellschaft offenbart sich darin überraschend eine subtile Form neuer Leibfeindlichkeit. Die natürlichen Gegebenheiten gelten nichts mehr. Alles ist möglich! Koste es, was es wolle! Und sei es die eigene Identität! Oder genauer: die der Kinder. Denn die leibliche Eltern-Kind-Beziehung wie auch umgekehrt die Kind-Eltern-Beziehung ist konstitutiv für die Identität jedes Menschen. Wer ist meine Mutter, wer mein leiblicher Vater? Wie wir heute auch wissenschaftlich belegen können, sind diese Fragen, wie die meisten Kinderfragen, alles andere als trivial.

Gleich ob also in jeder Ehe die Fortpflanzung realisiert und die eheliche Partnerschaft damit zur Familie wird: Die Ehe bewahrt in naturgegebener Weise das Wissen um und die Achtung vor Ursprung und Weitergabe des Lebens aus Mann und Frau. Als Lebensform und Modell ist sie deshalb einzigartig, außer Konkurrenz und der Orientierungspunkt, der aus allen anderen möglichen Formen bloßer Verpartnerung herausragt.

Und noch etwas wird deutlich: wenn eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft nur eine Form des sexuellen Zusammenlebens ist, die Ehe aber unaufgebbare Keimzelle des Staates, dann behandelt der Gesetzgeber hier Ungleiches gleich. Das widerspricht ehernen Rechtsgrundsätzen und kann daher nicht gut gehen. Ich bin deshalb froh, dass es unter den Politikern namentlich in der CDU auch solche gibt, die dies erkannt haben und nachdrücklich darauf aufmerksam machen."

Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von Freitag (31.08.2012).
German Kardinal Meisner kritisiert Gesetzentwurf zur Sterbehilfe
Sept 16, 2012

Köln (dapd). Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, hat den Gesetzentwurf von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zur Sterbehilfe als Preisgabe der Menschenwürde kritisiert. Es sei ein Eingriff nach dem anderen erfolgt, "bis wir nun an einem Punkt angelangt sind, in dem man mit vollem Ernst meint, an einen lebenden, wenn auch kranken Menschen Hand anlegen zu können", schrieb Meisner im "Kölner Stadt-Anzeiger". Aktive Sterbehilfe dürfe es grundsätzlich nicht geben.

Stattdessen forderte der 78-Jährige verstärkte Aufklärung über Schmerztherapie, Palliativmedizin und die Arbeit von Hospizen sowie eine intensivierte Sterbebegleitung. "Der Mensch soll an der Hand des Menschen sterben, nicht aber durch seine Hand", schrieb Meisner. Dazu gehöre zweifellos auch eine effektive Schmerztherapie, auch wenn dies unter Umständen das Leben des Patienten verkürze.

http://www.welt.de/newsticker/news3/article108522220/Kardinal-Meisner-kritisiert-Gesetzentwurf-zur-Sterbehilfe.html
German Hoher humorvoller Besuch
Jun 23, 2012
Kardinal Joachim Meisner besuchte Gottesdienst in Walldürn

n Anlehnung an den Schlager aus dem Jahr 1925 mit dem populären Titel „Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren“ formulierte am Dienstagmorgen der Kölner Kardinal Joachim Meisner beim Pontifikalgottesdienst in der Wallfahrtsbasilika den Text um in „Ich hab mein Herz in Walldürn verloren“. Dabei verwies er auf den Glaubenseifer und das Durchhaltevermögen der diesjährigen Wallfahrer.

Die Pilger der 364. Fußwallfahrt aus Köln in der sehr gut besuchten Wallfahrer-Messe schmunzelten und fühlten sich besonders geehrt. Das nicht immer unumstrittene Kölner Oberhaupt Meisner war eigens in das Odenwaldstädtchen gekommen und zeigte sich ganz angetan vom geschmückten Ambiente im sogenannten Madonnenländchen.

Kühle Temperaturen veranlassten die Verantwortlichen mit den Gläubigen aus nah und fern dazu, die Messe mit dem Kölner Kardinal nicht im Freien, sondern in der päpstlichen Basilika zu besuchen.

Meisner, sonst sehr kritisch im Umgang mit den gegenwärtigen kirchlichen Strömungen und Aktionen, zeigte sich in seiner Ansprache erstaunlich aufgeschlossen, humorvoll und einfühlsam. Dabei würdigte er die kunstvollen Kirchengebäude als „Mitte des Gemeinwesens“, wo die Freude Gottes zum Ausdruck komme, bei den Menschen zu sein und wo die Freude der Menschen sich äußere, bei Gott zu sein und seine Nähe zu spüren.

„Unsere Kirchen sind Lebensräume des eucharistischen Herrn in unseren Städten und Dörfern und sollten allen Menschen zugänglich sein“, betonte der Kardinal.

Die Kirche sei ein Haus für alle, Kirchen sollten immer offen sein. Der Herr habe sein Herz in Walldürn verloren, seine Blutspuren offenbarten sich auf dem Korporale – hier nahm der Kardinal Bezug zur Entstehung der hiesigen Wallfahrt um 1300.

Viele Tage und Stunden waren die Kölner Fußwallfahrer unterwegs. Geehrt wurden am Ende des besonderen Gottesdienstes etliche Wallfahrer, die schon zum dreißigsten oder vierzigsten Mal ohne Unterbrechung von Köln in den Odenwald gepilgert waren.

Die Wallfahrtszeit begann in Walldürn heuer am 3. Juni und wird am 1. Juli 2012 enden. Das diesjährige Leitwort lautet „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5).

Besondere Höhepunkte sind die Fronleichnamsprozession in dieser Woche , dann der Große Blutfeiertag am 14. Juni mit dem Freiburger Weihbischof Dr. Paul Wehrle sowie der Wallfahrtstag der Heimatvertriebenen, Ausländer und ausländischen Mitbürger am 24. Juni.

http://www.mainpost.de/regional/main-tauber/Hoher-humorvoller-Besuch;art21526,6826843
German Wieso Gott Mann und Frau verbunden hat
Apr 11, 2012
Die Ehe ist beileibe kein Auslaufmodell, das zeigen jüngste Studien. Wer die Bibel liest, weiß das schon lange, denn Gott hat Mann und Frau erschaffen, damit sie sich als Eheleute gegenseitig ergänzen Von Joachim Kardinal Meisner

„Die Ehe hält“ titelte vor Kurzem eine große deutsche Wochenzeitung. Und sie fährt fort: „Nie zuvor war es in Deutschland so leicht, den Bund fürs Leben zu verlassen. Aber die meisten bleiben.“ Die Ehe ist alles andere als ein Auslaufmodell. Auch die verschiedenen Jugendstudien belegen immer wieder, dass die Sehnsucht nach Partnerschaft, Verlässlichkeit und Familie die Rangliste der Werte anführt.

Darüber hinaus zeigen Statistiken, dass zwei Drittel der Ehen durch den Tod eines Partners enden und drei Viertel aller Kinder mit beiden Eltern aufwachsen. Angesichts dieser erstaunlichen Befunde sind Psychotherapeuten wie der Paartherapeut Jürg Willi längst dazu übergegangen, von der früher üblichen Skandalberichterstattung zur viel spannenderen Frage vorzudringen. Was hält Paare zusammen? Der erwähnte Beitrag jedenfalls zieht den Schluss: „All das lässt sich als phänomenaler Erfolg der Institution Ehe verstehen.“

"Zufall" als Künstlername Gottes

Ist das bloß Zufall oder in der Ordnung, die Gott seiner Schöpfung eingestiftet hat, grundgelegt? Da „Zufall“ nichts anderes als ein Künstlername Gottes ist, spricht alles für Letzteres.

Gott selbst, so glauben wir Christen, hat den Menschen als Mann und Frau erschaffen, die aufeinander hingeordnet sind, sich gegenseitig ergänzen sowie als Eheleute und Eltern zu Interpreten seiner Liebe werden. Insofern ruhen die Ehe und ihre Unauflöslichkeit auf Fundamenten, die dem Wechsel politischer und gesellschaftlicher Anschauungen vorgeordnet sind und nicht zu deren „Verfügungsmasse“ gehören.

Papst Benedikt XVI. (Link: http://www.welt.de/13943896) schreibt dazu: „Der Schöpfungsbericht der Bibel (Link: http://www.welt.de/themen/bibel/) spricht von der Einsamkeit des ersten Menschen, Adam, dem Gott eine Hilfe zur Seite geben will. Keines von allen Geschöpfen kann dem Menschen diese ihm nötige Hilfe sein (…) Der Gedanke ist doch da, dass der Mensch gleichsam unvollständig ist …; dass er nur im Miteinander von Mann und Frau ‚ganz' wird.“ (Enzyklika Deus caritas est, 11)

Eheleute sind "nicht mehr zwei, sondern eins"

Gewiss wird diese Überzeugung vom Glauben genährt. Aber auch der österreichische Forscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt, der die Humanethologie als einen Zweig der Verhaltensbiologie begründet hat, schreibt in seinem „Grundriss der vergleichenden Verhaltensforschung“: „Menschen sind auf eheliche Dauerpartnerschaft angelegt und dies insbesondere zum Wohle ihrer Kinder.“

Was die Ethologie vermutlich als „anthropologische Konstante“ bezeichnen würde, das fasst die katholische Glaubensüberzeugung in den Begriff der Schöpfungsordnung: Ehemann und Ehefrau sind „nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“ (Matthäusevangelium 19,6).

Für uns Christen jedoch hat die Ehe noch eine größere Bedeutung. Denn die Heilige Schrift sagt uns, dass sich die liebevolle Erlösung der Menschen durch Jesus Christus (Link: http://www.welt.de/themen/jesus/) unmittelbar auf ein tieferes Verständnis der Ehe auswirkt. An seiner Liebe zur Kirche und zur gesamten Menschheit soll die eheliche Liebesgemeinschaft teilhaben.

Die Ehe als Teil der Liebe Gottes

So heißt es im Brief an die Epheser, die Männer seien „verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern ernährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche. Denn wir sind Glieder seines Leibes.

Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein.“ Dann folgen die bedeutungsschweren Worte: „Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche“ (Epheserbrief 5,32).

Die Ehe ist also nach christlicher Überzeugung eingebettet in eine größere Liebe, nämlich in die Liebe des Schöpfer- und Erlösergottes zu den Menschen: „Der Eros“, so Papst Benedikt, „verweist von der Schöpfung her den Menschen auf die Ehe, auf eine Bindung, zu der Einzigkeit und Endgültigkeit gehören. (…) Die auf einer ausschließlichen und endgültigen Liebe beruhende Ehe wird zur Darstellung des Verhältnisses Gottes zu seinem Volk und umgekehrt: die Art, wie Gott liebt, wird zum Maßstab menschlicher Liebe.“

Gesetzlicher Schutz der Ehe allein reicht nicht

Natürlich kann man die Ehe auch auf andere Fundamente bauen, auf menschliche Wünsche und Vorstellungen. Aber dann ist sie immer gefährdet durch die Wandelbarkeit solcher Wünsche, denn es fehlt einer solchen Liebesbeziehung letztlich die Fundierung im Absoluten: in Gott, von dem wir Christen glauben, dass er Liebe ist, Liebe schenkt und uns alle zur Liebe verpflichtet. Wie bei einem Bauwerk ist die Haltbarkeit der Ehe nicht gewährleistet, wenn man dieser ihr ureigenes verlässliches Fundament entzieht.

Dass auch unsere Verfassungsordnung die Ehe unter ihren besonderen Schutz stellt, hängt mit dem Umstand zusammen, dass der Staat sich bemühen muss, möglichst stabile Verhältnisse für künftige Generationen zu sichern (Link: http://www.welt.de/11330106) , also für die Kinder, die Schwächsten in unserer Gesellschaft.

Freilich genügt es zur Erfüllung dieses Verfassungsgebots keineswegs, das Grundgesetz aufzusagen, und auch die daraus folgenden gesetzlichen Regelungen reichen nicht aus. Der moderne Verfassungsstaat ist vielmehr darauf angewiesen, dass der Wert der Ehe in unserer Gesellschaft aus Überzeugung verteidigt wird. Dazu leisten hierzulande die christlichen Kirchen einen wichtigen Beitrag, der ein Beitrag für die Zukunft von uns allen ist.

Der Autor ist seit 1989 Erzbischof von Köln

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article106142320/Wieso-Gott-Mann-und-Frau-verbunden-hat.html
German "Jeder ist fähig zum Guten"
Mar 05, 2012
Kardinal Meisner erinnert an die Pflicht zu sittlichem Handeln

Kardinal Joachim Meisner hat die grundlegende menschliche Fähigkeit zu sittlichem Handeln unterstrichen. Jeder könne von Natur aus erspüren, "was gut oder recht ist", sagte Meisner am Donnerstag bei einem Gottesdienst in Regensburg. Dazu sei weder eine göttliche Offenbarung noch eine Belehrung von außen erforderlich.
Über diese Fähigkeit verfüge der Mensch aufgrund des Naturrechts, das Gott seiner Schöpfung eingeprägt habe. Dieses liege aller menschlichen Gesetzgebung voraus. Meisner erinnerte an die Bundestagsrede von Papst Benedikt XVI. im vergangenen September. Dort habe der Papst das Recht jeder Person auf Unantastbarkeit ihrer Menschenwürde herausstellen wollen und die Pflicht zum Ringen um konkrete Normen, die im Dienst dieser Menschenwürde stehen müssten. Als Krone der Schöpfung habe der Mensch seine unveräußerliche Würde von Gott. "Aber überall in unseren menschlichen Gesellschaften liegen heruntergerissene Kronen", so der Kardinal. "Es ist unsere ausdrückliche Berufung von Gott her, den Menschen zu helfen, dass alle ihre Kronen wiederfinden und dass wir auch die unsrigen nicht verlieren." Gott habe die Menschen als sein Ebenbild so ausgestattet, dass unter ihnen ein gesegnetes Zusammenleben möglich ist.

Gegenüber domradio.de zog der Kölner Kardinal ein positives Fazit der Frühjahrsvollversammlung. Seine sehr guten Eindrücke von Regensburg hätten sich bestätigt. Sehr bereichert habe ihn dabei die Begegnung mit den Bischöfen, gerade mit den jüngeren, so Meisner. Von seinem Generalvikar Dr. Dominik Schwaderlapp, der an der Herbstvollversammlung in Fulda erstmals als Weihbischof teilnehmen wird, erwartet der Kölner Erzbischof, dass er sein solle "wie immer: wach, ein bisschen frech und kritisch". Schwaderlapp solle seinen Wappenspruch in die Konferenz tragen: "Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet."

http://www.domradio.de/aktuell/80211/kardinal-meisner-erinnert-an-die-pflicht-zu-sittlichem-handeln.html
German Meisner verurteilt Abtreibung
Jan 25, 2012
Mit Nachdruck hat sich der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner für das Lebensrecht ungeborener Kinder eingesetzt. „Vor Gott gibt es keine Differenz zwischen ungeboren und geboren“, sagte Meisner im Dom.

Köln - Mit Nachdruck hat sich der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner für das Lebensrecht ungeborener Kinder eingesetzt. „Vor Gott gibt es keine Differenz zwischen ungeboren und geboren, zwischen den ersten drei Monaten und den letzten sechs Monaten einer Schwangerschaft“, sagte Meisner am Mittwochabend in seiner Predigt zum „Fest der unschuldigen Kinder“ im Dom. Ein Kind dürfe nie Mittel zum Zweck werden, „wenn es etwa der Familienplanung widerspricht, so dass man dann sein Leben auslöscht“. Daher trete die Kirche „gegen jede Tötung ungeborener Kinder und natürlich auch der geborenen Kinder ein“.

Meisner regte an, den 28. Dezember zum „Staatsfeiertag“ zu erheben, da er „gleichsam auch das Fest der Zukunft unseres Volkes“ sei. Die Kinderzahl in Deutschland sei so massiv gesunken, „dass die soziale Sicherheit für unsere Bevölkerung verloren gegangen ist“. Meisner weiter: „Wir gehören materiell zu den reichsten Völkern der Welt und sind gleichzeitig das kinderärmste auf Gottes weiter Erde. Da stimmt doch etwas nicht.“ Das geistige und spirituelle Niveau eines Volkes zeige sich immer darin, in welcher Weise Familien, Kindergärten und Schulen politisch gewertet und gefördert würden.

http://www.ksta.de/html/artikel/1325073787060.shtml
German Papst-Boykott im Bundestag ist „kleinkariert und engstirnig“
Oct 15, 2011
Deutschlands mächtigster Kardinal im Interview mit BILD

Er ist Deutschlands mächtigster Kardinal und ein enger Vertrauter von Benedikt XVI. In BILD spricht der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner (77) über den Papst-Besuch, ärgert sich über das Fernbleiben von Bundestagsabgeordneten zur Papst-Rede und erklärt, wie der Katholizismus in Deutschland stärker werden kann.

BILD: Eminenz, freuen Sie sich auf den Papst?

Joachim Kardinal Meisner (lacht): "Natürlich freue ich mich."

BILD: Was bedeutet der Besuch des Papstes für die Gläubigen?

Meisner: "Es ist eine große Stärkung. Er wird uns sicher Dinge sagen, die uns bestärken und uns mit Selbstbewusstsein und Freude erfüllen."

BILD: Der Papst wird auch vor dem Bundestag sprechen. Welche Themen soll er dort ansprechen?

Meisner: "Thema ist die Einheit Europas. Er wird ansprechen, dass Europa zu wenig auf seine christlichen Wurzeln schaut. Manchmal hat man in der gegenwärtigen Politik den Eindruck, das Christentum sei in Europa eher ein Störenfried als die Wurzel. Aber wir sind die Wurzel Europas. Und wenn man die Wurzel abschneidet, dann vertrocknet der Baum."

BILD: Was halten Sie von der Ankündigung von 100 Abgeordneten von Linken, Grünen und der SPD, der Rede fernbleiben wollen?

Meisner: "Das ist so kleinkariert und das ist so engstirnig, dass man nur darüber lachen oder weinen kann.”

BILD: Wie kann man Ihrer Meinung nach der steigenden Zahl von Kirchenaustritten entgegenwirken?

Meisner: "Wir sind ja darum bemüht, dass wir den Gläubigen sagen, zu Christus gibt es keine Alternative. Wo wollt Ihr denn hingehen? Die Kirchenaustritte sind ja keine Ad-hoc-Aktionen, die sind ja der Endpunkt eines Entfremdungsprozesses. Wir müssen als Kirche auf die Menschen zugehen."

BILD: Was braucht der Katholizismus, um attraktiver zu werden?

Meisner: "Im vergangenen Jahr wurde deutlich, dass es sexuelle Missbräuche gegeben hat. Und das hängt uns sehr nach. Ich hätte das selber nicht vermutet. Ich habe noch nie an der Kirche gezweifelt. Aber es hat mich selbst in Schwierigkeiten gebracht, weil ich dachte ‚Bist Du so naiv, dass Du das nicht für möglich gehalten hast’. Die Kirche ist im Blick auf die Wahrheitssuche manches Mal hinter dem eigenen Anspruch zurückgeblieben. Dadurch ist für viele auch die Glaubwürdigkeit unserer Botschaft bedenklich in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Katholizismus kann wieder attraktiver werden, wenn wir die Freude an Gott haben und aus dieser Haltung auch die Welt mitgestalten, zum Wohl aller."

BILD: Berlin ist eine säkulare Stadt. Kann der Besuch des Papstes der Stadt einen katholischen Ruck geben?

Meisner: "Der Papst will die Berliner ja nicht alle katholisch machen.Aber er möchte ihnen zu Bewusstsein bringen, dass jeder Mensch eine besondere Verantwortung hat. Er wird sagen: Lasst Euch nicht von den Schwierigkeiten übermannen. Und ich hoffe, dass sich jetzt, auch durch den Papstbesuch, viel konsolidieren wird. Auch wenn die Katholiken in Berlin nur eine kleine Truppe sind."

BILD: Sie waren mal Bischof von Berlin. Haben Sie hier noch Lieblingsorte?
Meisner: "In meinem Herzen ist immer eine Berliner Ecke geblieben, obwohl ich jetzt 22 Jahre dort weg bin. Ich liebe Berlin. Ein Lieblingsort ist natürlich die Hedwigs-Kathedrale. Und ich bin immer sehr gerne in die Bildergalerie des Charlottenburger Schlosses gegangen. Da hängen die ganzen Kaspar David Friedrich‘s. Und wenn ich mal nach Berlin komme, dann nehme ich mir immer drei, vier Stunden Zeit für die Museumsinsel.

http://www.bild.de/politik/inland/meisner-joachim/kardinal-meisner-ueber-den-papstbesuch-20076260.bild.html
German Kardinal Meisner kritisiert PID-Entscheidung des Bundestags
Aug 07, 2011
Gegen Leben und Würde

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat die Bundestagsentscheidung für eine Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) kritisiert, da sie „sich gegen das Leben und seine unantastbare Würde“ wende. Auch die Bischöfe von Münster und Essen meldeten sich kritisch zu Wort.

In einer Stellungnahme zur Bundestagsentscheidung zur Präimplantationsdiagnostik (PID) hat der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner sein Bedauern zum Ausdruck gebracht. Das Votum der Abgeordneten für eine begrenzte Zulassung der PID sei falsch und wende sich „gegen das Leben und seine unantastbare Würde“. Meisner nannte die Argumentation der Befürworter, dass durch die PID Elternglück gefördert und Leid vermieden werde, eine Aufrechnung „völlig unterschiedlicher Werte“. Zwar seien Glück und Gesundheit zweifelsfrei hohe Werte, aber sie dürften „doch nicht mit der Tötung menschlichen Lebens erkauft werden“.

Das unantastbare Lebensrecht könne durch keine Gewissensentscheidung von Eltern oder Ärzten aufgehoben werden. Der Kardinal erwartet einen „gesellschaftlichen und moralischem Klimawandel“ in Deutschland. Die Erfahrung lehre, dass alle Regeln, die als Einschränkung und Ausnahme gedacht seien, binnen kurzer Zeit als Gewohnheitsrecht und Anspruch betrachtet würden. Mit der Entscheidung sei „ein weiterer Stein aus dem Fundament gebrochen, auf dem die Menschenwürde“ ruhe.

Schwaderlapp: Kultur des Todes
Auch der Kölner Generalvikar Dr. Dominik Schwaderlapp bedauert das Berliner Votum. In seinem Gebet zum Wochenende für domradio.de bittet er stellvertretend für die Verantwortlichen dieser „fatalen Entscheidung“ um Verzeihung.  Ein weiteres Mal würden sich Menschen „als Herren über Leben und Tod aufspielen“ und meinen, selbst entschieden zu können, wer das Recht hat zu leben und wer nicht, so Schwaderlapp. Diese „Kultur des Todes“ sei bedauernswert.

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck nannte die Auswahl menschlicher Embryonen einen „Verstoß gegen die personale Würde, die jedem Menschen zukomme“. Overbeck mahnte an, nun klare Grenzen bei der Anwendung der PID festzulegen. „Ich habe Verständnis dafür, dass Eltern sich ein gesundes Kind wünschen, aber ein Recht darauf kann es nicht geben.“ Genn sagte, die Entscheidung lasse ihn nicht resignieren. Vielmehr mache sie ihn „noch wacher im Hinblick auf eine Verwirrung des Denkens und noch entschiedener, ihr mit christlichem Freimut zu begegnen“. Jetzt komme es darauf an, eine „Zivilisation des Todes“ zu verhindern und eine „Zivilisation der Liebe“ aufzubauen.

Kirchen in Ablehnung einig
Münster Bischof Felix Genn sieht in ihr einen „Dammbruch“. Menschen hielten sich für ermächtigt, „menschliches Leben als unzumutbare Belastung, als unserer Gesellschaft und des Lebens nicht geeignet und würdig zu beurteilen“. Bereits am Donnerstag kurz nach der Entscheidung hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch die Entscheidung kritisiert. Die Selektion von menschlichen Embryonen verstoße gegen „das Achtungsgebot der Menschenwürde, die jedem Menschen von Anbeginn zuteil ist“. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, erklärte in Düsseldorf, das Gesetz sei zu weitgehend. Er hätte eine Zulassung der PID nur für den Ausnahmefall einer mit großer Wahrscheinlichkeit drohenden Tot- oder Fehlgeburt persönlich vorgezogen.

Die begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik hatte am Donnerstag nach teils emotionaler Debatte eine parteiübergreifende Mehrheit im Bundestag gefunden. Bei der PID werden Embryonen aus künstlicher Befruchtung in einem sehr frühen Stadium auf Erbkrankheiten oder Behinderungen untersucht. Nur gesunde Embryonen werden in den Mutterleib eingesetzt, die anderen sterben ab.

Mit der Ergänzung des Embryonenschutzgesetzes reagierte das Parlament auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs. Dieser hatte im Juli 2010 der vorherrschenden Auffassung widersprochen, dass PID verboten sei. Die katholische Kirche hatte sich im Vorfeld vehement für ein Verbot der PID ausgesprochen.

http://www.domradio.de/aktuell/74956/gegen-leben-und-wuerde.html
German Kardinal Meisner antwortet Bürgern im Internet
Jun 25, 2011

Köln (dpa/lnw) - Der Kölner Kardinal Joachim Meisner will künftig Fragen von Bürgern im Internet beantworten. An diesem Sonntag werde die Seite www.direktzumkardinal.de freigeschaltet, teilte das Erzbistum am Donnerstag mit. Jeder kann dort Fragen stellen oder über die Fragen anderer abstimmen, so dass sich eine Rangfolge von Beiträgen bildet. Die auf diese Weise am besten bewertete Frage werde jeweils alle zwei Wochen von Meisner beantwortet. Auch persönliche Fragen wie etwa zum Alltag oder zur Biografie des Kardinals seien erlaubt. Alle Beiträge sollen online sichtbar bleiben, so dass ein interaktives Kommunikationsforum entsteht.

http://www.bild.de/regional/ruhrgebiet/ruhrgebiet-regional/kardinal-meisner-antwortet-buergern-im-internet-18303394.bild.html
German „Wir haben uns nie gebeugt“
May 29, 2011
Im Altenberger Kapitelsaal plauderte Joachim Kardinal Meisner aus dem Nähkästchen. Er schildert unter dem Thema "Christsein hatte seinen Preis - Die katholische Kirche in der DDR" seinen unfreiwilligen und ungewollten Umzug in den Westen.

ALTENBERG. "Joseph, hast Du mal ein bayerisches Bier?" Plastisch beschreibt Joachim Kardinal Meisner, mit welcher Art von Seelenbalsam er sich vor mehr als 20 Jahren im Vatikan vom damaligen Kardinal Ratzinger trösten ließ, nachdem er es nicht geschafft hatte, Papst Johannes Paul II. bei einer Vorsprache auf Castel Gandolfo den Plan auszureden, ihn als Erzbischof von (Ost-)Berlin nach Köln zu schicken. Meisner wollte nach eigenem Bekunden überhaupt nicht in den Westen wechseln, sondern bei seiner kleinen Herde im traditionell protestantischen, seit 1945 aber zusehends atheistischen Osten bleiben.

Es ist mucksmäuschenstill an diesem Dienstagabend im Altenberger Kapitelsaal, als Kardinal Meisner vor weit mehr als hundert Zuhörern über das Thema "Christsein hatte seinen Preis - Die katholische Kirche in der DDR" spricht. Meisner predigt an diesem Abend nicht von der Kanzel, sondern begibt sich auch auch physisch auf Augenhöhe mit seinen Zuhörern. Der 77-jährige Würdenträger lässt sich auf einem Sessel nieder und spricht über Gott und die Welt. Und plaudert aus dem Nähkästchen.

Geboren wurde Meisner am Weihnachtstag des Jahres 1933 in Niederschlesien, als Hitler schon elf Monate an der Macht war. Kindheit unter dem Hakenkreuz, Krieg, dann Vertreibung, Ankunft in der Sowjetischen Besatzungszone, Leben als Teil einer winzigen katholischen Minderheit im vermeintlichen Paradies auf Erden: Meisner erlebte von seiner Geburt an fortwährend eine Prüfung seines Glaubens, und vielleicht ist das auch eine Erklärung für seine nicht eben typisch rheinische Rigidität in Glaubensfragen.

Meisner erzählt von seiner Kindheit in einem Land, in dem die SED-Strategen erkannt hatten, dass sie nicht nur um die Köpfe, sondern auch um die Seelen der Menschen zu kämpfen hatten, wenn sie dauerhaft Erfolg haben wollten. Sie kopierten fleißig christliche Riten, etwa mit der Jugendweihe als Ersatz für die Kommunion. Meisner: "Der Teufel ist der Affe Gottes, er äfft ihn nach, ohne selbst Neues zu schaffen." Schon als Kind wehrte er sich, beschloss gemeinsam mit Gleichaltrigen, dass er nicht Russisch lernen wollte. "Heute bedauere ich das, aber damals war es ein Symbol für uns, dass wir nicht Kommunisten werden wollten." Die jungen Leute verbrannten ihre Russisch-Bücher - und mussten sich daraufhin ein paar Ohrfeigen in der russischen Kommandantur abholen.

In all seiner Zeit in der DDR achtete er nach eigenem Bekunden intensiv darauf, sich nicht vom Regime korrumpieren zu lassen. "Was meinen Sie, was ich für Reisen hätte machen können, wenn ich mich darauf eingelassen hätte." Tat er aber nicht. "Wir haben uns nie dieser Bande gebeugt um irgendwelcher Vorteile willen. Das gab uns Freiheit." Über seine persönlichen Enttäuschungen angesichts von Menschen aus seiner Nähe, die mit der Stasi zusammenarbeiteten, möchte er auf Nachfrage aus dem Publikum nicht sprechen. Aber die Art, wie er das sagt, lässt spüren, dass ihm der zweifach erlittene Verrat immer noch nahe geht.

Monate vor dem Fall der Mauer dann der große Einschnitt mit dem Wechsel nach Köln. 1987 hatte Meisner noch vor 125 000 Gläubigen in Dresden gepredigt, dass die Christen in der DDR blieben, aber keinem anderen Stern folgen würden als dem von Bethlehem, und jeder wusste, dass der andere Stern der rote der Sowjets war.

Als Meisner dann Monate später von dem Vorhaben des Papstes erfuhr, ihn an den Rhein zu schicken, fuhr er umgehend nach Rom. Die Vorsprache bei Johannes Paul II. fand zwar in entspannter Atmosphäre in der Sommerresidenz statt, doch der Papst blieb in der Sache hart - auch als Meisner ihn fragte, ob er sich denn jetzt hoffentlich nicht "ex cathedra", sondern "ex Liegestuhl" geäußert habe.

Seit 1989 ist Meisner nun der nicht immer und von allen geliebte Erzbischof von Köln. Wobei: An diesem Abend ist das anders. Am Ende seines Vortrags in Altenberg danken ihm die Zuhörer mit warmem Applaus für seine Worte.

http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1305181938740.shtml
German Zusammenbruch der Ethik
Apr 29, 2011
Schleichende Entwicklung hin zu einer Kultur der Lebensvernichtung

FRANKFURT, Montag, 18. April 2011 (ZENIT.org/KNA) Eine schleichende Entwicklung hin zu einer Kultur der Lebensvernichtung hat Kardinal Joachim Meisner beklagt. Seit Jahren befinde sich die Gesellschaft bei den Themen Sterbehilfe, Abtreibung und Embryonenschutz auf einer „schiefen Ebene", schreibt der Kölner Erzbischof in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung". Allmählich vollziehe sich so „der Zusammenbruch der Ethik des Grundgesetzes, die sich der jüdisch-christlichen Auffassung vom gottebenbildlichen Menschen verdankt".

Aus der Sicht des Kardinals steht am Anfang dieser Entwicklungen stets „eine für die Grenzüberschreitung aufgeschlossene Atmosphäre" aus scheinbar harmlosen Motiven. So sei mit Verweis auf das Leid ungewollt kinderloser Paare die künstliche Befruchtung erfunden worden. Bedenklich sei es erst geworden, als bekannt wurde, dass nicht verwendete Embryonen tiefgekühlt oder zerstört werden. Inzwischen gebe es die Möglichkeit, behinderte Embryonen mittels Gentests zu selektieren und zu vernichten. Dahinter stehe die Frage: „Warum soll man einen Menschen, den man durch künstliche Befruchtung 'produziert' hat, nicht frühzeitig auf seine Produktqualität testen?"

Auch beim Thema Abtreibung sei es zunächst um die Notlage von Frauen gegangen. Inzwischen werde die Abtreibung aber wie ein Verhütungsmittel eingesetzt. Zugleich sei auch hierbei die Tötung Behinderter immer weiter fortgeschritten. Kardinal Meisner wörtlich: „Dafür gilt nun in Deutschland eine Hasenscharte als ausreichender Grund, ein Kind mit medizinischer Indikation noch im Geburtskanal mit einer Kaliumspritze ins Herz zu töten. Dieser Eingriff ist Kassenleistung."

Eine Radikalisierungstendenz sieht Meisner auch bei der sogenannten Sterbehilfe. Anfangs sei es um einige „Extremfälle" von Menschen gegangen, die nicht mehr leben wollten. „Dann gab es den Ruf nach dem Recht auf Euthanasie, wenn ein Mensch das will." Mittlerweile gebe es etwa in den Niederlanden dank eines liberalen Sterbehilfegesetzes nicht mehr genügend Schmerztherapien. Dafür würden pro Jahr aber „etwa 900 Menschen im Jahr mit Kommissionsbeschluss totgespritzt", ohne zugestimmt zu haben.

Solche vermeintlichen Fortschritte seien in Wahrheit Rückschritte und das Resultat der Rückkehr eines Heidentums in moderner Gestalt, schreibt Meisner. Das Christentum stehe dagegen für das Mitleid. Der Kardinal appellierte besonders an Ärzte, „dass manchmal ein Schritt zurück von der schiefen Ebene ein Fortschritt sein kann".
German Kardinal Meisner warnt vor falschen Akzenten in der Kirche
Apr 29, 2011

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner warnt vor falschen Akzenten in der Kirche. Es gehe nicht um „Kirchensteuer, gesellschaftliche Akzeptanz oder eine bessere Presse“, sondern darum, „alleine auf Gott“ zu setzen, betonte Meisner am Wochenende nach dem traditionellen Schweigegang Kölner Männer, wie „domradio.de“ berichtete. Gottesliebe und Glaubensfreude seien das einzige Brot, „das die Christen von morgen und übermorgen noch satt machen wird“. Die Freude am Glauben sei „unsere Stärke“, so Meisner weiter: „Unser Elend liegt so oft daran, dass wir Gott nicht mehr schmecken.“

http://www.domradio.de/news/72747/kardinal-meisner-warnt-vor-falschen-akzenten-in-der-kirche.html
German „Großer Mensch, großer Christ“
Apr 29, 2011
Kardinal Meisner zur Seligsprechung seines Weggefährten Papst Johannes Paul II.

Er hat ihn 1983 in den Kardinalsstand erhoben und sechs Jahre später ins Erzbistum Köln geschickt. Sie haben beide im Kommunismus den Katholizismus am Leben erhalten: Doch Karol Józef Wojtyla und Joachim Meisner, Papst Johannes Paul II. und den Kölner Kardinal verbindet noch viel mehr. Im sehr persönlichen domradio.de-Videointerview blickt Kardinal Meisner zurück auf die gemeinsame Wegstrecke bis hin zum Weltjugendtag 2005.

domradio.de: Sie sind Zeitzeuge, Herr Kardinal. Sie kannten Papst Johannes Paul II. nicht nur durch die Medienwelt. Ein Kölner Erzbischof hat wie jeder katholische Bischof keine Kinder. Aber wenn Sie Kinder hätten, oder gar Enkelkinder, wie würden Sie denen von diesem großen Papst erzählen?
Joachim Kardinal Meisner: Also ich würde ihnen erst einmal erzählen, dass er zweimal Gast hier in diesem Haus war. Und dass er gut gegessen hat, dass er gut singen und noch besser beten und predigen konnte. Die Kinder stellen dann ja Fragen. Und bei Kindern kommt man nie in die Gefahr, auf Fragen zu antworten, die die gar nicht haben. Darum stellen die immer Zwischenfragen. Und das sollte sich ein Journalist auch angewöhnen.

domradio.de: Dann frage ich einfach mal dazwischen: Was war das denn für ein Mensch?
Kardinal Meisner: Das war ein großer Mensch als Sportler, als Kollege; er war ein großer Christ, muss man sagen. Und zwar in allen Variationen. Und der Echtheitstest war dann in seiner Passion, in seiner Krankheit. Ich bin ihm das letzte Mal begegnet Ende Januar 2005, das war der letzte Tag in der Gemelli-Klinik, als er mich rufen ließ und mich im Hinblick auf den bevorstehenden Weltjugendtag fragte, ob wir in Köln noch damit rechnen würden, dass er kommt. Da habe ich natürlich gesagt: Und wie wir damit rechnen, dass Sie kommen. Und habe mich zu ihm ans Bett gebeugt, und man sah dass er schwer leidend war. Er hatte auch schon den Luftröhrenschnitt, da habe ich ihn an den Knöcheln angefasst und merkte schon, wie dünn er geworden war. Da sagte ich: Heiliger Vater, ich lasse Sie jetzt nicht los, bevor Sie mir nicht versprechen zu kommen. Und da hat er trotz seiner Schmerzen ein bisschen gelächelt und gesagt: ich komme, aber wie, das bestimmt ja der da oben. Und dann kam er ja auch. Ich habe immer gesagt: Das war der erste Weltjugendtag mit zwei Päpsten, einer von oben und einer von unten. Deswegen ist er so gut gelungen.

domradio.de: Herr Kardinal, Sie haben uns gerade von der letzten Begegnung erzählt, die sich sicher einprägt. Wir haben auch viele Bilder des kranken Papstes. Aber als Sie ihn kennenlernten, bei der ersten Begegnung, da war er sicher ein ganz vitaler Christenmensch, oder?
Kardinal Meisner: Also ich muss Ihnen ehrlich sagen: Ich bin ihm das erste Mal 1975 begegnet in Erfurt. Da machte er mir einen älteren Eindruck als dann als Papst. Das war eigentümlich. Ich habe das schon öfters gesagt, und das ging manch einem so: Der Kardinal Wojtyla hat sich ganz zurückgenommen und stand ganz im Schatten von Kardinal Wyszynski, das war im Kommunismus wichtig, dass man eine Spitze hatte und dass man sich nicht gegeneinander ausspielen ließ. Als General de Gaulle auf Staatsbesuch in Polen war, da war als Gesprächspartner Kardinal Wyszynski vorgesehen. Und das hat die Regierung hintertrieben, und sie sind einfach unangemeldet bei Wojtyla erschienen, um zu sagen: Es gibt hier zwei Spitzen. Und Wojtyla hat das noch rechtzeitig gehört und ist in die Tatra gefahren und hat gefirmt. Und als der General mit der ganzen Delegation ankam, sagte man ihnen: Tut uns leid, der Kardinal ist in der Tatra in einem Dorf und hält die Firmung ab. Das war typisch für ihn, er hat sich zurückgenommen und trat gar nicht so sehr in Erscheinung, und der Primas war in Polen die prägende Figur. Und erst als er Papst wurde, ist Wojtyla hinter dem Rücken Wyszynskis hervorgetreten und da sah man, was das für ein dynamischer, ja jugendlicher Typ war.

domradio.de: Ich bleibe noch einmal bei diesem dynamischen, jugendlichen Typ. Kinder würden ja da sicher auch nachfragen. Es sind ja Sportbilder von ihm bekannt: beim Bergsteigen, beim Skifahren. Quellen sprechen davon, dass er über einhundert Mal den Vatikan verlassen hat, alleine um Ski zu fahren. Haben Sie ihn sportlich erlebt?
Kardinal Meisner: Also nie! Und ich glaube auch nicht, dass er über hundert Mal den Vatikan heimlich verlassen hat. Das ist meines Erachtens gar nicht möglich gewesen. Aber ab und an, das ist ja durch Fotos belegt, und das wird ja auch von seinem Sekretär, dem jetzigen Kardinal von Krakau bestätigt.

domradio.de: Sie haben eben schon den Primas Wyszynski angesprochen. Der hat gesagt, als es dann so weit war, das Johannes Paul II Papst war: Wir werden Löcher für Dich in die Steine beten, um Dich zu unterstützen. Was war das für ein Verhältnis zum polnischen Volk? Wie haben Sie das erlebt?
Kardinal Meisner: Wyszynski hat es anders gesagt. Bei der Abschlussaudienz, als die polnische Delegation, die zu seiner Inauguration gekommen war, sich von ihm in der Audienzhalle verabschiedete, da hat er gesagt: Heiliger Vater, wir werden heute noch niederknien und Löcher in die Steine beten für Dich. Ich werde es nicht vergessen: Ich konnte ja bei der Inauguration nicht dabei sein, ich habe es im Fernsehen gesehen. Und da wurde ein Hotel in Krakau gezeigt, wo die Leute ganz gebannt vor dem Fernseher saßen. Und als er das Pallium übereicht oder umgelegt bekommen hat, da zündete sich unter den Zuschauern ein junger Mann eine Zigarette an, und da sagte die benachbart Stehende: Mein Gott, bei so einem Ewigkeitsaugenblick eine Zigarette anzünden. Worauf eine andere sagte: Der ist so nervös, der kann die Spannung nur mit einer Zigarette ertragen. Also, das war für die Polen natürlich das Ereignis schlechthin - bis heute noch. Man muss immer bedenken: Das war der erste slawische Papst. Und sie konnten sich mit diesem Papst auch sehen lassen und sie standen wie ein Mann hinter dem Papst. Und bis heute kann man alles kritisieren, auch Bischöfe werden kritisch in die Mangel genommen, aber keiner darf etwas gegen den Papst sagen, gegen Johannes Paul sagen. Das hat mir auch immer der damalige Staatssekretär für Kirchenfragen gesagt.

domradio.de: Wie bewerten Sie die Rolle Johannes Pauls gerade beim Zusammenbruch des Sozialismus’ und Kommunismus’? Sie sind ja selbst auch jemand, der durch seine eigene Vita den Kommunismus kennengelernt hat.
Kardinal Meisner: Er war natürlich einer der wesentlichen Faktoren, dass der Kommunismus zerfallen ist. Das will man heute gar nicht mehr wahrhaben, aber es ist de facto so. Polen war immer ein Stachel im Corpus socialisticum. Das hat mir auch immer der damalige Staatssekretär für Kirchenfragen Klaus Gysi gesagt. Zum Beispiel gab es im Sozialismus nirgendwo karitative Einrichtungen wie Kindergärten. Nur in der DDR, und zwar aus dem einen Grund: 1945 hatte die Kirche die Einrichtungen wiederbekommen, die die Nazis ihr weggenommen hatten. Die DDR selbst war 1949 Staat geworden, und da wollten sie uns das nicht wieder wegnehmen, damit es nicht heißt: Sie sind ja wie die Nazis. Und da uns Gysi immer gesagt: Versuchen Sie, das zu verschweigen. Bringen Sie das nicht dauernd in die Öffentlichkeit mit ihren Statistiken, wie viel karitative Einrichtungen, Altenheime, Krankenhäuser usw. Sie haben, denn wenn wir Kirchensekretäre des Sozialismus zusammen sitzen, dann werden die Polen immer aufmüpfig und sagen: Was die Deutschen haben, wollen wir auch haben, und wir sind noch stärker als die. Und da sagte Gysi immer: Die Polen machen uns schon Ärger genug in unserem sozialistischen System. Und die wussten sehr genau, dass in Polen - da komme ich noch einmal auf Wyszynski  zurück - der Chef der äußeren Führung Kardinal Wyszynski war, aber der viel gefährlichere Chef der inneren Führung war Wojtyla. Und als der Papst wurde, ging ein großes Erschrecken um, denn da hatte sich die Kraft potenziert, das hat man sehr richtig erkannt. Und sofort traten die ersten Risse im Haus des Sozialismus’ auf - das ging ja sofort mit Solidarnosc los. Und der Papst hatte die Solidarnosc immer gestärkt in seiner sehr klugen, zurückhaltenden Art. Und seine Besuche - der erste Besuch schon 1979 und auch bei den folgenden Besuchen - haben dem System einfach den Boden unter den Füßen weggezogen. Der Papst hat nie politische Aktionen initiiert, aber seine Verkündigung, nämlich dass der Mensch Geschöpf Gottes ist und dass er Gott entsprechend leben muss, damit er sich nicht selbst verfremdet, hat einfach dem Kommunismus den Boden unter den Füßen weggezogen.

domradio.de: Das war ja der Aspekt, dass sich Johannes Paul schon während des Zweiten Vatikanischen Konzils gerade für die Religionsfreiheit eingesetzt hat. Das lag ihm sehr am Herzen. Das war sozusagen der Hebel, mit dem er ...
Kardinal Meisner: Nein, nein, die Religionsfreiheit ist nur die Konsequenz des christlichen Menschenbildes gewesen. Wir haben das Wort Religionsfreiheit gar nicht benutzt, weil es so ein politischer Begriff war. Wir haben immer nur gesagt: Wir sind Christen und zu Christen gehört der Gottesglaube und der Gottesglaube will praktiziert werden. Und da lassen wir uns nicht beeinflussen. Das ist ein Menschenrecht, das uns genommen wird. Und natürlich hat das einen Namen, nämlich Religionsfreiheit. Und das stand ja in allen Verfassungen des Sozialismus drin, dass die Religionsfreiheit garantiert ist. Das steht ja auch in den Verfassungen heutiger Systeme, die noch dem Kommunismus anhängen. Aber es ist immer so interpretiert worden: Ihr könnt doch ein paar Bücher drucken, im Benno-Verlag meinetwegen, wenn ich an die DDR denke, und Ihr könnt ja auch Gottesdienste feiern, aber ein Christ kann nichts werden. Der konnte kein Journalist werden, der konnte in der Politik nichts werden. Der Christ, der wirklich auf seinem Bekenntnis bestanden hat, nicht einer, der sich so gewunden hat, dass vom Christentum nicht mehr viel übrig blieb. Diese Typen gab es ja auch.

domradio.de: Umso wichtiger, dass gerade so ein Mann Papst werden konnte. Das hat entsprechende Stärkungen und Veränderungen bewirkt, wie Sie es gerade geschildert haben. Lassen Sie uns vielleicht noch ein bisschen auf die Beziehung zu sprechen kommen, die Karl Wojtyla, der spätere Papst Johannes Paul II, zum deutschen Volk hatte. Er hat sich 1965, so kann man lesen, stark eingesetzt, er war bei dem Brief mit dabei, den die polnischen Bischöfe an ihre Amtsbrüder in Deutschland geschrieben haben, und erhat sich für Versöhnung eingesetzt. Kann man das als einen roten Faden betrachten, der sich da durch zog? Gab es ein sehr enges Verhältnis zwischen dem polnischen Papst und den Deutschen? Er sprach ja auch Deutsch.
Kardinal Meisner: Der Papst war natürlich, sagen wir mal so, rein menschlich gesehen, ein Genie. Er hat in der Nazi-Zeit, als er im Steinbruch gearbeitet hat, aber im Geheimen im Rhapsodie Theater mitgewirkt hat, Deutsch gelernt, um Max Scheler und andere deutsche Philosophen zu lesen. Er ist diesbezüglich ein Autodidakt. Er hat nirgendwo Deutschunterricht gehabt. Insofern war er der deutschen Geistlichkeit sehr verbunden. Und Sie dürfen auch nicht vergessen: Er stammt ja aus Wadowice, das gehört zu Galizien, das gehörte ja bis zum Ersten Weltkrieg zu Österreich. Also Johannes Paul war dem Deutschtum gar nicht fremd. Und dann, als er Bischof war, da gab es natürlich viele Kontakte zum Deutschtum. Ich will mal so sagen: Die polnischen Bischöfe in der DDR-Zeit, also zur Zeit des Kommunismus, haben viele Deutschlandbesuche gemacht, sind immer durch die DDR gefahren, haben uns aber nie besucht. Wahrscheinlich, weil wir genauso arm waren wie sie, bei uns war auch nichts zu holen. Der einzige, der uns besucht hat, war der Erzbischof von Krakau, der sagte: Das ist so eine kleine Kirche, der statte ich einen Besuch ab. Und insofern war er immer schon außergewöhnlich, und das fiel uns allen auf. Er hat damals bei uns in Erfurt gewohnt, er hat in Görlitz für eine Nacht in einem kleinen Bischofshaus und in Berlin gewohnt. Und die Schwestern sagen in allen drei Häuern: Mein Gott, wir haben noch erlebt, dass jemand so früh runter in die Kapelle geht, um zu beten, früh um fünf. Und dann hat er da zwei Stunden gebetet, bis dann um sieben Uhr die Heilige Messe gefeiert wurde. Er hat die deutsche Literatur wirklich beherrscht, er hat mir manchmal große Passage von Goethe und Schiller zitiert. Und ich habe mir immer gedacht: Wenn er mich bloß nicht fragt, aus welchen Werken das ist. Oder, was mir unvergesslich ist, 1991, am 10. Jahrestag des Attentates, ist er in Fatima gewesen, und wir haben ihn begrüßt, am 13. Mai, und da sagte ich: Heiliger Vater, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Da sieht er mich an, ging weg und kam sofort zurück und sagte: Ja, Sie haben recht, das erste Leben wurde mir gegeben, das zweite wurde mir geschenkt. Welcher Deutsche kann so mit unserer Sprache umgehen? Das erste wurde mir gegeben, das zweite wurde mir geschenkt.

domradio.de: Wir haben jetzt viel über den Menschen Johannes Paul gesprochen, wir haben auch über seine politische Bedeutung gesprochen. Welches Vermächtnis hat er der Kirche hinterlassen?
Kardinal Meisner: Das hat er, meine ich, ausgesprochen in seinem berühmten Schreiben zur Jahrtausendwende: Wie wird der Weg der Kirche ins neue Jahrtausend sein? Die Heiligkeit! Und das war er! Es gibt so Aufnahmen, was er bei den großen Gottesdiensten im Ausland manchmal gepredigt hat. Da stand er dann da mit seinem Kreuz, und das Kreuz war so ganz an ihm, das war praktisch eine Figur, Kreuz und Johannes Paul. Das war der Papst. Das war er. Das Kreuz war so eingewachsen in seine Person, dass es eine Figur war.

domradio.de: Er hat selber selig gesprochen, er hat wie nie zuvor ein Papst eigentlich Menschen seliggesprochen. Das war ihm ganz wichtig. Über 1.300. Über 400 Leute hat er heiliggesprochen. Warum war ihm das so wichtig?
Kardinal Meisner: Das hängt mit meiner Aussage zusammen, dass er gesagt hat, dass sei der Weg der Kirche ins neue Jahrtausend, die Heiligkeit, dass das möglich ist. Das sind nicht irgendwelche Übergeister, die heilig oder selig werden, das sind ganz normale Menschen wie wir. Und darum hat er so viele selig- und heiliggesprochen. Hier in diesem Raum bin ich ja verhört worden im Seligsprechungsprozess. Das ging mindestens fünf Stunden lang, über alle Nuancen seines Lebens und dann fragt mich doch zum Schluss einer, ob ich denn glaube und überzeugt sei, dass der Papst an das geglaubt hat, was er gesagt hat. Da habe ich auf den Tisch gehauen und gesagt: Hören Sie mal, der Papst war ein anständiger katholischer Christ, der hat doch kein Theater gespielt! Da meinten die anderen: Eminenz, beruhigen Sie sich. Das ist der Advocatus diaboli, der muss solche Fragen stellen.

domradio.de: Ich stelle noch einmal die Frage nach Ihrem ganz persönlichen Verhältnis. Er ist ja auf Sie aufmerksam geworden, und es erscheint uns als außenstehende Beobachter immer so, als habe es eine sehr gute Beziehung gegeben.
Kardinal Meisner: Ja, ich will mal so sagen: Es hat sich so ergeben. Da gab es keine große Erklärung: Du bist mir lieb und teuer oder so. Sondern ich habe mich von ihm sofort angenommen und verstanden gewusst. Wir hatten theologisch die gleiche Wellenlänge. Und wir mochten uns auch menschlich, und ich war immer sehr froh, wenn er mich wieder kommen ließ. Immer wenn ich in Rom war, musste ich seinen Sekretär anrufen und sagen: Ich bin von dann bis dann in Rom. Und dann musste man sich bereithalten, am Mittag oder Abend zum Essen eingeladen zu werden. Und ich muss sagen: Ich denke, dass ist fast immer passiert. Aber ich meine, das war keine Pflichtübung für ihn, sondern er hat sich gefreut, wenn ich kam. Beim Mittagessen, wenn wir fertig waren, dann lümmelte er sich so richtig auf den Tisch. Und ich sagte: Heiliger Vater, Sie müssen dann gleich wieder anfangen, Sie haben den ganzen Tag unten Audienzen gehabt. Legen Sie sich jetzt hin. Ach, sagte er, bleib noch etwas da. Und er hat nicht vielgeredet, aber stellte ganz gescheite Fragen. Ich habe dann auch manchmal gefragt. Ich wird nie vergessen, wie ich fragte: Heiliger Vater, ich bin auf dem Gebiet, in das ich die meiste Kraft und geistliche Energie investiere, am erfolglosesten, nämlich in dem Anliegen um geistliche Berufung. Da sagte er: Du brauchst keine Angst zu haben, dass das umsonst war. Die Bemühungen werden dann in anderen Regionen zum Zuge gekommen sein. Wir müssen das dem Schöpfer, dem Erlöser, in die Hände geben. Bitte den Herrn um Ernte und Arbeit. Man muss sich ja manchmal schon wundern, aus welchen Regionen geistliche Berufung kommt, wo man es gar nicht vermutet. Und wo man es vermutet, kommt keine. Das heißt, wir setzen unsere Kraft der Nachfolge Christi ein, und verteilen tut das der Herr der Kirche. Also mach ja weiter und lass Dich nicht entmutigen.

domradio.de: Wenn wir zurückblicken, hat es ja dann viele Begegnungen gegeben, auch privater Natur. Welches Bild hat sich bei Ihnen in die Erinnerung eingegraben? Woran denken Sie gern zurück?
Kardinal Meisner: Es gibt gar keine Einzelbegegnung, bei der ich sagen würde, die war so besonders markant. Ich kann nur sagen: Es war immer schön, man fühlte sich bei ihm wie zuhause. Sie müssen immer daran denken: Ich habe ja 1945 meinen Vater verloren, da war ich 11 Jahre alt, aber der Vater war vorher ja schon im Krieg - ich habe eigentlich schon im siebten Lebensjahr den Vater verloren, als er dann nicht mehr zuhause war. Er kam einmal im Jahr acht Tage auf Urlaub und so weiter. Und ich habe in Johannes Paul so eine Vaterfigur gefunden, in dessen Gegenwart ich mich, schlicht gesagt, wohl fühlte, mich angenommen wusste. Da habe ich mir immer gesagt: So muss es sein, wenn man als älterer Mensch noch den Vater hat. Also ich bewundere oder ich beneide auch manchmal, wenn ich so Jugendliche sehe, 18- oder 20-jährige, mit ihrem Vater, wo der Vater vielleicht wie ein Bruder ist. Also nicht mehr so, wie ich das erlebt habe. Sieben Jahre und dann der Vater 30 Jahre, diese große Differenz. Und so ging es mir dann bei Papst Johannes Paul, ich habe immer, wenn er kam, den Kniefall gemacht und seine Hand geküsst. Das hat er manchmal so komisch nachgemacht Er hat mal gesagt: Lass das sein. Und da habe ich gesagt: Heiliger Vater, damit Du nicht vergisst und ich nicht vergesse, dass Du der Papst bist, deshalb mache ich das. Aber das hat unserer Vertrautheit überhaupt keinen Abbruch getan.  

domradio.de: Der Heilige Vater war für Sie, wie wir gerade gehört haben, auch noch mehr. Jetzt steht die Seligsprechung an. Verraten Sie uns zum Abschluss vielleicht noch, wie Sie an dieser Seligsprechung teilnehmen werden?
Kardinal Meisner: Ja, ich werde natürlich dort sein. Ich bin mit den Bischöfen und der Liturgiekommission die ganze Woche auf einer Studienreise in Polen. Wir werden am Freitag, also einen Tag früher, Schluss machen und nach Hause kommen und am Samstag sofort nach Rom fahren. Ich habe mich noch gar nicht erkundigt, ich hoffe, dass wir Kardinäle bei dem Gottesdienst wenigstens konzelebrieren können, zumindest wir Kardinäle, die wir von ihm kreiert worden sind. Und da ich ja zu den ganz alten Kardinälen gehöre, ich bin ja im 29. Kardinalsjahr, hoffe ich, dass ich dabei sein kann. Ich freue mich wirklich auf diesen großen Tag. Ich habe ja schon, das kann ich hier verraten, was man eigentlich gar nicht darf, ich habe mir einmal von einer Künstlerin so ein kleines Medaillon, vielleicht so fünf Zentimeter groß, vom Papst mit einem Heiligenschein machen lassen. Das habe ich immer im Schrank verwahrt und gesagt: Das ist, damit Du siehst, ich rechne wirklich damit, dass ich zu meinen Lebzeiten noch die Seligsprechung erleben werde. Dieses Medaillon kann ich nun ab ersten Mai offen zeigen. Bisher hab ich nur privat reingeguckt.

domradio.de: Herzlichen Dank Herr Kardinal, dass Sie uns so ausführlich und auch so privat von Johannes Paul berichtet haben. Wir kennen ihn vielfach nur durch die Medien oder waren ganz hinten im Gottesdienst. Sie haben weite Strecken Ihres Lebens mit ihm gemeinsam erlebt. Viel Spaß, viel Glück, viel Segen in Rom bei der Seligsprechung!
Kardinal Meisner: Ich hätte ja noch etwas zum jetzigen Papst sagen sollen: Der jetzige Papst ist ein Zwillingsbruder, dem Geiste nach, von Johannes Paul II, denn er hat mir immer gesagt: Das theologische Niveau meines Pontifikates habe ich Ratzinger zu verdanken. Und Johannes Paul II hat eben das Glück gehabt, dass er sehr, sehr gute Mitarbeiter hatte.

http://www.domradio.de/aktuell/72986/ein-grosser-mensch-ein-grosser-christ.html
German Meisner predigt heiteren Verzicht
Apr 02, 2011
Kardinal Meisner hat beim Künstlertreffen in St. Kunibert die 40-tägige Fastenzeit eingeleitet. Viele Künstler erhielten ein Aschenkreuz und bekamen zusätzlich die ein oder andere Fastenübung ans Herz gelegt.

Köln - Mit einer Messe in St. Kunibert und der Verteilung des Aschenkreuzes beim „Aschermittwoch der Künstler“ hat Joachim Kardinal Meisner die 40-tägige Fastenzeit in der Erzdiözese eingeleitet. „Die Fastenzeit ist die große Erneuerungsbewegung der Kirche und der Christenheit“, sagte der Erzbischof, ehe er die Kreuze aus der Asche der Palmzweige des Vorjahres den Gläubigen auf die Stirn malte. Das Kreuz erinnert die Katholiken an die Vergänglichkeit des Menschen und leitet die vorösterliche Fastenzeit ein, die auf das Fasten Jesu Christi in der Wüste anspielt.

Den Gläubigen, unter ihnen viele Vertreter aus Musik, Bildender Kunst, Literatur, Film und Medien, legte Meisner vier mögliche Fastenübungen ans Herz. Dazu gehöre es, die Welt und das Leben als Gaben anzunehmen, statt sie nur als Aufgaben zu sehen. Dankbarkeit gegenüber Gott, Verzicht in heiterer und gelassener Haltung und die Bevorzugung der Freude gegenüber der Kritik seien weitere Übungen „für das Abenteuer dieser 40 Tage“. Freudlosigkeit resultiere aus der Neigung des Menschen, in seiner Umwelt mehr das Ungute als das Gute zu sehen. „Wenn Kritik das Durchgängige unserer Gespräche bildet, wenn Alt gegen Jung und Jung gegen Alt, wenn Gruppen gegen Gruppen argumentieren und diese Festnagelungen das Klima auch in christlichen Bereichen bestimmen, dann stimmt es nicht mehr mit unserem Christentum“, rief der Kardinal aus. Die Fastenzeit helfe, dies positiv zu verändern.

Zum Programm des Tages gehörte ein Empfang mit Fastenessen, zu dem neben Meisner auch die Künstler Erich Krian und Axel Schenk in das Maternushaus einluden. Musik und eine Ausstellung begleiteten anschließend einenVortrag mit dem Germanisten Wolfgang Frühwald,der sich mit „Hiob oder dem Bild des Frommen in der Literatur der Gegenwart“ beschäftigte. Im Kolumba-Museum gab es eine Einführung in die Ausstellung „Noli me tangere“, die Kunst aus zwei Jahrtausenden zeigt, und in der Minoritenkirche wurde Johann Sebastian Bachs „Matthäuspassion“ mitVideosequenzen präsentiert.

Der Aschermittwoch der Künstler wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von dem Autor Paul Claudel als Begegnung von Kirche und Künstlern in Paris begründet. Vermittelt von dem Kölner Stadtdechanten Robert Grosche, wurde die Idee 1950 von Josef Kardinal Frings nach Köln exportiert, von wo aus sie sich durch Deutschland verbreitete. Heute wird in mehr als hundert Städten weltweit der „Aschermittwoch der Künstler“ gefeiert.

http://www.ksta.de/html/artikel/1299531612087.shtml
German Im Wortlaut
Apr 02, 2011
Joachim Kardinal Meisner zur Petition „Pro Ecclesia“

Oft sind es die Kontraste, die das Wesen einer Sache deutlicher zum Vorschein bringen. Gelegenheit zu einem solchen Vergleich bieten in diesem Frühjahr zwei öffentliche Appelle, in denen es um die Zukunft der katholischen Kirche insbesondere in Deutschland geht.

Zunächst erschien mit Datum vom 4. Februar 2011 ein Memorandum, dem sich bis zum 6. März 2011 insgesamt 311 akademische Theologen anschlossen. Mit durchaus nennenswerter medialer Unterstützung wurden dort Forderungen unterbreitet, die im Großen und Ganzen auf eine Demokratisierung und Säkularisierung der Kirche hinauslaufen. Ein Großteil der Initiatoren und Unterzeichner besteht aus Theologen, die an den Hochschulen just zu jener Zeit Lehrverantwortung trugen, als die von ihnen beklagte Krise Gestalt annahm und sich verschärfte. Mit teilweise erschreckend oberflächlichen Rezepten und Forderungen, die samt und sonders aus den 60er, 70er und 80er Jahren bekannt sind, wollen sie heute das erreichen, was zu ihrer Zeit so gründlich misslungen ist: die geistliche Erneuerung der Kirche in Deutschland. Auch fordert das Papier zwar den Dialog, fördert ihn aber nicht gerade, wenn es statt Anfragen kategorische Postulate vorträgt und dabei auf den Druck der Öffentlichkeit setzt, statt das Schreiben ohne Umwege an die Bischöfe zu richten. Dieser Appell wird zwar als Denkschrift bezeichnet, mutet passagenweise jedoch eher an wie ein Denkzettel.

Ganz anders die Petition „Pro Ecclesia“, die am 8. Februar 2011 als Reaktion vieler Gläubiger auf das Memorandum veröffentlicht wurde; bis zum 14. März 2011 fand sie 13.928 Unterstützer aus dem gesamten Spektrum der katholischen Kirche in Deutschland. Diese hohe Anzahl von Unterstützern erscheint als umso erstaunlicher, als viele Medien zwar das Memorandum eifrig verbreiteten, die Petition dagegen totschwiegen.

Auch die Petition sucht das öffentliche Forum, aber eben ausdrücklich in Reaktion auf das Memorandum. Nicht Forderungen, sondern Bitten an die Bischöfe stellt sie in den Mittelpunkt. Die Unterzeichner der Petition erhoffen sich von diesen, dass sie
1. der breiten Verunsicherung der Gläubigen entgegentreten;
2. den Zölibat als angemessene priesterliche Lebensform betonen;
3. Sorge tragen dafür, dass an den Theologischen Fakultäten und Instituten nicht nur in wissenschaftlicher Freiheit unterrichtet wird, sondern auch im Einklang mit der Lehre der Kirche;
4. geeignete Seelsorger für die Theologiestudentinnen und -studenten bestellen;
5. in besonderer Weise Verantwortung für die Liturgie in ihrem Bistum übernehmen;
6. sich deutlich zu Ehe und Familie im Sinne der Kirche bekennen, nicht aber gleichgeschlechtliche und nichteheliche Partnerschaften der Ehe gleichstellen.

Die Petition endet mit dem zutreffenden Hinweis darauf, dass sich Dialog in der Kirche nicht voraussetzungslos vollzieht, sondern aufbaut auf der Wahrheit, in die der Heilige Geist die Kirche seit 2000 Jahren immer tiefer einführt (vgl. Joh 16,13).

Wiederholt habe ich in der Vergangenheit die Kirche in Deutschland mit einem Auto verglichen, dessen Karosserie zu groß und dessen Motor zu klein ist. Wir müssen folglich vor allem den Motor (die geistliche Kraft) stärken und vergrößern, bevor wir die Karosserie (die Strukturen und Verfahrenswege) umlackieren, umgestalten - oder gar verbeulen.

Wir Bischöfe sind dazu aufgerufen, den Glauben nicht nur dann zu verkünden, wenn es der Gesellschaft gelegen ist. Dem bischöflichen Hirten- und Wächteramt ist also ein gewisses Konfliktpotenzial geradezu eingestiftet. Dennoch tut es auch Bischöfen gut, die Unterstützung so vieler engagierter Katholiken aus so vielfältigen Bereichen von Kirche und Gesellschaft zu erfahren. Zudem fehlt der Petition zwar das Spektakuläre des Memorandums, dafür weist sie das auf, was ich dort so schmerzlich vermisse: geistlichen Tiefgang und Gespür für die Kirche. Darum danke ich den Initiatoren der Petition an dieser Stelle ausdrücklich.

In der Bergpredigt sagt Christus das, was ich abschließend den Verfechtern der Petition zurufe: „Petite, et dabitur vobis“: „Bittet, dann wird euch gegeben“ (Mt 7,7). Ich jedenfalls werde mich nach Kräften dafür einsetzen, dass diese Bitten nicht ungehört verhallen.

Köln, den 28. März 2011

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln

http://www.domradio.de/aktuell/72433/im-wortlaut.html
German Kardinal Meisner zum Theologen-Memorandum
Apr 02, 2011

n meinem bischöflichen Dienst – immerhin seit fast 36 Jahren – ist mir selten eine Kundgabe von theologischer Seite bekannt geworden, die mich so erschrocken und betrübt hat wie dieses Memorandum. Es beurteilt die jetzige Lage der Kirche mit Zustandsbeschreibungen und Forderungen, denen man fast in jedem Punkt widersprechen bzw. Korrekturen entgegensetzen müsste.

Dass ich mich dazu äußere, ist bereits ein erster Widerspruch: Denn zum ersten und wichtigsten Dienst des Amtes in der Kirche gehört: die Wahrheit Christi zu verkündigen, „ob man es hören will oder nicht“ (2 Tim 4,2). Diese Verkündigung ist keineswegs nur eine „biblische Freiheitsbotschaft“, sondern in der Kraft des Heiligen Geistes das Weitergeben und Weiterreichen von Wort und Gnade des menschgewordenen Gottessohnes.

Dass das Herrenwort „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16) gerade die bestellten Boten in die Pflicht nimmt, müssten wissenschaftlich arbeitende Theologen zu werten wissen. Demgegenüber kann man Sorgen und Kritik nicht so einbringen, als ginge es um irgendeine menschliche Institution. Ein fruchtbares innerkirchliches Gespräch kann nur dann gelingen, wenn man die Kirche in ihrem tiefsten Wesen bejaht: Sie ist der fortlebende Christus und somit das „universale Heilssakrament“ (2. Vaticanum, Kirchenkonstitution 48). Wenn man sie so in den Blick nimmt, dann beurteilt man die jetzige „Krise“ weitgehend anders als in dem Memorandum. Dass es vor allem die Defizite im Glaubenswissen und die weitverbreiteten Mängel im Glaubensleben sind, sollte die Theologen zum Nachdenken bringen, inwieweit gerade auch von einigen in ihren Reihen ein unguter Einfluss auf die Brüder und Schwestern im Glauben feststellbar ist - man werfe nur einen Blick auf manches, was im Religionsunterricht vermittelt wird!

Meine größte Sorge kann ich nicht verschweigen: Wie kann ich künftige Priester, Diakone, Religionslehrer und seelsorglich Tätige Lehrern anvertrauen, deren Leben in und mit der Kirche defizitär ist!

Köln, den 21. März 2011
+ Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln

http://www.domradio.de/aktuell/72253/im-wortlaut.html
German „Stunksitzung ist mir zu belanglos“
Mar 13, 2011
Kardinal Joachim Meisner begleitete das Kölner Dreigestirn zur Papstaudienz und hat einige Berührungspunkte zum Kölner Karneval. Was ein „Pilarenbützer“ ist, wusste er allerdings noch nicht. Mit Meisner sprach Stefan Volberg.

Köln - Als wir Mitte Dezember um einen Interview-Termin baten, konnten wir nicht ahnen, dass Sie uns mit der Papstaudienz des Dreigestirns eine derartige Steilvorlage bieten würden.

(lacht) Dann können wir uns das Gespräch ja schenken.

Seit wann wussten Sie, dass der Besuch zustande kommt?

So um Weihnachten herum. Das war - verzeihen Sie - für mich ein Termin unter vielen, aber ich habe es nicht bereut: Die Audienz war ein schönes Erlebnis, und die drei waren ergriffen wie Erstkommunionkinder.

Was geschah nach der Audienz?

Wir sind unter anderem einer Gruppe von jungen, hübschen Frauen begegnet, die alle Trachten trugen. Ich habe gesagt: „Ihr seid fast so schön wie das Dreigestirn.“ Sie wurden fast ärgerlich und sagten: „Das ist eine ernste Tracht!“ Da habe ich geantwortet: „Für uns Kölner ist der Karneval auch eine ganz ernste Sache, kein Allotria.“

Sie haben offenbar einen guten Draht zum Dreigestirn gefunden.

Am Abend vorher waren wir noch in meiner Titelkirche „Santa Pudenziana“, und da haben die drei eine gute Figur gemacht. Für den Anschluss hatten wir uns ein Restaurant ausgesucht, da ging die Bedienung ruckzuck wie im kölschen Brauhaus. Nur mit dem Unterschied, dass es weitaus weniger Bier gab. Es war ein richtig familiärer Ausflug mit etwa 30 Leuten: Jeder hat sich wohlgefühlt.

Seit Jahren feiern Sie mit den Karnevalisten ein Pontifikalamt im Dom. Sie zelebrieren selbst, obwohl Sie das ja auch einem Mitbruder übertragen könnten.

Na, hören Sie mal: Wenn man Erzbischof von Köln ist und das abgeben würde, dann würde man sich doch fragen: Ist der krank? Nein, das würde mir nicht im Traum einfallen.

Wie kam es eigentlich zu dieser Messe?

Das war eine Idee von Markus Ritterbach. Karneval ist verwurzelt in der Kirche, wobei man heute manchmal nicht den Eindruck hat. Übrigens ist das keine Karnevalsmesse, sondern eine heilige Messe für die Karnevalisten.

Bei der Sie stets über den Karneval predigen.

Ja, mit der Predigt beschäftige ich mich schon im Juli im Urlaub: Über was kann man da sprechen, ohne dass es trivial wirkt? Vor zwei Jahren habe ich über die drei großen Domglocken gepredigt. Stellen Sie sich vor, das hätte ich dieses Jahr vorgehabt, und dann fällt der Klöppel vom Decke Pitter herunter!

Sie stammen aus Breslau. Was wusste man da vom Karneval?

Entschuldigung: Da heißt das „Fasching“! In meiner Kindheit war Krieg; das Einzige, was ich mit Karneval verband, waren die Krapfen, die meine Mutter gebacken hat. Da gab es weder einen Umzug noch Orden.

Und später?

Da kam 1948, als wir nach Thüringen geflohen waren, Herbert Böttcher aus Erpel als Pfarrer zu uns; er war delegiert worden, um dort die Bombengeschädigten zu betreuen. Der wurde richtig krank, wenn er nicht Karneval feiern konnte. Wir waren 2000 Katholiken, auf 30 Dörfer verstreut. Pfarrer Böttcher hat mit Festen und Feiern dafür gesorgt, dass sich die jungen Frauen und Männer überhaupt begegneten. Ich war damals noch Student. Zu mir hat er dann gesagt: Komm, wir beten jetzt den Rosenkranz: Dass du die Liebe in ihnen entzünden mögest. . .

Als Sie schon zum Erzbischof von Köln bestimmt waren, fuhr ein heiterer Wagen im Rosenmontagszug mit, der Sie darstellte. Wie empfanden Sie das?

Es ist jetzt genau 22 Jahre her, dass ich nach Köln gekommen bin. Von den Leute bin ich freundlich empfangen worden, von vielen Presseleuten nicht. Der Wagen zeigte mich unter der Überschrift: „Habemus Papam.“ Da wusste ich: In Köln bin ich angekommen, da kann nix mehr schiefgehen.

Der Entwurf stammte von Rundschau-Karikaturist Aleks Küsshauer. 1991 wurden wegen des Golfkrieges auch etliche Pfarrsitzungen abgesagt. Hielten Sie das für richtig?

Wenn man nur Karneval feiern würde, wenn nirgends Krieg herrscht, dann gäbe es keinen Karneval. Das Dreigestirn fragte damals: Können wir trotzdem zu Ihnen zu Besuch kommen? Ich sagte: Natürlich! Sie kamen auch, aber in Zivil. Sie haben mir sehr leidgetan. Der Karneval ist für mich Ausdruck des Glaubens an den großen Sinn Gottes mit seiner Welt, der nicht durch menschlichen Unsinn korrumpiert werden kann.

Was sagen Sie zu Diakon Willibert Pauels als Büttenredner?

Ich bin froh, dass wir ihn haben. Er hat aber auch einige Standardwitze wie den, dass ich zum Friseur gehe und mir wegen Drewermann die Haare zu Berge stehen. Er sollte sich mal was Neues einfallen lassen. Wer weiß denn heute noch, wer Drewermann ist?

Die Stunksitzung hat einen Narren an Ihnen gefressen.

Ach, das hat mich nie interessiert. Das ist mir einfach zu belanglos. Wenn man Humor nur benutzt, um zu verletzen - das widerspricht sich doch selbst. Schlimm finde ich nur, dass man in diesem Jahr wohl auch den Heiligen Vater in den Dreck zieht.

Bekommen Sie viele Anfragen zu Terminen im Karneval?

Nach der Fahrt des Dreigestirns nach Rom habe ich jetzt auch aus Brühl solch eine Anfrage bekommen - aber soll ich jetzt mit dem halben Rheinland zum Papst fahren? Nein: Jetzt lasst es erst mal gut sein.

Zwei Fragen stellen wir jedem beim Karnevalsinterview „Der andere Blick“. Die erste ist die nach Ihrem Lieblingslied im Karneval.

Das ist das Lied über den Weihbischof von den Bläck Fööss, das ein bisschen nach gregorianischem Choral klingt.

Zweitens: Wissen Sie, was auf „Pilarenbützer“ bedeutet?

„Bütz“, ist das nicht die Hose?

Nein, das ist die Botz. „Bützen“ bedeutet „küssen“. „Pilar“ ist der „Pfeiler“. . .

. . .ach ja, das kommt aus dem Spanischen.

Das Ganze ist also so ein ganz Frommer, der sogar die Pfeiler in der Kirche küsst - auf gut Deutsch: ein „Scheinheiliger“.

Ja, das Phänomen der Scheinheiligkeit kenne ich.

http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1296683850123.shtml
German Mohnkuchen vom Kardinal
Mar 06, 2011
Traditionell macht das närrische Dreigestirn einen Antrittsbesuch beim Erzbischof - diesmal aber ich Vorbereitung einer noch größeren Mission: Trifolium und Kardinal wollen gemeinsam Kölle, Karneval und Kirche im Vatikan repräsentieren.

Köln - „Das war keine emotionale Achterbahnfahrt, das war heute ein richtig emotionaler Höhenflug“, sagte Prinz Frank I. am späten Samstagabend. Jungfrau Reni sprach gar von „unerreichbarer Weltklasse“. Die Höhepunkte des Tages waren der Besuch bei Erzbischof Joachim Kardinal Meisner und das Heimspiel bei der der Bürgergarde blau-gold im Kristallsaal. Dort standen mehr als 1500 Jecke fähnchenschwenkend auf Stühlen und Tischen. Frank I.: „Danach war ich richtig leer, musste mich erst wieder sammeln.“ Besonders bewegt hatte ihn das Treffen mit Bürgergarde-Ehrenpräsident Hans Wallpott (83), der „sein Dreigestirn“ lange umarmte und versicherte: „Ihr seid ein Stück meines Lebens; sogar ein Teil meines Herzens.“ Da hatten alle Tränen in den Augen.

Einige Stunden zuvor hatte der Kardinal die Tollitäten und den Festkomitee-Vorstand zum Kaffeeklatsch geladen - mit Mohnkuchen, Berlinern und Muuzemandeln. Da konnte sich Bauer Günter fast schon wie ein halber Weihbischof fühlen, denn Meisner tauschte mit ihm die Kopfbedeckungen und schwang den Dreschflegel. „Mit so etwas habe ich als Kind noch auf dem Feld gedroschen“, erinnerte sich der Kardinal und lachte. Hauptthema war natürlich die bevorstehende Rom-Reise mit der Audienz bei Papst Benedikt XVI. Meisner: „Ich habe mit dem Heiligen Vater schon trainiert. Als gebürtiger Bayer muss er aufpassen, dass er nicht auf einmal »Fasching« sagt, wo es hier doch Karneval heißt. Dann ist er bei uns Kölnern doch gleich unten durch.“

Prinz Frank meinte augenzwinkernd, dass „Seine Heiligkeit vielleicht noch wissen sollte, dass es in Köln Fastelovend heißt.“ Einen lockeren Spruch hatte Meisner auch für Christoph Kuckelkorn parat, der erstmals mit an der Kaffeetafel im erzbischöflichen Palais saß. „Der ist für den Rosenmontagszug zuständig“, stellte Festkomitee-Präsident Markus Ritterbach seinen Vize Kuckelkorn - im Hauptberuf Bestatter - dem Kardinal vor. „Ich weiß“, antwortete Meisner. „Und wenn wir eines Tages mal umfallen, dann ist er auch wieder zuständig.“

http://www.ksta.de/html/artikel/1288741504803.shtml
German Ausnahme von der Regel
Mar 06, 2011
Kardinal Meisner weiht ehemals evangelischen Geistlichen zum Priester

Am Fest „Kathedra Petri“ hat Erzbischof Joachim Kardinal Meisner den Kölner Diakon Harm Klueting zum Priester geweiht. Für die Weihe hatte Papst Benedikt XVI. die Erlaubnis als Ausnahmeregelung im Einzelfall erteilt – noch bis vor wenigen Jahren war der Hochschullehrer evangelischer Geistlicher.

Der 1949 geborene Professor für Kirchengeschichte war als evangelischer Christ aufgewachsen, wurde Hochschullehrer für evangelische Theologie und war als ordinierter evangelischer Geistlicher tätig. Er ist seit 1977 verheiratet und hat zwei Kinder. Vor sieben Jahren konvertierte er zur katholischen Kirche.

Dies tat auch seine Ehefrau Esther Klueting, die seit 2004 zum „Dritten Orden“ der Karmeliten gehört. Sie ist also nicht einem Konvent beigetreten, sondern führt in der Welt ein religiöses Leben. Bei der Priesterweihe ihres Ehemannes war sie zugegen.

Ausnahmeregelung im Einzelfall
Für diese Priesterweihe hat Papst Benedikt XVI. die Erlaubnis als Ausnahmeregelung im Einzelfall erteilt. Eine solche Ausnahme ist gemäß Can. 1047 § 3° des Kirchlichen Gesetzbuches (CIC) möglich, seit Papst Pius XII. sie 1950 erstmals erlaubte. Demnach können verheiratete Geistliche einer anderen Konfession bei Übertritt in die Katholische Kirche mit päpstlicher Erlaubnis zu Priestern geweiht werden. Von der Einhaltung der Zölibatsverpflichtung ist der Priester in diesem Fall für die Dauer der bestehenden Ehe dispensiert.

In der Vergangenheit sind auch in anderen deutschen Bistümern vereinzelt verheiratete Kandidaten zu Priestern geweiht worden, zum Beispiel in Hamburg und Regensburg. Sie werden nicht als Pfarrer in der ordentlichen Seelsorge eingesetzt, sondern nehmen geeignete Aufgaben in der Kategorialseelsorge, das heißt für bestimmte Aufgabenfelder oder Personengruppen wahr. Ähnlich verfährt der Papst zurzeit mit den zur Katholischen Kirche übertretenden anglikanischen Geistlichen.

http://www.domradio.de/aktuell/71601/ausnahme-von-der-regel.html
German „Farbe bekennen! Flagge zeigen! Die Stirn bieten!“
Jan 10, 2011
Christen dürfen sich laut Kardinal Meisner keinen „Maulkorb vorbinden“ lassen: „Religion ist keine Privatsache

Das Hochfest „Erscheinung des Herrn“ ist im Kölner Dom mit einem feierlichen Pontifikalamt begangen worden. Mit dem volkstümlich als Dreikönigstag bekannten Hochfest erinnerte der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner an die drei Weisen aus dem Morgenland, die Matthäus zufolge aus dem fernen Osten kamen, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen. Meisner betonte in seiner Predigt, Bethlehem sei der Beginn christlicher Universalität.

Der Kölner Kardinal forderte alle Christen dazu auf, ihren Glauben mutig zu verkünden, der Apostel Paulus sage uns ausdrücklich: „Mit dem Herzen glaubt man, aber mit dem Munde bekennt man“, so Meisner. Wer sich in Sachen Religion einen Maulkorb vorbinden lasse, der zerstöre seinen eigenen Glauben: „Wer nach dem Sonntag am Montag mit Beginn der Werkwoche über seinen Glauben eine Tarnkappe zieht, der zerstört die Substanz seines eigenen Glaubens. Wer seinen Mantel immer nach dem Winde hängt, verdirbt seine Glaubensüberzeugung. Wer sich wie ein Chamäleon den gängigen Meinungen anpasst, verliert seine Glaubensüberzeugung. Die Tarnkappe und die Wetterfahne stammen nicht aus dem Arsenal des Neuen Testamentes, und das Chamäleon ist eigentlich kein christliches Wappentier. Die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes ist sichtbar in Jesus Christus erschienen, zu dem die Völker wallfahren. Darum ist auch uns ins Stammbuch geschrieben: „Farbe bekennen! Flagge zeigen! Die Stirn bieten!“

Die innere Glaubenshaltung muss sich nach außen verleiblichen können. Nur so bleibt unser Glaube gesund und vital, und ist er imstande, die Welt positiv zu verändern“, sagte der Kölner Erzbischof in der voll besetzten Domkirche. Darum teffe es uns alle so tief, wenn Christen in Teilen der Welt verfolgt oder gar getötet werden.

Meisner betonte zugleich Aufgabe und Anspruch der katholischen Kirche, allen Menschen auf Erden zu dienen. Gottes Kirche sei keine Kirche des Ghettos, sondern der Welt. „Sie hat ihr Haupt zu erheben und sein Wort zu verkünden, sei es gelegen oder ungelegen“, sagte der Kardinal.

Das Hochfest „Erscheinung des Herrn“
Das Hochfest „Erscheinung des Herrn“ heißt bei uns volkstümlich „Dreikönigstag“. Die Weisen, die Matthäus zufolge aus dem fernen Osten kamen, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen, sind in Legende und bildender Kunst des Mittelalters zu Königen geworden. Jesajas großes Gemälde von einer Wallfahrt der fremden Völker und ihrer Herrscher nach Jerusalem stand hier Pate. Dreikönigstag, das bedeutet: Menschen überlassen sich der Führung eines unbekannten Gottes, des Gottes eines weltgeschichtlich auf den ersten Blick unbedeutenden Volkes, des Volkes Israel. Menschen verlassen das Gebiet, auf dem sie sich auskennen und das Sagen haben. Sie brennen darauf, einen weiten und unwägbaren Weg zu gehen, denn in der Dunkelheit sehen sie einen strahlenden Glanz: Sie haben Augen für die Zeichensprache Gottes.

http://www.domradio.de/gottesdienste/70544/farbe-bekennen-flagge-zeigen-die-stirn-bieten.html
German Der Kardinal wünscht sich Benediktiner
Dec 28, 2010
Der Kardinal wünscht sich, was sich wohl die meisten Siegburger wünschen, nämlich dass auf dem Michaelsberg auch zukünftig wieder „eine Ordensgemeinschaft benediktinischer Prägung“ angesiedelt wird, wenn die Benediktiner ab Mitte des nächsten Jahres ihr Kloster aufgeben und sich von Siegburg verabschieden werden.

SIEGBURG - Der Kardinal wünscht sich, was sich wohl die meisten Siegburger wünschen, nämlich dass auf dem Michaelsberg auch zukünftig wieder „eine Ordensgemeinschaft benediktinischer Prägung“ angesiedelt wird, wenn die Benediktiner ab Mitte des nächsten Jahres ihr Kloster aufgeben und sich von Siegburg verabschieden werden. Mit dem Abtpräses des Ordens in Rom, so versicherte Erzbischof Joachim Kardinal Meisner bei der jüngsten Sitzung des Kirchensteuerrats, habe er bereits in diesem Sinne Kontakt aufgenommen. Angesichts der Personalsituation vieler Orden in Deutschland, so heißt es weiter, werde es aber ganz sicher noch eine Weile dauern, bis eine Lösung für den Michaelsberg und die Abtei gefunden sei. Wie konkret indes die Chance ist, die fast tausendjährige benediktinische Tradition in Siegburg fortzuführen, vermochte der Pressereferent des Bistums, Michael Kasiske, auf Nachfrage der Rundschau allerdings nicht zu sagen.

http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1288741626099.shtml
German Kardinal Meisner steuert Stadtbahn
Dec 24, 2010
Auf den KVB-Linien 1 und 7 wirbt ab sofort eine Bahn für den Zentral-Dombau-Verein. Kardinal Meisner selbst fuhr den Zug aus dem Depot. Der 1842 gegründete Verein finanzierte einst die Vollendung des Domes mit und kümmert sich heute um dessen Erhalt.

Merheim - Der Erzbischof persönlich steuerte den Zug aus der Halle auf dem KVB-Betriebshof in Merheim. Kardinal Joachim Meisner saß unter fachkundiger Anleitung am Fahrhebel der Bahn, die künftig auf den Linien 1 und 7 - den am stärksten frequentierten im KVB-Netz - für den Zentral-Dombau-Verein (ZDV) werben soll. „Wir freuen uns über die prägnante und plakative Partnerschaft mit d e m Wahrzeichen unserer Stadt“, sagte KVB-Vorstandssprecher Jürgen Fenske. Er hoffe, dass das Unternehmen auf diese Weise dazu beitrage, „dass der ZDV weiter tatkräftige Unterstützung erhält“. Und er bat den Kardinal, doch nicht nur die Dom-Bahn, sondern den gesamten Fuhrpark der Kölner Verkehrs-Betriebe zu segnen - eine Bitte, der Meisner gerne nachkam.

Mitgliedschaft ab 20 Euro im Jahr

ZDV-Präsident Michael H.G. Hoffmann („Die Bahn ist ein Knaller“) freute sich, dass „die Botschaft, den Dom zu erhalten, jetzt quer durch die Stadt getragen wird“. Der 1842 als überkonfessionelle und unabhängige Bürgerinitiative gegründete Verein zähle derzeit rund 13.000 Mitglieder, „und es müssen noch mehr werden“. In den vergangenen Jahren wurden jeweils rund sieben Millionen Euro in Erhalt und Restaurierung des Weltkulturerbes Kölner Dom gesteckt, mehr als 60 Prozent davon trägt der Dombau-Verein, den Rest steuern Kirche, Land und Stadt auf. Hoffmann betonte, dass alle Mitgliedsbeiträge - der Mindestbeitrag liegt bei 20 Euro pro Jahr - ausschließlich für den Dom verwendet würden.

http://www.ksta.de/html/artikel/1288741394712.shtml
German Missbrauchsskandal wie „Eitergeschwür“
Nov 18, 2010
Kölns Kardinal Joachim Meisner begrüßt das Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Dies sei dem Aufbrechen eines „Eitergeschwürs“ gleich und habe der Kirche zu neuer Buße und Demut verholfen.

KÖLN - Im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche hat nach Ansicht des Kölner Kardinals Joachim Meisner auch der Druck von außen geholfen, die Kirche zu Buße und Demut zu bringen. %#132;Es ist gut, dass jetzt dieses Eitergeschwür aufgebrochen ist, damit die Kirche wieder gesund wird. Das ist schmerzlich, aber dieser Reinigungsprozess ist notwendig“, sagte er dem „Sonntag-Express“ in Köln. Als der Skandal bekanntwurde, „da habe ich ganz schön Feuer gegeben, und zwar nach innen ­- die Kritik an der Kirche war ja berechtigt“.

In seinem Amt vermisst Meisner die alltäglichen Aufgaben eines Priesters. „Ich halte keine Erstkommunionfeiern, ich höre kaum Beichte und halte keine Beerdigungen, ich spende keine Krankensalbung. Alles, was das Leben eines Priesters ausmachen soll, darauf müssen Bischöfe weitgehend verzichten“, sagte Meisner. „Wenn wir nicht mehr Beichtväter sind, dann trocknet ein ganzer Lungenflügel unseres priesterlichen Daseins ein. Und dann werden wir kurzatmig. Deshalb sage ich in der Bischofskonferenz, wenn es um die Erneuerung der Kirche geht: Wir müssen bei uns anfangen, nicht bei den anderen.“

Er sei in jüngster Zeit öfter gefragt worden, ob er im Alter etwas milder geworden sei. „Da habe ich meinem Generalvikar gesagt: Stimmt das wirklich? Oder liegt das an meinen Zähnen, dass ich nicht mehr diesen Biss habe?“, meinte der 76-Jährige. „Aber auch die Kritiker werden sich wohl an mich gewöhnt haben und sich sagen, das lohnt sich nicht mehr, der ist ja sowieso nicht zu bekehren.“

http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1289495344410.shtml
German Krisengespräch mit Kardinal
Nov 18, 2010
Im Ringen um die Zukunft des Michaelsbergs hat es das erste Gespräch zwischen ertretern von Kommunalpolitik und Erzbistum gegeben. Bei der Suche nach einer künftigen Nutzung wollen alle Beteiligten zusammenarbeiten.

Siegburg - Im Ringen um die Zukunft des Michaelsbergs hat am Freitag ein erstes Krisengespräch mit Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, Landrat Frithjof Kühn und Bürgermeister Franz Huhn stattgefunden. Bei der Suche nach einer neuen Ordensgemeinschaft und den Überlegungen für die zukünftige Nutzung wollen Erzbistum, Kreis und Stadt an einem Strang ziehen. An der Gesprächsrunde, zu der der Erzbischof nach Köln eingeladen hatte, nahmen auch Generalvikar Dr. Dominik Schwaderlapp, Kreisdechant Anno Burghof, der Siegburger Dechant Peter Weiffen und der Finanzdirektor des Erzbistums, Hermann Josef Schon, teil.

Kühn und Huhn zeigten sich dankbar, dass der Kardinal die Suche nach einer Ordensgemeinschaft zur Chefsache gemacht habe. Für eine mögliche Folgenutzung nach dem Auszug der Benediktiner ab Mitte nächsten Jahres sei zunächst eine „umfassende Analyse aller Aspekte und eine grundlegende Bestandsaufnahme“ erforderlich, heißt es in einer Pressemitteilung der Diözese. Dazu werde sich das Erzbistum mit den Benediktinern abstimmen, in deren Besitz sich das Kloster befindet.

Das Wahrzeichen der Stadt erhalten

Bei der Suche nach einer Folgenutzung sollen auch die schon jetzt vorliegenden Anregungen einfließen. Doch sei eine zukunftsweisende Lösung nicht so schnell zu finden. Alle Beteiligten äußerten noch einmal ihr Bedauern über den Weggang der Benediktiner, die den Michaelsberg in der Vergangenheit zu einem Zentrum geistlichen Lebens gemacht hätten. Das soll er auch in Zukunft bleiben. Deshalb ist auch ein Dank- und Bittgottesdienst geplant, den der zuständige Regionalbischof Dr. Heiner Koch am Freitag, 26. November, 18.30 Uhr, in Siegburg feiern wird.

Unterdessen haben sich als erste politische Partei die Grünen zu Wort gemeldet. Eine Folgenutzung hält Fraktionschefin Astrid Thiel schon deshalb für wichtig, um das Wahrzeichen der Stadt zu erhalten. In der Krise sieht sie indes auch eine Chance, „den Berg mehr als kulturelles und lebendiges Wahrzeichen“ zu nutzen.

http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1288741347825.shtml
German Kölner Kardinal Meisner sieht Chancen für neue konservative Partei
Nov 18, 2010

Köln (dapd). Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner sieht Chancen für eine neue konservative Partei in Deutschland. "Ich glaube, wenn man entsprechende Persönlichkeiten hätte, dann hätte eine konservative Partei durchaus eine Chance. Konservativ ist ja etwas Positives, wir haben das Evangelium zu bewahren, nicht zu produzieren", sagte Meisner dem Kölner "Sonntags-Express". Er habe den Eindruck, dass die CDU in ihrer jetzigen Situation ahnt, dass so etwas passieren könnte: "Ob es günstig wäre für unsere Gesellschaft, dass unser Parteiensystem immer größer wird, weiß ich nicht, da bin ich zu wenig Politiker."

Meisner wiederholte sein Unverständnis an der deutschen Kritik an Papst Benedikt XVI., der unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wegen seines Umgangs mit dem Holocaust-Leugner Bischof Williamson angegriffen wurde: "Es hat ihn schon sehr getroffen. Und dann auch noch die Kanzlerin, die über den Papst herfiel. Da kann man sich nur an den Kopf fassen. Papst Benedikt XVI. war und ist derjenige, der für den christlich-jüdischen Dialog am meisten getan hat. Ich habe den Eindruck, dass man nur darauf gewartet hat, ihm etwas anzuhängen."

http://www.boulevard-baden.de/ueberregionales/politik/2010/11/13/kolner-kardinal-meisner-sieht-chancen-fur-neue-konservative-partei-281143
German Meisner verurteilt ungerechte Angriffe der Medien
Nov 15, 2010

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat Diffamierungen und ungerechte Angriffe der Medien verurteilt. Darunter hätten viele Menschen zu leiden. Das sagte der Erzbischof in Köln. Zugleich beklagte der Kölner Kardinal das mangelnde Interesse der Medien und besonders der großen US-Zeitungen für verfolgte Christen. Bei traurigen Ereignisse wie der blutigen Geiselnahme durch die Terrorgruppe El-Kaida in einer katholischen Kirche in Bagdad am vergangenen Wochenende schaue die Weltöffentlichkeit weg.

http://www.domradio.de/news/68869/meisner-verurteilt-ungerechte-angriffe-der-medien.html
German „Ich bin sehr froh, dass wir Euch hier im Erzbistum haben“
Nov 09, 2010
Seit dem Schuljahr 2008/2009 unterhält die katholische Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi mit Genehmigung des Erzbistums Köln, der Bezirksregierung Köln und des Kreisjugendamts Euskirchen in Bad Münstereifel eine „Apostolische Schule“, ein Knabenseminar mit Internatsbetrieb. Die Einrichtung befindet sich auf dem gleichen Gelände wie das Noviziat der Legionäre Christi, die seit 1995 im ehemaligen St.-Angela-Internat leben. Derzeit besuchen 25 Jungen aus verschiedenen Regionen Deutschlands im Alter zwischen 12 und 18 Jahren die Schule. Vergangene Woche stattete Joachim Kardinal Meisner der Einrichtung einen Besuch ab.

Bad Münstereifel. Nach einem herzlichen Empfang durch die Schüler und die Hausleitung informierte sich der Kardinal zunächst persönlich über Unterricht und Alltag in der Schule. Dabei nahm er u.a. an einer Geographiestunde der Mittelstufe teil, stellte selbst Fragen an die Schüler und gab ihnen die eine und andere Eselsbrücke mit auf den Weg.  



Die Schüler der Unterstufe führten in Anwesenheit von Kardinal Meisner und dem Lehrerkollegium zwei Sätze aus Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ auf. Die flüssigen Deklamationen und das lebendige Schauspiel rangen allen Anwesenden einen großen Applaus ab, dem sich auch der Kardinal mit den Worten anschloss: „So einen Besuch erlebe ich nicht alle Tage!“  



Im Anschluss daran stellten sich die versammelte Schülerschaft, Lehrer, Schulleitung und anwesende Ordensleute und Priester der Legionäre Christi dem Kardinal vor. P. Valentin Gögele LC, Vizerektor des Hauses, erklärte das Konzept der Schule. Ein Schüler der Oberstufe begrüßte den Kardinal auch im Namen der Schüler und erläuterte das Ziel der Einrichtung.  



Später stand der Kardinal den Anwesenden Rede und Antwort; zur besonderen Freude der Schüler, die dem Kardinal viele persönliche Fragen stellten. „Wenn ich wieder auf die Welt käme, würde ich wieder Priester werden wollen. Nur – darum würde ich den Heiland bitten – ohne Mithra“, antworte Meisner einem Jungen, der ihm nach seiner priesterlichen Berufung befragt hatte. Auf besonders positive Momente in seinem Leben angesprochen, erwiderte der Kardinal zunächst, dass sowohl die Welt als auch die Kirche viel besser seien, als die Menschen das oft ahnen würden, und nannte schließlich Erlebnisse der letzten Woche wie die Ministrantenwallfahrt nach Rom.  



Gern berichtete er auch von seinen Begegnungen mit Benedikt XVI.: „Man geht vom Papst immer besser weg, als man hingeht!“ Am Ende gab er den Schülern einen persönlichen Rat mit auf den Weg: „Eignet euch ein gutes sachliches Wissen an, denn Gnade baut immer auf der Natur auf. Seid keine Streber, sondern anständige Kollegen. Und verlernt das Lachen nicht!“ Als Geschenk übergab der Erzbischof von Köln der Hausleitung anschließend ein Marienbild.  



Zentraler Teil des Besuches war die Feier des Pontifikalamtes in der Hauskapelle der Legionäre Christi, bei welchem 17 Patres der Ordensgemeinschaft konzelebrieren, darunter P. Sylvester Heereman, Territorialdirektor für Mitteleuropa, P. John Luxbacher, Novizenmeister, P. Fergus O´Carroll, Regens der „Apostolischen Schule“. Außer der Gemeinschaft waren ca. 40 weitere Besucher anwesend – Freunde des Hauses und Familien der Schüler.  In seiner Predigt nahm der Kardinal vor allem auf den Rosenkranzmonat Oktober Bezug. Der katholische Glaube ließe sich im Rosenkranz zusammenfassen, dieser sei die „Christusreliquie, an der das ganze Volk Gottes – die Traditio – mitgewirkt haben.“ Schüler und Eltern trugen die Gaben zum Altar. Die hl. Messe wurde vom Schulchor gestaltet. Nach dem Gottesdienst begrüßte der Kardinal vor allem die Besucher und Gäste.  



Ein festliches Mittagessen mit der Gemeinschaft rundete den Besuch des Kardinals in der „Apostolischen Schule“ ab. Für den hohen Gast aus Köln hatte man eigens eine große Torte vorbereitet, auf der nicht nur das Portal des Kölner Doms, sondern auch das Wappen des Kardinals zu finden waren. Der Kardinal schnitt die Torte persönlich an. Am Ende des Essens gab die Schul-Band einige musikalische Stücke zum Besten, die mit den Rufen „Zugabe! Zugabe!“ freudig quittiert wurden.



Der Kardinal bedankte sich schließlich bei allen für die Gastfreundschaft, ganz persönlich auch beim Koch und den Brüdern, die bei der Vorbereitung geholfen haben, „Wo die Leute katholisch sind, da wird auch gut gegessen!“  Nach dem Eintrag ins Gästebuch des Hauses verabschiedete sich Seine Eminenz bei allen Schülern, der Hausleitung und den anwesenden Ordensleuten und Priestern der Legionäre Christi mit den Worten: „Ich sage nicht ‚Werdet gut‘, sondern ‚Bleibt gut!‘“

http://wochenspiegellive.de/Redaktion/Euskirchen.html?doc=38353
German Kardinal Meisner: Union soll „C“ ernst nehmen
Nov 03, 2010

Kölns Kardinal Joachim Meisner hat an die Unionspolitiker appelliert, das C in ihrem Parteinamen ernst zu nehmen. Nicht nur das christliche Menschenbild, sondern auch das christliche Gottesbild müssten in den Mittelpunkt einer C-Partei gerückt werden. Das sagte Meisner der „Passauer Neuen Presse“ . Die Zehn Gebote und das Evangelium seien normativ für eine christliche Partei. Insofern verpflichte das C jeden einzelnen Politiker zu konkretem Handeln. Der Kardinal räumte ein, dass es „eine christliche Reinkultur in der Politik“ nie gegeben habe. Strategie und Taktik gehörten zum politischen Leben. Sie seien aber an Werte und Tugenden gebunden. Meisner wörtlich:.Wahrhaftigkeit zum Beispiel darf in keinem Fall einem Kompromiss geopfert werden„.

http://www.domradio.de/news/68397/kardinal-meisner-union-soll-c-ernst-nehmen.html
French Rome: Le cardinal Meisner bientôt remplacé?
Nov 03, 2010

Rome, 15 octobre 2010 (Apic) Benoît XVI a reçu en audience le cardinal Joachim Meisner, archevêque de Cologne (Allemagne), le 13 octobre. Cet ami personnel du pape, bientôt âgé de 77 ans, occupe ce poste depuis 1988 et pourrait très probablement être remplacé dans les semaines à venir. Ce même jour, le cardinal Meisner était en outre présent à l’audience générale place Saint-Pierre, accompagnant un groupe d’enfants de chœur de Cologne.

http://www.kipa-apic.ch/index.php?pw=&na=0,0,0,0,f&ki=213005
German Kardinal Meisner predigt in der Marienbasilika
Oct 14, 2010
Kevelaer (RP) Das tägliche Pilgeramt in der Wallfahrtsgemeinde St. Marien ist stets gut gefüllt – und besucht ein Bischof oder Kardinal die Marienstadt, ist die Basilika rappelvoll.

So auch am Samstag, als Joachim Kardinal Meisner die Morgenmesse zu einem festlichen Pontifikalamt "adelte". Sichtlich erfreut über den hohen Besuch begrüßte Pfarrer Stefan Zekorn in Anwesenheit seines Vorgängers Richard Schulte-Stade den Kardinal, der die zweistündige Messfeier zelebrierte.

In seiner Predigt forderte der 76-Jährige die Gläubigen auf, der Gottesmutter Maria die Türen zu öffnen, sie an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Dazu charakterisierte Meisner die Trösterin der Betrübten in drei Bildern: als Trägerin des Heiligen Geistes, als Magd des Herrn und als Schmerzensmutter. "Maria hat Pfingsten zweimal erlebt", so Joachim Meisner: "Bei der Engelsbotschaft ihrer Empfängnis und als der Heilige Geist in brennenden Feuerzungen auf sie und die Apostel herabkam."

Darum sei Marias Anwesenheit ein Anzeichen für große Begeisterung im Glauben – wie in Kevelaer, wo täglich Tausende am Gnadenbild beten. Weiter zeige Maria den Christen den Standort Gottes an: "Wer Gott am Himmel sucht, wird ihn nicht finden. Nur wer dienen und sich bücken kann zu den Füßen der Mitmenschen, wird den Standort Christi entdecken."

Sichtlich beeindruckt zeigten sich die Kirchbesucher vom Gottesdienst in der Basilika. "Er formuliert seine Botschaften geradlinig, anstatt sie mit Worthülsen und Fremdworten zu umhüllen. Das macht ihn authentisch, glaubwürdig und menschennah", meinte ein Gocher Besucher nach dem Pontifikalamt auf dem Kapellenplatz. Eine Frau aus dem Ruhrgebiet kommentierte: "Ich will es nicht Aura nennen, aber der Mann hat schon eine ganz besondere Ausstrahlung."

http://www.rp-online.de/niederrheinnord/kevelaer/nachrichten/kevelaer/Kardinal-Meisner-predigt-in-der-Marienbasilika_aid_916736.html
German Meisner verteidigt Zölibat: «Gottesbeweis»
Jul 14, 2010

Berlin/Köln (dpa) - Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat den Zölibat - die von der Kirche vorgeschriebene Ehelosigkeit von katholischen Priestern - verteidigt. «Überzeugend gelebt ist der Zölibat immer noch der schlagendste Gottesbeweis», sagte Meisner in einem vorab veröffentlichten Interview mit der «Welt am Sonntag». Der Zölibat sei ein Stachel für die Gesellschaft. «Darum wundert es gar nicht, wie sehr sie dagegen anrennt. Bei einem Zölibatär muss man immer sagen: Entweder ist der verrückt, oder es gibt Gott.»

http://www.bild.de/BILD/regional/koeln/dpa/2010/07/10/meisner-verteidigt-zoelibat-gottesbeweis.html
German Im Wortlaut
Jun 25, 2010
Erklärung von Erzbischof Joachim Kardinal Meisner zur Ermordung von Bischof Dr. Luigi Padovese

Die Nachricht von der Ermordung des Vorsitzenden der Türkischen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Luigi Padovese, hat mich mit Ensetzen und tiefem Schmerz erfüllt.  

Bischof Padovese hat in selbstloser Weise den wenigen Christen in der Türkei gedient und war dabei von einem großen Wohlwollen den türkischen Bürgern gegenüber erfüllt. Dass er nun durch Mörderhand sein Leben verlor, ist für mich bitter und unbegreiflich. Er ist nicht der erste Christ, der in den letzten Jahren in der Türkei durch Mörderhand ums Leben gebracht wurde.

Bischof Padovese war in Deutschland durch sein Bemühen um die Pauluskirche in Tarsus bekannt. Ich war mit Bischof Padovese befreundet und habe ihn als einen kompetenten Theologen und mutigen Christen hoch geschätzt und hoch verehrt. Sein Tod bedeutet einen großen Verlust für die katholischen Christen in der Türkei. Ich sehe in Bischof Padovese einen Märtyrer des Evangeliums, der in der Christenheit nicht vergessen werden wird.

http://www.domradio.de/artikel_64589.html
German Kardinal Meisner: „Beim Beichten hebt uns Christus auf göttliches Niveau“
Jun 20, 2010
Wir dokumentieren hier den vollständigen Text des Vortrages von Kardinal Joachim Meisner beim Internationalen Priestertreffen zum Abschluss des Priesterjahres in der Basilika St. Paul vor den Mauern in Rom am 9. Juni 2010: „Conversione e missione“ – „Umkehr und Mission“

Liebe Mitbrüder!

Ich werde mit Ihnen jetzt nicht eine neue Buß- und Missionstheologie zu entfalten suchen. Aber ich möchte mich zusammen mit Ihnen vom Evangelium selbst zur Umkehr führen lassen, um dann, vom Heiligen Geist gesendet, den Menschen die Botschaft Christi zu überbringen.
Auf diesem Weg möchte ich jetzt zusammen mit Ihnen 15 gedankliche Schritte vorangehen.

1. Wir müssen wieder – wie mein Vorgänger als Erzbischof von Köln, Joseph Kardinal Höffner, zu sagen pflegte – eine „Geh-hin-Kirche“ werden. Das geht nicht auf Befehl. Dazu bewegt uns der Heilige Geist. Einer der tragischsten Verluste, den unsere Kirche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlitten hat, ist der Verlust des Heiligen Geistes im Bußsakrament. Für uns Priester hatte das einen ungeheuren inneren Profilverlust zur Folge. Wenn mich gläubige Christen fragen: „Wie können wir unseren Priestern helfen?“, dann antworte ich ihnen immer: „Gehen Sie zu ihnen beichten!“. Dort, wo der Priester nicht mehr Beichtvater ist, wird er zum religiösen Sozialarbeiter. Ihm fehlt dann die Erfahrung großer pastoraler Erfolge, wo er mitwirken darf, dass ein Sünder auch durch seine Hilfe den Beichtstuhl wieder als Geheiligter verlässt. Im Beichtstuhl darf der Priester in die Herzen vieler Menschen schauen und bekommt von daher Impulse, Ermutigungen und Anregungen für die eigene Christusnachfolge.

2. Vor den Toren von Damaskus stürzt ein kleiner kranker Mann, der heilige Paulus, geblendet zu Boden. Im 2. Korintherbrief zitiert er selbst den Eindruck seiner Gegner über seine Person, er sei körperlich matt und rhetorisch schwach (vgl. 2 Kor 10,10). Den Städten Kleinasiens und Europas aber wird in den nächsten Jahren durch diesen kleinen kranken Mann das Evangelium verkündet werden. Die Wunder Gottes geschehen nie im Rampenlicht der Weltgeschichte. Sie ereignen sich immer im Abseits, eben vor den Toren der Stadt, eben in der Verborgenheit des Beichtstuhles. Das darf für uns alle ein großer Trost sein, die wir mit großen Aufgaben betraut sind, aber gleichzeitig um unsere oftmals kleinen Möglichkeiten wissen. Es gehört zur Strategie Gottes, mit kleinen Ursachen große Wirkungen hervorzurufen. Paulus vor den Toren von Damaskus geschlagen, wird zum Eroberer der Städte Kleinasiens und Europas. Seine Sendung ist die Sammlung der Berufenen in die Kirche, in die Ecclesia Gottes, hinein. Obwohl sie – von außen gesehen – nur ein kleines bedrängtes Häufchen ist, von innen angefochten, vergleicht Paulus sie mit dem Leib Christi, ja, er identifiziert sie sogar mit dem Leib Christi, der eben die Kirche ist. Diese Möglichkeit aus den Händen des Herrn zu empfangen, heißt in unserer menschlichen Erfahrung „Bekehrung“. Die Kirche ist die „Ecclesia semper reformanda“, und darin sind der Priester und der Bischof ein „semper reformandus“, der immer wieder – wie Paulus vor Damaskus – vom hohen Ross gestoßen werden muss, um in die Arme des barmherzigen Gottes zu fallen, der uns dann in die Welt hinein sendet.

3. Darum genügt es nicht, dass wir in unserer pastoralen Arbeit nur Korrekturen an den Strukturen unserer Kirche vornehmen wollen, um sie augenscheinlich attraktiver zu machen. Das reicht nicht! Was Not tut, ist eine Bekehrung des Herzens, meines Herzens. Nur ein bekehrter Paulus konnte die Welt verändern, nicht aber ein Ingenieur kirchlicher Strukturen. Der Priester ist durch die Aufnahme in die Lebensweise Jesu so von ihm bewohnt, dass Jesus im Priester für andere berührbar wird. Bei Johannes 14,23 lesen wir: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen“ (Joh 14,23). Das ist nicht nur ein schönes Bild! Wenn das Herz des Priesters Gott liebt und die Gnade hat, so kommt der dreieinige Gott persönlich und schlägt seine Wohnung im Herzen des Priesters auf.
Gewiss, Gott ist allgegenwärtig. Gott wohnt überall. Die ganze Welt ist wie eine große Kirche Gottes, aber das Herz des Priesters ist wie ein Tabernakel in der Kirche. Dort wohnt Gott in geheimnisvoller und besonderer Weise.

4. Das größte Hindernis, Christus durch uns berührbar werden zu lassen, ist die Sünde. Sie verhindert die Gegenwart des Herrn in unserem Dasein, und darum ist nichts notwendiger für uns als die Bekehrung, und zwar auch um der Mission willen. Es geht dabei – bringen wir es auf einen Punkt – um das Bußsakrament. Ein Priester, der nicht häufig auf beiden Seiten des Beichtgitters anzutreffen ist, leidet auf Dauer Schaden an seiner Seele und an seiner Mission. Hier liegt sicher eine wesentliche Ursache für die vielfältigen Krisen, in die das Priestertum in den letzten 50 Jahren geraten ist. Das ist ja die besondere Gnade des Priestertums, dass der Priester auf beiden Seiten des Beichtgitters zu Hause sein kann: als Bekennender und als Vergebender. Wo sich der Priester vom Beichtstuhl entfernt, dort gerät er in eine schwerwiegende Identitätskrise. Das Bußsakrament ist der bevorzugte Ort für die Vertiefung der Identität des Priesters, der dazu berufen ist, sich selbst und die Gläubigen zurück zu binden an die Fülle Christi.

Im hohepriesterlichen Gebet spricht Jesus zu seinem und unserem Vater über diese Identität: „Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie ich auch nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit“ (Joh 17,15-17). Es geht im Bußsakrament um die Wahrheit in uns. Wie kommt es, dass wir der Wahrheit nicht gern ins Gesicht schauen?

5. Wir müssen uns daher fragen lassen: Haben wir denn noch nicht die Freude erfahren, einen Fehler zu erkennen, ihn einzugestehen und den von uns Beleidigten aufzusuchen? – „Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt“ (Lk 15,18). – Kennen wir nicht die Freude, dann zu sehen, wie der Andere die Arme gleich dem Vater des verlorenen Sohnes ausbreitet: „Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn“ (Lk 15,20). Können wir denn nicht die Freude des Vaters darüber erahnen, dass er uns wieder gefunden hat: „Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern“ (Lk 15,24)? Da dieses Fest jedes Mal, wenn wir zurückkehren, im Himmel begangen wird, warum kehren wir dann nicht häufiger zurück? Warum sind wir – ich spreche in Menschenweise – so geizig gegenüber Gott und den Heiligen des Himmels und lassen ihnen so selten die Freude, ein Fest zu feiern, weil wir uns vom Herrn, vom Vater, ans Herz drücken ließen?

6. Wir lieben diese ausdrückliche Vergebung oft nicht. Und doch zeigt sich Gott niemals so sehr als Gott, als wenn er vergibt. Gott ist die Liebe! Er ist Schenken in Person! Er verschenkt die Gnade der Vergebung. Aber am stärksten ist jene Liebe, die das Haupthindernis der Liebe überwindet: die Sünde. Die größte Gnade ist die Begnadigung, und die kostbarste Gabe ist die Vergabung, die Vergebung. Gäbe es keine Sünder, die der Verzeihung mehr bedürfen als des täglichen Brotes, wir würden die Tiefe des göttlichen Herzens gar nicht kennen. Der Herr betont es ausdrücklich: „Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte die es nicht nötig haben umzukehren“ (Lk 15,7). Wie kommt es – fragen wir nochmals –, dass ein Sakrament, das so große Freude im Himmel hervorruft, so viel Abneigung auf Erden weckt? Das liegt an unserem Stolz, der ständigen Neigung unseres Herzens sich zu verschanzen, sich selbst zu genügen, sich zu isolieren, sich auf sich selbst zurückzuziehen. Was ziehen wir eigentlich vor, Sünder zu sein, denen Gott verzeiht, oder scheinbar ohne Sünde zu sein, d.h. in der Illusion der Selbstgerechtigkeit zu leben – ohne die Offenbarung der Liebe Gottes? Reicht es wirklich, zufrieden zu sein mit sich selbst? Was sind wir denn ohne Gott? Nur eine kindliche Demut, wie sie die Heiligen haben, lässt uns fröhlich den Vergleich zwischen unserer Unwürdigkeit und der Herrlichkeit Gottes ertragen.

7. Es ist nicht der Sinn der Beichte, dass wir im Vergessen unserer Sünden nicht mehr an Gott denken. Die Beichte schenkt uns vielmehr Zugang in ein Leben, wo man an nichts anderes mehr denken kann als an Gott. Gott sagt in uns: „Du hast doch nur gesündigt, weil du nicht glauben kannst, dass ich dich genug liebe, dass mir genug an dir liegt, dass in mir genug Zärtlichkeit für dich ist, dass ich mich genug freue über die geringste Geste, die mir deine Zustimmung bezeugt, um dir alles zu verzeihen, was du in die Beichte hineinbringst. Wissen wir um eine solche Verzeihung, um eine solche Liebe, dann werden wir geradezu überflutet sein von Freude und Dankbarkeit, sodass uns dann auch allmählich die Lust zum Sündigen vergeht und die Beichte zu einem regelmäßigen Ereignis der Freude in unserem Leben wird. Beichten gehen heißt, hingehen und die Liebe zu Gott ein wenig herzlicher zu gestalten, sich erneut sagen zu lassen und wirksam zu erfahren – denn Beichte ist ja nicht nur Zuspruch von außen –, dass Gott uns liebt; beichten heißt, wieder anfangen, daran zu glauben und zugleich entdecken, dass wir bisher niemals tief genug daran geglaubt haben, und dass man hierfür um Verzeihung bitten muss. Vor Jesus fühlt man sich als Sünder, man entdeckt sich als Sünder, der nicht seinen Erwartungen entspricht. Beichten heißt, sich vom Herrn auf sein göttliches Niveau heben zu lassen.

8. Der verlorene Sohn verlässt das väterliche Haus, weil er ungläubig geworden ist. Er hat keinen Glauben mehr an die Liebe des Vaters, die ihm genügen würde, und daher verlangt er sein Erbteil, um seine Angelegenheit ganz allein zu ordnen. Als er sich entschließt, zurückzukehren und um Verzeihung zu bitten, ist sein Herz noch tot. Er glaubt, er werde nicht mehr geliebt, er sei nicht mehr Sohn. Nur, um nicht Hungers zu sterben, kommt er zurück. Das nennen wir unvollkommene Reue! Aber der Vater erwartet ihn seit langem. Seit langem erfreut ihn nichts mehr als der Gedanke, der Sohn könnte eines Tages heimkommen. Sobald er ihn entdeckt, eilt er ihm entgegen, umarmt ihn, lässt ihm nicht einmal die Zeit, sein Geständnis zu beenden und ruft die Diener herbei, damit sie ihn kleiden, nähren und pflegen. Weil man ihm so große Liebe erzeigt, beginnt der Sohn in diesem Augenblick, sie auch zu verspüren, von ihr erfüllt zu werden. Eine ungeahnte Reue überkommt ihn. Das ist die vollkommene Reue. Erst als ihn der Vater umarmt, ermisst er seine Undankbarkeit, seine Unverschämtheit und seine Ungerechtigkeit. Dann erst kommt er wirklich zurück, wird er wieder Sohn, dem Vater gegenüber offen und vertrauend, wird er wieder lebendig: „Dein Bruder war tot und lebt wieder“ (Lk 15,32), sagt der Vater daher dem zu Hause gebliebenen Sohn.
 9. Der ältere Sohn, der Gerechte, hat eine ähnliche Wandlung erfahren – so möchten wir das Gleichnis hoffnungsvoll weiterdenken. Der Fall dieses Sohnes ist aber sehr viel schwieriger. Man darf nicht sagen, dass Gott die Sünder mehr liebt als die Gerechten! Eine Mutter liebt das kranke Kind, dem sie ihre besondere Sorge zuwendet, nicht mehr als die gesunden Kinder, die sie allein spielen lässt, denen sie ihre – nicht weniger tiefe - Liebe aber auf andere Weise bekundet. Soweit die Menschen sich weigern, ihre Sünden anzuerkennen und zu bekennen, soweit sie stolze Sünder sind, zieht Gott ihnen die demütigen Sünder vor. Mit allen hat er Geduld.

Auch mit dem daheim gebliebenen Sohn hat der Vater Geduld. Er bittet ihn, und er redet ihm gut zu: „Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern“ (Lk 15,31). Die Verzeihung der Hartherzigkeit des Älteren wird dabei noch nicht einmal ausgesprochen, sondern ist impliziert. Wie groß muss die Beschämung des älteren Sohnes vor solcher Milde sein. Alles hatte er vorhergesehen, nur nicht diese demütige Zärtlichkeit des Vaters. Plötzlich findet er sich entwaffnet, verwirrt, teilnehmend an der allgemeinen Freude. Und er fragt sich, wie er nur daran denken konnte, absichtlich fern zu bleiben, wie er es nur einen Augenblick lang habe vorziehen können, ganz allein unglücklich zu sein, während alle einander liebten und einander verziehen. Glücklicherweise ist der Vater da und erwischt ihn rechtzeitig. Zum Glück ist der Vater nicht wie er! Zum Glück ist der Vater viel besser als sie alle zusammen! Gott allein kann die Sünden vergeben. Er allein vermag diese Geste der Gnade, der Freude und des Überflusses der Liebe zu vollziehen. Darum ist das Bußsakrament die Quelle permanenter Erneuerung und Revitalisierung unseres priesterlichen Seins.

10. Für mich wird darum die geistliche Reife für den Empfang des Weihesakramentes eines Priesteramtskandidaten darin deutlich, dass er regelmäßig, und zwar mindestens im Rhythmus von einem Monat, das Bußsakrament empfängt. Denn im Bußsakrament begegne ich dem barmherzigen Vater mit den kostbarsten Gaben, die er zu vergeben hat, nämlich die Vergabung, die Vergebung und die Begnadigung. Wenn aber einer durch seine mangelnde Beichtpraxis dem Vater sagt: „Behalte deine kostbaren Gaben für dich! Ich brauche dich und deine Gaben nicht!“, dann hört er auf, Sohn zu sein, indem er ihm sein Vatersein aufkündigt, weil er ihm seine kostbarsten Gaben nicht mehr abnimmt. Und wenn man nicht mehr Sohn des himmlischen Vaters ist, kann man nicht Priester werden, denn der Priester ist durch die Taufe zunächst einmal Sohn des Vaters, und dann ist er durch die Priesterweihe mit Christus Sohn mit dem Sohn. Dann erst kann er den Menschen wirklich Bruder sein.

11. Der Umstieg von der Umkehr in die Mission kann sich zunächst darin zeigen, dass ich von der einen Seite des Beichtgitters auf die andere wechsele, von der Seite des Pönitenten auf die Seite des Beichtvaters. Der Verlust des Bußsakramentes ist die Wurzel vieler Übel im Leben der Kirche und im Leben des Priesters. Und die so genannte Krise des Bußsakramentes liegt nicht nur darin begründet, dass die Leute nicht mehr zum Beichten kommen, sondern dass wir Priester nicht mehr im Beichtstuhl präsent sind. Ein besetzter Beichtstuhl in einer leeren Kirche ist das ergreifendste Symbol für die wartende Geduld Gottes. So ist Gott. Er wartet auf uns lebenslang. Ich kenne aus meiner 35-jährigen bischöflichen Tätigkeit ergreifende Beispiele, wo Priester täglich im Beichtstuhl präsent waren, ohne dass ein Pönitent gekommen ist, – bis dann aber der Erste oder die Erste nach Monaten oder Jahren des Wartens kam. Damit war, wie man so sagt, der Knoten geplatzt. Dann wurde der Beichtstuhl reichlich frequentiert. Hier wird der Priester angefordert, aus aller äußeren Planungsarbeit der Seelsorge mit Gruppen umzusteigen in die persönliche Not eines Menschen. Und hier hat er zunächst nicht zu reden, sondern zu hören. Eine eiternde Wunde am Körper kann nur heilen, wenn sie sich ausbluten kann. Ein verwundetes Herz des Menschen kann nur geheilt werden, wenn es sich ausbluten, d.h. aussprechen kann. Und es kann sich nur aussprechen, wenn jemand zuhört, und zwar in dieser absoluten Diskretion des Bußsakramentes. Für den Beichtvater gilt zunächst einmal, nicht zu reden, sondern zu hören. Wie viel innere Anregung für seine eigene Christusnachfolge erfährt und erhält der Beichtvater gerade in seiner Tätigkeit bei der Spendung des Bußsakramentes, wenn er spürt und erfährt, wie weit ihm einfache katholische Männer, Frauen und Kinder in der Christusnachfolge voraus sind.

12. Wenn uns dieser wesentliche Bereich des priesterlichen Dienstes weitgehend verloren geht, sinken wir Priester leicht auf eine Beamtenmentalität oder auf das Niveau einer reinen Pastoraltechnik herab. Unsere Verortung diesseits und jenseits des Beichtgitters bringt uns durch unser Zeugnis dazu, Christus für die Menschen berührbar werden zu lassen. Um es zunächst an einem Negativbeispiel deutlich zu machen: Wer mit radioaktiver Materie in Berührung kommt, wird selbst radioaktiv verseucht. Wenn ein solcher nun einen anderen berührt, dann wird er ebenfalls von seiner Radioaktivität negativ angesteckt. Nun aber das Beispiel positiv: Wer mit Christus in Berührung kommt, der wird christoaktiv. Und wenn der Priester dann als ein solcher Christoaktiver mit anderen Menschen in Berührung kommt, dann werden sie selbstverständlich von seiner Christoaktivität angesteckt. Das ist Mission, wie sie von Anfang an im Christentum präsent war. Die Menschen drängten sich um die Person Jesu herum, um ihn zu berühren, und wenn es nur der Saum seines Gewandes war. Und selbst, wenn es dieser nur von hinten war, dann wurden sie gesund: „Denn es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte“ (Lk 6,19).

13. Uns laufen die Menschen oft davon, sie drängen sich nicht mehr um uns, um mit uns in Berührung zu kommen. Im Gegenteil, sie laufen uns davon. Damit das nicht geschieht, müssen wir uns konkret fragen: Was berühren die Menschen denn, wenn sie mit mir in Berührung kommen? – Jesus Christus in seiner unermesslichen Liebe zu den Menschen, oder irgendwelche theologischen Privatmeinungen oder Gejammer über die Zustände in der Kirche und der Welt? Berühren sie bei uns Jesus Christus? Wenn das der Fall ist, dann kommen die Menschen. Sie sprechen untereinander von einem solchen Priester. Sie bringen es in solche Ausdrücke wie „Mit dem kann man reden. Der versteht mich. Der kann einem wirklich helfen“. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Menschen nach solchen Priestern Sehnsucht haben, in denen sie authentisch Christus begegnen, der sie frei macht von allen Verstrickungen und sie an seine Person bindet.

14. Damit wir recht verzeihen können, brauchen wir viel Liebe. Die einzige Verzeihung, die wir recht gewähren könnten, ist jene, die wir von Gott empfangen haben. Nur wenn man den barmherzigen Vater erfahren hat, wird man barmherziger Bruder der Menschen. Wer nicht verzeiht, der liebt nicht. Wer wenig verzeiht, der liebt auch wenig. Wer viel verzeiht, der liebt viel. Wenn man den Beichtstuhl als Ausgangspunkt unserer Mission verlässt, von welcher Seite des Beichtstuhls auch immer, aber besonders von der Seite des Pönitenten, dann möchte man am liebsten alle umarmen, sie um Verzeihung bitten. Ich selbst habe so beglückend Gottes verzeihende Liebe erfahren, dass ich nur dringend bitten kann: „Nimm auch du seine Verzeihung an! Nimm einen Teil der Verzeihung, an der ich nun Überfluss habe. Vergib mir, dass ich sie dir so schlecht anbiete!“. Man geht mit der gleichen Bewegung wieder in die Liebe Gottes und in die Bruderliebe hinein, in die Vereinigung mit Gott und mit der Kirche, von der man sich durch die Sünde ausgeschlossen hatte. Wir können und müssen alle Menschen lieben, wenn Gott uns aufs Neue zu lieben gelehrt hat. Wäre es nicht so, dann wäre es ein Zeichen dafür, dass wir falsch gebeichtet haben und daher nochmals beichten müssten.

Der wohl größte Beichtvater unserer Kirche ist der heilige Pfarrer von Ars. Ihm verdanken wir das Priesterjahr und damit unsere jetzige Zusammenkunft als Priester und Bischöfe mit dem Heiligen Vater hier in Rom. Mit diesem heiligen Pfarrer habe ich über das Geheimnis der heiligen Beichte nachgedacht. Denn sein täglicher Dienst der Versöhnung im Beichtstuhl in Ars ließ ihn zum großen Weltmissionar werden. Man sagt, er habe als Beichtvater die Französische Revolution geistlich überwunden. Was mir im geistlichen Dialog mit Jean-Marie Vianney aufgegangen ist, das habe ich hier verkündet. Dabei hat er mich noch an etwas ganz Wichtiges erinnert:

15. Wir lieben alle, wir verzeihen allen! Hüten wir uns indessen, einen zu vergessen! Ein Wesen existiert nämlich, das uns enttäuscht und belastet, ein Wesen, mit dem wir ständig unzufrieden sind. Und das sind wir selbst. Wir haben uns oft so satt. Wir sind unserer Mittelmäßigkeit überdrüssig und müde unserer eigenen Monotonie. Wir leben in einem Zustand der Kälte und sogar einer unglaublichen Gleichgültigkeit gegenüber diesem nächsten Nächsten, den Gott uns anvertraut, damit wir ihn von seiner Vergebung berühren lassen. Und das sind wir selbst. Es heißt doch, dass wir unseren Nächsten lieben sollen wie uns selbst (vgl. Lev 19,18). Wir sollen also auch uns lieben, wie wir unseren Nächsten zu lieben suchen. Dann müssen wir Gott bitten, uns zu lehren, dass wir uns selber verzeihen: den Ärger unseres Stolzes, die Enttäuschungen unseres Ehrgeizes. Bitten wir ihn, dass die Güte, die Zärtlichkeit, die Nachsicht und das unerhörte Vertrauen, womit er uns verzeiht, uns so weit gewinnen, dass wir den Überdruss an uns selbst los werden, der uns überall hin begleitet und uns oft nicht einmal beschämt. Wir können die Liebe Gottes zu uns nicht erkennen, ohne die Meinung im Hinblick auch auf uns selbst zu ändern, ohne Gott selbst zu uns Recht zu geben, wenn er uns liebt. Die Verzeihung Gottes versöhnt uns mit ihm, mit uns, mit unseren Menschenbrüdern und -schwestern und mit der ganzen Welt. Sie macht uns zu authentischen Missionaren. Glaubt ihr das, liebe Brüder? -- Probiert es aus – heute noch!!

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln

http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=399427
German Meisner beklagt „spirituelle Wüste“ in Osteuropa
Apr 20, 2010

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner beklagt ein religiöses Vakuum in weiten Gebieten Ost- und Südosteuropas. Das Erbe des Kommunismus habe dort eine „spirituelle Wüste“ zurückgelassen. Das sagte der Erzbischof in Köln. Deshalb hänge von der Bekämpfung dieser Not auch das künftige Gesicht des Kontinents ab. Das Zusammenwachsen zwischen Ost und West erfordere eine religiöse und spirituelle Dimension, betonte Meisner bei der Vorstellung des Jahresberichts 2009 des katholischen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis. Der Kardinal, der Vorsitzender des Renovabis-Trägerkreises ist, plädierte dafür, die pastoralen und gesellschaftlichen Dienste der Kirchen in Osteuropa zu verstärken.

http://www.domradio.de/news/artikel_63270.html
German Kardinal Meisner kritisiert Abhängen von Kreuzen
Apr 07, 2010
Düsseldorf (RPO) Mit scharfen Worten hat der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner das Abhängen von Kreuzen in Sälen des Düsseldorfer Amts- und Landgerichts kristisiert. Er bezeichnete den Vorgang als "Ungeheuerlichkeit".

Das Kreuz sei ein Zeichen dafür, dass der Sohn Gottes für die Menschen gestorben sei. Mit dem Entfernen von Kreuzen aus öffentlichen Räumen verliere der Mensch seine "letzte Absicherung". Wenn Kreuze in den Gerichten der Landeshauptstadt abgehängt würden, "muss man um die Rechtsstellung des Menschen Angst haben", erklärte Meisner.

Wenn man für die "Gegenwart der Christuskreuze in unserer Kultur" einsteht, dann geschehe das nicht nur um Christi willen, sondern auch um der Menschen willen. "Wo man das Gesicht Gottes verhüllt, das heißt, die Kreuze abgehängt hat, wie in zahlreichen Ländern Europas im vergangenen Jahrhundert, dort verlor der Mensch seine Unantastbarkeit und viele ihr eigenes Leben", betonte Meisner.
Das Abhängen der Kreuze in den neuen Sälen des Düsseldorfer Amts- und Landgerichtes hatte in den vergangenen Wochen eine öffentliche Kontroverse ausgelöst. Die Präsidentin des Düsseldorfer Oberlandesgerichts, Anne-José Paulsen, verteidigte das Abhängen der Kreuze mit dem Hinweis darauf, dass der Staat sich weltanschaulich neutral verhalten müsse. Sie verwies zudem darauf, dass aus diesem Grund weder in den Sitzungssälen der Bundesgerichte noch im nordrhein-westfälischen Verfassungsgerichtshof Kreuze hingen.

Als Reaktion auf die Kontroverse hatte es erste Gespräche zwischen Justiz und Kirche gegeben. Eine Lösung wurde dabei allerdings noch nicht erzielt.
German Im Wortlaut
Apr 07, 2010
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner zum Thema Missbrauch

Liebe Schwestern und Brüder!

In diesen Wochen müssen wir mit Entsetzen zur Kenntnis nehmen, dass
es auch in kirchlichen Einrichtungen zu schlimmsten Verfehlungen sexuellen
Missbrauchs gekommen ist. Immer deutlicher wird, welches Leid und Unglück
manche Priester und kirchlichen Mitarbeiter durch ihr Versagen über junge
Menschen gebracht haben. Dadurch geht nun unsere ganze Kirche - und das
sind wir alle - durch ein finsteres Tal. Viele nehmen Ärgernis an unserer Kirche, weil sie sich in dem Vertrauen, das sie uns zu Recht entgegengebracht haben, enttäuscht sehen.

Ich kann nicht verhehlen, dass ich über das Versagen von manchen Priestern und kirchlichen Mitarbeitern nicht nur zutiefst erschüttert, sondern auch zornig bin. Sexueller Missbrauch ist ein verabscheuungswürdiges Vergehen; besonders schlimm aber ist es, wenn ein Priester der Täter ist. Zwangsläufig beschädigt er damit zugleich das Vertrauen, das der Kirche als Ganzer entgegengebracht wird, und er beschädigt auch das Ansehen aller Priester, Ordensleute und kirchlichen Mitarbeiter, die oft in aufopferungsvoller Weise tagtäglich ihren Dienst zum Heil der Menschen tun. Nicht zuletzt haben die schuldig gewordenen Priester Sinn und Zeichenhaftigkeit ihres zölibatären Lebens bis zur Unkenntlichkeit entstellt.

Die gegenwärtige Situation ist allein mit Ehrlichkeit, Offenheit und dem
Willen zur Umkehr zu bestehen. Unsere erste Sorge muss sein, dass den Opfern Gerechtigkeit widerfährt und sie helfenden Beistand erfahren. Jedem einzelnen Verdacht, der uns bekannt wird, gehen wir mit aller Sorgfalt und Konsequenz nach. Darüber hinaus ist unser aller Wachsamkeit gefordert, damit wir alles tun, dass solche Vergehen zukünftig verhindert werden können. Dies setzt auch ein fundiertes Wissen voraus: Wie verhalte ich mich, wenn Kinder von Missbrauch erzählen? Wie gehen Täter vor? Wie können wir Kinder und Jugendliche dagegen stark machen? Ich weiß aus vielen Gesprächen, dass auch viele unter Ihnen wegen der Geschehnisse trost- und ratlos sind. Mit den Informationen, Hinweisen und Dokumenten auf den folgenden Seiten möchte ich Ihnen deshalb eine erste Hilfe an die Hand geben.

Für unser Erzbistum hatten wir bereits zum Jahreswechsel im Geistlichen
Rat festgelegt, dass das Thema Sexueller Missbrauch fester Bestandteil der Aus- und Weiterbildung unserer pastoralen Mitarbeiter ist. Alle Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferenten nehmen verpflichtend an Informationsveranstaltungen zu diesem Thema teil, die von erfahrenen Fachleuten durchgeführt werden. Zudem wird als Erstansprechpartnerin für Missbrauchsopfer zusätzlich eine fachlich versierte Frau benannt, um Hilfesuchenden die Wahl des Erstkontakts zu ermöglichen. An dieser Stelle möchte ich auch Prälat Prof. Dr. Norbert Trippen für seine Dienste in dieser Funktion herzlich danken.

Am bedeutsamsten aber ist unsere gemeinsame Hinwendung zum Herrn im Gebet. Damit verharmlosen wir nichts und schieben nichts ab von unserer Verantwortung, sondern suchen die Nähe dessen, der allein das Gelingen zu unserem Bemühen geben kann. Bei ihm muss all unser Tun beginnen, wenn es wirklich zum Heile gereichen soll. Als Ihr Bischof bitte ich Sie deshalb herzlich um Ihr Gebet. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Herr keine Bitte, die von Herzen kommt, überhört. Ich bitte Sie deshalb, für die Opfer zu beten, dass sie Zuspruch finden und Menschen, die sie begleiten und die ihnen helfen, das erfahrene Leid zu verarbeiten. Beten wir auch für alle, die jetzt Ärgernis an der Kirche nehmen und sich enttäuscht von ihr abwenden. Weiterhin wollen wir auch für die Täter beten, dass sie sich ihrer Verantwortung stellen, ihre Schuld bekennen und umkehren. Beten wir schließlich auch um Mut und Zuversicht für unser eigenes
Glaubenszeugnis in dieser schwieriger gewordenen Situation der Kirche.

Liebe Schwestern und Brüder, als Menschen tragen wir die Freundschaft
Gottes „in irdenen Gefäßen“, wie der Apostel Paulus sagt (2 Kor 4,7) und sind daher immer in Gefahr, dass dieses Geschenk wegen unserer Unzulänglichkeit buchstäblich zerbricht. Dieser Zerbrechlichkeit und Begrenztheit müssen und dürfen wir uns stellen in dem glaubenden Bewusstsein, dass es nicht unsere menschlichen Verdienste sind, sondern Gottes Stärke, die uns durch die Zeiten trägt. Er gebe uns die Kraft, seine glaubwürdigen Zeugen zu sein.

Ihr
Joachim Kardinal Meisner,
Erzbischof von Köln

http://www.domradio.de/aktuell/62620/im-wortlaut.html
German Knie-OP: Für Kardinal Meisner fällt Karneval aus
Jan 18, 2010

Köln (dpa/lnw) - Für den Kölner Kardinal Joachim Meisner muss Karneval in diesem Jahr weitgehend ausfallen. Der 76-Jährige werde Ende Januar am Knie operiert, sagte eine Sprecherin des Erzbistums am Freitag und bestätigte einen Bericht der «Bild»-Zeitung. Meisner leide unter Arthrose, einem schmerzhaftem Gelenkverschleiß. Wegen der OP könne der Kardinal vier Wochen lang keine Termine wahrnehmen. In diese Zeit fällt auch der Karneval mit mehreren Veranstaltungen. Zumindest den Beginn der närrischen Phase konnte der Kardinal in den vergangenen Tagen noch einläuten: Mit einem Karnevalsgottesdienst im Dom und einem Empfang für das Kölner Dreigestirn.
German „Kleiner Kardinal mit dem großen Herzen“
Jan 08, 2010
Einziger Kardinal Japans stirbt - Kardinal Meisner kondoliert

Zum Tod von Kardinal Peter Seiichi Shirayanagi, Alt-Erzbischof des Kölner Partnerbistums Tokyo, hat Erzbischof Joachim Kardinal Meisner kondoliert. In seinem Schreiben an den Erzbischof von Tokyo Peter Takeo Okada erinnert Meisner an die feste Brücke der Freundschaft, an welcher der Verstorbene mit vielen Besuchen in Köln weiter gebaut hat. Shirayanagi war am Mittwoch im Alter von 81 Jahren gestorben

An der Beisetzungsfeier am 5. Januar in der Marienkathedrale Tokyo nehmen für das Erzbistum Köln Weihbischof Manfred Melzer und Dr. Rudolf Solzbacher, Leiter der Diözesanstelle Weltkirche-Weltmission, teil.
Der „kleine Kardinal mit dem großen Herzen“ hatte noch im vergangenen Jahr bei seinem letzten Besuch in Köln hervorgehoben, er könne sich sein priesterliches Leben ohne die freundschaftliche Verbundenheit mit dem Erzbistum Köln gar nicht vorstellen. Peter Seiichi Shirayanagi wurde am 17. Juni 1928 geboren und 1954 zum Priester geweiht, im selben Jahr, in dem der Kölner Kardinal Frings mit dem Tokyoter Erzbischof Peter Tatsuo Doi die „Gebets- und Hilfsgemeinschaft Köln-Tokyo“ begründete. 1966 wurde Shirayanagi Weihbischof in Tokyo und folgte im Februar 1970 dem verstorbenen Kardinal Doi auf dem Bischofsstuhl. 1994 wurde er selbst zur Kardinalswürde erhoben. Noch vor wenigen Tagen hatte ihm Kardinal Meisner schriftlich zum 55. Priesterjubiläum am 21. Dezember gratuliert.
Aus gesundheitlichen Gründen hatte Shirayanagi den Papst 1999 um Entpflichtung von seinen Ämtern gebeten, die im Februar 2000 angenommen wurde. Am Konklave 2005 konnte er teilnehmen und im vergangenen Jahr noch die Feierlichkeiten zur Seligsprechung von Petrus Kibe und den 187 Martyrern von Nagasaki im Süden Japans leiten. Im vergangenen August musste er nach einem leichten Schlaganfall das Krankenhaus aufsuchen, war aber nach einer dreimonatigen Rehabilitation soweit wiederhergestellt, dass er vor einer Woche in das Loyola House, Altenpflegeheim der Jesuiten, umziehen konnte. Dort war er heute morgen einem Herzinfarkt erlegen.
In Shirayanagis 30-jährige Amtszeit fiel der Japan-Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1981. Von 1983 bis 1992 stand er der Japanischen Bischofskonferenz vor. Unter anderem rief er die bischöfliche Kommission für Gerechtigkeit und Frieden ins Leben.
Seit einem Besuch des Kölner Kardinals Joseph Frings (1887-1978) in Tokio im Jahr 1957 bestanden partnerschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Erzbistümern; nach dem gleichen Vorbild setzte sich Shirayanagi für Kontakte zu Katholiken in China und für eine Aussöhnung zwischen den beiden Völkern ein. 1994 erhob Johannes Paul II. ihn zum Kardinal.

http://www.domradio.de/aktuell/artikel_59981.html
German Kardinal Meisner kritisiert ungleiche Religionsfreiheit
Dec 28, 2009
Köln - Der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, hat ein Ungleichgewicht bei der Religionsausübung in christlichen und islamischen Ländern beklagt. "Wir haben in muslimischen Ländern als Christen keine Möglichkeiten, uns zu entfalten", sagte Meisner dem Deutschlandfunk. Es sei eine "Asymmetrie", wenn in Europa Religionsfreiheit für Muslime herrsche, aber gleichzeitig Gerichte verfügten, "dass wir Kreuze abnehmen" oder dass "in einer deutschen Schule ein Zimmer für muslimische Schüler zum Gebet frei gemacht werden muss".

Köln - Der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, hat ein Ungleichgewicht bei der Religionsausübung in christlichen und islamischen Ländern beklagt. "Wir haben in muslimischen Ländern als Christen keine Möglichkeiten, uns zu entfalten", sagte Meisner dem Deutschlandfunk. Es sei eine "Asymmetrie", wenn in Europa Religionsfreiheit für Muslime herrsche, aber gleichzeitig Gerichte verfügten, "dass wir Kreuze abnehmen" oder dass "in einer deutschen Schule ein Zimmer für muslimische Schüler zum Gebet frei gemacht werden muss". Er kämpfe seit Jahren vergeblich darum, dass Christen im türkischen Tharsus die dortige Pauluskirche dauerhaft zur Verfügung gestellt bekommen.

Angesichts solcher Ungleichbehandlung frage man sich gefühlsmäßig, "da stimmt was nicht", sagte Meisner. "Und daher kommt auch die ganze Aversion gegen unsere muslimischen Mitbürger." Er glaube nicht, dass eine Volksabstimmung über Minarette wie in der Schweiz in Deutschland viel anders ausfallen würde. Die Bundesregierung müsse auf solche Unstimmigkeiten bei der Religionsfreiheit achten. In den Parteien und in der Kirche gebe es aber zu wenig Vorbilder, die nach den Maximen des Evangeliums leben. "Ich habe keine Angst vor der Stärke des Islam, sondern vor der Schwäche der Christen." Das Schweizer Bauverbot für Minarette hatte international Empörung ausgelöst. AFP/dpa

http://www.welt.de/die-welt/politik/article5597182/Kardinal-Meisner-kritisiert-ungleiche-Religionsfreiheit.html
German Kardinal Meisner begrüßt neuen Katholikenarbeitskreis der Union
Nov 29, 2009

Kölns Kardinal Joachim Meisner begrüßt ausdrücklich den neuen „Arbeitskreis Engagierter Katholiken in der CDU/CSU“ (AEK), der vor Kurzem gegründet wurde. Es sei zu hoffen, dass es zu einer deutlicheren Profilierung der christlichen Werte in den C-Parteien komme und zur Bündelung ihrer Kräfte, etwa in der Familienpolitik, beim Lebensschutz und in der Bioethik. Es dürfe zweifellos nicht darauf hinauslaufen, die katholischen Positionen lediglich in einem begrenzten Reservoir innerhalb der C-Parteien zu erhalten, sagte der Kardinal. Es müsse vielmehr das Ziel sein, die Grundsätze verstärkt in die aktive Politik einzubringen. Die Gründer des Arbeitskreises nähmen so eine ganz zentrale Aufgabe wahr als Christen in der Welt.

http://www.domradio.de/news/artikel_58807.html
German Kardinal Meisner: Der Zölibat ist missionarisch notwendig
Nov 22, 2009

Kölns Kardinal Joachim Meisner hat in einem Hirtenbrief zum Priesterjahr den Zölibat verteidigt und die Gemeinden zur Begleitung der Geistlichen aufgerufen. Meisner nennt es in dem im Kölner Dom verlesenen Schreiben „dankens- und bewundernswert“, dass sich auch heute junge Menschen entschieden, Priester zu werden. Gerade in seiner gesellschaftlichen „Widerspenstigkeit“ könne der Zölibat ein Schatz sein, den es neu zu heben gelte. Der Zölibat der Priester sei ebenso wie die Unauflöslichkeit der Ehe „Zeichen für das nahe gekommene Reich Gottes“. Die Ehelosigkeit der Priester nannte der Kardinal „nicht nur höchst angemessen, sondern geradezu missionarisch notwendig“.

http://www.domradio.de/news/artikel_58555.html
German „Ich bleibe dabei: Die DDR war ein Unrechtsstaat!
Nov 16, 2009

Anlässlich des Mauerfalls vor 20 Jahren erinnert sich der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner an jene die deutsche Geschichte prägenden Tage. In Schlesien geboren, wuchs Joachim Meisner in Thüringen auf und erlebte als Priester - später Weihbischof - im bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen das System der DDR. Als Bischof des auf beide deutschen Staaten aufgeteilten Bistums Berlin wurde ihm die Trennung zweier in völlig verschiedenen Systemen lebenden Gesellschaften allzu deutlich. Für Kardinal Meisner ist daher klar: Die DDR ist und bleibt ein Unrechtsstaat. Das Gespräch führte domradio-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen im Mai 2009.

http://www.domradio.de/kopfhoerer/artikel_58194.html
English Cardinal who's a post-Soviet legend looks back
Sept 30, 2009
This year marks the twentieth anniversary of the fall of the Berlin Wall. In Catholic terms, this anniversary is also, in its own way, a moment of regime change.

Cardinal who's a post-Soviet legend looks back
National Catholic Reporter, Created Sep 30, 2009

By JOHN L. ALLEN JR.
Rome

This year marks the twentieth anniversary of the fall of the Berlin Wall. In Catholic terms, this anniversary is also, in its own way, a moment of regime change.

One by one, the bishops who led the churches of the former Soviet sphere out of the catacombs, and into the “shock therapy” of absorbing several decades of post-Vatican II development in the West all at once, are beginning to fade from the scene. For example, Pope Benedict’s trip to the Czech Republic last weekend was also a swan song for Cardinal Miloslav Vlk of Prague, who’s announced that he expects to be replaced by year’s end.

Another legend of the post-Soviet period is Cardinal Joachim Meisner of Cologne, Germany, now almost 76 and thus beyond the normal retirement age. While there’s no indication yet of when the pope might accept his resignation, Meisner nonetheless realizes that he's nearer the end than the beginning, and finds himself in an introspective mood.

Meisner, who spent his youth and most of his ecclesiastical career in the former East Germany before moving to Cologne in late 1988, recently gave a long interview to his archdiocesan newspaper looking back over his career.

There are actually several nuggets in the interview, including Meisner recounting how he and his friends in school burned their textbooks in protest over being forced to learn Russian.

Those who know Meisner only after 1989, by which time he'd acquired a reputation as one of the most blunt and outspoken prelates in the world, will be amused by his explanation: He spent so many years carefully modulating his speech under the Communists, he said, that he’s not inclined to be diplomatic now.

For church historians, however, perhaps most interesting is Meisner’s analysis of the obvious contrast between the Vatican’s Ostpolitik under Pope Paul VI, premised on reaching an accommodation with the Soviets, and the more pugnacious challenge to Communism under John Paul II.

Typically, that difference is framed in ideological terms: Paul VI, the career diplomat, pursuing a softer line, while John Paul II, the resistance leader in Poland, was more of a hawk. Meisner, however, suggests an alternative explanation.

He said that Paul VI, in company with Meisner himself and virtually everyone else at the time, assumed that the Communist regimes of Central and Eastern Europe would last another “two or three hundred years,” and therefore the church had to make some sort of arrangement with them, or risk being snuffed out. John Paul II, on the other hand, believed that the end was near, and that the system simply needed a shove to collapse under its own weight.

In fact, Meisner reads his own appointment to Cologne in late 1988 in terms of John Paul’s intuition.

“Neither I nor anyone else, including all the German politicians, could have imagined the imminent collapse of the Communist system,” Meisner said. But by sending an East German to Cologne, Meisner said, “the pope sent a clear signal: ‘Gentlemen, pay attention, because something is about to happen.’”

Meisner was installed in Cologne in February 1989, and by November the Berlin Wall had collapsed.

By Meisner’s reading, the difference between Paul VI and John Paul II therefore wasn’t so much about which one was a dove and which a hawk. The difference lay instead in their assumptions about the durability of the Soviet regime, undoubtedly shaped, at least in part, by the fact that John Paul II came from the weakest link in the Soviet chain: Poland, where the vulnerability of Communist rule to aroused civic resistance was always most clear.

Whatever one makes of it, Meisner’s perspective is worth pondering – among other things, because his generation of prelates won’t be around much longer to offer their insights.
German Wider den Götzendienst
Sept 29, 2009
Kardinal Meisner warnt bei Kölner Domwallfahrt vor Verehrung „vorletzter Werte“

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat die Katholiken zu einem engagierten Glaubenszeugnis aufgerufen. Das „Haus des Herrn“ sei kein Schneckenhaus, sagte der Erzbischof am Donnerstagabend bei einem Gottesdienst im Rahmen der diesjährigen Kölner Domwallfahrt.

Der Kardinal warnte vor einer von Götzen besetzten Welt, die vorletzte Werte zu den letzten hochstilisiere. Als Beispiele nannte er Arbeit, öffentliche Ämter, Geld, materiellen Nutzen, soziales Prestige oder ideologische Zielsetzungen. Demgegenüber forderte der Erzbischof, Gott den ersten Platz einzuräumen. Dies befreie vom Klassenkampf in Familie, Kirche und Gesellschaft. Weiter warnte der Kardinal vor einem mangelnden persönlichen Sündenbewusstsein. Jeder müsse ehrlich mit sich ins Gewissen gehen. Die Beichte schenke die Vergebung der Sünden und die Freiheit von allen Götzendiensten.

Die Domwallfahrt war am Donnerstag mit einem Pilgertag für Gläubige aus den Partnerdekanaten Leverkusen und Altenkirchen fortgesetzt worden. Am Morgen hatten Tausende von Kindern aus katholischen Grundschulen im Erzbistum den Dom besucht. Mit ihnen feierte der Seelsorge-Hauptabteilungsleiter Robert Kleine einen Gottesdienst.

Die Domwallfahrt war am Mittwoch eröffnet worden und dauert bis Sonntag. Ihr Motto lautet „Ich habe euch Freunde genannt“. Im Mittelpunkt steht der an allen Tagen geöffnete Pilgerweg in der Kathedrale zur Mailänder Madonna, dem Dreikönigenschrein und dem Gerokreuz. Die Wallfahrt findet seit 2006 jährlich statt. Sie war von Meisner unter dem Eindruck des Weltjugendtages 2005 in Köln initiiert worden. Täglich gibt es Pilgerandachten, Gebete und geistliche Impulse.

Der Freitag steht mit einer Katechese und einer Nachtwache im Dom im Zeichen der Jugend. Der Samstag ist als Tag geistlicher Berufe vorgesehen. Am Abend um 19.00 Uhr sollen die Glocken von neun Innenstadtkirchen zu einer 90-minütigen „Glockenvigil“ erklingen. Das Pilgeramt um 18.30 Uhr mit Weihbischof Heiner Koch überträgt domradio.de live in Bild und Ton.

Den Abschlussgottesdienst der Domwallfahrt hält am Sonntag um 10.00 Uhr Weihbischof Manfred Melzer. Dabei wird es auch einen besonderen Segen für Ehejubilare geben.

http://www.domradio.de/domwallfahrt/artikel_57100.html
German Limburger müssen Fachleute des Kreuzes Christi sein“
Sept 23, 2009
Erzbischof von Köln zum Kreuzfest: Das positivste Zeichen für die Menschheit

Das Kreuz ist nach den Worten von Joachim Kardinal Meisner „das positivste Zeichen, das der Menschheit geschenkt wurde“. In einer Predigt zur Eröffnung des Kreuzfestes sagte der Erzbischof von Köln am Freitagabend im Hohen Dom zu Limburg: „Die Limburger müssen Fachleute des Kreuzes Christi sein, weil sie seit 50 Jahren das Kreuzfest in besonderer Weise feiern.“ Das Kreuzfest steht unter dem Leitwort: „Christi Kreuz, der Christen Kraft“ und nimmt das Kreuz als zentrales Symbol des Christentums in den Blick.
Kardinal Meisner, der zum Jubiläum „50 Jahre Kreuzfest“ nach Limburg gekommen ist, ging bei einer Pontifikalvesper in seiner Predigt auf die geometrische Gestalt des Kreuzes ein. Der vertikale Kreuzbalken symbolisiere das, was Gott und die Welt verbinde. „Christus ist in die Extreme hineingedehnt, hineingezerrt und hineingenagelt von der absoluten Heiligkeit Gottes in die absolute Bosheit der Menschen“, sagte der Kardinal. Alle Lebensringe der Menschheit seien von der vertikalen Gotteslinie geöffnet und berührt worden - bis hin zum Herzen des ersten Menschen selbst. „Christus geht in die Extreme. Ja, er ist die Ekstase Gottes in Person“, betonte der Erzbischof von Köln. Nichts, aber auch gar nichts, bleibe von der Liebe Gottes unberührt. In der Liebeshingabe des Sohnes durchkreuze Gott die Sünde der Welt und mache das Minus der Menschen zum Plus Gottes. Kardinal Meisner wörtlich: „Die Liebe ist stärker als der Tod“.

Mit Blick auf das Kreuz sagte der Kardinal: „Gott umgreift mit den ausgestreckten Armen seines Sohnes am Kreuz die ganze Menschheitsfamilie von den Anfängen der Menschheit bis zum Jüngsten Tag.“ Daher gibt es nach Auffassung von Erzbischof Joachim Meisner keinen „christus-leeren“ Raum. Gott sei inmitten aller menschlichen Unausweichlichkeit. Im Kreuzpunkt - dort wo sich Horizontale und Vertikale treffen - sieht der Kardinal das größte Geschenk Gottes an die Welt. Dort werde aus dem Minus gleichsam ein Plus. Nach seiner Überzeugung ist das Kreuz keine Sache und kein Gegenstand: „Das Kreuz ist der Gekreuzigte. Darum ist es das kostbarste Zeichen der Christen.“ Das Kreuz ist nach den Worten des Kardinals „das Plusgewordene Minus dieser Welt durch den Einsatz Gottes.“
                                                                                                   
„Christi Kreuz - der Christen Kraft“: Unter diesem Leitwort feiert das Bistum Limburg am Sonntag das Kreuzfest 2009. Dazu lädt Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst alle Katholiken der Diözese herzlich in die Bischofsstadt an der Lahn ein. „Gemeinsam dürfen wir in diesem Jahr das 50-jährige Jubiläum des Kreuzfestes begehen“, schreibt der Bischof in der Einladung zum Bistumsfest. Bis zum 15. November ist die Ausstellung „Im Zeichen des Kreuzes - die Limburger Staurothek“ im Diözesanmuseum zu sehen. „In diesem byzantinischen Goldkasten besitzt das Bistum Limburg seinen größten Schatz, ein Stück vom Kreuz Christi“, sagt Pfarrer Matthias Kloft zur Bedeutung der Staurothek.

http://www.domradio.de/aktuell/artikel_56886.html
German „Wie Gott mir, so ich dir“
Aug 07, 2009
Kölner Kardinal Meisner feiert Abschluss der Apollinariswallfahrt

Remagen – „Seht, ich mache alles neu“: dieses Motto der diesjährigen Apollinariswallfahrt in Remagen sei notwendig, um wieder Optimismus in „eine müde gewordene Welt“ zu bringen. Das hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner am 2. August in der Apollinariskirche zum Abschluss der Wallfahrt gesagt.

Meisner rief dazu auf, den „stumpfsinnigen Kreislauf von Aktion und Reaktion“ zu durchbrechen. Die Abkehr des Menschen von Gott trenne ihn von der schöpferischen Kraft des Heiligen Geistes: „Dann bleibt alles beim Alten.“ „Raffen wir uns auf, schaffen wir etwas neues“, ermutigte er die Pilgerinnen und Pilger in der vollbesetzten Kirche auf dem Apollinarisberg. Das Motto dürfe nicht „Wie du mir, so ich dir“ heißen, sondern „Wie Gott mir, so ich dir“. Gott gehe immer wieder den ersten Schritt, der Heilige Geist sei in die Welt gekommen um Hoffnung zu bringen und zu erneuern und lasse sich nicht „von der Sünde einsperren“ oder ziehe sich „in einen Schmollwinkel“ zurück, erklärte der Kardinal. „Bleiben wir also nicht stehen, sondern lassen uns in die Gegenwart und die Zukunft Gottes einladen“, rief Kardinal Meisner den Pilgerinnen und Pilgern zu.

Pater Bartholomé von der Gemeinschaft der gekreuzigten und auferstandenen Liebe, die zu der Wallfahrt eingeladen hatte, betonte, es sei eine große Freude, dass Kardinal Meisner gekommen sei, um den Abschlussgottesdienst der Wallfahrt zu feiern. Seit dem Beginn der Wallfahrt am 18. Juli seien rund 8.000 Pilgerinnen und Pilger auf den Apollinarisberg gekommen. Die Verehrung des Heiligen Apollinaris sei eng mit Köln verbunden, schließlich seien die Reliquien der Heiligen Drei Könige, die heute im Kölner Dom ruhen, zusammen mit der Apollinarisreliquie auf einem Schiff den Rhein hergekommen. „Apollinaris wollte aber hier bleiben“, betonte Pater Bartholomé in Anspielung auf die Legende, nach der das Schiff bei Remagen liegen blieb und erst weiterfahren konnte, nachdem die Gebeine des Apolliaris an Land gebracht worden waren.

http://cms.bistum-trier.de/bistum-trier/Integrale?SID=CRAWLER&MODULE=Frontend&ACTION=ViewPageView&PageView.PK=7&Document.PK=63781
German Grußwort von Kardinal Meisner zum Abschluss des Paulusjahres in Tarsus
Jul 03, 2009
Die Türkei, Treffpunkt der Kulturen und Religionen

KÖLN, 1. Juli 2009 (ZENIT.org/PEK).- Erzbischof Joachim Kardinal Meisner sieht gute Chancen, dass die historische Kirche im türkischen Tarsus, dem Geburtsort des Apostels Paulus, auch in Zukunft für Gottesdienste genutzt werden kann.

„Die Nachrichten, die ich aus Tarsus höre, lassen mich hoffen“, sagte Meisner. „Dem Vernehmen nach hat sich die türkische Re­gierung dafür ausgesprochen, dass die historische Kirche in Tarsus auch zukünftig als christliches Gotteshaus genutzt werden kann. Darüber freue ich mich sehr. Nun muss das weitere Vorgehen noch mit der örtlichen Verwaltung abgestimmt werden. Wir werden dies weiterhin aufmerksam begleiten.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir schon im gerade zu Ende gegangenen Paulusjahr die Kirche für Gottesdienste nutzen konnten. Das Erlebnis dieser Gastfreundschaft hat auch die zahlreichen Pilger berührt. Gemeinsam mit dem Nuntius und dem deutschen Botschafter in der Türkei, die sich in diesem Anliegen sehr engagiert haben, und meinem bischöflichen Mitbruder Luigi Padovese hoffe ich, dass diese gute Erfahrung des Paulusjahres nun dauerhafte Früchte tragen darf."

Wir veröffentlichen das Grußwort, das Kardinal Meisner zum feierlichen Abschluss des Paulusjahres in Tarsus verfasst hat.

* * *
Eminenz, Exzellenzen, verehrter Herr Minister, sehr geehrter Herr Gouverneur, sehr geehrter Herr Bürgermeister, verehrte religiöse und zivile Autoritäten, liebe Gäste!

Die Feier der Beschließung des Paulusjahres gibt mir die Möglichkeit, Ihnen allen meine herzlichen Grüße und Segenswünsche zu übersenden.

Bei meinen beiden Besuchen in Tarsus und Antiochia konnte ich den Reichtum der frühen christlichen Zeugnisse erleben, die die Türkei auf ihrem Grund bewahrt. So ist es richtig, dass man von diesem Land sagt, dass es eine universale Berufung als Treffpunkt zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen hat.

Deshalb habe ich mich zum Sprecher aller deutschen Katholiken gemacht und die Möglichkeit unterstützt, dass in der Heimat des heiligen Paulus, des Apostels des Dialogs, den Christen eine Kirche zur Verfügung steht, in der sie beten können.

Bei meinem letzten Besuch in Tarsus, bei dem ich mit lokalen Autoritäten zusammengetroffen bin, konnte ich einen Konsens hinsichtlich dieser Anfrage feststellen, der auch von den Autoritäten in Ankara positiv bewertet wurde.

Auf diesem Hintergrund gebe ich meinem Wunsch Ausdruck, dass die Feiern des Paulusjahres, ebenso wie sie vielen Pilgern dazu gedient haben, im Land des Apostels zu beten und die Gastfreundschaft des türkischen Volkes zu erfahren, so auch dazu dienen, das ehrliche Bemühen der lokalen und nationalen Autoritäten zur Förderung eines wahren religiösen Dialoges immer besser zu erkennen.

Gott segne die Türkei!
Ihr
+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Meisner rügt die Kanzlerin
Apr 29, 2009
Die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende lehnt die vom Kölner Erzbischof geforderte Entschuldigung gegenüber dem gescholtenen und tief verletzten Papst Benedikt XVI. ab. Der Kardinal: Alte Ratzinger-Gegner sehen eine Chance, wieder gegen Benedikt XVI. loszuschlagen.

Köln/Berlin. Ob die ostdeutsche Pfarrerstochter Angela Merkel als Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende ein Gespür für Katholisches entwickelt hat, ist kaum zu ermitteln. Was aber feststeht, ist, dass zwischen Merkel und dem Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, eine spannungsreiche Beziehung besteht. Meisner, der aus Schlesien stammt und als Junge, Priester und Bischof in Thüringen und Berlin (Ost) jahrzehntelang ein innerer Widerständler gegenüber dem DDR-Staatsatheismus war, hat sich erneut in massiv kritischem Ton an Merkel gewandt. Früher hatte Meisner einmal kritisiert, dass Merkels Partei das "C" zu Unrecht im Namen führe; und sogar Merkels persönliche Lebensumstände (geschieden, eine Zeitlang unverheiratet wieder liiert) als einer "C"-Parteichefin nicht gemäß getadelt.

Anlass für Meisners aktuelle Intervention ist die wenige Woche zurückliegende Papst-Schelte, bei der Merkel anlässlich einer Pressekonferenz in Berlin Benedikt XVI. aufgefordert hatte, seine Haltung zum berüchtigten Holocaust-Leugner Williamson klarzustellen. Dies geschah, obwohl Benedikt XVI., was Merkel später einräumte, nie einen Zweifel daran gelassen hatte, dass er jeglichen Antisemitismus verurteilt. Zuletzt hatte der Papst das knapp eine Woche vor Merkels Intervention im Vatikan klargestellt.

Meisner bezeichnete Merkels Verhalten gegenüber der "Bild"-Zeitung als "eine der größten Fehlleistungen". Sowohl inhaltlich als auch im Ton sei die öffentliche Papstschelte völlig unangemessen gewesen. Spitz setzte der Kardinal hinzu, was man bei der CDU seit Wochen registriert: dass nämlich viele ihrer Kirche treu verbundene Parteimitglieder derart irritiert bis erbost sind, dass sie über einen Parteiaustritt nachdenken oder ihn bereits realisiert haben.

Die Irritationen dürften sich noch dadurch verstärken, dass Merkel gestern durch ihren Sprecher verlauten ließ, sie lehne eine Entschuldigung gegenüber dem erklärtenmaßen sich verletzt fühlenden Papst ab. Eine solche Entschuldigung hatte der Kölner Erzbischof Merkel nahegelegt und gesagt: Zeigen Sie Größe und entschuldigen Sie sich, Frau Bundeskanzlerin." Die katholische Deutsche Bischofskonferenz wollte gestern kein neues Öl ins Feuer gießen. Der Vorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, der nach der Merkel-Schelte gegenüber Benedikt XVI. mit der Kanzlerin gesprochen hatte, sieht weder ungeklärte Fragen noch weiterhin dunkle Wolken in den Beziehungen zwischen Kirche und Kanzleramt. Merkel selbst, offenkundig aufgeschreckt durch die zahlreich in der CDU-Zentrale "Konrad-Adenauer-Haus" eingetroffenen Protestschreiben, hatte mit dem Papst telefoniert und vor wenigen Tagen zusätzlich in der Katholischen Akademie Berlin auffallend deutlich die Bedeutung des christlichen Menschenbildes hervorgehoben, von dem sie sich leiten lasse.

Meisner kritisiert ohne Namensnennung "alte Ratzinger-Gegner", die vier Jahre lang hätten schweigen müssen, weil sie sich davon überzeugen konnten, wie absurd die Karikaturen vom angeblichen "Panzerkardinal" gewesen seien. Nach der Falschinformation, dass es sich bei der Aufhebung der Exkommunikation Williamsons um dessen Rehabilitierung gehandelt habe, habe man die Chance gesehen, wieder gegen den Papst loszuschlagen. "Jetzt", so Meisner, "warf man ihm mal nicht zu große Härte, sondern zu große Barmherzigkeit vor."
Quelle: Rheinische Post
German „Wir bleiben Papst“
Apr 19, 2009
Joachim Kardinal Meisner kritisiert den Umgang mit Benedikt XVI. in Deutschland - Pontifikalamt anlässlich Kölner Klostergründung

Joachim Kardinal Meisner hat den Umgang mit Papst Benedikt XVI. in Deutschland in den vergangenen Monaten kritisiert. Kein anderes Land habe den Papst so sehr herabgesetzt. „Was haben wir erleben müssen?“, fragte der Kölner Erzbischof beim Pontifikalamt am zweiten Ostersonntag im Kölner Dom in seiner Predigt und verwies auf die Debatten nach der Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X. und den Afrika-Besuch des Heiligen Vaters. Meisner zelebrierte anlässlich der Einführung des neuen Klosters der Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem in Köln.

Man habe den Einruck haben müssen, innerhalb und außerhalb der Kirche sei „nur darauf gewartet worden, auf den Papst einschlagen zu dürfen.“ Dies habe ihn selber traurig gemacht und verletzt, so der Kölner Oberhirte. Es habe bei der Kritik vor allem an Respekt, Geduld und langem Atem gefehlt.

„Ich weiß, dass die Kirche zu manchen Entwicklungen in ihr distanzieren muss. Aber in einem Punkt muss sie lieber zu viel als zu wenig tun: in dem Versuch ständiger Versöhnung.“

Kardinal Meisner hatte schon Ende März Papst Benedikt XVI. in einem langen Interview mit der BILD-Zeitung gegen Kritiker verteidigt.

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German „Er ist mein älterer Bruder“
Apr 07, 2009
Am Donnerstag Morgen trafen der Kölner Kardinal Joachim Meisner und der neue Kölner Rabbiner Jaron Engelmayer im Erzbischöflichen Haus zusammen, um erste gemeinsame Gespräche über den interreligiösen Dialog auf lokaler Ebene zu führen.

Er ist mein älterer Bruder„, so Meisner scherzhaft. Der Erzbischof  spielte dabei auf das Zitat von Papst Johannes Paul II. an, der die Juden als ältere Brüder der Christen bezeichnet hatte. Ein Gegenbesuch des Kardinals in der jüdischen Gemeinde ist ebenfalls angedacht, das sagte der Erzbischof dem Rabbiner zum Abschluss eines Fototermins. Nähere Angaben über das private Gespräch wollten sowohl Meisner als auch Engelmayer noch nicht machen.

Die Beziehungen zwischen katholischer Kirche und der jüdischen Gemeinde in Köln sind ins Rollen geraten, nachdem Papst Benedikt XVI. beim Weltjugendtag 2005 die Kölner Synagogengemeinde besucht hatte. Dabei hatte auch Kardinal Meisner teilgenommen, der bereits regelmäßige Gespräche mit dem ehemaligen Rabbiner Netanel Teitelbaum geführt hatte.

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German Kardinal Meisner geht auf Kanzlerin los
Apr 01, 2009

BILD: Herr Kardinal, fast zwei Monate ist es jetzt her, dass die Kanzlerin im Fall des Holocaust-Leugners Williamson öffentlich eine Klarstellung des Papstes forderte. Noch immer wird Angela Merkel dafür von Parteifreunden und Katholiken kritisiert. Warum?

Joachim Kardinal Meisner: Ich finde, dass eine der größten Fehlleistungen die öffentliche Papstschelte der Bundeskanzlerin war.

BILD: War es nicht die Amtspflicht von Angela Merkel, als deutsche Kanzlerin darauf zu dringen, dass an der Haltung eines deutschen Papstes zum Holocaust nicht der geringste Zweifel aufkommen durfte?

Meisner: Sie war offensichtlich von ihren Mitarbeitern nicht darüber informiert worden, dass die von ihr geforderte „Klarstellung“ durch den Papst bekanntlich bereits eine Woche zuvor geschehen war. Auch der Ton war völlig unangemessen. Ich weiß von vielen Katholiken – und Protestanten –, die deswegen aus der CDU ausgetreten sind.

BILD: Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass der Heilige Vater einen notorischen Holocaust-Leugner wie den britischen Bischof Williamson rehabilitierte?

Meisner: Der Papst hat keinen Holocaust-Leugner rehabilitiert. Der Papst wusste nichts von den unsäglichen Äußerungen Bischof Williamsons. Und die Aufhebung einer Exkommunikation ist auch keine Rehabilitierung. Sicher kann man mal Fehler machen. Es gab Pannen im Vatikan. Auch die Kanzlerin hat einen Fehler gemacht.

BILD: Vergessen und vergeben?

Meisner: Ich kann da nur sagen: Zeigen Sie Größe und entschuldigen Sie sich, Frau Bundeskanzlerin!

BILD: Warum greifen ausgerechnet Deutsche den deutschen Papst so heftig an?

Meisner: Viele Deutsche merken gar nicht, wie lächerlich wir uns in aller Welt mit dieser Papstmäkelei machen.

BILD: Können Sie verstehen, dass viele Menschen nicht mehr mitkommen, wenn der Papst – wie vor seiner Afrika-Reise – sagt: Kondome lösten das Aids-Problem nicht...

Meisner: Dem Papst wurde unterstellt, er habe alle Welt aufgefordert, keine Kondome zu benutzen. Das hat er aber gar nicht getan. Der Papst hat keinen Mann, der wahllos mit Frauen schläft, aufgefordert, jetzt auch noch auf Kondome zu verzichten. Vielmehr hat er darauf hingewiesen, dass man dafür sorgen muss, dass solche Männer auf ihren unverantwortlichen Umgang mit Sexualität verzichten.

BILD: Unbestritten ist, dass Kondome vor einer Infektion schützen.

Meisner: Wir dürfen Afrika nicht auf AIDS reduzieren und den Kampf gegen AIDS nicht auf die Kondome. Daher wird es von vielen Afrikanern als Hohn empfunden, wenn jetzt die Spanier bloß mal eben eine Million Kondome nach Afrika rüberschicken, Europa aber gegen die skandalöse Armut des Kontinents viel zu wenig tut.

BILD: Sie meinen also ernsthaft, Kondome helfen nicht, die Ausbreitung von AIDS einzudämmen?

Meisner: Wenn man bloß Kondome verteilt und dann meint, das AIDS-Problem gelöst zu haben, dann ist das unglaublich naiv und kann das Problem tatsächlich dadurch verschlimmern, dass der frauenverachtende Lebensstil mancher Machos bloß noch hemmungsloser um sich greift. Meinen Sie übrigens, dass ein solcher Macho sich ernsthaft vom Papst zur Benutzung von Kondomen überreden lassen würde? Das ist doch völlig realitätsfern! In Uganda hat man eine Kampagne für Kondomgebrauch gemacht. Die hat die Infektionsrate nicht verringert. Dann hat man eine Kampagne für Treue in der Ehe und die Stärkung von Familien gestartet, und damit wurden messbare Erfolge erzielt. Das wissen alle Experten.

BILD: Der Hamburger Weihbischof Jaschke hat dem Papst öffentlich widersprochen.

Meisner: Weihbischof Jaschke hat vor allem darauf hingewiesen, dass man die Kirche nicht immer in diese Kondom-Ecke stellen sollte. Der Papst plädiert als Oberhaupt der katholischen Kirche für eheliche Treue. Das ist ohne jeden Zweifel die sicherste Methode gegen AIDS.
English German cardinal urges Merkel to apologize to Pope
Apr 01, 2009

BERLIN: A prominent German cardinal has urged Chancellor Angela Merkel to apologize to Pope Benedict XVI for her unusual public criticism over
the Vatican's handling of the case of a Holocaust-denying bishop.

Merkel's spokesman, however, made clear that the German leader has no intention of revisiting the issue.

Cardinal Joachim Meisner, a prominent conservative cleric and archbishop of Cologne, told the Bild daily Friday that ``there were glitches at the Vatican (but) the chancellor also made a mistake.''

On February 3, Merkel called on the German-born pontiff to issue a ``very clear'' rejection of Holocaust denials after the Vatican lifted the excommunication of a bishop who had said he did not believe any Jews were gassed during the Nazi Holocaust.
German Merkel soll sich entschuldigen
Mar 30, 2009
Kölns Kardinal sagt: „Benedikt XVI. ist ein moderner Papst“, aber „die Deutschen haben ein Problem mit ihrem Selbstbewusstsein“

Köln/Berlin (DT/dpa/KNA) Der Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich für ihre Kritik an Papst Benedikt XVI. zu entschuldigen. Wörtlich sagte Kardinal Meisner in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der BILD-Zeitung: „Ich kann nur sagen: Zeigen Sie Größe und entschuldigen Sie sich, Frau Bundeskanzlerin!“ Merkels „Papstschelte“ sei „eine der größten Fehlleistungen“ gewesen. Er selbst wisse von vielen Katholiken und Protestanten, die deswegen aus der CDU ausgetreten seien.

Offenbar sei Merkel durch ihre Mitarbeiter nicht darüber informiert gewesen, dass Papst Benedikt XVI. die von ihr geforderte Klarstellung „bereits eine Woche zuvor“ abgegeben habe, so Meisner. „Auch der Ton war völlig unangemessen.“ Die Kanzlerin habe „einen Fehler gemacht“, sagte Meisner in dem Interview, das von der BILD-Zeitung gekürzt wiedergegeben wurde, der „Tagespost“ aber im ursprünglichen Wortlaut vorliegt.

In dem von BILD nicht veröffentlichten Teil des Interviews kritisiert Kardinal Meisner auch den Umgang der Medien mit der Aufhebung der Exkommunikation der vier von Lefebvre 1988 geweihten Bischöfe: „Das war eigentlich ein Medienskandal. Medien haben den Auftrag, schwer Verständliches erst mal verständlich zu machen. Darum heißen sie so. Das aber ist in diesem Fall in Deutschland völlig misslungen.“ Auf die Frage des BILD-Redakteurs Andreas Englisch, warum ausgerechnet Deutsche den Papst so heftig angreifen, antwortete der Kölner Kardinal: „Wahrscheinlich haben die Deutschen ein Problem mit ihrem Selbstbewusstsein. Sie brauchen immer Sündenböcke.“ Viele Deutsche würden gar nicht merken, „wie lächerlich wir uns in aller Welt mit dieser Papstmäkelei machen“. Benedikt XVI. sei ein „moderner Papst, der über eine hohe Sensibilität für die Sorgen und Nöte unserer Zeit verfügt“, betonte Kardinal Meisner.

Die Bundesregierung sieht trotz der Forderung des Kölner Kardinals keine Notwendigkeit für eine Entschuldigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei Papst Benedikt XVI. Die Kanzlerin habe sich in den vergangenen Wochen mehrfach in Interviews zu dem Thema geäußert, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Freitag in Berlin vor Journalisten. „Und es ist mit diesen Äußerungen der Bundeskanzlerin alles das gesagt, was dazu zu sagen war.“ Unterdessen bezeichnete auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Marie-Luise Dött die Papst-Kritik Merkels als unangemessen. Im Interview von „Cicero Online“ sprach sie von einer Verunsicherung in der CDU-Stammwählerschaft.

Auch zur Kontroverse um die Äußerungen des Papstes zum Gebrauch von Kondomen fand Kardinal Meisner in dem BILD-Interview deutliche Worte. Laut dem von der Pressestelle der Erzdiözese Köln zur Verfügung gestellten Originalwortlaut sagte Meisner: „Wenn man bloß Kondome verteilt und dann meint, das AIDS-Problem gelöst zu haben, dann ist das unglaublich naiv und kann das Problem tatsächlich dadurch verschlimmern, dass der frauenverachtende Lebensstil mancher Machos bloß noch hemmungsloser um sich greift. Meinen Sie übrigens, dass ein solcher Macho sich ernsthaft vom Papst zur Benutzung von Kondomen überreden lassen würde? Das ist doch völlig realitätsfern.“ Der Papst plädiere für die eheliche Treue. „Das ist ohne jeden Zweifel die sicherste Methode gegen AIDS. Soll er denn den Menschen zusätzlich noch gute Tipps geben, wie man fremdgeht, ohne sich anzustecken?“, so Kardinal Meisner.
German Priesterberufungen erbitten
Mar 30, 2009
Fastenhirtenbrief von Kardinal Meisner

KÖLN, 30. März 2009 (ZENIT.org).- „Meine größte Sorge ist die Sorge um Priesterberufungen“, bekennt der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner in seinem aktuellen Fastenhirtenbrief.  Er lädt alle Gläubigen ein, seine Sorge zu teilen und um gute Priester zu beten. „Denn der Priester macht kraft seiner Weihe den eucharistischen Leib Christi gegenwärtig und bringt damit die Lebensquelle der Kirche zum Fließen.“

Informationen rund um das Priestertum und andere kirchliche Berufe bietet das Erzbistum Köln auf einer eigenen Internetseite.

***
Die Sorge um Priesterberufungen

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Bei einem Besuch an einer Wallfahrtsstätte wollte ich einmal eine Geldspende für den Erhalt des Gebäudes hinterlassen, worauf ich die Antwort erhielt: „Nein, behalten Sie Ihr Geld, aber lassen Sie uns Ihre Sorgen da!“ Heute möchte ich Ihnen, liebe Schwestern und Brüder in den Gemeinden unseres Erzbistums Köln, die Sorgen Ihres Erzbischofs überlassen. Meine größte Sorge ist die Sorge um Priesterberufungen. Sorge ist eigentlich nur der Alltagsname für Liebe. Weil ich unsere Kirche mit ihren vielen Gemeinden und Gemeinschaften leidenschaftlich liebe, wird diese Liebe zur Sorge im Hinblick auf fehlende Priesterberufungen. Sehr dankbar bin ich, dass die priesterlichen Mitbrüder bei unserer letzten Priesterratssitzung im November 2008 diese Sorge mit mir geteilt haben. Sie waren wirkliche Seelsorger auch für den Erzbischof. Mit ihnen zusammen bitte ich Sie alle: Teilen Sie diese große Sorge mit uns! Denn der Priester macht kraft seiner Weihe den eucharistischen Leib Christi gegenwärtig und bringt damit die Lebensquelle der Kirche zum Fließen.

Die Feier der heiligen Messe, die in der Wandlung der Gaben ihre Wesensmitte und ihren Höhepunkt findet, ist ohne einen Priester nicht möglich. Daher kann ein Priester nur durch einen anderen Priester ersetzt werden. Jesus nimmt den von ihm berufenen und geweihten Priester in Dienst, um im Sakrament des Altares leiblich gegenwärtig zu werden. Ohne diesen kann keine hl. Eucharistie gefeiert werden, und ohne Eucharistie verliert die Welt die leibliche Gegenwart Christi.

2. Hat sich der Herr etwa geirrt, wenn er sich derart an die Mitwirkung von Menschen in seiner Kirche bindet? Findet sein Ruf keine Antwort mehr? Oder lässt das verbreitete Erfolgsdenken die jungen Menschen im Priestertum Jesu Christi kein erstrebenswertes Ziel mehr sehen? Bei manchen Katholiken ist durchaus der Wunsch nach Priesterberufungen lebendig, aber ohne, dass man dabei auf die eigene Familie schauen würde. Ein Mitglied in einem Pfarrgemeinderat sagte mir einmal: „In der Gemeinde lebt eigentlich die Sorge um Priesterberufungen kaum noch. Dafür ist doch Köln zuständig, meint man“. Wo aber soll denn ein Bischof die Priester hernehmen, wenn sie ihm nicht aus den Gemeinden zuwachsen? Er kann sie sich nicht aus dem Ärmel schütteln und auch nicht aus dem Boden stampfen.

Hier bin ich auf die Mithilfe von Ihnen allen angewiesen. Nur gemeinsam können wir die nötigen Berufungen von Gott erbitten. Darum lasse ich Sie an meiner Sorge um Priesterberufungen teilhaben und bitte Sie: Nehmen Sie auch lebendig in Wort und Tat an meiner Sorge um Priesterberufungen teil und damit am Fortbestand unserer Kirche im Erzbistum Köln. Ich frage mich und die priesterlichen Mitbrüder weiter: Können unsere Gläubigen etwas von der Schönheit, von der Größe, vom Glanz und vom Reichtum des Priestertums an unserem Lebens- und Arbeitsstil erkennen? Wenn Priester von ihrer Berufung erzählen, dann merkt man, dass der Ruf des Herrn auf unterschiedliche Weise erfahren wird. Bei wenigen ist da sofort eine grundlegende Überzeugung: „Ja, ich will Priester werden!“ Die meisten sind zuerst beunruhigt, weil beabsichtigte Lebensplanungen und –wege plötzlich in Frage stehen oder weil sie sich diese Aufgabe nur schwerlich zutrauen. Wie ein solcher Berufungsweg auch immer aussieht: Antworten auf den erfahrenen Ruf Christi muss jeder einzelne selbst – mit seiner Liebe! Christus braucht Menschen, die ihn so sehr lieben, dass sie trotz aller Unzulänglichkeiten, Schwächen und Bedenken von Herzen ihr „Ja“ sprechen.

3. Bei seinem Besuch in seiner bayerischen Heimat traf sich der Heilige Vater am letzten Tag im Freisinger Dom, seiner früheren Kathedrale als Erzbischof von München und Freising, mit den Priestern und Diakonen. Als er die alt gewordenen Priester, mit denen er zusammen geweiht worden war, und die
anderen sah, legte er sein Predigtmanuskript zur Seite und sagte ihnen Folgendes: „Die Zahl der Priester ist geringer geworden, … Aber die Lasten sind schwerer geworden. … Immer wieder wird die Frage an mich herangetragen …: Wie sollen wir denn das machen? (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 174, S. 100f). Und der Papst sagte weiter: „’Bittet den Herrn der Ernte!’ Das will auch sagen: Wir können Berufungen nicht einfach ‚machen’, sie müssen von Gott kommen. … Den Herrn der Ernte darum bitten, das bedeutet gewiss zuallererst, dass wir darum beten, dass wir an seinem Herzen rütteln und sagen: Tu es doch! Wecke die Menschen auf! Entzünde in ihnen die Begeisterung, die Freude für das Evangelium und die Freude daran!“ (ebenda, S. 99f).

Aus dieser Sorge heraus habe ich vor zehn Jahren die Gebetsgemeinschaft Rogamus ins Leben gerufen, zu der heute über 2000 Frauen und Männer in unserer Erzdiözese und weit darüber hinaus gehören. Sie beten jeden Tag um Priester- und Ordensberufungen. Für diesen wichtigen Dienst bin ich ihnen sehr dankbar! Dreimal im Jahr bestärke ich sie in ihrem Gebet durch einen längeren Brief. Hier übernehmen Christen eine wertvolle und fruchtbringende Aufgabe für die ganze Kirche.

Aber darüber hinaus bitte ich Sie alle mitzuhelfen, dass die öffentliche Meinung in unseren Gemeinden von der Liebe zu unseren Priestern und von unserer Sorge um Priesterberufungen geprägt wird. So lade ich Sie ein, die Tradition der monatlichen Feier des Priester-Donnerstages oder Priester-Samstages wieder zu beleben. An diesen Tagen sollte in jedem Gottesdienst um Priesterberufungen gebetet werden. Die Liturgie sollte man dann nach Möglichkeit besonders festlich gestalten. Vielleicht könnte sie donnerstags zeitlich so gelegt werden, dass immer auch Schulkinder und Jugendliche dabei sein können.

4. Ich kenne junge Menschen, die eine Priesterberufung in sich tragen, aber dabei keine Ermutigung in Familie, Schule, Gemeinde und Nachbarschaft erfahren, sodass der Ruf des Herrn ungehört verhallt. Ich bin zutiefst überzeugt, dass der Herr für seine Kirche genügend Priester beruft; aber wir müssen Räume schaffen, in denen dieser Ruf des Herrn gehört werden kann.

Hinzu kommt noch, dass wir in den letzten Jahren sehr intensiv mit Strukturveränderungen in den Pfarreien und Seelsorgebereichen beschäftigt waren. Ziel war und ist, durch eine Vereinfachung von Verwaltung und Organisation mehr Raum für die Seelsorge zu gewinnen. Die Tatsache, dass es zukünftig nur einen leitenden Pfarrer sowie einen Pfarrgemeinderat im Seelsorgebereich gibt, wird zu einer Verstärkung der Zusammenarbeit und Bündelung der Kraft im Seelsorgebereich führen. Aber – das möchte ich betonen – Strukturen sind nicht das Erste und Letzte in unserer Kirche, sondern sie sind nur Mittel zum Zweck. Sie wollen uns helfen, dass Christus wirksam verkündet und gefeiert wird. Darum geht es in der Kirche – um nichts anderes. Die Frage nach den Priesterberufungen hängt von daher zusammen mit der Frage nach einer tieferen Wirksamkeit der Kirche nach innen und einer größeren nach außen.

Seit Jahrzehnten gibt es in unserer Erzdiözese das Päpstliche Werk für Geistliche Berufungen. Es hat seinen Sitz in Köln und wird vom Subregens unseres Priesterseminars in enger Zusammenarbeit mit unserem Diözesanjugendseelsorger geleitet. Sie sind gern bereit, vor Ort in Ihrer Gemeinde und in Ihrem Seelsorgebereich, gemeinsam mit den Seelsorgern und den Ehrenamtlichen, mit Jugendlichen Kontakt aufzunehmen. In diesen Begegnungen wird über den Wert und die Größe der Berufung zum Priestersein nachgedacht und gesprochen.

5. Wo Priester als würdige Diener der Altäre mit ihren Gemeinden die Eucharistie feiern und in der Seelsorge etwas von der Schönheit des priesterlichen Dienstes aufleuchten lassen, dort werden junge Menschen von der Christusfreundschaft ihrer Seelsorger angezogen. Und wo in unseren Familien mit Wohlwollen, Dankbarkeit und Anerkennung über den Priester gedacht und gesprochen wird, dort können priesterliche Berufungen wachsen und gedeihen. Ein Seismograph dieser Wertschätzung ist z. B. nicht zuletzt der Zustand der Priestergrabstätten auf unseren Friedhöfen. Wo der Priesterberuf geachtet wird, dort werden auch die Priestergräber gepflegt.

Wenn in den Ministranten- und anderen Jugendgruppen der Gemeinde der Priester als Mann in der Nähe Christi erlebt wird, dann können dort priesterliche Berufungen geweckt und zur Reife geführt werden. Denken wir nochmals daran: Hier geht es nicht um die Sorge und den Erhalt einer klerikalen Sonderschicht in der Kirche, sondern hier geht es um die Sorge um den Fortbestand unserer Kirche in ihrem Innersten. Wir bewegen uns nicht in einem Randgebiet der Kirche, sondern in ihrem Zentrum. Darum bitte ich Sie alle ganz herzlich um Ihre Mithilfe, um Ihre Mitsorge und um Ihre Mitverantwortung.

Gott wirkt in Christus das Heil für die Menschen, aber nicht ohne den Menschen. Er setzt ein solch großes Vertrauen in uns, dass er seine eucharistische Anwesenheit in der Kirche an unsere menschliche Großzügigkeit binden kann. Denn Jesus Christus wusste, dass er immer wieder genügend Priester haben wird, die sein Wort der Berufung hören. Deswegen konnte er der Kirche ihre Fortdauer bis zum Ende der Welt garantieren. Sollte er sich dabei im Hinblick auf Deutschland oder das Erzbistum Köln getäuscht haben? – Das glaube ich nicht! Ich glaube nicht, liebe Schwestern und Brüder, dass die Hochherzigkeit junger Menschen, ihrer Familien und Gemeinden kleiner ist als die Verheißung Jesu.

Nehmen wir dieses Jahr zu einem Neuaufbruch, indem wir die Sorge um geistliche Berufungen zu unserer persönlichen Sorge machen. Sorge ist nur der Alltagsname für Liebe. Weil wir die Kirche mit ihrem Sendungsauftrag für die Menschen lieben, darum sorgen wir uns um priesterliche Berufungen.

Dazu segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Köln, am 25. Januar 2009,
dem Fest der Bekehrung des heiligen Apostels Paulus

Ihr

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Merkel soll sich beim Papst entschuldigen
Mar 27, 2009

Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner hat den Konflikt um die Papst-Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) neu angeheizt. Das als konservativ geltende Kirchenoberhaupt forderte die Kanzlerin auf, sich bei Papst Benedikt XVI. zu entschuldigen. Merkel, die zuletzt um Verständnis für ihre Kritik am Umgang des Vatikans mit dem Holocaust-Leugner Richard Richard Williamson geworben hatte, ging auf die Forderung nicht ein.

„Ich kann da nur sagen: Zeigen Sie Größe und entschuldigen Sie sich, Frau Bundeskanzlerin“, sagte Meisner der „Bild“-Zeitung (Freitag). Zu der von Merkel Anfang Februar geforderten Klarstellung bemerkte der Erzbischof: „Ich finde, dass eine der größten Fehlleistungen die öffentliche Papstschelte war.“ Der Ton sei „völlig unangemessen“ gewesen.

Merkel hatte damals auf die umstrittene Entscheidung Benedikts mit den Worten reagiert: „Es geht darum, dass von Seiten des Papstes und des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, dass es hier keine Leugnung geben kann.“ Dies sei aus ihrer Sicht „noch nicht ausreichend erfolgt“. Die Kanzlerin sprach von einer „Grundsatzfrage“. Die Rücknahme der Exkommunikation von vier erzkonservativen Piusbrüdern – darunter Williamson – hatte weltweite Proteste ausgelöst. Der Vatikan räumte daraufhin Fehler ein und bemühte sich um eine Entschärfung der Krise.

Merkel sah trotz der Forderung Meisners keine Notwendigkeit für eine Entschuldigung. Die Kanzlerin habe sich in den vergangenen Wochen mehrfach in Interviews zu dem Thema geäußert, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. „Und es ist mit diesen Äußerungen der Bundeskanzlerin alles das gesagt, was dazu zu sagen war.“

Unterstützung erhielt Merkel von den Grünen und der FDP. „Gründe, um die Politik von Bundeskanzlerin Merkel zu kritisieren, gibt es weiß Gott genug“, erklärte die Grünen-Chefin Claudia Roth. „Sie nun ausgerechnet dort anzugreifen, wo sie einmal Recht hatte, nämlich bei ihrer Kritik an einem Papst, der Holocaust-Leugner in der katholischen Kirche wieder salonfähig machen will, zeugt von politischer Blindheit.“ Der Kirchenbeauftragte der FDP-Fraktion, Hans-Michael Goldmann, wertete die Aussagen Meisners als Versuch, wieder neuen Unfrieden zu stiften. „Kardinal Meisner übersieht geflissentlich, dass zwischen beiden längst ein Gespräch stattgefunden hat, das auch vom Vatikan als “gut und konstruktiv“ bezeichnet worden ist.“
German Kardinal Meisner: Kritiker sollten sich bei Papst Benedikt entschuldigen
Mar 14, 2009
Kommentar zum neuen Brief des Heiligen Vaters an die Bischöfe

KÖLN, 12. März 2009 (ZENIT.org).- Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hofft, dass alle, die in den vergangenen Wochen „auf den Papst „eingeschlagen" haben, sich nun „aufrichtigen Herzens besinnen und den Dienst unseres Heiligen Vaters mit jenem Wohlwollen begleiten, ohne das es kein Verstehen gibt".

In einer heute veröffentlichten Erklärung kommentiert der Kardinal den Brief, den Papst Benedikt XVI. den Bischöfen der Weltkirche geschrieben hat. Der Heilige Vater habe mit der Aufhebung der Exkommunikation eine „Geste der Versöhnung" setzen wollen, so Kardinal Meisner. „Das betont er in seinem Brief, wenn er schreibt: ‚Dass die leise Gebärde einer hingehaltenen Hand zu einem großen Lärm und gerade so zum Gegenteil von Versöhnung geworden ist, mussten wir zur Kenntnis nehmen.' Es stimmt bitter, dass diese ausgestreckte Hand des Heiligen Vaters in der öffentlichen Meinung derart abgewertet und umgedeutet wurde.'"

Benedikt XVI. geht in seinem neuen Schreiben auch auf die großen Ziele seines Pontifikats ein. Darüber hinaus gibt er offen zu, dass ihn die Turbulenzen der letzten Wochen sehr geschmerzt haben: „Betrübt hat mich, dass auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten."

Kardinal Meisner fordert nun alle Kritiker innerhalb und außerhalb der Kirche auf, sich beim Papst zu entschuldigen: „Wer nach ehrlicher Gewissenserforschung erkennen muss, dass auch er Anlass zu dieser Aussage gegeben habe, sollte den Heiligen Vater um Verzeihung bitten. Gerade in unserem Land besteht offensichtlich besonderer Grund zu solcher Gewissenserforschung."
German Meisner: Kompass auf Gott ausrichten
Mar 09, 2009

„Der Weg der Kirche durch das neue Jahrtausend ist die Heiligkeit.“ Mit diesem Gedanken von Johannes Paul II. eröffnete der Kölner Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner, seine Predigt beim Frühgottesdienst der Deutschen Bischofskonferenz in Hamburg. Die Kirche sei das einzige Zeichen, das den Menschen heute die Anwesenheit Christi in der Welt vergegenwärtige, so Meisner. Ihre Heiligkeit resultiere aus der Heiligkeit jedes einzelnen Christen. Um diese Heiligkeit zu leben, müsse jeder Gläubige an „Eigengewicht verlieren“ und die „Nadel seines Lebenskompasses“ stärker auf Gott ausrichten.
German Kardinal Meisner: Der „Weg der Kirche" ist die Heiligkeit
Mar 09, 2009
Predigt bei der Frühjahrs-Vollversammlung der deutschen Bischöfe

HAMBURG/BONN, 4. März 2009 (ZENIT.org).- Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner beschrieb heute Morgen während der Eucharistiefeier im Rahmen der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Hamburg den Weg der Kirche durch die heutige Zeit mit einem einzigen Wort: Heiligkeit.

Der Mensch müsse Eigengewicht verlieren, um wirklich abheben zu können und sich Gott zu nähern, so Kardinal Meisner. „Wo Christus in unserem Denken und Wollen nicht mehr die absolute Priorität hat, dort wird er nur noch sekundär sein. Und das ist für christliche Heiligkeit unerträglich... Der Christ ist berufen, sich nicht dem Trend zum Relativismus zu beugen, sondern der Wahrheit die Ehre zu geben."

Die Fastenzeit diene dazu, „Eigengewicht zu verlieren, Übergewicht abzuwerfen, und zwar nicht nur vom körperlichen, sondern auch vom geistigen Ballast, also eine Entrümpelung des körperlichen und geistigen Daseins vorzunehmen. Es geht um ein Abspecken dessen, was den Menschen zu schwerfällig macht, um dem Schöpfer in seiner Schöpfung auf die Spur zu kommen, um das Gewissen wieder für die Einsprechungen des Heiligen Geistes hellhörig zu machen."

***

Liebe Brüder, liebe Schwestern!

In seinem ersten Apostolischen Schreiben nach der Jahrtausendwende Novo millenio ineunte sagt Papst Johannes Paul II.: Der Weg der Kirche durch das neue Jahrtausend ist die Heiligkeit.

„Ohne Umschweife sage ich vor allen anderen Dingen: Die Perspektive, in die der pastorale Weg eingebettet ist, heißt Heiligkeit“, so wörtlich der Papst. Und er fährt weiter fort: „Dieser Auftrag betrifft nicht nur einige Christen: ‚Alle Christgläubigen jeglichen Standes oder Ranges sind zur Fülle des christlichen Lebens und zur vollkommenen Liebe berufen’“ (Novo millenio ineunte Nr. 30).

Seine Zeitgenossen fordern von Jesus Zeichen zur Legitimation seiner Sendung. Und er antwortet: Aber es wird euch kein anderes Zeichen gegeben als das des Jona (vgl. Lk 11,29), das ist seine Auferstehung. Das Zeichen des Jona ist heute für unsere Mitmenschen die Kirche und in ihr die Heiligkeit, die ihre Glieder prägt. Sie ist das einzige Zeichen, das den Menschen heute gegeben wird für die Anwesenheit Christi, des Erlösers, in der Welt. Dazu ruft uns Gott.

1. Der Mensch erlangt im Laufe seines Lebens zu viel Eigengewicht, das heißt er wird so schwergewichtig, dass sich die Nadel seines Lebenskompasses nur noch an sich selbst orientiert. Damit gerät er in die Desorientierung und damit sein ganzes Leben in eine verkehrte Richtung. Wir wollen uns erinnern lassen, dass uns die österliche Bußzeit zur Askese ruft, die ihren Sinn darin hat, Eigengewicht zu verlieren, Übergewicht abzuwerfen, und zwar nicht nur vom körperlichen, sondern auch vom geistigen Ballast, also eine Entrümpelung des körperlichen und geistigen Daseins vorzunehmen. Es geht um ein Abspecken dessen, was den Menschen zu schwerfällig macht, um dem Schöpfer in seiner Schöpfung auf die Spur zu kommen, um das Gewissen wieder für die Einsprechungen des Heiligen Geistes hellhörig zu machen.

Der Apostel Paulus sagt: „Ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten“ (1 Kor 2,2). Von vielen Menschen sagt man: Sie seien voll von Wissen, aber ohne Weisheit.

Wissen bläht auf, Weisheit baut auf. Hier gilt es, eine Reinigung des Gedächtnisses vorzunehmen. Wo Christus in unserem Denken und Wollen nicht mehr die absolute Priorität hat, dort wird er nur noch sekundär sein. Und das ist für christliche Heiligkeit unerträglich. Der Druck zur Anpassung zwingt manche in die Knie. Der Christ ist berufen, sich nicht dem Trend zum Relativismus zu beugen, sondern der Wahrheit die Ehre zu geben. Es ist eines Christen unwürdig, im Hinblick auf den herrschenden Libertinismus zu denken und zu sagen: „Wir aber auch!“ Dagegen sagt Christus: „Ich aber sage euch“, etwa: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen“ (Mt 5,27-28).

Christliche Heiligkeit besteht darin, dass das „Ich aber sage euch“ an die Stelle des „Wir aber auch!“ tritt, dass wir dabei einander helfen und uns gegenseitig dazu ermutigen und nicht alle möglichen Löcher suchen, wie wir uns doch noch durch das „Ich aber sage euch“ zum „Wir aber auch!“ durchmogeln können.

2. Der Mensch muss Eigengewicht verlieren, um wirklich abheben zu können und um in die Nähe Gottes zu gelangen. Der Sportler kommt beim Hochsprung nur über die Messlatte, wenn er auf Höheres ansetzt als auf sich selbst. Hat er es dann geschafft, dann hört er am liebsten das Lob: „Da hast du dich aber selbst übertroffen!“. Der Mensch soll sich mit der Gnade Gottes selbst übertreffen. Wenn eine Frau Mutter wird, dann wiederholt sich der Mensch. Als Maria aber Mutter wird, da überholt sich der Mensch, denn ihr Kind war Gott und Mensch zugleich. Der Mensch ist fähig, sich durch die Gnade Gottes zu überholen. Solche Christen werden dann wirklich Vorbild für andere. Und gerade das ist heute der große Mangel, der mit Recht beklagt wird. Wir haben keine Vorbilder! Und wo welche aufleuchten, werden sie oft gnadenlos niedergemacht. Ein Vorbild kann auch den anderen ein schlechtes Gewissen verursachen. Ich frage mich oft: „Was werden denn die nachfolgenden Generationen von uns denken?“

Eine Verkündigung, die ihre Sendung nur noch darin sieht, die gesellschaftlichen Trends fromm zu kommentieren, ist leer und bedeutungslos geworden. Auf sie kann man getrost verzichten. Viele Menschen erwarten in all dem Drunter und Drüber nicht eine fromme Bestätigung, sondern prophetisches Feuer, das brennt, erleuchtet und erwärmt. Wir sollten daran denken: Wie es auf dem ökonomischen Feld eine schleichende Entwertung der Währung gibt, wenn hinter dem im Umlauf befindlichen Geld nicht mehr ein entsprechendes Gewicht sachlicher Leistung und Werte steht, so ist auch die Währung des Geistes, das Wort der Verkündigung, von innerer Entleerung bedroht, wenn die Kraft des Glaubens in Gesinnung und Haltung dem Überhang an leichtfertig ausgegebener Wortmünze nicht mehr die Waage zu halten vermag. Viele der größten Worte des menschlichen Geistes – Treue, Liebe, Verlässlichkeit – sind auf diese Weise der Abwertung verfallen.

3. Wir sind in diesen Tagen berufen, unser geistiges und körperliches Eigengewicht zu vermindern, damit wir fähig werden, die Lasten der anderen mitzutragen. „Einer trage des anderen Last. So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6,2), sagt der Apostel Paulus. Deine Lasten sollen meine Lasten werden, und deine Sorgen sollen meine Sorgen werden! Dafür muss aber in mir Raum vorhanden sein, sodass hier nicht nur geredet wird, sondern auch Konsequenzen möglich werden.

Der Herr möchte durch seine Jünger die Lasten der Menschen mittragen. Wir sind berufen, wie Simon von Cyrene unter das Kreuz der anderen zu treten und damit unter das Kreuz Christi. Paul Claudel sagte in seinem Kreuzweg: „Erst müssen wir das Kreuz selbst tragen, ehe es uns trägt“. Bei Todesfällen sprechen wir den Trauernden unsere Anteilnahme aus. Aber wir dürfen schon zu Lebzeiten an den Sorgen und Lasten der anderen teilnehmen, indem wir – wie das Wort Teilnahme sagt – ihnen die Erfahrung schenken: „Geteiltes Leid ist halbes Leid“, aber auch „Geteilte Freude ist doppelte Freude“.

„Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11), heißt es von der Ankunftsgeschichte des Herrn in unserer Welt. Das gibt es auch weithin heute noch. Wir nehmen ihn nicht auf, weil wir so voll von uns selbst sind, dass es keinen Raum für die Mühseligen und Beladenen gibt und damit für ihn selbst, mit denen er sich identifiziert. Das ist geradezu ein Kriterium christlicher Heiligkeit, dass sie den Hauslosen ein Dach über dem Kopf gibt, den Hoffnungslosen Hoffnung, den Lieblosen Liebe, den Freudlosen Freude. Hier steht die ansehnliche Ahnenreihe unserer Heiligen, vom hl. Martin über Hedwig, Elisabeth und Vinzenz bis zur seligen Mutter Teresa von Kalkutta. Sie waren die großen Helfer der Menschheit durch ihren Dienst an der Liebe und Wahrheit.

Die österliche Bußzeit möchte uns durch die Askese Eigengewicht nehmen zugunsten der Lasten anderer. „Eine größere Liebe hat niemand“ – so wird man sagen können – „als wer Eigengewicht verliert, um die Lasten des anderen zu übernehmen“. Es wird den Menschen kein anderes Zeichen des Heils gegeben als Jesus Christus, der den Menschen nahe sein will durch unsere Heiligkeit. Sie ist der Weg der Kirche durch das neue Jahrtausend. Amen.

[Von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichtes Original-Manuskript]
German Meisner suspendiert Pfarrer Jung
Mar 09, 2009
Kardinal Meisner hat Michael Jung in den einstweiligen Ruhestand versetzt und von seinen Aufgaben entbunden. Der Meckenheimer Ex-Pfarrer erhebt aber weiter schwere Vorwürfe gegen das Erzbistum.

Köln - Knapp beschreibt der Meckenheimer Ex-Pfarrer Michael Jung (43) seine aktuelle Situation: „Äußerst kompliziert.“ Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat den aufmüpfigen Seelsorger in den einstweiligen Ruhestand versetzt und von seinen Aufgaben entpflichtet, aber Jung erhebt weiterhin schwere Vorwürfe gegen den Erzbischof und den Kölner Generalvikar Dominik Schwaderlapp. Sogar von gefälschten Beweisen spricht Jung. Gegen ihn werde ein Schauprozess geführt, sagte er gestern der Rundschau.

Ad acta gelegt ist damit auch Jungs geplante Arbeit als Krankenhausseelsorger in Bergisch Gladbach. „Ich sollte eine Tätigkeit ausüben, für die ich nicht ausgebildet bin“, argumentiert Jung. Er habe seit seiner Versetzung dorthin zum 1. Februar keine Dienstanweisungen erhalten, weshalb er die Stelle in Bergisch Gladbachauch nicht antrat. Schon Ende Oktober habe er aber dem Erzbistum vorgeschlagen, eine vakante Seelsorgerstelle bei Kommern zu übernehmen, so Jung.

Aus seiner Sicht soll er ruhig gestellt werden - ist er aber nicht. So habe er gegen die Entscheidung der römischen Kleruskongregation, seinen Widerspruch gegen die Amtsenthebung abzulehnen, die Frage gestellt, ob Erzbischof Meisner als Mitglied der Kongregation mit darüber abgestimmt habe - aus Jungs Sicht wäre Meisner dann also „Richter in eigener Sache“ gewesen. Wie im Fall Bischof Williamson, so zieht Jung Parallelen zum britischen Holocaust-Leugner, fehlten „innerkirchlich die Notbremsen, die vor Willkür schützen“. Erst wenn auch sein Verfahren vor dem päpstlichen Gericht der Apostolischen Signatur in Rom gegen die Entscheidung der Kleruskongregation abgeschlossen ist, stehen dem Kirchenmann wohl die weltlichen Gerichte offen.

Nur kurze Kommentare kommen vom Kölner Erzbistum. Den einstweiligen Ruhestand könne der Kardinal anordnen, wenn Jung in der Zeit des noch schwebenden Verfahrens „seinen Einsatz nicht so leistet, wie es mit dem Erzbischof besprochen war“. Dies sei der Fall. Bis auf weiteres ist Jung von seinen Aufgaben entpflichtet, sein Einkommen schrumpft auf Ruhestandsbezüge. Eines ist Erzbistums-Pressesprecher Christoph Heckeley dann doch zu entlocken: „In dieser Art und Weise ist der Fall die absolute Ausnahme im Erzbistum Köln.“
German Kardinal Meisner: Fasching macht lebenstüchtig und lebensfroh
Feb 26, 2009
Karneval hat seine Wurzeln in der Kirche

KÖLN, 12. Februar 2009 (ZENIT.org).- Es gibt Regionen in Deutschland, wo gesagt wird, dass es fünf Jahreszeiten gibt: Frühling, Sommer, Herbst, Winter und Karneval. „Die fünfte Jahreszeit heißt Fasching, Karneval oder Fastnacht. Sie beginnt bei uns in jedem Jahr am 11.11. um 11.11 Uhr“, sagen die Rheinländer.

So ist es auch der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, der jährlich den Startschuss zur Karnevalssaison in der Domstadt gibt. Einen Tag vor der offiziellen Proklamation des neuen karnevalistischen Dreigestirns hält der Erzbischof nun seit drei Jahren ein feierliches Pontifikalamt im Kölner Dom, und dies vor Tausenden von Karnevalisten.

Die Predigt endete in jedem Jahr mit einem beherztem „Kölle Alaaf“. Die Fürbitten lesen Prinz, Bauer und Jungfrau vom designierten Dreigestirn.

Das Wort „Karneval“ entstammt dem Lateinischen „carne vale“, zu Deutsch: „sich vom Fleisch verabschieden“. Damit ist die Nacht vor Beginn der 40-tägigen Fastenzeit gemeint, also der Karnevals- oder Faschingsdienstag. In manchen Regionen heißt sie auch Fastnacht. In Bayern hingegen spricht man vom „unsinnigen Dienstag“.

Kardinal Meisner betonte in seiner Predigt, der Karneval habe seine Wurzeln in der Kirche. Er habe sich dem Ziel verschrieben, die Menschen einmal aus der Alltäglichkeit ihres Lebens herauszuheben und es mit anderen Augen sehen zu lassen. Der Glaube verleihe ihnen dabei „Flügel, die den Menschen über sich selbst hinaustragen, so dass er lebenstüchtig und lebensfroh ist“. Um Distanz zu sich selbst zu gewinnen, sei es sinnvoll, sich im Karneval zu kostümieren und in eine andere Rolle zu schlüpfen, so der Kardinal.

Die „jecke Messe“ mit dem Erzbischof fand zum dritten Mal statt und gehört damit laut Festkomitee zum „Brauchtum“ der Stadt. Es sieht den Gottesdienst als Chance, den Kölner Karneval für noch mehr Menschen zugänglich zu machen und die Wurzeln des Karneval zu erklären.

Von der Fastenzeit sind nach altem christlichem Glauben die Sonntage ausgeschlossen. Und so errechnet sich jährlich der Aschermittwoch, der die Fastenzeit einläutet.

Vor Aschermittwoch wird vielerorts in deutschen Landen noch mal kräftig gefeiert und vor allem reichlich gegessen. So brauchten in früheren Zeiten die Menschen ihre restlichen Wintervorräte auf, die nach manch langem Winter zur Neige gingen beziehungsweise gehen sollten.

So richtig Karneval feiert man seit dem Mittelalter. Im 13. und 14. Jahrhundert gehörten Gastmähler, Trinkgelage, Reiterspiele und Tanz zu den Bräuchen dieser fünften Jahreszeit. Die Art der Festlichkeiten hat sich seitdem kaum verändert: Mit Tanz, Spiel, Umzügen und Verkleidungen wird in den Tagen vor der Fastenzeit die bestehende Ordnung weitgehend außer Kraft gesetzt.

Gelassen darf der Christ sich in der Faschingszeit entspannen, denn er weiß: „Der liebe Gott ist allmächtig, weiß alles, sorgt sich um alles, und erhält es.“ Aber noch wichtiger ist es für einen echten Karnevalisten, zu beherzigen: „Vergiss nie, dass nicht du der Allmächtige in Person bist.“
German Christen sollen bis Ostern ihr Dasein entrümpeln
Feb 25, 2009

Zum Beginn der Fastenzeit hat der Kölner Kardinal Meisner die Christen dazu aufgerufen, ihr geistiges und körperliches Dasein zu entrümpeln. In den Wochen bis zum Osterfest könne jeder Mensch „loswerden, was ihn zu schwerfällig macht, um dem Schöpfer auf die Spur zu kommen“. Das sagte Meisner in Köln in einem Gottesdienst zum Aschermittwoch der Künstler. Sensible Menschen wie Künstler seien „Impressionisten und Expressionisten zugleich“. „Wirkliche Kunst“ werde von jedem Menschen verstanden, sagte der Kardinal. Viele deutsche Diözesen laden am Aschermittwoch die Künstler ein. Die Tradition geht zurück auf den französischen Schriftsteller Paul Claudel (1868 - 1955).
German Meisner kritisiert Karnevalswagen
Feb 25, 2009
Darstellung des Papstes beim Düsseldorfer Rosenmontagszug sei verletzend.

Köln (kathnews) – Kardinal Joachim Meisner hat den Wagen mit einer Darstellung des Papstes beim Düsseldorfer Rosenmontagszug als verletzend bezeichnend. In einem Beitrag für die kommende Ausgabe der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln schreibt der Kardinal: „Die Darstellung ist nicht nur falsch, sie ist auch verletzend.“ Einer der zahlreichen traditionellen Motivwagen des Düsseldorfer Karnevalszuges hatte die Aufhebung der Exkommunikation gegen Weihbischof Richard Williamson zum Anlass genommen, Papst Benedikt XVI. dem Teufel in Gestalt des Engländers die Hand reichen zu lassen. Auf den Flügeln des Teufels stand groß „Antisemitismus“ geschrieben.

Der Kölner Erzbischof weist in seinem Artikel auf die positiven Seiten des Karnevals hin. So gebe er gute Gelegenheit, Politik und Gesellschaft in fröhlicher Weise aufs Korn zu nehmen. Wenn jedoch andererseits aus Humor Häme wird, „aus Verulkung Verletzung und aus Überzeichnung Verfälschung, dann verliert der Karneval“, erklärte Meisner. Dies sei bei dem Motivwagen in Düsseldorf der Fall gewesen. So wie die Rheinländer beim Weltjugendtag, der im Jahr 2005 in Köln stattfand, dem Heiligen Vater ihre Herzen weit geöffnet hätten, seien Herzlichkeit und Fröhlichkeit auch Kennzeichen des Karnevals. Wenn es nach ihm ginge, solle das auch so bleiben.
German Die Einheit ist das Wichtigste
Feb 08, 2009
In einem Gespräch mit der Kölner Kirchenzeitung verteidigt Kardinal Joachim Meisner die Rehabilitierung der vier Lefebvre-Bischöfe durch den Vatikan. Vorwürfe gegenüber Papst Benedikt nennt der Kölner Erzbischof „unhaltbar“

Herr Kardinal, in der ganzen Welt ist die Aufregung über den Heiligen Vater groß. Ihm wird mangelnde Sensibilität im Zusammenhang mit der Rücknahme der Exkommunikation von vier Bischöfen der Priesterbruderschaft Pius X. vorgeworfen. Wie konnte der Eindruck entstehen, der Papst setze sich für einen erklärten Leugner des Holocaust ein?

KARDINAL JOACHIM MEISNER: Die entstandene Verwirrung über diesen Vorgang hat Ausmaße angenommen, die ein klares und ruhiges Wort nötig machen, damit der wahre Sachverhalt sichtbar wird. Deshalb kann ich als Kardinal auch nicht schweigend zusehen, wenn eine solche Verwirrung um sich greift. Eine Exkommunikation ist wie auch ihre Aufhebung ein zunächst rein kirchenrechtlicher Akt ohne jede politische Absicht. Er betrifft allein theologische Aspekte. Hier ist es jetzt durch die unglaublich dummen und völlig indiskutablen Äußerungen von Bischof Williamson zu einer Verquickung gekommen, die viele nachvollziehbar irritiert und empört. Gerade deshalb aber muss man sehr genau hinsehen: Die aufgehobene Exkommunikation ermöglicht es den vier Bischöfen, nun wie katholische Laienchristen, nicht aber als Bischöfe am Glaubensleben der Kirche teilzunehmen. Damit haben sie wieder die Möglichkeit, die Sakramente zu empfangen. Dieses Anliegen bewegte das Herz des Papstes. Die weiter bestehende Suspendierung, die nur Kleriker trifft, verbietet ihnen jede Wirksamkeit als Bischöfe in der Kirche. Sie dürfen weder als Zelebranten der Messfeier vorstehen noch dürfen sie die Sakramente spenden. Das Aufsehen um das Williamson-Interview hat leider das eigentliche Anliegen des Papstes, der Einheit der Kirche zu dienen, überlagert.

Schadet diese unglückselige Verquickung dem Ansehen von Papst und Kirche?

MEISNER: Auch hier muss man genau hinsehen. Wichtigste Aufgabe des Papstes ist, für die Einheit der Kirche zu sorgen, bzw. sie wieder herzustellen, wo sie zerbrochen ist. Diese Aufgabe wurde dem Petrus und damit den Päpsten vom Herrn selbst übergeben, als er zu Petrus sprach: „Weide meine Lämmer“ (Joh 21,15). Das hat der Papst jetzt getan, nicht mehr und nicht weniger, wie auch der Vorsitzende unserer Deutschen Bischofskonferenz in seiner Erklärung vom 24. Januar herausgestellt hat. Die Rücknahme einer Exkommunikation ist nicht abhängig von der Sündhaftigkeit der Betroffenen oder ihrer Äußerungen. Der Papst geht dem Auftrag des Herrn entsprechend wie der Hirt dem verlorenen Schaf nach. Der Hirt - lateinisch pastor - denkt in erster Linie pastoral. Um es noch einmal zu sagen: Die Aufhebung der Exkommunikation soll gleichsam als Vorschuss an Barmherzigkeit die vier Exkommunizierten dazu bewegen, wieder in die volle Gemeinschaft der Kirche zurückzukehren.

Warum hat der Papst diesen vier Anhängern des exkommunizierten Erzbischofs Lefebvre gerade jetzt die Hand zur Versöhnung ausgestreckt?

MEISNER: Der Papst wollte durch einen großen Barmherzigkeitsschritt den vier Bischöfen entgegengehen, weil es auch der Priesterbruderschaft ein dringendes Anliegen war, die bestehende Spaltung zu überwinden. Laut „L Osservatore Romano“ hatten die vier Bischöfe zuletzt mit einem Brief vom vergangenen Dezember um Aufhebung der Exkommunikation gebeten; darin schreiben sie: „Wir haben den Willen und sind fest entschlossen, katholisch zu bleiben und alle unsere Kräfte in den Dienst der Kirche Unseres Herrn Jesus Christus zu stellen, die die römisch-katholische Kirche ist. Wir nehmen ihre Lehren in kindlicher Gesinnung an. Wir glauben fest an den Primat Petri und an seine besondere Stellung. Und darum leiden wir so sehr unter der gegenwärtigen Situation.“ An diesen Aussagen müssen sie sich jetzt messen lassen. Der Heilige Vater hatte sich schon als damaliger Präfekt der Glaubenskongregation und im Auftrag von Papst Johannes Paul II. darum bemüht, Erzbischof Lefebvre vor dem Bruch mit der Gesamtkirche zu bewahren, wie wir wissen ohne Erfolg. Die Bischofsweihen wurden dann durch Bischof Lefebvre ohne päpstlichen Auftrag erteilt und zogen als Konsequenz die Exkommunikation als Tatstrafe nach sich. Dabei handelt es sich um eine so genannte Beugestrafe, die den Exkommunizierten bewegen und gewinnen möchte, seinen Schritt wieder rückgängig zu machen und in die Gemeinschaft der Kirche heimzukehren. Nicht der Vatikan ist für die entstandene Spaltung verantwortlich, und schon gar nicht ist er verantwortlich für die schamlose Leugnung des Holocaust durch Bischof Williamson.

Ein Vorwurf lautet, der Papst gehe mit seinem Entgegenkommen gegenüber der Priesterbruderschaft zugleich hinter das II. Vaticanum zurück.

MEISNER: Dieser Vorwurf entbehrt jeder Grundlage. Der Papst ist, wie der barmherzige Vater der Bibel, dem verlorenen Sohn entgegen gegangen, indem er die Exkommunikation aufhob, nicht aber die Suspendierung. Nun ist es zu allererst Sache der Priesterbruderschaft, ihre Einheit mit der Kirche, die sie nach eigenem Bekunden ersehnt, unter Beweis zu stellen. Im Dekret zur Aufhebung der Exkommunikation heißt es: „Es ist zu hoffen, dass diesem Schritt die baldmögliche Verwirklichung der vollen Gemeinschaft von Seiten der gesamten Bruderschaft St. Pius X. mit der Kirche folgt, um so die echte Treue und wahre Anerkennung des Lehramts und der Autorität des Papstes durch ein Zeichen der sichtbaren Einheit zu bezeugen.“ Mit der Aufhebung der Exkommunikation wird keine Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils zurückgenommen. Zur Einheit der katholischen Kirche gehört die Anerkennung ihres Lehramtes. Sie schließt die Akzeptanz aller Konzilien einschließlich des Zweiten Vatikanums ein. Dazu gehört auch das Dekret „Nostra aetate“ mit seinem positiven Ansatz zum Gespräch mit den Juden. Ebenso muss die Priesterbruderschaft ihre Vorwürfe gegen den Heiligen Vater zurücknehmen, er sei nicht rechtgläubig. Wer lehramtliche Aussagen ganz oder teilweise ablehnt, kann nicht in der vollen Gemeinschaft der Kirche stehen. Die Piusbruderschaft bleibt somit eine schismatische Gruppe und ihre Bischöfe weiterhin suspendiert, bis sie das Zweite Vatikanische Konzil in vollem Umfang anerkennen, einschließlich seiner Dekrete über die Religionsfreiheit und das Verhältnis zu den Juden sowie die heute gültige Form der Liturgie der katholischen Kirche. Dem Papst in seinem Einheitsdienst jetzt theologisch unredliche Motive vorzuwerfen oder dass er die Ergebnisse und Intentionen des II. Vatikanums relativieren möchte, ist also unhaltbar. Solche Kritiker haben im Gleichnis vom barmherzigen Vater im daheimgebliebenen Bruder des verlorenen Sohnes ihr Pendant: Er nahm Ärgernis am Verhalten des Vaters, weil er dem Bruder zuviel Barmherzigkeit erwiesen hat. Mit Benedikt XVI. wird es hier keinen Schritt hinter das Konzil zurück geben.

Befindet sich Ihrer Ansicht nach der christlich-jüdische Dialog jetzt in einer Krise?

MEISNER: Das hoffe ich nicht. Ich kann meinen Mitbrüdern im Bischofsamt nur beipflichten, die gesagt haben: Wir dürfen uns jetzt nicht von solchen Menschen wie Bischof Williamson durcheinander bringen lassen. Eben weil die Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe ein sachlich eigenständiger Vorgang ist. Nun ist ein neues Faktum entstanden, indem einer der vier exkommunizierten Bischöfe die Tatsache des Holocaust in Abrede stellt. Mit diesem Faktum muss sich der Vatikan deshalb eigens befassen. Dass sich augenscheinlich auch die Priesterbruderschaft inzwischen von den Aussagen Williamsons distanziert, ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Aufhebung der Exkommunikation und das unsägliche Interview nichts miteinander zu tun haben. Papst Benedikt XVI. hat bei seinem Besuch in der Kölner Synagoge anlässlich des Weltjugendtags 2005 seinen Vorgänger mit dem Satz zitiert: „Wer Jesus Christus begegnet, begegnet dem Judentum“, und weiter sagte Benedikt: „Deshalb möchte ich ausdrücklich ermutigen zu einem aufrichtigen und vertrauensvollen Dialog zwischen Juden und Christen. Unser reiches gemeinsames Erbe und unsere an wachsendem Vertrauen orientierten geschwisterlichen Beziehungen verpflichten uns, gemeinsam ein noch einhelligeres Zeugnis zu geben und praktisch zusammenzuarbeiten in der Verteidigung und Förderung der Menschenrechte und der Heiligkeit des menschlichen Lebens, für die Werte der Familie, für soziale Gerechtigkeit und für Frieden in der Welt.“ An der Bedeutung dieses Dialogs hat der Papst nie einen Zweifel gelassen.

Die vier Bischöfe sind jetzt nicht mehr exkommuniziert, aber weiterhin suspendiert. Was bedeutet das konkret? Können Katholiken z.B. gültig Gottesdienste bei Priestern der Piusbruderschaft mitfeiern?

MEISNER: Nein, das ist nicht möglich, denn das Schisma - die Abspaltung der Bruderschaft von der Kirche - dauert noch an. Die aufgehobene Exkommunikation bezieht sich ausschließlich auf die vier Bischöfe. Um das Schisma zu beenden, müsste jetzt die Verwirklichung der vollen Kirchengemeinschaft seitens der gesamten Priesterbruderschaft Pius X. folgen.
German Kardinal Meisner nennt Gewalt zur Eindämmung von Gewalt legitim
Jan 10, 2009

Köln (epd). Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat es als legitim bezeichnet, wenn "ungerechte Gewalt durch Gegengewalt eingedämmt wird". Es sei legitim, wenn neu aufflammende Gewalt "im Keim erstickt wird", sagte der Kardinal am Donnerstag im Kölner Dom, ohne einen aktuellen Konflikt zu benennen. In seiner Predigt im internationalen Soldatengottesdienst am Weltfriedenstag würdigte er Militär und Soldaten in demokratischen Strukturen. "Auch wenn Kritiker es nicht wahrhaben wollen: Ziel demokratischer Armeen ist es gerade, Frieden zu schaffen und zu erhalten", sagte der Kardinal vor rund 1.500 Soldaten verschiedener Nationen und Angehörigen der Polizei. Die Männer und Frauen, die sich etwa für die Sicherheit von Schiffsbesatzungen vor der Küste Somalias einsetzten, gäben ein Beispiel des Heiligen Martin. Der als Sankt Martin verehrte und bis heute populäre Heilige war Soldat, später Mönch und Bischof von Tours im vierten Jahrhundert nach Christus.

Soldatinnen und Soldaten leisteten durch Hilfs- und Aufbaudienste erste Schritte zu einem "wirklich stabilen Frieden", sagte Meisner. Der Kölner Kardinal verwies auch auf Äußerungen des verstorbenen Papst Johannes Paul II. Er habe darauf hingewiesen, dass ein solcher militärischer Einsatz "zur Verteidigung des Guten" auch eine religiöse Dimension aufweisen könne, sagte Meisner. Ein Soldat, der sein Leben für Frieden und Sicherheit für Arme einsetze, stehe unter einem hohen moralischen Anspruch.

Der jährliche Soldatengottesdienst im Kölner Dom wurde außen auf der sogenannten Domplatte von traditionellen Protesten begleitet. Etwa 50 Teilnehmer von verschiedenen Friedens- und Aktionsgruppen protestierten mit Transparenten und Sambatrommeln gegen die Verbindung "von Kirche und Staat in Sachen Militär", wie ein Vertreter einer Basisgruppe der katholischen Friedensinitiative Pax Christi sagte. Mit Blick auf die diesjährige Predigt sei auch zu kritisieren, dass Soldatentum und Kampf gegen Armut miteinander verbunden wurden. Soldaten seien nicht für Armutsbekämpfung zuständig.
German Der Tag eines Erzbischofs
Dec 26, 2008

Joachim Kardinal Meisner wird eine eiserne Disziplin nachgesagt. Er stehe gegen 4.30 Uhr auf, erzählt er. "Ab 5 Uhr gehe ich mit den Stöcken eine Stunde durch den Garten."

Es folgen kalte Dusche, 90 Minuten Morgengebet und heilige Messe sowie um 7.45 Uhr ein kurzes Frühstück. Bis zum Mittagessen Termine und Schreibtischarbeit. Danach das Rosenkranzgebet, ein halbstündiger Mittagsschlaf und das Stundengebet.

Nach dem Kaffee wieder Büroarbeit, Stundengebet, Abendessen, um 23 Uhr Bettruhe. Einmal im Monat reist er zu Sitzungen nach Rom. Zudem ist er viel im Erzbistum unterwegs.
German Zum 75. Geburtstag von Joachim Kardinal Meisner: "Ich will nur Gott nach dem Mund reden
Dec 26, 2008
Mit dem Kölner Erzbischof bei Obdachlosen, in einem Festgottesdienst für Kardinal Frings und bei einer Talkshow

Köln. Es ist kalt an diesem Mittwoch im Severinsviertel. Die Autos donnern über die sechsspurige Ulrichgasse und lassen das Wasser bis auf den Bürgersteig spritzen. Die Menschen, die von der Straße kommen und in den kleinen Klostergang schlüpfen, kennen jedes Wetter. Fast alle haben jahrelang auf der Straße gelebt, inzwischen haben die meisten von ihnen ein Dach über dem Kopf - auch dank der Ordensleute, die hier im alten Franziskanerkloster eine Obdachlosenseelsorge eingerichtet haben.

n der warmen Stube servieren Bruder Othmar und Schwester Franziska Tee und Kaffee. Dazu haben sie Kuchen und Plätzchen auf den Tisch gestellt, wie jeden Mittwoch. 15 Menschen sind heute gekommen - und auch Joachim Kardinal Meisner.

Der Erzbischof setzt sich in die Runde und hört erstmal zu, zum Beispiel der älteren Frau, die erzählt, dass sie in ihrer Wohnung keinen Besuch empfangen darf. "Auch im betreuten Wohnen muss man doch Besuch bekommen dürfen", sagt Meisner und fordert sie auf, das Problem aufzuschreiben, "damit wir uns drum kümmern können."

Die Frau gegenüber fragt er, wo sie herkomme. "Aus Kolumbien, aber ich lebe schon 49 Jahre hier." Der Kardinal erzählt von einem Aids-Projekt dort, das er sehr schätze. Ein junger Mann wirft ein, in Kirchenkreisen sehe man Aids doch problematisch. "Nein", sagt Meisner, "jede Krankheit ist schlimm, damit kann man die Leute doch nicht allein lassen." Das ist die soziale Begründung.

Ein paar Minuten später, unten in der Krypta der Kirche, gibt er die theologische. "Gott geht den bescheidenen Weg." Die Geburt im Stall zeige: "Er kommt nicht mit Macht, sondern will uns seine Schwäche zeigen." So müssten sich die Christen immer wieder darauf besinnen, die Schwachen in der Gesellschaft zu stützen. Meisner tut dies hier ganz persönlich.

Bei dem gemeinsamen Lesen der Bibel erzählt jeder, was ihm durch den Kopf geht, wenn er von Jesu Geburt hört. Von Kindheitserinnerungen ist die Rede, von bösen Schicksalsschlägen oder auch von dem Gefühl, Wärme und Geborgenheit in dieser Gemeinde gefunden zu haben. Meisner sagt: "Das Bibelteilen ist nirgends so schön wie bei Ihnen."

Der Bischof scheint diese knappe Stunde in der Krypta zu genießen. "Nein, genießen, das ist es nicht", sagt er später im persönlichen Gespräch, aber ihm tue es gut, mal nicht dauernd reden zu müssen. 75 Jahre alt wird der Kölner Erzbischof am Ersten Weihnachtstag - und die Last von Amt und Alter spürt er zunehmend.

Wie es jeder Oberhirte mit 75 tun muss, hat er dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Doch Benedikt XVI. lehnte ab. Meisner weiß warum. Vor dem Konklave habe er seinen Freund Joseph Ratzinger bestürmt: "Lauf uns nicht davon. Du musst Papst werden", berichtet Meisner am Abend bei einer Talkshow des Domradios, "jetzt nimmt er mich in die Pflicht."

Der Papst weiß, was er an seinem Kölner Kollegen hat. Er scheue sich nicht "zu widersprechen, wenn widersprochen werden muss, ohne auf Parteien oder auf taktische Vorteile Rücksicht zu nehmen", hat Benedikt in einem Grußwort für eine Festschrift zu Meisners Geburtstag geschrieben.

Was der Papst als große Stärke des Erzbischofs betrachtet, sehen Kirchenkritiker, aber auch viele Gläubige oft als Ärgernis. Als es etwa um Methoden der Empfängnisverhütung ging oder einen Vergleich von Abtreibungen mit den Verbrechen der Nazis. Als es um religionsferne Kunst ging, die er als entartet bezeichnete.

Als er CDU und CSU das C absprach, weil sie sich nach seiner Ansicht für alles andere, aber nicht für eine christliche Politik einsetzten. Als er Pfarrer abberief, weil er den Glauben in den Gemeinden in Gefahr sah. Als er Pfarreien verbot, auch nur ausnahmsweise einen ökumenischen Gottesdienst am Sonntagmorgen abzuhalten. Meisner ist unbequem, und er polarisiert wie kein zweiter Kirchenmann in Deutschland.

"Ich will nur Gott nach dem Mund reden", hat er oft gesagt. Nur das wolle er predigen, was nach seiner Überzeugung Gottes Wille ist. Positionen, die in einer weltlichen Gesellschaft für viele Menschen nicht zeitgemäß sind. Für Meisner ist das aber kein Argument. Er schaut, ob er sich selbst treu geblieben ist. "Jeder Advent ist für mich eine Zeit der Prüfung", sagt er. Da nehme er sein Tagebuch aus dem Advent 1962, das er vor seiner Priesterweihe geschrieben habe, und frage sich: "Hast Du Deine erste Liebe bewahrt?"

Was er 2008 antwortet, verrät er nicht. Eines aber betrübt ihn: "Ich bin auf keinem Gebiet so erfolglos geblieben wie beim Werben um geistliche Berufe." Aber er hoffe weiter, dass sich eines Tages wieder mehr junge Männer und Frauen für das Leben als Priester oder Ordensleute entscheiden. Gleichwohl mutet er den Priestern heute eine ganze Menge zu. Sie sollen viel größere Gemeinden führen, zugleich aber verständnisvolle Seelsorger vor Ort bleiben. Aufgaben, die immer mehr Priester an die Grenzen ihrer Schaffenskraft bringen.

In Zeiten des Priestermangels sieht Meisner aber keine Alternative - und sagt das deutlich. Zum Beispiel an diesem Abend im Dom beim Pontifikalamt zum 30. Todestag von Joseph Kardinal Frings: "Oft höre ich den Vorwurf, ihr habt die Priester nicht auf die schwierigen Zeiten vorbereitet." Kardinal Frings habe aber auch keine Sonderkurse "Kirchenführung in Kriegs- und Nachkriegszeit" besucht.

"Er hat sich Schritt für Schritt von der Gnade Gottes und seinem gesunden Menschenverstand leiten lassen", sagt Meisner und ermahnt sein Personal: "Wir sollten nicht so auf Sonderkurse dringen, sondern mit Hoffnung und Vertrauen die Herausforderungen der Zukunft angehen."

Meisner selbst wird weiter wider den Zeitgeist reden, zugleich aber auch der glaubensstarke Mann bleiben, als den ihn Nikolaus Schneider würdigt. Er teile zwar nicht jede Überzeugung Meisners, schreibt der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, aber er schätze dessen Stärke im Glauben, "auch wenn seine damit verbundene Bestimmtheit ihn mitunter kühler erscheinen lässt, als ich ihn als seelsorgenden Mitbruder ganz persönlich erlebt habe."

In die alte Franziskanerkirche wird er im nächsten Advent wiederkommen, hat der Kardinal versprochen.

"Ich freue mich darauf, denn ich brauche nur Herz und Ohren aufzumachen." Hier, wo der Chef einer der wichtigsten Erzdiözesen der Welt Seelsorger ist und mit den Schwachen in der Gesellschaft die Bibel teilt.
German „Ich bleibe, solange ich Kraft habe“
Dec 22, 2008
Köln - EXPRESS sprach mit dem Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, der am 1. Weihnachtstag 75 Jahre alt wird.
Er redete über seine Zukunft als Kardinal, die Finanzkrise und den akuten Mangel an Christen.

Wie haben Sie reagiert, als der Heilige Vater Ihnen mitteilte, dass Sie im Amt bleiben? Haben Sie persönlich mit ihm telefoniert?

Ich habe nicht telefoniert, sondern Post vom Nuntius bekommen, dem päpstlichen Botschafter in Berlin. In dem Brief stand, dass der Papst mich bittet, bis auf Weiteres Erzbischof zu bleiben. Ich hatte ihm ja geschrieben, dass ich seine Entscheidung akzeptiere, egal, wie sie ausfällt. So sagte ich mir: Dann machst du es, solange die Kraft dazu reicht.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre – für sich persönlich und für Ihr Erzbistum?
Dass die Freude am Glauben immer mehr Freunde findet! Gerade jetzt zu Weihnachten erinnern wir uns ja daran, dass Gott ein schwaches Kind wird, weil er eine Schwäche für uns hat, weil er uns liebt. Das muss uns aufhorchen lassen und Mut zu einem entsprechenden Leben machen. Für mich selbst habe ich etwas vom Apostel Paulus gelernt, an dessen Geburtstag vor 2000 Jahren wir in diesem Jahr ja besonders denken: Er beginnt jeden seiner Briefe mit einer Danksagung. Auch ich wünsche mir, dass ich schneller danke als klage oder kritisiere. Ich möchte auch mehr dafür danken, dass ich als Christ und Bischof leben darf.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, appelliert an die Kirchenführer, sich auch und gerade mit Blick auf die Finanzkrise engagierter in gesellschaftspolitische Debatten einzumischen – vor allem zugunsten Schwächerer. Sehen Sie dies auch so?

Wir können gar nicht anders, wenn wir unserem Auftrag nicht untreu werden wollen. Jesus hat die Armen selig gepriesen und sich besonders der Schwachen angenommen. Wenn wir nicht handeln wie er, bleibt unsere Verkündigung hohl. Unseren guten Worten müssen unsere guten Taten folgen. Deshalb stand traditionell immer neben der Kirche auch das Krankenhaus. Weil Christus sich ganz arm gemacht hat, ist er besonders den Armen, Schwachen und Ausgegrenzten zum Bruder geworden. Als Christen sind wir deshalb Anwälte dieser Menschen, die sonst keine Stimme haben.“

Die Gier nach Geld ist eine der Hauptursachen der Finanzkrise – Richtet sich die Menschheit zugrunde, wenn sie weiter um das goldene Kalb tanzt und Werte mit Füßen tritt? Was setzen Sie dagegen?

Die Finanzkrise zeigt, dass wir von Geld und Zahlen allein nicht leben können. Wenn das Vertrauen auf Gott fehlt, ist alles andere wertlos. Wir müssen deshalb auch die Mächtigen in der Wirtschaft an ihre Verantwortung erinnern, damit sie vor lauter Zahlen die Menschen nicht vergessen, die dahinter stehen, und hinter dem Menschen steht der lebendige Gott. Wenn man nicht weiß, wer der Mensch ist, gehen Politik und Wirtschaft in die Irre. Der Mensch ist Abbild Gottes und muss daher an erster Stelle stehen, nicht Geld und Gut. Letztlich ist der größte Reichtum eines Menschen doch der Glaube an den lebendigen Gott.

Immer mehr Kirchen müssen schließen, während andere Religionsgemeinschaften große Neubauprojekte verwirklichen können – fehlt es an Engagement bei den Gläubigen oder Geld? Wie ist dieser Trend zu stoppen – könnte die Kirche z. B. Sponsoren brauchen?

Es fehlt ja nicht in erster Linie das Geld. Wir haben vielmehr einen akuten Christenmangel. Und zwar an Christen, die so wie der Apostel Paulus unerschrocken auftreten und Zeugnis ablegen für ihren Glauben. Wir müssen wieder missionarischer werden.

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German „Ich stehe in der Pflicht“
Dec 21, 2008
Der Erzbischof von Köln wird zum Weihnachtsfest 75 Jahre alt. Im RM-Gespräch sagt er, was ihn geprägt hat und heute bewegt.

Rheinischer Merkur: Herr Kardinal, Sie haben mit Vollendung des 75. Lebensjahres die Altersgrenze als Bischof erreicht. Papst Benedikt hat Ihr Rücktrittsgesuch angenommen, Sie aber gebeten, im Amt zu bleiben. Haben Sie damit gerechnet?

Joachim Kardinal Meisner: Als ich die Nachricht bekam, dachte ich: Gut, dann machst du es. Es hätte mich auch nicht beunruhigt, wenn der Papst meinen Rücktritt angenommen hätte. Ich bin ja schon 34 Jahre Bischof und hatte nie eine Schonstelle. Es wäre also nicht unbillig, wenn er gesagt hätte, tritt doch etwas kürzer. Ich habe den damaligen Kardinal Ratzinger vor dem Konklave zweimal besucht und ihn bestürmt, die Papstwahl anzunehmen, wenn sie auf ihn zukomme. Nun nimmt er auch mich in die Pflicht. Und ich bin immerhin sieben Jahre jünger als der Papst.

RM: Am 25. Dezember 1933 sind Sie in Breslau zur Welt gekommen. Wie haben Sie den langen Weg zur Versöhnung zwischen den beiden Völkern erlebt?

Meisner: Dass diese Versöhnung möglich wurde, ist ein Verdienst der unzähligen persönlichen Kontakte, namentlich der ehemaligen Bewohner dieser Gebiete. Schon in den Sechzigerjahren hatte ich als Priester regelmäßige Kontakte nach Polen. Ressentiments habe ich dabei nie erfahren. Wenn ich Kardinal Kominek in Breslau besuchte, dann bellte sein großer Hund immer laut. Und Kominek sagte jedes Mal scherzhaft: „Hörst du, der weiß, dass der Erzfeind da ist.“ Dann lachten wir beide. So unkompliziert war unser Verhältnis. In meiner Heimatgemeinde Breslau-Lissa habe ich eine Statue von Papst Johannes Paul II. auf dem Marktplatz eingeweiht. Am nächsten Tag stand in der Zeitung: Breslau-Lissa hat einen eigenen Papst und einen eigenen Kardinal. Dort bin ich „unser Kardinal“. Manchmal macht mich diese Herzlichkeit richtig verlegen.

RM: Sind Sie noch oft zu Besuch dort?

Meisner: Vielleicht einmal im Jahr. Ich halte dann einen Vortrag und feiere Gottesdienste. Das Kölner Domkapitel schenkt mir jetzt zum Geburtstag eine gemeinsame Reise nach Breslau. Wir besuchen die Orte, die für mich wichtig waren. Ich war elf Jahre alt, als wir dort wegmussten. Ich kam mit meiner Familie nach Thüringen, in ein Diasporadorf ohne Kirche. Wären diese Kriegsereignisse und die Not in der DDR nicht gewesen, wäre ich wohl niemals Bischof geworden. Der liebe Gott aber holt seine Diener nicht vom Podest, sondern aus den Hinterhöfen der Geschichte.

RM: Hatten Sie je eine persönliche Glaubenskrise?

Meisner: Im Studium habe ich eine durchgemacht. In der Gotteslehre wurde uns ein unpersönlicher Gott vermittelt, den nichts berühren kann. Da habe ich den Professor gefragt: Warum kann ich Gott nicht eine Freude machen? Meine Mutter hat mir immer gesagt: Wenn du das machst, dann freut sich der liebe Gott. Jetzt soll das nicht mehr gelten? Was hat dann das Beten für einen Sinn? Das ist doch ein Dialog. Eines Tages habe ich die Lösung gefunden und sagte dem Professor: Durch Taufe und Firmung leben wir gar nicht mehr im Externum Gottes, sondern im Internum. Und darum ist Gott für uns auch kein ewig lächelnder Buddha. Ich kann Gott traurig machen, wenn ich sündige, und froh machen, wenn ich ihn liebe und ihm nachfolge. Das geht mir bis heute so: Ich möchte durch meinen Dienst unseren Herrn Jesus Christus froh machen. Um seinetwillen leide ich zum Beispiel schrecklich darunter, wenn ich einen Priester verliere oder wenn eine Frau von ihrem Mann verlassen wird. Untreue ist mit das Schlimmste, was es gibt. Auch zwischen uns und Gott.

RM: Erfurt, Berlin, Köln – waren das für Sie Wegmarken oder Einschnitte?

Meisner: Das waren echte Einschnitte. Ich bin am 22. Dezember 1962, also vor 47 Jahren, in Erfurt zum Priester geweiht worden. Damals sagten wir noch bei der Weihe dem Bischof „adsum“, ich stehe zur Verfügung. Ich habe dann Gott einen ganz persönlichen Blankoscheck ausgestellt und darunter geschrieben: Erfurt, den 21. Dezember 1962, Joachim Meisner, um ihm meine ehrliche und umfassende Verfügbarkeit zu bekunden. Wenn ich gewusst hätte, dass eines Tages auf diesem Blankoscheck Berlin und Köln stehen würden,hätte ich vielleicht nicht den Mut gehabt, ihn auszustellen. 1980 musste ich den todkranken Bischof Aufderbeck verlassen, der mir in Erfurt eigentlich schon alles übergeben hatte. Berlin ist mir als Bischof dann wirklich ans Herz gewachsen. Nach dem Gottesdienst zum 80. Geburtstag des Papstes 2007 in der Hedwigskathedrale kam so ein richtiger Berliner auf mich zu und sagte: „Kardinal Meisner, ick kann dir nie verjessen.“ Das hat mich sehr berührt.

RM: Inzwischen sind Sie fast 20 Jahre Erzbischof von Köln. Wie sehen Siedie Stadt und ihre Menschen heute? Sind Sie einer von ihnen geworden?

Meisner: Heimat kann es nur eine geben, aber Köln ist mein Zuhause. Und wenn umgekehrt selbst der Karneval an mir interessiert ist, dann kann ich ja ganz so „verkehrt“ nicht sein. Wir feiern jedes Jahr an den ersten Januartagen einen Karnevalsgottesdienst im Dom. Das ist keine Kölsch-Messe, wie man so sagt, sondern ein richtiges Pontifikalamt, zu dem alle Karnevalsvereine eingeladen sind. Sie kommen in ihren Uniformen. Am Schluss der Predigt sage ich dann nicht Amen, sondern Kölle alaaf. Bei einigen Karnevalssitzungen bin ich sogar Schirmherr. Eine Büttenrede zu schreiben ist für mich schwerer, als drei Predigten vorzubereiten. Beim Abschluss des Domjubiläums 1998 sagte ein waschechter Kölner vor dem Dom zu mir: „Jung, dat häste joot jemaat.“ Na bitte!

RM: Wenn Sie eine vorläufige Bilanz Ihrer Amtszeit ziehen, worauf sindSie besonders stolz?

Meisner: In der Kirche soll man den Herrn loben, nicht die Bischöfe. Deshalb bin ich nicht stolz, sondern dankbar für das, was mit Gottes Hilfe gelungen ist. Zum Beispiel für den Weltjugendtag. Er wirkt bis heute nach. Die daraus entstandene Nightfever-Bewegung breitet sich inzwischen über Deutschland aus. Kapläne erzählen mir immer wieder, dass sie eine neue Freiheit und Begeisterung für den Glauben unter den Jugendlichen erleben. Wenn 6000 von ihnen so viel Geld sparen oder erarbeiten, dass sie zum Weltjugendtag nach Sydney fahren können, dann ist das ein starkes Zeichen. Ich bin auch sehr dankbar für das 750-jährige Domjubiläum 1998, es war ein großer Erfolg. Und es hat dazu geführt, dass wir jetzt die zentrale Domwallfahrt jedes Jahr im September machen. Auf dem schulischen Sektor hat das Erzbistum in den vergangenen 25 Jahren 17 Ordensschulen übernommen, die sonst geschlossen hätten. Rund 30 000 Jugendliche besuchen unsere Gymnasien.

RM: Wie sieht es mit der Initiative für Ehe und Familie aus?

Meisner: Wir haben eben das 50-jährige Jubiläum der Ehe- und Familienarbeit im Erzbistum gefeiert. Mit Blick auf die Zahlen der Anfangszeit kann man heute eigentlich nur traurig sein. Doch die Sehnsucht der jungen Leute nach einer authentischen Partnerschaft auf Dauer ist sehr groß. Deshalb legen wir auch einen Schwerpunkt auf diese Arbeit, von der die Zukunft von Staat und Kirche wesentlich abhängt.

RM: Das weltkirchliche Engagement des Erzbistums Köln geht auf Ihre Vorgänger, die Kardinäle Frings und Höffner, zurück. Hat sich das unter Ihnen noch ausgeweitet?

Meisner: Ich bin meinen Vorgängern sehr dankbar für ihre Arbeit. Finanziell und personell geht es wohl trotz allem kaum einem Bistum in der Weltkirche so gut wie Köln. Wir geben möglichst viel davon weiter. Das diözesane Programm „Zukunft heute“ reduzierte die Mittel für die Bistumsverwaltung um 30 Prozent, doch der Etat für die Weltkirche ist nicht gekürzt worden. Wir wollen nicht an den Ärmsten der Armen sparen. Als Vorsitzender des Hilfswerks Renovabis bin ich auch die Vertrauensperson für viele Bischöfe in den Ländern Mittel- und Osteuropas. Sie wollen von mir wissen, wie sie mit Entwicklungen umgehen sollen, mit denen sie neu konfrontiert sind, etwa beim Lebensschutz und bei der Bioethik. Am stärksten eingesetzt habe ich mich immer für Polen und Tschechen. Für diese noch mehr, weil sie das nötiger hatten. Als die Tschechen nach 1981 wegen der Ausrufung des Kriegsrechts in Polen nicht mehr dorthin fahren durften, war ich Anlaufpunkt für viele Menschen aus der damaligen Tschechoslowakei. Heute gibt es so viele gute Ansätze dort; ich bin sicher, Tschechien wird rechristianisiert werden. Es bilden sich neue klösterliche Gemeinschaften, so zum Beispiel die Trappisten bei Pilsen, die Trappistinnen bei Prag und andere mehr.

RM: Als Kardinal haben Sie auch viele überdiözesane Aufgaben. Wie teilen Sie sich die Arbeit ein?

Meisner: Überdiözesane Aufgaben machen etwa ein Drittel meines Dienstes aus. Schon Johannes Paul II. hat mich in fünf vatikanische Kongregationen berufen. Mehrmals wurde ich zum päpstlichen Sondergesandten für bestimmte Anlässe ernannt. Die Hauptaufgabe eines Bischofs aber ist, dass er Ortsbischof ist.

RM: Was bereitet Ihnen da die meisten Sorgen?

Meisner: Wo ich zahlenmäßig wenig Erfolg habe, aber die meiste Kraft und Zeit investiere, sind die Priester- und Ordensberufungen. Es gibt nach wie vor genug Berufungen. Doch wenn ein Jugendlicher in der Familie und in der Schule damit allein ist, wenn ihn niemand ermutigt, dann stirbt sozusagen diese Berufung. Auch die Ministrantenarbeit bringt inzwischen selten neue Berufungen hervor.

RM: Wie wollen Sie der alarmierenden Entwicklung bei den Priesterzahlen gegensteuern?

Meisner: Wir haben in Köln immer noch eine hohe Zahl an Priesteramtskandidaten, aber es sind viel zu wenig. Hier kommen verschiedene Krisen zum Tragen: Eine davon ist die Veränderung der Familie. Vor 30 Jahren hatte eine katholische Kölner Familie noch drei bis vier Kinder, heute eines.

RM: Könnte die Weihe von verheirateten „viri probati“ die Lösung für den Priestermangel sein?

Meisner: Das ist keine Lösung, denn dann müsste man zum Beispiel als eine Konsequenz sofort die Unauflöslichkeit der Ehe aufheben, weil ein geschiedener Priester ja nicht im Amt bleiben könnte. In der evangelischen Kirche ist, so höre ich, inzwischen ein Viertel derAmtsträger geschieden. Früher verlor ein solcher Pfarrer sein Amt, später dann musste er in eine andere Gemeinde umziehen, und heute bleibt er da, wo er ist. Beim Weiheamt wäre das unmöglich und nicht denkbar.

RM: Es gibt aber doch verheiratete Priester mit Familie, die aus anderen Kirchen übergetreten sind …

Meisner: Das sind jeweils individuelle Fälle, die anders gelagert sind und die Grundfrage nicht beantworten.

RM: Durch die Strukturreform im Bistum werden Gemeinden fusioniert oder in Pfarrgemeinschaften zusammengefasst. Viele Menschen haben den Eindruck, dass damit Kirche am Ort abgebaut wird. Ist das so?

Meisner: Zunächst müssen wir erkennen: Was wir gewohnt waren, ist erst 50 Jahre alt. Zu Zeiten von Kardinal Frings war genug Geld und Personal vorhanden. So hat man die bestehenden großen Pfarreien etwa in jeweils drei bis vier aufgeteilt, die Mutterkirche wurde restauriert und drei neue Kirchen wurden dazugebaut. Das Ideal war die Pfarrfamilie. Jetzt geht die Entwicklung umgekehrt. Kardinal Frings hat zirka 400 Kirchen konsekriert, ich acht in 20 Jahren, und 20 wurden abgegeben an andere christliche Gemeinden. Die Geschichte zeigt, dass es immer mal hoch und mal runter ging. Trotzdem ist es schwer, Gewohntes aufgeben zu müssen.

RM: Müssen Gläubige künftig 40 Kilometer fahren, um am Sonntag einen Gottesdienst zu besuchen?

Meisner: Im Erzbistum Köln nirgends. Wir bleiben auch in der Fläche präsent, selbst wenn hier und da Wege weiter werden. Die Sache ist immer relativ. Ich will meine Erfahrungen nicht idealisieren, aber als wir aus Schlesien vertrieben worden waren, kamen wir in ein Dorf, in dem es keine Kirche, keine Kapelle, kein Pfarrhaus gab. Der Gemeindeverband umfasste 30 Dörfer, für die ein Pfarrer zuständig war. Wir waren die Kirche der weiten Wege und langen Straßen. Wir hatten nur alle 14 Tage eine heilige Messe. Am anderen Sonntag mussten wir bei Wind und Wetter acht Kilometer zu Fuß zum Gottesdienst gehen. Wenn ich als Seminarist in den Ferien zu Hause war, musste ich zur täglichen Messe 22 Kilometer zurücklegen, elf hin und elf zurück. Dabei habe ich unterwegs Rosenkranz und Kreuzweg beten gelernt. Heute meint man wohl, solche weiten Wege nicht mehr zurücklegen zu müssen, obwohl die Menschen viel mobiler geworden sind.

RM: Bedarf Deutschland der Mission? Es gibt Papiere der Bischofskonferenz dazu und in Frankfurt bald ein neues Institut zu diesem Zweck. Sind das die richtigen Ansätze?

Meisner: Die Kirche ist nie durch Strukturen, Organisationen und Pläne reformiert worden, sondern durch Heilige. Das waren immer Leute, die in die Welt gingen. Ein Christ ist Missionar oder er ist kein richtiger Christ. Viele solcher Christen haben eine Gemeinschaft um sich geschart und mit ihr die Kirche erneuert. Ein gutes Beispiel dafür sind die Reformorden. Ich setze eher auf die neuen geistlichen Gemeinschaften als auf Institute und Einrichtungen. Das Missionarische kommt in Deutschland zu kurz. Hier gibt es eine verbreitete Skepsis gegenüber solchen Gemeinschaften, weil sie mitunter nicht in unsere Vorstellungen passen. Ich versuche, so viele geistliche Impulse in die Diözese hereinzuholen wie möglich. Eine geistliche Gemeinschaft muss sich aber vom Bischof dorthin schicken lassen, wo sie gebraucht wird und wirksam werden kann.
German Kölner Stadt-Anzeiger: Kölner Erzbischof Meisner kritisiert türkische Regierung
Dec 16, 2008

Köln (ots) - Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner sieht die Chancen für den Bau eines christlichen Pilgerzentrums im türkischen Tarsus deutlich gesunken und kritisiert in diesem Zusammenhang die türkische Regierung scharf. "Wie wir behandelt werden, finde ich skandalös", sagte Meisner, der sich seit langem für das Pilgerzentrum in der Geburtsstadt des Apostels Paulus einsetzt, im Internet-Fernsehen ksta.tv des "Kölner Stadt-Anzeiger". Noch Ende November habe er vom Sekretär des türkischen Ministers für Kultur und Tourismus die mündliche Zusage erhalten, dass die Regierung die Kirche in Tarsus zwar nicht verkaufen werde, die katholische Kirche sie aber für 30 Jahre pachten könne. Er sei nicht "überschäumend glücklich", sagte Meisner, aber damit könne er leben. Als eine schriftliche Bestätigung der Zusage ausblieb, habe er Anfang dieser Woche im Ministerium nachgefragt und erfahren, dass das Ganze "ein Missverständnis" gewesen sein müsse. Man wolle der Kirche lediglich ein Grundstück auf dem Gelände einer benachbarten ehemaligen Fabrik zur Verfügung stellen, auf dem sie ein Gotteshaus bauen könne, das aber nach 30 Jahren wieder an den Staat zurückfalle. Meisner kündigte an, er werde trotzdem in seinen Bemühungen "nicht locker" lassen, auch "um den Euro päern die Augen zu öffnen, dass hinter den türkischen Worten keine Taten stehen". Meisner zeigte sich zudem enttäuscht über die mangelnde Unterstützung der Türkisch-Islamischen Union Ditib, der Bauherrin der Kölner Zentralmoschee.
German „Skandalös“
Dec 12, 2008
Kardinal Meisner enttäuscht über türkischen Staat

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner sieht die Chancen für den Bau eines christlichen Pilgerzentrums im türkischen Tarsus deutlich gesunken. Die vom türkischen Staat 1943 beschlagnahmte Kirche des Apostels Paulus in Tarsus werde weder zurückgegeben noch für 30 Jahre verpachtet, sagte der Erzbischof am Donnerstagabend dem Internet-Fernsehen des „Kölner Stadt-Anzeiger“, „ksta.tv“, in Köln.
Anfang der Woche habe er aus dem türkischen Tourismusministerium erfahren, dass die mündliche Zusage von Ende November „ein Missverständnis“ gewesen sei, sagte der Kardinal. Man wolle der katholischen Kirche lediglich ein Grundstück auf dem Gelände der benachbarten ehemaligen Baumwollfabrik zur Verfügung stellen, auf dem sie ein Gotteshaus bauen könne, das aber nach 30 Jahren wieder an den Staat zurückfalle. „Wie wir behandelt werden, finde ich skandalös“, sagte der Erzbischof.

Er wolle aber in seinen Bemühungen „nicht locker“ lassen, auch „um den Europäern die Augen zu öffnen, dass hinter den türkischen Worten keine Taten stehen“, sagte der Kardinal. Meisner zeigte sich enttäuscht über die mangelnde Unterstützung der Türkisch-Islamischen Union Ditib, der Bauherrin der Kölner Zentralmoschee.

Die Kirche des Apostels Paulus in Tarsus war nach der Beschlagnahmung zunächst als Militärlager genutzt worden und dient jetzt als Museum. Hintergrund der Initiative der katholischen Kirche, in Tarsus eine Pauluskirche und ein Pilgerzentrum zu errichten, ist das am 28. Juni eröffnete internationale Paulusjahr.
German Kardinal Meisner wirft Bankern "Habsucht" vor
Dec 12, 2008
Er ist bekannt für scharfe Worte: der Kölner Kardinal Meisner. Jetzt kritisierte er die Habsucht von Bankmanagern, die die Bürger in eine Finanzkrise gebracht habe. Meisner warnte vor einer neuen Weimarer Republik: "Aus einer solchen Situation haben wir einen Kerl wie Hitler bekommen."

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat mit Blick auf die globale Finanzkrise die „Habsucht“ von Bankmanagern kritisiert. Es erfülle ihn mit „heiligem Zorn“, wie Banker mit dem Geld anderer umgegangen seien und „uns weithin in diese Situation gebracht haben“, sagte der Erzbischof dem Internet-Fernsehen ksta.tv des „Kölner Stadt-Anzeigers“.
Meisner sagte wörtlich: „Ich dachte immer, sie sind Treuhänder des Kapitals anderer Leute, und dass es bei ihnen in guten Händen ist“. Es dürfe nun keine Situation wie in der Weimarer Republik entstehen. „Aus einer solchen Situation haben wir einen Kerl wie Hitler bekommen, da müssen wir wirklich wachsam sein“, unterstrich der Kardinal.

Streitpunkt Türkei
Der Kölner Kardinal übte auch scharfe Kritik an der Türkei. Dabei geht es um die Zusage zur Nutzung einer christlichen Kirche in Tarsus. „Wie wir behandelt werden, finde ich skandalös“, sagte Meisner. Das türkische Kultusministerium habe mündliche Versprechen nicht gehalten und im Nachhinein als „Missverständnis“ bezeichnet. Er wolle aber an dem Thema „dran bleiben“, betonte Meisner. „Auch um den Europäern die Augen zu öffnen, dass hinter den türkischen Worten keine Taten stehen.“

Der Kardinal sagte, das türkische Kultusministerium habe ihm im November mündlich zugesagt, die Pauluskirche in Tarsus für 30 Jahre pachtweise für eine kirchliche Nutzung freizugeben; ein Verkauf sei nicht in Frage gekommen, weil denkmalgeschützte Gebäude dem Staat gehörten. Damit wäre er einverstanden gewesen, so der Kardinal.

Doch inzwischen sei diese Zusage als „Missverständnis“ bezeichnet worden. Die katholische Kirche könne nun allenfalls einen Teil einer benachbarten Baumwollfabrik bekommen und dort eine Kirche bauen, müsse das Gelände aber nach 30 Jahren zurückgeben. „Wir würden den Muslimen hier auch nicht sagen: Ihr könnt eine Moschee bauen, aber nach 30 Jahren nehmen wir sie euch wieder ab“, kritisierte Meisner.
Der Kardinal und andere Bischöfe appellieren seit längerem an die Türkei, dauerhaft eine Kirche in Tarsus zu genehmigen. Anlass ist das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene Paulusjahr, das Mitte 2009 endet. Bei einem Besuch in Tarsus im Oktober verwies Meisner auf das Recht auf Religionsfreiheit, das auch für Minderheiten gelte.
German Meisner zieht Parallele zwischen Bankenkrise und Aufstieg Hitlers
Dec 12, 2008

Köln - Der Kölner Kardinal Joachim Meisner warnt unter dem Eindruck der derzeitigen Wirtschaftskrise vor Verhältnissen wie am Ende der Weimarer Republik. «Da haben wir dann so einen Kerl wie Hitler bekommen», sagte der 74-jährige Erzbischof im Internetfernsehen ksta.tv des «Kölner Stadt-Anzeiger». «Da müssen wir wirklich wachsam sein.» Es erfülle ihn mit «heiligem Zorn», wie die Banker mit dem Geld anderer Leute umgegangen seien, zitierte ihn der «Stadt-Anzeiger» am Freitag. «Ich dachte immer, sie wären Treuhänder des Kapitals anderer Leute, dass es bei ihnen in guten Händen ist.»
German Im Gebet verbunden
Dec 10, 2008
Kardinal Meisner kondoliert zum Tod von Alexij II.

Zum Tod von Patriarch Alexij II. hat Erzbischof Joachim Kardinal Meisner dem in Düsseldorf residierenden russischorthodoxen Erzbischof Longin kondoliert. Der gemeinsame christliche Glaube lehre, dass der Tod kein Verschwinden, sondern ein Wechsel „von der Vorläufigkeit in die Endgültigkeit, von der Fremde in die Heimat“ sei, schreibt Meisner.

Dennoch bedeute der Tod Trennung und Abschiednehmen. Dem verstorbenen Patriarchen sei er gelegentlich persönlich begegnet und ihm und den ihm anvertrauten Gläubigen stets im Gebet verbunden gewesen, so der Kardinal. „So bete ich auch weiterhin für Patriarch Alexij II., dass der Herr alles Gute seines priesterlichen und bischöflichen Dienstes annehme und alles, was bruchstückhaft und unvollendet geblieben ist, in seiner Liebe vollenden möge.„
German Finanzkrise darf nicht zu Lasten der Ärmsten gehen
Dec 10, 2008
Kölner Erzbischof gegen Kürzungen bei Entwicklungshilfe

Köln, 10.12.08 (KAP) Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner warnt angesichts der Wirtschaftskrise davor, die Entwicklungshilfe zu kürzen. "Es ist zu befürchten, dass es ausgerechnet die Ärmsten in der Welt besonders hart trifft, wenn jetzt die Entwicklungshilfe finanziell zurückstehen muss", sagte er am Mittwoch in einem Interview mit der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA in Köln. Die Verantwortlichen in der Wirtschaft sollten sich bewusst machen, dass hinter ihren "unvorstellbaren Milliardensummen" konkrete Menschen stünden.

"Wir sind herausgefordert, uns für arme Menschen tatkräftig einzusetzen", betonte der Erzbischof. Durch die Krise würden Familien in ihrer Existenz bedroht. Zahllose Arbeitsplätze seien in Gefahr. "Die Wirtschaft muss den Menschen dienen, und die Verantwortlichen müssen ihrer Verantwortung auch wirklich gerecht werden", sagte Meisner.

Zugleich sprach er Betroffenen der Finanzkrise Mut zu: "Nicht jede irdische Katastrophe wird zur Lebenskatastrophe." Letztlich sei der größte Reichtum, den ein Mensch haben könne, der Glaube an Gott. Meisner: "Mit meinem Gott springe ich über Mauern, sagt der Psalmist. So lässt sich über viele Tiefs hinwegkommen."

Im Blick auf seinen 75. Geburtstag am 25. Dezember sagte Meisner, er hoffe, die Feiern und Festreden gut zu überstehen: "Da wird einiges über mich hinwegrollen." 800 Gäste seien geladen. Er wünsche sich, von den Gratulanten nur Dinge zu hören, "an die die Redner auch glauben", sagte der Erzbischof augenzwinkernd.

Aus Anlass des Geburtstags sind für 11. Jänner ein Dankgottesdienst im Kölner Dom und eine Festakademie im Kölner Maternushaus geplant. Zelebrieren wird Kardinal Peter Erdö aus Budapest, der Vorsitzende des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), mit dem Meisner befreundet ist.
German Gotteslinie schneidet Weltlinie
Dec 06, 2008
Die meisten der Heiligen, die im Kölner Dom und in den weiteren Kirchen der Domstadt verehrt werden, stammen von außerhalb. Nicht so der hl. Bruno. Gastautor Joachim Kardinal Meisner erklärt den Sinn des Kreuzes im Kartäuserorden.

Kardinal Josef Frings pflegte die Bezeichnung „Heiliges Köln“ damit zu erklären, dass die vielen Heiligen, die im Dom und in den Kölner Kirchen verehrt werden, von außerhalb kämen. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel: Der hl. Bruno, gestorben am 6. Oktober 1101 in Kalabrien (Unteritalien), war ein Kölner. Er entstammte einer Patrizierfamilie aus dem Kunibertsviertel. Der von ihm gegründete Kartäuserorden ist in der katholischen Kirche der einzige, der noch nie reformiert zu werden brauchte, weil er in großer Treue an seinem Ordensideal festgehalten hat. Und sein Ideal ist das Kreuz. „Stat crux, dum volvitur orbis“ schrieb der hl. Bruno über jede Pforte seiner vielen Klöster: „Das Kreuz steht fest, während die Welt sich dreht.“ Das Kreuz ist, um es formelhaft zu sagen, das Plus gewordene Minus der Welt durch den Einsatz Gottes. Die horizontale Weltlinie wurde von der vertikalen Gotteslinie durchkreuzt, so dass daraus dann das Pluszeichen entstand.

Die Kartäuser beginnen immer am 14. September die große Fastenzeit, die bis zum Osterfest andauert. An dem Datum feiert die Kirche den Tag, an dem die hl. Helena, Mutter Kaiser Konstantins des Großen, der Überlieferung nach im Jahre 320 in Jerusalem das Kreuz Christi auffand. Die lange Fastenzeit hat den Sinn, die Mönche der Gestalt des Kreuzes anzugleichen. Sie haben „horizontal“ die Lasten, Sorgen und Leiden der Welt zu den ihrigen zu machen, um ganz besonders durch ihr Gebet und ihren radikalen Einsatz vor dem Angesichte Gottes die weltliche Minuslinie von oben her „vertikal“ durch die Gotteslinie zu durchkreuzen. Darum sind die schweigenden Mönche, die nie predigen und in der Öffentlichkeit auftreten, so wichtig für das Heil der Welt geworden. Und in Verfolgungszeiten waren sie immer die ersten, die als Christen zu Opfern wurden. Der unheilige Geist wittert wohl die Zentren Gottes in der Welt, die zugunsten der Welt präsent sind.

In Köln gab es immer eine große Kartause. Die Kirche und das Areal des Klosters sind heute noch in der Südstadt erhalten und dienen der Evangelischen Kirche in Köln als Verwaltungszentrum. Das alte Kar-täuserkloster ist im Zuge der Säkularisation untergegangen. Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts befand sich im Erzbistum Köln noch eine Kartause in Düsseldorf. Sie wich dem Bau des Flughafens. Heute besteht sie in der Marienau in der Nähe von Bad Wurzach (Allgäu) fort - als einziges Kartäuserkloster im deutschsprachigen Raum.

Vor einiger Zeit wurde in unseren Kinos der Film „Die große Stille“ von Philip Gröning gezeigt, der mehr als zweieinhalb Stunden dauert. In ihm wird kaum ein einziges Wort gesprochen, es wird nur das Leben der schweigenden Kartäusermönche dargestellt. Der Film hat eine sehr starke Ausstrahlung. Je-der spürt, dass hier Christentum konsequent gelebt wird. Der Kreuzesmann aus Köln, der hl. Bruno, hat der Welt ein Vermächtnis hinterlassen, das seinesgleichen sucht.
German Gottesglaube gut für die Gesellschaft
Dec 05, 2008
Kardinal Meisner: Religionen wirken sich positiv auf den Sozialstaat aus

Ein Rechts- und Sozialstaat muss nach Ansicht des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner Interesse an der Existenz von Religionsgemeinschaften haben. Der Gottesglaube habe nachweislich positive Auswirkungen auf das soziale Leben, sagte er am Mittwochabend in Düsseldorf.
Der Erzbischof sprach beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Katholischen Büros in Düsseldorf. US-Studien hätten bewiesen, so der Kardinal dass religiöse Menschen weniger anfällig für Drogen, Kriminalität und psychische Probleme seien. Jede Gemeinschaft brauche eine tragfähige Ethik. „Wenn Gott nicht existierte, wäre alles erlaubt“, zitierte Meisner den Schriftsteller Fjodor M. Dostojewski.

Die Kirchen hätten viel Konkurrenz in der Sinnstiftung bekommen, erklärte Meisner. Wenn ihre Werte verloren gingen, entstehe eine Lücke, die sich „mit alternativen Sehnsuchtsbewegungen und fundamentalistischen Sekten“ fülle. Der zu Recht weltanschaulich neutrale Staat könne diese Lücke nicht selbst füllen. Er müsse auch daher am Bestehen der Kirchen interessiert sein, so der Kardinal.

Meisner hob hervor, dass die Kirchen keine Gesellschafts- oder Wirtschaftsmodelle normativ vorschreiben wollten. Vielmehr gehe es ihnen darum, die eigenen Werte in die gesellschaftliche Gestaltung und Debatte einzubringen. Der Kardinal bezeichnete dies vor allem als Aufgabe der Laien in der Kirche, die darin oft bessere Fachleute seien.

Das Katholische Büro in Düsseldorf vertritt als Kontaktstelle die fünf Diözesen in Nordrhein-Westfalen gegenüber Landtag und Regierung. Sie war 1958 als erstes Länderbüro der Kirche in Deutschland gegründet worden. An dem Empfang am Gründungsort Maxhaus nahmen rund 200 Vertreter aus Politik, Kirchen und Medien teil, darunter Landtagspräsidentin Regina van Dinther und NRW-Familienminister Armin Laschet (CDU).
German Meisner „macht noch ein bißchen weiter“
Nov 28, 2008

Kardinal Joachim Meisner bleibt bis auf weiteres Erzbischof von Köln. Papst Benedikt hat den Rücktritt, den Meisner nach den Regeln des Kirchenrechts eingereicht hat, nicht angenommen, sondern bittet den Metropoliten um einen Verbleib im Amt. Ein entsprechendes Schreiben wurde Kardinal Meisner über die Nuntiatur in Berlin zugestellt. Meisner wird am Ersten Weihnachtsfeiertag 75 Jahre alt.
„Ich habe dem Papst schon am 14. September geschrieben: Heiliger Vater, laut Kanon 401 § 1 muß ein Bischof mit vollendetem 75. Lebensjahr seine Emeritierung einreichen – das tue ich hiermit. Mach, was Du willst! Ich bereit, zu tun, was der Papst verfügt. – Und ich habe den Eindruck, der Papst gibt mir in gewisser Weise eine Retourkutsche, denn ich habe ihn zweimal vor dem Konklave besucht, eine Woche bzw. einen Tag zuvor, und ihm gesagt: Joseph, wenn das auf Dich zukommt – dass Du ja nicht nein sagst! Du mußt Papst werden! – Er: Du bist verrückt. – Ja, sag ich, um der Kirche willen nehme ich das auf mich... Und er ist immerhin, als er Papst wurde, drei Jahre älter gewesen als ich. Jetzt gibt er mir also den guten Rat zurück: Mach noch ein bißchen weiter. Wie lange, das hat er nicht gesagt.“
German Meisner bietet Rücktritt an
Nov 25, 2008
Kölns Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat dem Papst jetzt - kurz vor seinem 75. Geburtstag am 1. Weihnachtsfeiertag - seinen Rücktritt angeboten - wie dies alle Bischöfe obligatorisch tun. Thomas Franke sprach dazu mit dem stellvertretenden Bistumssprecher Christoph Heckeley.

Wie haben wir uns das Schreiben von Joachim Kardinal Meisner an den Papst vorzustellen? In welcher Sprache wurde es verfasst und mit welchen Formulierungen wurde denn Benedikt XVI. der Rücktritt angeboten?

Das weiß ich gar nicht. Bekannt ist nur, dass das Schreiben des Kardinals ganz normal mit der Post versandt wurde. Im Codex Iuris Canonici - dem Gesetzbuch der Katholischen Kirche von 1983 - heißt es zu einem Rücktrittsgesuch eines Bischofs im Kanon 401, Paragraph 1, lediglich: Mit Vollendung des 75. Lebensjahres bietet ein Bischof dem Papst seinen Rücktritt an.

Und was passiert jetzt? Steht denn zu erwarten, dass Papst Benedikt XVI. das Angebot aus Köln annimmt?

Das müssen wir zunächst abwarten. Und der Kardinal sagt selbst, er tut das, was der Papst wünscht.

Muss Erzbischof Meisner nun sein Rücktrittsangebot zu einem festgelegten Zeitpunkt - vielleicht jedes Jahr - wiederholen?

Nein, das ist nicht notwendig. Annehmen jedenfalls muss der Papst ein Rücktrittsangebot nicht.

Es heißt sogar, es könne eventuell zunächst gar keine offizielle Reaktion aus dem Vatikan auf das Schreiben geben. Wie geht es in einem solchen Fall im Erzbistum weiter?

Dann bleibt der Kardinal weiter im Amt. Ein Rücktrittsangebot wird erst mit der Annahme wirksam. Seine beiden unmittelbaren Vorgänger, Erzbischof Kardinal Frings und Erzbischof Kardinal Höffner waren beide noch mit über 80 Jahren im Amt.
German „C“ als Verpflichtung und Maßstab
Nov 17, 2008

Der Kölner Erzbischof erinnert Politiker aus „C“-Parteien an ihre Verpflichtungen. In Europa sei es „längst nicht mehr die Regel, dass Parteien die Erinnerung an ihre christliche Herkunft in ihrem Namen wachhalten“, schreibt Kardinal Joachim Meisner in einem Artikel der „Frankfurter Allgemeinen“ vom Montag. Umso mehr müßten sich „C“-Politiker „an dieser Verpflichtung messen lassen - und sich gefallen lassen, dass der dazugehörige Maßstab nicht von den Parteien selbst festgelegt wird, sondern aus den Wahrheiten und Normen des Christentums heraus, die vorgegeben sind“. Aus der Bibel lasse sich zwar kein Parteiprogramm „eins zu eins ableiten“, so Meisner: „Parteien, die dies immer wieder versuchten, sind bisher in unserem Land ohne Erfolg geblieben, und das hat sicher seinen guten Grund.“ Aber Bibel und christlicher Glaube enthielten „sehr wohl einige zentrale Vorgaben für die Politik“, vor allem in Sachen Menschenwürde und Lebensschutz. Das christliche Menschenbild, von dem Politiker gerne sprächen, komme „in der politischen Praxis leider oft zu kurz“, urteilt der Kardinal. Und wörtlich: „Wie kann es sein, dass vor einigen Monaten in der Entscheidung des Bundestages über das Stammzellgesetz sowohl Gegner als auch Befürworter der embryonalen Stammzellforschung meinten, sich auf dasselbe christliche Menschenbild berufen zu können, bedauerlicherweise sogar bis in die evangelische Kirche hinein? Hier zeigt sich, dass die Berufung auf dieses Menschenbild für viele offenbar zur bloßen Formel verkommen ist.“
German Segen für Wesselinger Rettung
Nov 16, 2008
Bei der Einsegnung der neuen Rettungswagen in Wesseling lässt sich der hohe Hirte von Kindern helfen und verleiht dabei für kurze Zeit seinen Stab.

Wesseling / Brühl - Kardinal Joachim Meisner ist in Fahrt. Eindringlich beschwört er in seiner Predigt die Gemeinde - „liebe Freunde“, wie er sie nennt - die Kirche zu ehren, denn sie sei die Leiter in den Himmel. Die Kirche St. Marien ist 50 Jahre alt geworden, und es kommt dem Kardinal zu, die Ehrenpredigt zu halten. Deswegen geht es um die Bedeutung der Kirche, sowohl symbolisch als auch im Leben der Menschen. Diese Kirche sei die direkte Verbindung zwischen der Stadt Wesseling und dem himmlischen Jerusalem. Aber er wäre nicht der streitbare Kölner Erzbischof, wenn er nicht Seitenhiebe auf die modernen Zeiten und Eitelkeiten austeilte. Er redet gegen Selbstverwirklichung und die Idee, die Erde ohne Perspektive auf den Himmel retten zu können.

Doch dann beendet er seine philosophischen Ausführungen und kehrt zurück in die Realität: Schließlich geht es bei seinem Besuch in Wesseling neben dem Kirchenjubiläum auch um die Einsegnung eines Rettungswagens und eines Personenwagens, die für die Malteser Brühl-Wesseling bestimmt sind. Er lässt sich dabei, ganz Hirte, von Kindern aus der Gemeinde helfen, die aussuchen dürfen, welcher Wagen zuerst drankommt. Anschließend dürfen sie sogar selbst segnen. Den Hirtenstab hält ein weiterer Junge während der Zeremonie. Als dieser den Stab zurückgeben muss, schaut er ein wenig traurig. Er müsse erst Bischof werden, um wieder einen zu bekommen, sagte Meisner gut gelaunt.
German Kardinal Meisner: Union soll christliches Menschenbild ernstnehmen
Nov 16, 2008

Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner hat die Unionsparteien ermahnt, die Berufung auf das christliche Menschenbild nicht zur bloßen Formel verkommen zu lassen. Niemand könne ernsthaft behaupten, dass sich aus der Bibel ein Parteiprogramm oder parteipolitische Handlungsanweisungen eins zu eins ableiten ließen, schrieb der Kölner Kardinal in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Montagsausgabe). Bibel und christlicher Glaube enthielten aber einige zentrale Vorgaben für die Politik. „Sie betreffen vor allem die Würde und das Lebensrecht des Menschen.“ Dieses sei „unverhandelbar, für jede Partei und für jeden Staat, der beansprucht, ein Rechtsstaat zu sein“.
German Kardinal Meisner kommentiert neues Fachbuch von Hänsel-Hohenhausen
Nov 14, 2008
Kardinal Meisner: Eine verantwortlich durchgeführte Forschung gerät niemals in Konflikt mit dem Glauben.
Kommentar des Kardinals zum Essay „Ich denke, also glaube ich“ von Markus v. Hänsel-Hohenhausen

(firmenpresse) - Die These von Hänsel-Hohenhausen: Glauben und Vernunft sind keine Gegensätze, wie heute ganz allgemein geglaubt wird, sie stehen auch nicht zusammenhanglos nebeneinander, sondern sie bedingen sich wechselseitig. Die Spaltung der Wirklichkeit in Materie, die das Leben der modernen Gesellschaft prägt, und in Geist, der angeblich nicht existiert, soll die behauptete Eigenmacht des Subjekts sichern. Diese angebliche Herrschaft des Individuums über eine geistfreie, materielle Welt macht es jedoch in Wahrheit nicht frei, sondern, da es nur noch Materie gibt, verfügbar. Es gibt keinen anderen Ort mehr, wenn es nur noch Materie gibt. Seine Freiheit von der Diktatur des Materialismus kann das Individuum nur durch Kenntnis zurückgewinnen, die darin mündet, daß Glauben und Vernunft in Wahrheit zwei Perspektiven auf dieselbe eine Wirklichkeit sind.
Um diese These zu prüfen, argumentiert die Schrift nicht theologisch, sondern betrachtet die Naturwissenschaften (Mathematik (Mengenlehre, Logische Antinomien, Endlichkeit des Invariantensystems, Goldbachscher Satz, Zahlensymmetrien, Goldener Schnitt, Fraktale, Iteration, Gödel, Hilbert, Raumkrümmung und Geometrie etc.), Biologie (Zikadenzyklen, Einnistung des Fötus, Evolutionstheorie etc.), Physik (Quantentheorie, Unschärfe, Teilchenphysik als Supersymmetrie, Anthropisches Prinzip etc.), Wissenschaftstheorie (Reduktivität, Binarität, Analogie als Beweistechnik, Entpersonalisierung, Hypothetisierung, Intuition, Eidetik)).

Kardinal Meisner verweist hierzu in seinem Vorwort zum Buch Hänsel-Hohenhausens auf das Zweite Vatikanische Konzil: Eine saubere und verantwortlich durchgeführte Forschung werde „niemals in einen echten Konflikt mit dem Glauben kommen, weil die Wirklichkeiten des profanen Bereichs und die des Glaubens in demselben Gott ihren Ursprung haben“.
Der Kardinal mahnt allerdings auch an: „Immer wieder ist zu beobachten, wie Naturwissenschaftler signifikante Ergebnisse ihrer Forschungen präsentieren, bei deren Interpretation aber doch deutliche Grenzen demonstrieren. Zugleich hinkt ebenso mancher Geisteswissenschaftler dem hinterher, was man heute wissen kann. Ob es zu Beginn des 3. Jahrtausends einen doctor universalis wie einst den großen heiligen Albertus überhaupt noch geben kann, wage ich nicht zu sagen – aber ganz gewiß fehlt er uns.“
German Roggendorf: Kardinal Meisner erinnert an Samtene Revolution
Nov 14, 2008

Wien, 14.11.08 (KAP) An die kirchliche Vorgeschichte der tschechoslowakischen Samtenen Revolution des "Wende"-Jahres 1989 hat der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, bei der Monatswallfahrt des Benediktinerpriorats Maria Roggendorf bei Hollabrunn erinnert. Er habe in seiner Zeit als Bischof von Berlin - mit Sitz in Ostberlin - zahlreiche tschechische Priester geheim geweiht. Als am 12. November 1989 die Premysliden-Prinzessin Agnes von Böhmen (1211-82) von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde, seien viele dieser Priester nach Rom gekommen, berichtete Meisner.

Die meisten dieser Priester seien vor der Heiligsprechungsfeier 1989 "nieöffentlich in Erscheinung getreten", in Rom aber hätten sie erstmals konzelebriert. Meisner wörtlich: "Ich habe einem gesagt: 'Seid ihr verrückt? Wenn ihr wieder nach Hause kommt, werde ihr alle eingesperrt!' Sie antworteten: 'Wir gehen nicht mehr in die Katakomben. Wir bekennen unser Priestertum ab heute in aller Öffentlichkeit - komme, was da kommen mag!' Und was kam: die sogenannte Samtente Revolution".

Zu den prominenten Bischöfen, die im geheimen für Böhmen, Mähren und die Slowakei Priester und Diakone geweiht hatten, gehörte auch der Krakauer Erzbischof Karol Wojtyla, später Papst Johannes Paul II. Vor allem aber waren Bischöfe im ehemaligen Ostdeutschland Konsekranten: Neben Meisner waren das in erster Linie die inzwischen verstorbenen Bischöfe Gerhard Schaffran von Dresden (1912-96) und der Erfurter Bischof Hugo Aufderbeck (1909-81).
German Predigt beim Gottesdienst mit dem Zentral-Dombau-Verein im Dom zu Köln am 9. November 2008
Nov 09, 2008

Liebe Schwestern, liebe Brüder!
1. Die Heilsgeschichte ist von Anfang an eine Suche des Menschen nach der letzten Heimstatt. Die Erde
ist bewohnbar, weil Gott sie für den von ihm geliebten Menschen als eine solche Heimstatt bereitet hat. Aber
sobald sich sein Herz umdreht und er seinen Ursprung vergisst, wird die Heimstatt zum Versteck für seinen
Egoismus. Sie öffnet sich dann nicht mehr zum Empfang und zur Begegnung, sondern sie verschließt sich in
Selbstgenügsamkeit und Selbstgerechtigkeit. Und nun macht sich Gott auf den Weg, um den Menschen zu
suchen: „Adam, wo bist du?“ (Gen 3,9), so heißt es am Anfang der Zeiten in der Schöpfungsgeschichte des
Alten Testamentes. Und als die Fülle der Zeiten gekommen war, spricht Jesus: „Der Menschensohn ist gekommen,
um zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Lk 19,10).
Darum ist die Geschichte Gottes mit dem Menschen von Anfang an immer auch die Geschichte der Suche
Gottes nach dem Menschen. Gott findet den Menschen dann unverlierbar im Gottmenschen Jesus Christus,
der vom Vater ausgeht, in die Welt kommt, ein menschliches Antlitz annimmt, um uns dann in das Haus Gottes
zurückzuführen. Haben das die beiden ersten Jünger geahnt, als sie auf die Frage Jesu: „Was wollt ihr?“
antworteten: „Meister, wo wohnst du?“ (Joh 1,38). Es war um die zehnte Stunde, fast wie jetzt. Sobald das
Herz Mariens ganz vom Glauben durchwohnt war – „Ich bin die Magd des Herrn“ (Lk 1,38) – wohnt oder
haust der Sohn Gottes in Treue auf dieser Erde inmitten seiner Kirche bis zur Vollendung der Zeiten.
2. Seitdem ist die Kirche der theologische Ort, wo Gott gesucht und gefunden werden möchte. Damit
steigert die Kirche die Bewohnbarkeit dieser Welt. Wie die Ansehnlichkeit unserer Städte und Dörfer durch
die Kirchen gesteigert wird – Was wäre Köln ohne seinen Dom? –, so wird durch die Anwesenheit Gottes in
unserer Welt die Bewohnbarkeit der Erde gesteigert. Denn nur dort gibt es noch Raum für den Menschen, wo
die Welt auch immer noch für die Gegenwart des lebendigen Gottes eingeräumt ist. Das aus Steinen erbaute
Haus Gottes, die Kirche, ist ein Raum unserer Welt. Und doch ist sie durch die Konsekration, durch die Weihe,
zu einem durch die Auferstehung Christi aufgesprengten Raum geworden. In ihm feiern wir das Geheimnis
seines Leibes, die heilige Eucharistie. Diese Stätte wird dabei zu einem Ort, wo die Verheißung „Letzte Heimstatt“
sich erfüllt. Denn der Tod ist letztlich dann nur noch der Umzug von einem Raum dieses Hauses in den
anderen.
3. Das Haus des Vaters wird uns in diesem Raum, in unserem Dom, sakramental, d.h. real zeichenhaft,
erfahrbar. Seine Wände öffnen sich jenseits ihrer selbst auf das kommende Reich Gottes zu. Die Steine, gesalbt
vom heiligen Chrisam, werden die lebendigen Steine des neuen Jerusalem. Der Altar in unserer Mitte
zeigt, dass dieser Raum ein dem kommenden Christus geöffneter Raum, ein wartender Raum und ein erfüllter
Raum ist. Der Raum eines Hauses erwartet die Ankunft seiner Bewohner. Der sakramentale Raum dieser
Kathedrale ist Träger einer ganz neuen Erwartung. Über die feiernde Gemeinde hinweg steht er offen, hin zu
denen, die nicht anwesend sind oder die nicht wissen, dass ihre wahre Heimstatt der Leib Christi, das ist die
Kirche, ist. Für die Nichtanwesenden und für die Nichtwissenden, die aber mit uns berufen sind, wird täglich
seit Jahrhunderten an dieser heiligen Stätte die heilige Eucharistie gefeiert. Als Zeichen für den wartenden
Vater ist dieser Raum Zeichen einer Gegenwart, die reines Geschenk, reine Gnade, Teilhabe, Friede und Freude
im Heiligen Geist ist. Deshalb ist dieser Ort Erwartung und Erfüllung zugleich. Und darum singen wir bei jeder
Eucharistiefeier: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst
in Herrlichkeit“. Die sakramentale Gegenwart von Tod und Auferstehung in unserem Dom ist die Garantie für
die zukünftige Herrlichkeit im Himmel.
4. Deshalb müssen unsere Kirchen offene Häuser sein! Der versperrte Kirchbau ist Ausdruck einer Kirche,
die nicht mehr von innen her offen sein kann, weil sie dem Ungeist der Zeit von außen nicht mehr gewachsen
ist. Solche Kirchen werden dann zu Museen, wenn sie geschlossen sind, und sie werden ausgeraubt,
wenn sie offen stehen bleiben. Dass unser Dom immer geöffnet ist, vom frühen Morgen bis zum späten
Abend, lassen wir uns etwas kosten. Und damit wird deutlich, dass wir eine „offene Kirche“ sind: für alle
Menschen guten Willens offen.
Der Dom ist nicht nur der Raum, in dem am frühen Morgen etwas geschieht und dann noch vielleicht am
Abend, und dann steht er den ganzen lieben langen Tag leer. – Nein, hier im Dom ist immer Kirche, weil in
ihr das Geheimnis der Eucharistie gegenwärtig bleibt, wie uns der Tabernakel in der Sakramentskapelle anzeigt,
und weil wir im Zugehen darauf immerfort im Gottesdienst der liebenden, der glaubenden und der
betenden Kirche eingeschlossen sind. Das Maß der inneren Offenheit der Kirche wird sich darin zeigen, ob sie
ihre Türen offen halten kann, weil sie auch eine durchbetete Kirche ist. In jedem menschlichen Haus ist der
Raum Vermittler von Gegenwart. In diesem Hause Gottes können wir – Dank seiner grundsätzlichen Offenheit
auf Gott hin – seinem Worte lauschen, können es betrachten, können von ihm gleichsam aufgesogen
werden. Und das Schweigen, das uns dabei umfängt, ist ein integraler Bestandteil des sakramentalen Raumes
dieser Kirche selbst. Das Schweigen des Herzens ist unsere Antwort auf das uns geschenkte göttliche Wort.
Das Schweigen der Augen ist unsere Hingabe an das uns erleuchtende Licht.
5. Alles in unserer Welt unterliegt der Abnutzung, dem Verbrauch, des Alterns. Darum sind hier immer
wieder Gerüste an unserem Dom sichtbar, um den Alterungsprozess der Steine, des Holzes oder des Glases
aufzuhalten. Nur Christus selbst ist diesem Prozess entzogen, denn er ist derselbe, gestern, heute und in
Ewigkeit. Alle Reiche dieser Welt sind begrenzt durch die beiden Geschichtszahlen: von – bis. Nur das Reich
Gottes dauert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Indem Christus hier auf dem Domberg seit fast 2000 Jahren gegenwärtig
ist, bekommt der Domfelsen mit dem Gotteshaus Anteil an der Dauer Christi, der derselbe gestern,
heute und in Ewigkeit ist. Christus ist das Fundament, das diesen Dom trägt.
Die christliche Kunst gibt Christus, dem Kind, schon den schweren Erdball in seine Kinderhände. – Der Herr
trägt. Die Menschen laden ihm später das Kreuz auf seine Schultern. – Der Herr trägt. Und schließlich wälzen
sie dann den Stein, die Last der Sünde auf sein Ostergrab. – Der Herr trägt. Christus gibt in der Person des
Petrus, der der Patron unseres Domes ist, seiner Kirche teil an seiner tragenden Kraft. Von sich aus ist Petrus
nur der Stolperstein. Von Christus aus ist er der tragende Fels. Der Grundstein, der den ganzen Bau trägt, ist
den Blicken der Menschen entzogen. Das scheint mir ebenfalls ein Gesetz im Reiche Gottes zu sein, dass die
eigentlich tragenden Kräfte der Kirche immer verborgen sind. Man sieht sie nicht, aber sie tragen das Ganze.
Das ist nicht nur im Leben der Kirche so, dass ist auch im Leben der einzelnen Christen so. Wir stehen auf den Schultern derer, die vor uns geglaubt, gehofft und geliebt haben. Ich kenne viele bedeutende Menschen in
Kirche und Welt, die nur deshalb eine Rolle gespielt haben, weil sie von irgendeinem anderen entdeckt, gefördert
und getragen wurden. Ohne sie gäbe es diese bedeutenden Persönlichkeiten nicht.
Weil Christus das Fundament dieses Hauses ist, darum haben unsere Vorfahren nicht auf Sand gebaut, und
darum sind die enormen finanziellen Anstrengungen des Zentral-Dombau-Vereins, nicht Geld, das in den
Sand gesetzt ist, sondern das auf dem Felsen aufbaut, der Christus selbst ist und von dem es heißt: „Die
Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18). Amen.
+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Eine Behörde schiebt die Entscheidung auf die andere ab
Nov 06, 2008
Kardinal Meisner bei Priesterrat zum geplanten Gotteshaus in Tarsus: "Seitens der türkischen Regierung „hören wir immer nur große Worte, aber wir sehen keine Taten

Köln (kath.net/PEK)
„Die Geistliche Berufung zum Priester- und Ordensstand im Erzbistum Köln“ war das Schwerpunktthema des Priesterrats, der vom 4. bis 6. November zu seiner diesjährigen Herbsttagung in Bensberg zusammengekommen war. In seinem Impulsreferat hob Erz­bischof Joachim Kardinal Meisner hervor, die Sorge um Priesterberufungen müsse „das lebendige Anliegen der ganzen Diözese auf Dauer hin“ sein. Religiös lebendige Pfarrgemeinden, christliche Familien, ein überzeugender Religionsunterricht und geistliche Angebote für suchende junge Menschen seien wesentliche Voraussetzungen für das Entstehen geistlicher Berufungen, auch wenn diese sich weder soziologisch noch psychologisch vollständig erfassen ließen.

Im allgemeinen Teil berichtete Kardinal Meisner über die fortgesetzten Bemühungen, im türkischen Tarsus eine bestehende Kirche übernehmen oder ein neues Gotteshaus bauen zu dürfen.
Seitens der türkischen Regierung „hören wir immer nur große Worte, aber wir sehen keine Taten“, bedauerte der Erzbischof. Nach den wohlwollenden Äußerungen von Ministerpräsident Erdogan im vergangenen Februar in Köln habe zuletzt auch der Präsident der obersten Religionsbehörde der Türkei, Ali Bardakoglu, in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ das Kirchbauprojekt in Tarsus ausdrücklich befürwortet.

Doch das Paulusjahr sei schon weit fortgeschritten, aber im Geburtsort des Völkerapostels gebe es keine Fortschritte, kritisierte Meisner. „Eine Behörde schiebt die Entscheidung auf die andere ab.“ Er habe deshalb in einem neuerlichen Schreiben an die türkische Regierung auf eine klare Antwort gedrängt.

Der Priesterrat informierte sich schließlich über den Stand des Strukturreform-Projekts „Wandel gestalten – Glauben entfalten“. Demnach haben bisher 174 Seelsorgebereiche ein Votum über ihre künftige Struktur abgegeben. Davon werden 100 Seelsorgebereiche Pfarreiengemeinschaften bilden, in 39 Seelsorgebereiche werden die Pfarreien fusioniert. In 13 Seelsorgebereichen laufen noch abschließende Beratungen, und 22 Seelsorgebereiche sind bereits fusioniert. - Zukünftig wird es im Erzbistum Köln 182 Seelsorgebereiche geben.
German Liebe der Menschen geht über Tod hinaus
Nov 02, 2008
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat in seiner Predigt zu Allerseelen auf die über den Tod hinaus währende Liebe der Menschen hingewiesen. „Die Liebe unserer Mitmenschen geht weiter“. Das sagte Kardinal Meisner im Kölner Dom. Auch die Solidarität und Dankbarkeit dauerten über den Tod hinaus an. Allerseelen ist im Festjahr der römisch-katholischen Kirche der Tag, an dem durch Gebet, Almosen und Fürbitte die Leiden der sogenannten armen Seelen oder der Verstorbenen im Fegefeuer erleichtert werden sollen.

Predigt zum Allerseelentag am 2. November 2008 im Hohen Dom zu Köln

Liebe Schwestern, liebe Brüder!
Im Schatten des Allerheiligentages steht der Allerseelentag. Alle Nebel und Dunkelheiten von Allerseelen weichen
vor der Sonne, die uns an Allerheiligen aufgegangen ist. Die Friedhofspforte wird uns dann zum Tor des Lebens.
Das Ego sum unserer Begräbnisliturgie, d.h. „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ ist stärker als das Lied vom
Schnitter Tod. Inmitten der Gräber steht normalerweise das Kreuz. Es reicht weit über den Friedhof hinaus mit
seinen Armen und seiner Liebe. Schützend und bergend hält der Gekreuzigte seine Arme auch über die Gräber
derer, die keine geweihte Unterkunft für ihre müden Leiber gefunden haben. Die Liebe des Kreuzes, in dessen
Zeichen sie starben, hat alle Schuld bezahlt und alle Sünde in Gnade verwandelt. Diese Gnade des Kreuzes wird für
unsere Verstorbenen wirksam durch unsere Gebete und Opfer. Wir feierten an Allerheiligen nicht bloß das Fest
derer, die in den Listen der kanonisierten Heiligen stehen. Wir feierten auch das Fest derer, die der Liebe Gottes ihr
Vertrauen nicht versagten.
Und damit sind wir schon beim Allerseelentag. Wir feiern heute das Gedächtnis derer, die geirrt haben, die
schwach waren, die aber zuletzt doch in die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes hineingestorben sind. Wir
feiern das Gedächtnis derer, die in ihrem Leben ganz schlichte und unbekannte Menschen waren, denen aber der
Herr vielleicht nach der Zeit der Läuterung, die wir Fegefeuer nennen, die Krone des Ewigen Lebens bereitet hat.
Es geht eine große Kraft von diesen beiden Tagen aus, die uns viel von der Ohnmacht des Menschen und der Allmacht
der Liebe Gottes erzählen können.
Wer aus der Dunkelheit in das helle Sonnenlicht gerät, dem wird zunächst schwarz vor den Augen, dessen Augenlicht
muss sich erst langsam an die strahlende Sonne gewöhnen. Das ist im Ewigen Leben nicht anders. Wer
aus dem Dunkel dieser Welt, in der er vielleicht dem Lichte Gottes gegenüber sehr verschlossen war, nach seinem
Tode in das strahlende Licht Gottes kommt, dem wird schwarz vor den Augen, der muss sich erst langsam und
mühsam an das überwältigende Licht der Liebe Gottes gewöhnen. Das nennen wir „Fegefeuer“. Und hier können
wir durch unser Fürbittgebet unseren Verstorbenen helfen, dass ihnen die Augen für die Herrlichkeit der Liebe
Gottes aufgehen, ohne von ihr geblendet zu werden.
Ich habe als Kind noch den Friedhof um unsere Heimatkirche erlebt. Die Sprache eines solchen Friedhofs habe
ich bis heute nicht vergessen. Das Gotteshaus, gebaut um den Tabernakel, in dem das Herz Gottes schlägt, strömt
eine Kraft aus, in deren Geborgenheit die Gräber so ruhig liegen wie Kinder in den Armen der Mutter. Nirgendwo
habe ich die Botschaft vom Ewigen Leben so intensiv empfunden wie auf unserem Friedhof, dessen Gräber sich dicht an die schützende Wand der Kirche heranschmiegten, die das ewige Licht im doppelten Sinne birgt. Die Welt
mag, so lange sie will, außerhalb der Friedhofsmauern ihre Tragödien und Komödien spielen. Auf den Friedhöfen
gelten diese Kulissen nichts. Hier ist in Wirklichkeit der Vorhof des Reiches Gottes. „Die Seelen der Gerechten sind
in Gottes Hand … In den Augen der Toren sind sie gestorben …; sie aber sind in Frieden“ (Weish 3,1-3), sagt die
Heiligen Schrift.
Wer im Schatten eines solchen Friedhofes, der gleichzeitig auch Kirchhof ist, aufgewachsen ist, der weiß um die
Wucht der Predigt, die stumme Gräber halten können. So ein sonntäglicher Gang zum Gotteshaus mitten durch
die Gräber der Verwandten und Freunde ist die beste Vorbereitung für die Mitfeier der heiligen Messe, in der alle
Rätsel des Lebens und Sterbens ihre Lösung finden, wenn das Kreuzesgeschehen Christi auf dem Altare gegenwärtig
wird. Wie ruhig kann das Auge der aus dem Gottesdienst Heimkehrenden dann auf die schlichten Grabkreuze
mit den bekannten Namen blicken, wenn sein Auge vorher gläubig auf den Kelch mit dem heiligen Blute Christi
geschaut hat. Was hat das Schwere und die Härte des Lebens, was hat die Not des Sterbens dann zu bedeuten,
wenn dahinter die Liebe wartet, von der der Kelch mit dem Blute Christi bei der heiligen Messe gesprochen hat?
Wir trauern um unsere Toten, weil wir auch ihre Liebe und ihre Sorge um uns entbehren. Manche meinen, da
stecke eine große Portion Egoismus darin. Vielleicht stimmt das! Aber der Mensch braucht Liebe und Sorge seiner
Mitmenschen, sonst verkümmert er wie eine Topfpflanze ohne Wasser. Darum bewegt uns in diesen Tagen des so
genannten Allerseelenmonats November die Dankbarkeit im Gedenken und im Gebet gegenüber unseren Verstorbenen.
Dankbarkeit für alles Gute, das wir von ihnen empfangen haben, das wir oft als so selbstverständlich angenommen
hatten und das uns erst in seiner ganzen Bedeutung für uns aufgeht, wenn sich der Sargdeckel über
einem lieben Menschen schließt. Darum bewegt uns oft auch Schuldbewusstsein, das manchmal am Grab zu spät
lebendig wird, weil wir dem Verstorbenen zu wenig für seine Treue und Liebe im Leben gedankt haben.
Freilich lässt uns der Glaube in dieser Situation nicht ohne Trost, weil er für die Dankbarkeit noch Wege über
das Grab hinaus weiß, indem wir für unsere Verstorbenen beten können, und die von Gott Heimgerufenen können
auch für uns vor Gott einstehen. Aber wir brauchen eigentlich gar nicht die Sorge und Liebe unserer Verstorbenen,
um uns nicht auf der Verlustseite unseres Daseins zu sehen, sondern der Allerheiligentag hat uns gezeigt, dass
ihre Sorge um uns wirksamer und kraftvoller wird, indem sie teilhaben an der Liebe Gottes, die nun in Fülle in ihre
Herzen ausgegossen worden ist. Wir leben alle mit dem lieben Gott. „Wer zum Herrn heimkehrt, der bleibt in der
Familie“, sagt der hl. Hieronymus ausdrücklich. Allerheiligen und Allerseelen sind Feste der Völker. Wir feiern und
beten für die, die aus allen Nationen kommen. Diese Tage sind Feste der Schwarzen und der Weißen, der Gelben
und der Roten. Sie sind wirklich Feste der internationalen oder besser der übernationalen Völkerfamilie.
Das Fest des Lebens feiern wir, und zwar des Leben mitten zwischen zwei Jahreszeiten: Der Herbst und der Winter
sind die Zeiten derer, die den Tod noch vor sich haben; der Frühling und der Sommer gehören zu denen, die im
Glauben den Tod überwunden haben. Im Schatten des Allerheiligentages steht darum der Allerseelentag. Wir singen
unsere Todeserfahrung in dem bekannten Kirchenlied: „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“. Aber
seit der Auferstehung Christi muss das Lied andersherum heißen: „Mitten im Tod sind wir vom Leben umfangen“.
Unsere Heiligenfeste und unser fürbittendes Gedenken an die Verstorbenen wollen uns begleiten, und sie möchten
uns wie liebe Freunde und Mahner sein, damit wir nicht von der Spur abkommen. Die Heiligen und unsere
Verstorbenen sind ein Geschenk Gottes. Wir sollten diese Geschenke in großer Dankbarkeit annehmen. Sie können
uns zu jener ruhigen Gelassenheit verhelfen, die einem gläubigen Christen zu Eigen sein soll. Die Zeit wird uns alle
wieder vor ihren Karren spannen. Wir werden alle Kärrner sein müssen bis zu jenem Tag, da Christus, der König,
kommt, um uns heimzuholen. Aber wir brauchen den Karren nicht allein zu schieben. Die Liebe unserer Mitmenschen,
die uns einmal im Leben beiseite standen, geht weiter. Aber auch unsere Solidarität und Dankbarkeit mit
ihnen gehen weiter, über das Grab hinaus. „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns
an ihm freuen!“ (Ps 118,24). Amen
+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Kardinal bei Nightfever
Oct 22, 2008
Junge Christen sprachen am Samstag dem 18. Oktober 2008 im Rahmen der Veranstaltung „Nightfever“ Passanten an und luden sie zum Beten in dem Dom. Die meisten nahmen das Angebot an und ließen sich von der ganz besonders feierlichen Atmosphäre beeindrucken. Erstmals nahm auch Joachim Kardinal Meisner teil.

Innenstadt - Während auf der Hohe Straße die Wagen der Abfallwirtschaftsbetriebe die letzten Samstagseinkäufer zur Seite drängen und Männer in Orange den Müll einsammeln, den die Fußballfans hinterlassen haben, ist es im Dom ganz ruhig, nur eine Chorsängerin ist zu hören. Kerzen weisen den Weg vom Eingang des Nordportals bis zum Hochalter, wo vor dem Dreikönigen-Schrein das Allerheiligste, die Monstranz, steht. Auf Holzbänken sitzen die Menschen dicht beieinander und beten oder schreiben ihr Gebetsanliegen auf Zettel, die sie in einen Korb legen. Es sind gläubige und ungläubige Menschen, die zu „Nightfever“ in der Kathedrale zusammenkommen.

Junge Christen schenken auf der Domplatte Passanten ein Teelicht und laden sie ein, in den Dom zu kommen, um einen Moment innezuhalten. Die meisten nehmen das Angebot an, schleppen sämtliche Einkaufstaschen mit und lassen sich von der ganz besonders feierlichen Atmosphäre beeindrucken.

Zum 22. Mal findet die Veranstaltung statt, die auf die Initiative zweier Bonner Studenten zurückgeht, die unter dem Eindruck des Weltjugendtags 2005 zum ersten Mal fremde Menschen ansprachen und zum Beten bewegten. Danach gab es auch in anderen Städten „Nightfever“-Abende, in Köln wurden schon 1500 Menschen pro Veranstaltung auf den kleinen Pilgerweg in den Chorumgang gelockt. Wer reden oder beichten möchte, kann zu einem der Priester gehen, die sich entlang des Weges aufhalten. Erstmals nimmt dieses Mal auch Joachim Kardinal Meisner teil. In der Heiligen Messe überbringt er die besten Wünsche von ganz oben. „Der Papst zählt auf euch!“, sagt Meisner, der extra einen Tag früher von der Bischofssynode in Rom zurückgekehrt ist. „Ich habe dem Papst von »Nightfever« erzählt und Urlaub bei ihm beantragt.“ Das motiviert Caroline (16). „Wenn die Menschen merken, wie hilfreich es sein kann, mit anderen zu beten, kommen sie vielleicht wieder.“
German Entscheidend war, was Pius XII. tat, nicht was er sagte
Oct 22, 2008
Kölner Erzbischof würdigt bei Vortrag in Wien Eugenio Pacelli als "überragenden theologischen Lehrer" - Scharfe Kritik an Dramatiker Hochhuth: "Das ist emotional aufgeladene Geschichtsklitterung"

Wien, 16.10.08 (KAP) Als "überragenden theologischen Lehrer" hat Kardinal Joachim Meisner Papst Pius XII. gewürdigt. Bei einem Vortrag am Mittwochabend vor der "Österreich-deutschen Kulturgesellschaft" in Wien betonte der Kölner Erzbischof das theologische Erbe des Pacelli-Papstes und dessen große Auswirkungen auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965). Abgesehen von Zitaten aus der Heiligen Schrift sei beim Konzil keine Persönlichkeit so häufig zitiert worden wie Pius XII., so Meisner. Eine erneute Rezeption des reichhaltigen Werkes des Pacelli-Papstes sei "an der Zeit". Der Kölner Kardinal ging aber auch auf die Debatte um das Verhältnis von Pius XII. zum Nationalsozialismus ein. In diesem Zusammenhang wies der Kölner Erzbischof die Kritik vom "Papst, der geschwiegen hat" zurück: Entscheidend sei gewesen, was Pius XII. getan, und nicht was er gesagt oder worüber er geschwiegen habe.

Scharfe Kritik übte Meisner am Dramatiker Rolf Hochhuth, dessen 1963 uraufgeführtes Theaterstück "Der Stellvertreter" die These vom "Schweigen" des Pacelli-Papstes verbreitet hatte. Hochhuths Polemik sei inzwischen "in die Jahre gekommen", sagte der Kölner Erzbischof: "Sie hat auch durch die sich steigernde Aggressivität des Schriftstellers keine neue Überzeugungskraft gewonnen". Zuletzt habe Hochhuth seine Thesen nur dadurch retten können, dass er sich dem Dialog mit den neuen wissenschaftlichen Ergebnissen über Pius XII. verweigerte, meinte Kardinal Meisner. Hochhuths Darstellung, Pius XII. habe selbst dann noch geschwiegen, als die Juden Roms unter seinen Fenstern abtransportiert wurden, bezeichnete er wörtlich als "emotional aufgeladene Geschichtsklitterung".

Pius XII. habe zwar nicht verhindern können, dass die am 16. Oktober 1943 verschleppten 1.000 jüdischen Männer, Frauen und Kinder aus Rom ermordet wurden, so Meisner: "Die sofortige Reaktion von Pius XII. Reaktion führte aber dazu, dass nach dem 17. Oktober keine Massendeportationen aus Rom mehr stattfinden konnten". Zudem sei bereits zuvor rund die Hälfte der 8.000 Juden, die damals in Rom lebten, in Einrichtungen der Kirche untergebracht worden.

These vom "schuldhaften Schweigen" verfehlt

Kardinal Meisner kritisierte, dass die These vom "Papst, der geschwiegen hat" heute häufig als "eine selbstverständliche Tatsache" präsentiert werde, die keiner Überprüfung mehr bedürfe. Dabei sei längst keine Forschung mehr notwendig, um die These vom schuldhaften Schweigen des Papstes zurückzuweisen. Es lägen dazu vielfältige Ergebnisse der Zeitgeschichteforschung vor: "Das bezieht sich sowohl auf tatsächliche Stellungnahmen als auch auf die vielfältigen Formen humanitärer Unterstützung und diplomatischer Hilfe, für deren Erfolg es unabdingbar war, dass sie gerade nicht in der Öffentlichkeit passierte".

In seiner Weihnachtsansprache 1942 prangerte Pius XII. öffentlich die Verfolgung der vielen Hunderttausenden an, "die persönlich schuldlos, manchmal nur um ihrer Volkszugehörigkeit oder ihrer Abstammung willen dem Tod geweiht oder einer fortschreitenden Verelendung preisgegeben sind". Zur Kritik, dass der Papst damals nicht deutlich genug geworden sei, meinte Kardinal Meisner: "Pius XII. war überzeugt, dass alle verstanden, was sie da hörten". Und die empörte Reaktion der Nationalsozialisten auf die Ansprache habe gezeigt, dass die Botschaft auch in dieser Form des "uneigentlichen Sprechens" angekommen sei: "Die Rede ist eine einzige Attacke gegen alles, für das wir einstehen ... Er (Pius XII.) beschuldigt das deutsche Volk, Ungerechtigkeit gegenüber den Juden zu begehen und macht sich zum Sprecher der jüdischen Kriegsverbrecher", zitierte der Kölner Erzbischof zum Beleg aus Akten des NS-Reichssicherheitshauptamtes.

Gegen ein "offenes Wort" habe gesprochen, dass davon kein praktischer Erfolg zu erwarten gewesen wäre, erklärte Kardinal Meisner. Das Beispiel der Niederlande sei für Pius XII. "abschreckend" gewesen. Am 26. Juli 1942 hatten die niederländischen Bischöfe in einem Hirtenbrief die Maßnahmen der deutschen Besatzer gegen die Juden mit deutlichen Worten angeprangert. Als Antwort wurde die Verfolgung auch auf alle Christen jüdischer Herkunft ausgedehnt.

War nicht "Hitlers Papst"

Der Kölner Erzbischof wandte sich auch gegen die Position, wonach der "autoritäre antibolschewistische Eugenio Pacelli" mit dem antibolschewistischen Deutschen Reich sympathisiert habe und so zu "Hitlers Papst" geworden sei. "Pacelli sah das Dritte Reich zu keinem Zeitpunkt als Bollwerk des christlichen Abendlandes gegen die Ausbreitung des Bolschewismus durch die Sowjetunion und riet auch Papst Pius XI. dringend davon ab, solche Pläne in Erwägung zu ziehen", sagte Kardinal Meisner. Aus der eindeutigen Ablehnung des Bolschewismus durch Pacelli in Theorie und Praxis habe sich keine Unterstützung des Nationalsozialismus ergeben.

Vielmehr habe die Glaubenskongregation unter aktiver Beteiligung des damaligen Kardinal-Staatssekretärs Eugenio Pacelli in den Jahren 1935/36 Gutachten ausarbeiten lassen, die Nationalsozialismus, Rassismus, Kommunismus und Totalitarismus in gleicher Weise als Häresien verurteilten, so Meisner.

Die Beziehung Pius XII. zu Hitler sei eine Beziehung gegenseitiger Abneigung, ohne jeden persönlichen Kontakt gewesen. "Für Pacelli gab es weder weltanschaulich noch persönlich irgendeine Verbindung zu Adolf Hitler", unterstrich der Kölner Erzbischof. Allein seine Erfahrungen mit den kommunistischen und nationalsozialistischen Bewegungen während seiner Zeit als Nuntius in Deutschland hätten dafür ausgereicht, keinerlei Sympathien für die eine oder die andere Ideologie zu empfinden.

Zu dem Vortrag Kardinal Meisners konnte der Vorsitzende der "Österreichisch-deutschen Kulturgesellschaft", der frühere Bundesratspräsident Prof. Herbert Schambeck, u.a. den Apostolischen Nuntius, Erzbischof Edmond Farhat, sowie die Diözesanbischöfe Egon Kapellari, Klaus Küng und Elmar Fischer begrüßen.
German "Gott ist Fixpunkt unseres Lebens"
Sept 30, 2008
Der letzte Sitzungstag der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz wurde heute Morgen mit einer Pontifikal-Messe im Fuldaer Dom vor rund 200 Gläubigen eröffnet. Hauptzelebrant Joachim Kardinal Meisner (Köln) gedachte zunächst in einer Schweigeminute den im vergangenen Jahr verstorbenen Bischöfen Elmar Maria Kredel (Erzbischof, Bamberg) und Wolfgang Rolly (Weihbischof , Mainz).

(Osthessen News) 25.09.08 - FULDA - In seiner Predigt zeichnete der 74-Jährige das Leben des theologisch umstrittenen Heiligen Niklaus von Flüe nach, dessen Gedenktag am heutigen Donnerstag gefeiert wird. "Der heilige Klaus von der Flüe kann uns in seiner Berufung den Blick auf Gott hin freimachen. Denn ohne Gott, ohne diesen Fixpunkt außerhalb unserer selbst verrutscht das ganze Koordinatensystem unseres Lebens", so der Kölner Kardinal.

Hier die heutige Predigt von Joachim Kardinal Meisner IM WORTLAUT:

"Es gibt kaum einen Heiligen, der so viel Unverständnis und Ablehnung hervorruft, wie Bruder Klaus, der Landesvater und der Friedensstifter der Eidgenossenschaft in der Schweiz. Als Fünfzigjähriger – seine 10 Kinder waren schon erwachsen –, verließ er am 16. Oktober 1467 Haus, Hof und Familie, um irgendwo als Einsiedler eine Klause zu suchen und sich ausschließlich Gott hinzuwenden. Übrigens, etwas Ähnliches spielte sich im Leben der hl. Johanna Franziska von Chantal ab. Als junge Mutter von 29 Jahren mit 4 Kindern wird sie im Jahre 1601 Witwe. Mit 38 Jahren verlässt sie die gut versorgte Familie, um Gott in der Gründung des Heimsuchungsordens zu dienen. Und als sich dabei ihr Sohn Celse-Benigne in die Tür legte, um die Mutter in der Familie festzuhalten, schritt sie über ihn hinweg.

Auch das provoziert und rückt die Heilige in die Nähe des Pathologischen. Nur als Mutter Teresa von Kalkutta die Geborgenheit der Gemeinschaft bei den Loretoschwestern verlassen hatte, um Gott in den Armen zu dienen, nimmt niemand Ärgernis. Das passt wohl eher in unsere Vorstellungen von Gott und seinen Erwählten. " Nur wer Gott kennt, kennt den Menschen“, sagt Romano Guardini. Wir können aber auch umgekehrt sagen: Nur wer den Menschen kennt, der kennt auch Gott“. Der Lebensweg dieser ersten beiden großen Heiligen ist ein Hinweis darauf, wer Gott ist. Er ist nicht der gutmütige Großvater, der zu allem, was der Mensch sagt, denkt oder tut, „Ja“ und „Amen“ zu sagen hat, sondern diesen Gott erkennt man an seinen Forderungen. Sicher ist aus der Lebensberufung des hl. Niklaus von der Flüe keine Regel abzuleiten, aber das gibt es: Gott ist absoluter Herr des Himmels und der Erde und natürlich auch Herr des Menschen, sodass er im Einzelfall einen solchen Menschen aus den engsten Familienbanden herauslöst, um mit ihm seine speziellen Ratschlüsse in der Welt zu verwirklichen.

Er ist wirklich, wie der hl. Ignatius von Loyola definiert, der „Deus semper maior“, d. h. der je größere Gott, den wir mit unseren Denkkategorien nicht einfangen können. Ich persönlich habe am Schicksal des hl. Klaus von der Flüe mehr von der Gotteslehre begriffen als später in den theologischen Vorlesungen: Gott ist Herr, der Mensch ist sein Geschöpf, und der Christ ist Kind Gottes und Bruder Jesu Christi. Und wie der Vater im Himmel seinem Sohn vieles zum Heile der Menschen zugemutet hat, so tut der Sohn das mitunter an einem Menschen: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt“ (Joh 15,9). Und die Liebe Gottes wird oft in seinen Zumutungen an uns Menschen deutlich. Was ist das für ein Gott?

Ist er der Wirkliche oder müssen wir ihn uns erst als solchen erdenken? Ist er der Wahre oder müssen wir die Wahrheit selbst erfinden? Gott ist, das bedeutet: Es gibt die Hoheit der Wahrheit; es gibt die Würde des Rechts über allen Zwecken und über alle Interessen hinaus; es gibt den unantastbaren Wert des irdisch Wertlosen, z. B. den Wert des unheilbar Kranken, die Würde des ungeborenen Kindes; es gibt die Anbetung Gottes selbst, sein Lob, dass den Menschen vor der Diktatur der Zwecke und Zwänge schützt und allein imstande ist, ihn vor der Diktatur der vielen Götzen zu verteidigen. Was entsteht hier für eine Welt? Wahrlich, hier trifft das Herrenwort zu: „Wie im Himmel, so auf Erden“.

Das wird im Leben von Bruder Klaus von der Flüe deutlich. Seine Christusnachfolge wirkt wirklich befreiend. Denn der Grund dazu liegt nicht in den Dingen, die man ihm wegreißen und aus den Händen schlagen kann, sondern er liegt in der innersten Tiefe seines Daseins gegründet, die keine Macht der Welt zu entreißen vermag, nämlich im Dasein Gottes selbst. Jeder äußere Verlust sollte ihm zu einer Hinführung auf dieses Innerste werden und ihn reifer machen für seine missionarische Berufung an seinem Volk. Gottes Dasein ruft den Menschen in seiner Christusnachfolge über sich selbst hinaus. Es befreit ihn aus allen Bindungen an Menschen und Welt und erhebt ihn zu Gottes Größe. Wie wir wissen, geschieht das zugunsten der Menschen.

Der hl. Niklaus von der Flüe wurde auf einen Weg geführt, auf dem er nicht in die Versuchung kam, sich selbst oder die Dinge, die ihm am Herzen lagen, zu vergöttern. Auf einem solchen Weg klinkt der Mensch sich aus all dem aus, was für ihn eigentlich gang und gäbe ist, sich selbst zu bestimmen und zu verwirklichen. Wer heute – wie der hl. Niklaus von der Flüe damals – sagt, es gebe nur den einen und einzigen Gott, der wendet sich gegen die Anbetung der Macht und dagegen, Politik oder Reichtum oder Vergnügen oder Menschen absolut zu setzen. Dort, wo der Mensch sich Gott entzieht, da greifen all diese Dinge wie Götter nach dem Menschen. Aber wer wie Bruder Klaus von der Flüe sich ganz Gott verschreibt, der muss sich nicht mehr auf sich selbst stellen, der muss den Sinn seines Lebens nicht mehr in den Menschen oder Dingen um sich herum suchen, der braucht sich nicht mehr selbst von irgendetwas zu befreien, sondern der kann sich immer nur wieder befreien lassen.

Im hl. Bruder Klaus ist uns Gott so nahe und zugänglich geworden, dass wir ihn erreichen können. Gott ist so ohne Grenzen, dass er sich auf das Maß von Niklaus von der Flüe eingelassen hat. Seine kleine schlichte Klause hatte zwei Fenster. Das eine führte in die angrenzende Kapelle auf das Kreuzesbild über dem Altar, und das andere Fenster führte zu dem kleinen Vorplatz, zu dem permanent Menschen kamen, um in ihrer Not und Ausweglosigkeit seinen Rat zu erbitten. Gott reicht in das Geringste der Menschen hinein, weil nichts zu gering für ihn ist. Das macht er an Niklaus von der Flüe deutlich. Das höchste Wesen verliert sich nicht im Abstrakten. Es ist keine reine Mathematik des Alls, sondern lebendige persönliche Zuwendung. Gott ist nicht nur der „Deus semper maior“, der je größere Gott; er ist auch der „Deus semper minor“, d. h. der je kleinere Gott. Er passt in unsere Maße hinein. Und Niklaus von der Flüe ist in seinen kleinen und eng begrenzten Lebensverhältnissen ein authentischer Dolmetscher der großen Ratschlüsse Gottes für die Menschen und darum gerade für unsere Situation eine lichtvolle Gestalt.

Wem werden denn die Menschen in unserer von Zweifeln und Abfall geprägten Gesellschaft glauben? – Die Antwort kann doch eigentlich für vernünftige Menschen nur lauten: „Gott glauben“, denn er ist der Einzige, der den Glauben des Menschen rechtfertigt und nicht enttäuscht. Und wir glauben Gott nicht, um gut durchs Leben zu kommen, um einen festen Halt zu haben, um moralisch aufgebessert zu werden oder um die Welt zu erklären oder die Gesellschaft zu verbessern.

Nein, unser Gott ist keine Art von Zulieferungsbetrieb von Ersatzteilen für beschädigte menschliche Existenzen. Gott ist nicht Ersatzteil, „Gott ist mein Anteil auf ewig“, wie der Psalmist sagt (Ps 73,26). Dabei erinnert er sich an seinen Ackeranteil, den er bei der Landverteilung durch Auslosung erhalten hat. Von diesem ausgelosten Ackerteil muss er leben. Gott ist mein Lebensunterhalt, mein Lebenselixier. Er fungiert dabei nicht nur für uns als Geber aller guten Gaben, nein, er ist die gute Gabe selbst. Wir glauben Gott – wie Niklaus von der Flüe –, weil wir etwas von ihm erfahren haben, was für uns wahr ist, was uns Freude macht, was uns fasziniert und was wir den anderen einfach weitersagen möchten. Er erhält uns, und er trägt uns. Nicht wir fassen Gott an und halten ihn, sondern Gott fasst uns an und hält uns, und zwar jeden einzelnen Menschen.

„Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat“ (1 Joh 4,10), sagt der Apostel Johannes. Diese Verhältnisbestimmung ist die Mitte allen Glaubens und allen Vertrauens. Vertrauen ist nur ein anderer Name für Glaube. Vertrauen ist nicht zuerst Leistung des Menschen, sondern immer Geschenk Gottes. Der Grund unseres Glaubens liegt außerhalb von uns selbst. Nicht gläubige Gefühle in uns und die mehr oder weniger glaubensfeindliche Welt um uns sind entscheidend für unseren Glauben! Unser Glaube hat seinen Grund außerhalb von uns und unserer Umwelt, nämlich in Gott allein. Aber dieser außer uns liegende Grund steht zu uns in einer festen Beziehung.

Im Kreuz Christi greift Gott in unsere Welt ein und fasst uns buchstäblich unter die Arme. Darum werden wir manchmal gegen unsere eigenen Erfahrungen Gott darin Recht geben müssen, dass wir von ihm geliebt sind. Dafür steht der hl. Niklaus von der Flüe in der Kirche und in der Welt: Als Geschöpft Gottes trägt Niklaus von der Flüe die Spuren Gottes tief verborgen in sich selbst. In seinen Sehnsüchten nach Gott bewegten sie sein Herz, das nun für sein Volk offen stand. „Nur wer Gott kennt, der kennt den Menschen“, und nur wer den Menschen kennt, der kennt Gott. Wir lernen diesen Gott in der Klause im Ranft kennen, in der Niklaus von der Flüe betet und den Menschen beisteht.

Alles Machen-können nützt nichts, wenn wir nicht wissen, wozu es dient, wenn wir nicht mehr fragen, wer wir sind und was die Wahrheit der Dinge ist. Wenn nur jenes Wissen zählt, das sich am Ende durch ein Machen-können ausweisen lässt, dann sind wir kurzsichtige Toren, die ihr Leben auf Sand gebaut haben. Nur der inneren Wachsamkeit und der Fühlsamkeit für das Ganze der Welt, nur einer Demut des Denkens, die bereit ist, sich der Majestät der Wahrheit zu beugen, vor der wir nicht Richter, sondern Bettler sind, zeigt sich Gott als Urgrund der Welt. Das erleben wir in der Klause von Sachseln mehr als vielleicht in einem Hörsaal. Wenn schon gilt, dass die großen Ergebnisse der Wissenschaft sich nur langer, wachsamer und geduldiger Arbeit öffnen, die bereit ist, sich immer neu korrigieren und belehren zu lassen, dann versteht sich von selbst, dass die höchsten Wahrheiten eine große Beständigkeit und Demut des Hörens verlangen.

Es geht hier um die Urhaltungen des Menschen überhaupt. Sie sind bei Bruder Klaus von der Flüe zu lernen: Nur dem demütigen Vernehmen, das sich durch keine Verweigerung entmutigen und sich weder durch Beifall noch durch Widerspruch verführen lässt, öffnet sich die Hoheit der Wahrheit und damit der Zugang zur wahren Größe Gottes und des Menschen. Wo wirklich Glaube gelebt wird – wie in der Klause im Ranft –, da geschieht etwas, was die Welt im Innersten berührt und verändert: Sie wird Anwesenheitsort Gottes und Berührungspunkt des Menschen mit Gott selbst. Amen."
German Keine Ängste schüren
Sept 21, 2008
Kardinal Meisner kritisiert „Anti-Islamisierungskongress“.

(domradio.de, 19.9.2008) Auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat den für das Wochenende in der Domstadt geplanten „Anti-Islamisierungskongress“ der rechtsgerichteten Organisation „Pro Köln“ kritisiert. „Die Lösung kann nicht darin bestehen, Ängste bewusst auszunutzen oder gezielt zu schüren,“ sagte er der aktuellen Ausgabe der „Kölner Kirchenzeitung“ und dem domradio. Mit Blick auf den Moscheebau betonte er, Religionsfreiheit sei ein hohes Gut. Zugleich erneuerte Meisner seine Forderung nach Religionsfreiheit für Christen in der Türkei, er wolle aber keine „Gegenrechnungen aufmachen“.

Frage: Herr Kardinal, die Stadt Köln hat den großen Moscheebau in Ehrenfeld genehmigt. Was sagen Sie dazu?
Meisner: Ich sage das, was ich die ganze Zeit betont habe: Die Kirche setzt sich in unserem Land ebenso wie überall für Religionsfreiheit ein. Wir haben hier ein hohes Gut in der Hand. Es bedeutet, dass gläubige Menschen Gotteshäuser errichten und sich in diesen zum Beten und Feiern des Gottesdienstes versammeln können. Die muslimischen Mitmenschen in unserem Land dürfen, wenn sie dies wünschen und dazu die nötigen finanziellen und baulichen Voraussetzungen erfüllen, selbstverständlich in Köln oder anderswo Moscheen errichten. Wie und wo diese im Einzelnen entstehen sollen, ist nicht von der Kirche oder vom Kölner Erzbischof zu entscheiden. Dafür - das habe ich immer wieder gesagt - sind die Planer und politischen Entscheider zuständig.

Frage: Sie haben sich auf der anderen Seite mehrfach dafür stark gemacht, dass die Christen in der türkischen Stadt Tarsus, dem Geburtsort des Apostels Paulus, eine eigene Kirche und ein Pilgerzentrum brauchen. Welchen Zusammenhang zwischen Moscheen und Kirchen sehen Sie?
Meisner: Es geht in der Tarsus-Debatte um dasselbe Grundrecht, über das ich eben im Hinblick auf die Moschee gesprochen habe. Die Religionsfreiheit gilt in der Türkei ebenso wie in Deutschland. Es handelt sich um ein Menschenrecht, und jeder Staat, zumal wenn er auf eine Aufnahme in der Europäischen Union setzt, muss dieses Recht international garantieren. Mehr möchten wir Christen von den türkischen Behörden nicht - aber weniger eben auch nicht.

Frage: Die Kölner Moschee ist nun mal beschlossen. Wie weit dagegen sind wir vom Zugang zur Pauluskirche in Tarsus entfernt?
Meisner:Die türkischen Behörden haben den Christen in Tarsus zugestanden, dass sie während des Paulusjahrs, das noch bis zum nächsten Sommer dauert, die alte Kirche am Ort für Gottesdienste nutzen können und dass sie dafür keinen Eintritt bezahlen müssen. Eigentlich betrachtet der Staat das Gebäude aber nicht als Kirche, sondern als Museum, und das ist unter dem Aspekt der rechtlich garantierten Religionsfreiheit einfach zu wenig. Die Christen in der Türkei und insbesondere Tarsus brauchen dauerhaft und über das Paulusjahr hinaus ein festes Gotteshaus und ein Pilgerzentrum. Das ist unser Ziel. Deswegen bleibe ich in dieser Sache zusammen mit meinem katholischen Mitbruder in der Türkei, Bischof Luigi Padovese, hart am Ball, damit wir nicht erst am Ende des vom Papst ausgerufenen Paulusjahres eine Entscheidung seitens der türkischen Behörden bekommen, sondern schnellstens.

Frage: Das Paulusjahr ist inzwischen schon fast drei Monate im Gang, und Sie werden mit einigen deutschen Bischöfen Ende September auf Pilgerfahrt in die Türkei fahren. Werden Sie bis dahin mehr wissen?
Meisner: Das hängt nicht von uns ab, sondern von den türkischen Politikern und Behörden, denn sie sind am Zug. Ich habe schon zweimal dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan geschrieben, nachdem er sich laut Pressemitteilungen bei seinem Deutschlandbesuch Anfang das Jahres positiv zu unserem Anliegen geäußert hatte. Eine Antwort habe ich von ihm bisher nicht bekommen. Wir wollen definitiv wissen, mit was die Christen in der Türkei und alle Pilger auf den Spuren des Apostels Paulus rechnen dürfen. Im Moment ist die Rede davon, dass die Christen möglicherweise eine ehemalige Baumwollfabrik im Zentrum von Tarsus für ihre Zwecke nutzen können. Dies hat mir der türkische Kultur- und Tourismusminister Ertugrul Günay vor Wochen geschrieben. Aber auch hier warten wir auf klare Ergebnisse. Es muss endlich vorangehen.

Frage: Und wenn keine Entscheidung kommt oder wenn die Lage der Christen, die ja schon jetzt sehr angespannt ist, noch prekärer wird - was ist dann mit der Moschee in Köln?
Meisner: Mit der Moschee in Köln hat das unmittelbar nichts zu tun. Ich habe vor Monaten schon gesagt: Es gibt da kein Junktim. Sehr wohl erbitte ich jedoch von den hiesigen Muslimen, dass sie Verständnis und Unterstützung zeigen für unsere Wünsche in der Türkei. Die Christen brauchen nicht so viele Kirchen in der Türkei, wie die Muslime hier zu Lande Moscheen wollen. Deswegen ist es auch unsinnig, irgendwelche Gegenrechnungen aufzumachen. Ich weiß nur: Dort, wo Christen wohnen und wo das Christentum schon seit den Anfängen existiert hat wie in Tarsus, müssen sie frei und sicher ihren Glauben leben dürfen. Das ist unser Menschenrecht.

Frage: Gegner des Moschee-Projekts und insbesondere die Organisatoren des so genannten Anti-Islamisierungskongresses in Köln wollen aber stärkeren Druck machen. Wie stehen Sie dazu?
Meisner: Vom Apostel Paulus, den wir in diesem Jahr besonders intensiv betrachten, haben wir das Wort, dass wir allen um der Menschen willen alles sein sollen (vgl. 1 Kor 9,19-23). Zweifellos ein schwieriger Auftrag, aber Paulus hat sich damit als ein durch und durch weltoffener Mensch bekannt und ein bleibendes Beispiel gegeben. Ich weiß, dass Frauen und Männer, die sich als Christinnen und Christen bekennen, es mit diesem Vorbild bisweilen schwer haben. Dabei will ich mich selbst keineswegs ausschließen. Gerade bei der derzeit zu beobachtenden Zunahme großer Moschee-Bauten hier zu Lande zeigt sich aber, dass sich Grundsätze, wie wir sie bei Paulus finden, immer wieder aufs Neue bewähren müssen. Die politischen und kulturellen Herausforderungen sind enorm. Das steht fest. Aber die Lösung kann nicht darin bestehen, Ängste bewusst auszunutzen oder gezielt zu schüren, sondern wir müssen unseren eigenen Glauben zur Geltung bringen und unsere Solidarität deutlich machen, und wir müssen auf Austausch und Dialog setzen, wie es bei Paulus nachzulesen ist.

Frage: Und was würden Sie Menschen sagen, die den heiligen Paulus nicht kennen?
Meisner: Ich würde mir wünschen, wenn wir alle als Christen, Muslime oder Nichtgläubige von dem berühmten Mann aus Tarsus etwas lernten. In dem gegenwärtigen Paulusjahr wird ja neben seiner Theologie auch einiges von seinem globalen Leben, Denken und Schreiben neu ins Bewusstsein gerückt: die vielen Kulturen, in denen er zu Hause war, die Sprachen und Philosophien, die er kannte, seine literarische Vielfalt. Hiervon haben wir alle viel zu gewinnen, glaube ich, und wenn wir auf diesem Weg gerade hier bei uns in Köln auch mit den Gläubigen anderer Religionen ins Gespräch kommen könnten, würden wir daraus sicherlich sehr viel Positives erfahren. Also nicht Konflikt, sondern Dialog ist angesagt.
(Kirchenzeitung EB Köln,kna,dr)
German Ein Werk der Barmherzigkeit
Sept 05, 2008
Ein Pontifikalamt zum 155. Todestag von Friedrich Joseph Haass, dem „Heiligen Doktor von Moskau“.

(Kölner Stadt-Anzeiger, 31.08.08) Bad Münstereifel - Hoher Besuch in der Stiftskirche in Bad Münstereifel: Erzbischof Joachim Kardinal Meisner selbst war am Freitagabend gekommen, um ein Pontifikalamt zu feiern. Anlass war der 155. Todestag von Friedrich Joseph Haass, dem „Heiligen Doktor von Moskau“, der in Bad Münstereifel geboren und in der Stiftskirche getauft worden war.

Haass war in Moskau schnell bekannt geworden und arbeitete dort als Kaiserlicher Hofrat. Seine Position nutzte er, um das Los der Gefangenen zu erleichtern und sie medizinisch zu betreuen. So ließ er schwache Gefangene von ihren Ketten befreien, erreichte die Einrichtung eines Spitals für Gefangene und die Befreiung vom „Prut“, einem schweren Eisenstab. Mit eigenen Mitteln sorgte er für die Schulbildung der Kinder von Gefangenen und für die Befreiung von Leibeigenen. Noch heute wird Haass in Moskau wie auch in Bad Münstereifel für sein soziales Engagement verehrt. In der katholischen Kirche läuft derzeit für ihn ein Seligsprechungsverfahren.

Zuversichtlich

In einer fast kämpferisch anmutenden Rede vor einer gut gefüllten Stiftskirche erinnerte Kardinal Meisner an die segensreichen Werke von Haass. Er habe sein Leben lang all seine Möglichkeiten genutzt, für die Armen und Schwachen zu arbeiten. Eine Gegenleistung habe er dafür nicht erwartet. Seine Arbeit sei ein Werk der Barmherzigkeit gewesen. Darin könne er bis heute als Beispiel gelten. „Gerade in der heutigen Zeit ist Barmherzigkeit aktuell und wichtig“, so Meisner, auch wenn sie heute oft belächelt werde. Er äußerte sich zuversichtlich, dass das Seligsprechungsverfahren für Haass bald Fortschritte machen könnte. Anschließend trug er sich in das Goldene Buch der Stadt Bad Münstereifel ein.

Kardinal Meisner präsentierte sich beim anschließenden Empfang im Josefsheim als umgänglicher Mensch. Er sprach mit Kindern und Bürgern der Stadt ebenso wie mit den angereisten Würdenträgern. Das Büfett eröffnete er mit einem Segensspruch auf den Papst.
German Die Fürstin und der Kardinal
Sept 02, 2008
Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat mit Gloria Fürstin von Thurn und Taxis ein Buch geschrieben. Ihr Werk "Gespräch über Glauben und Tradition" stellten sie zuammen in der Sendung „Menschen bei Maischberger“ vor.

(Kölnische Rundschau, 01.09.08) KÖLN - Joachim Kardinal Meisner schmiedet schon Pläne für den Fall, dass der Papst ihn Ende des Jahres vom Erzbischofsposten abberuft: „Ich werde kranke und alte Priester besuchen, ich werde Exerzitien und Einkehrtage halten, und ich werde zwei Bücher schreiben“, sagte er gestern bei der Aufzeichnung der Talkshow „Menschen bei Maischberger“ in Köln. Seine Bücher seien allerdings nicht so wichtig wie jene, die der Heilige Vater schreibe.

Der Kölner Erzbischof vollendet am 25. Dezember sein 75. Lebensjahr - das ist der Zeitpunkt, an dem der Papst über seine Zukunft entscheidet. Meisner rechnet noch vor Weihnachten mit einer Antwort aus dem Vatikan.

Er werde den Papst nach den üblichen Gepflogenheiten über seinen Geburtstag informieren. Allerdings werde er ledigliche eine Note verschicken und nicht das persönliche Gespräch suchen. „Der Papst soll sich nicht durch unsere Freundschaft beeinflussen lassen.“ Kommende Woche erscheint erst mal das Buch „Die Fürstin und der Kardinal - Gespräch über Glauben und Tradition“, das er gemeinsam mit Gloria Fürstin von Thurn und Taxis (48) geschrieben hat.

Auch die Fürstin stellte sich Maischbergers Fragen. Eigentlich halte sie sich für liberal, sagte Gloria. Später äußerte sie: „Die Pille ist eine Form der Abtreibung.“ Sie rate ihren beiden Töchtern, die Pille nicht zu nehmen. Sie selbst habe auch nicht immer schwanger sein wollen und habe auf natürlich Weise verhütet - mit Hilfe des Fieberthermometers. Zudem sprach sie sich deutlich gegen den Einsatz von Kondomen als Schutz vor der Übertragung des HI-Virus aus. „Kondome gegen Aids finde ich falsch.“ Ein treuer Ehemann sei der beste Schutz. Dazu Meisner: „Der Mensch ist ein freies Wesen mit Willen. Der Mensch ist doch kein Triebbündel.“

Die 75-minütige Sendung mit dem Kardinal und der Fürstin strahlt die ARD heute in einer Woche aus.
German Kardinal Meisner «ernüchtert» über Katholizismus in Bayern
Jun 19, 2008
Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner hat sich enttäuscht über die Bedeutung der katholischen Kirche in Bayern geäußert. Der Kardinal sagte dem Magazin «Capital»: «Seit ich ein bisschen die Szenerie in Bayern kenne, bin ich ernüchtert. Das barocke Gehäuse täuscht über manche Hohlheit hinweg.»

Köln (ddp-bay, 18. Juni 2008). Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner hat sich enttäuscht über die Bedeutung der katholischen Kirche in Bayern geäußert. Der Kardinal sagte dem Magazin «Capital»: «Seit ich ein bisschen die Szenerie in Bayern kenne, bin ich ernüchtert.

Das barocke Gehäuse täuscht über manche Hohlheit hinweg.»

Meisner fügte hinzu, dies gelte «nicht nur für die CSU». Vielmehr habe er sich den Katholizismus im Freistaat «allgemein stärker vorgestellt». Es gebe hier aber beispielsweise «im Durchschnitt nicht mehr Priesteramtskandidaten als bei uns».

Meisner kritisierte den Angaben vom Mittwoch zufolge ferner, die CDU entwurzele sich «bei christlich denkenden Menschen zunehmend selbst». Er fügte hinzu: «Beim derzeitigen Zustand der Parteien gibt es keine, die uns besonders nahe steht.» Meisner sagte mit Blick auf die Stammzellen-Debatte, er nehme das «C» im Firmenschild der Union sehr ernst. Die Wahlentscheidung müsse natürlich jeder Bürger "mit seinem Gewissen vereinbaren».
German Kardinal Meisner erneuert Forderung nach Errichtung einer Pilgerstätte in Tarsus (Türkei)
Jun 10, 2008
Ohne Paulus keine Weltkirche, kein christliches Europa, keine Menschenrechte und keine Vereinten Nationen.

KÖLN/ANKARA, 10. Juni 2008 (ZENIT.org).- Um den Apostel Paulus, „den großen Verkünder des Glaubens“, angemessen zu würdigen, sollte aus Anlass des Jubiläumsjahres zur Feier seines 2.000 Geburtstages, dem so genannten Paulus-Jahr (28. Juni 2008 – 29. Juni 2009), an seinem Geburtsort Tarsus in der heutigen Türkei eine entsprechende Pilgerstätte entstehen, fordert Joachim Kardinal Meisner im „Kölner Stadt-Anzeiger“.
In einem heute veröffentlichten Gastkommentar weist der Kölner Erzbischof auf die kaum zu überschätzende Bedeutung des Völkerapostels hin und bekräftigt: „Nach menschlichem Ermessen gäbe es ohne Paulus keine Weltkirche, kein christliches Europa, keine Menschenrechte und damit keine Vereinten Nationen. Aus seiner geschichtlichen Wirksamkeit her versteht es sich von selbst, dass in seinem Geburtsort Tarsus der Christenheit und der Menschheit überhaupt eine Pauluskirche und ein Pilgerzentrum zur Verfügung stehen müssen.“

Paulus habe gewusst, dass die Menschen auf allen Längen- und Breitengraden dieser Welt die natürlichen Verbündeten Gottes seien. „Es gibt in jedem Menschen einen Anknüpfungspunkt für die Verkündigung Gottes. Dabei war Paulus ein überragender Theologe, der einerseits vieles von Gott wusste und andererseits die Menschen und die Welt sehr genau kannte. Es war ihm bewusst, in welchen Verstehenshorizont er das Wort des Evangeliums hinein zu übersetzen hatte.“

Als „Neubekehrter“ habe Paulus zudem „eine innere Ergriffenheit über das Geschenk des Glaubens und seiner Berufung“ mitgebracht. „Das verlieh der gedanklichen Tiefe seiner Verkündigung die überzeugende Kraft. Er war ein von Christus Ergriffener. Und darum konnten über ihn viele Menschen von Christus ergriffen werden.“

Kardinal Meisner, der Tarsus im Herbst mit einer Delegation der Deutschen Bischofskonferenz besuchen wird, richtete sich bereits Mitte Februar schriftlich an den türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan, um ihn zur Unterstützung des Kirchenbau-Projekts zu bewegen.

Erdogan hatte Anfang Februar bei einem Besuch in Köln seine Unterstützung für die Baupläne in Tarsus zugesagt. „Sobald die Kirche mit diesem Wunsch auf mich zukommt, werde ich mich dafür aussprechen – auch gegen meine Opposition“, erklärte er nach Angaben der Pressestelle der Stadt Köln.

Bereits im Juli 2007 hatte Kardinal Meisner im gleichen Sinn den Dialogbeauftragten der Türkisch-Islamischen Union (DITIB), Bekir Alboga, brieflich gebeten, sich als Zeichen des guten Miteinanders gemeinsam für den Bau einer Kirche in Tarsus einzusetzen.
German In Rom vermisst er den Dom
Jun 06, 2008
Zum Beten geht Kardinal Meiser nicht immer in den Dom. Lieber ist ihm die Kirche Maria in der Kupfergasse. Nach Köln wollte er eigentlich gar nicht, Berlin hätte er dem Rheinland vorgezogen.

(Kölner Stadt-Anzeiger, 05.06.08) Kardinal Joachim Meisner redet Klartext. Höflichkeit ist seine Sache nicht. Man weiß bei ihm immer, woran man ist. Das war schon 1988 so, als ihn der Papst gegen den massiven Widerstand des Domkapitels zum Erzbischof ernannte. Meisner stellte sich den Kölnern mit den Worten vor, er habe durchaus Gemeinsamkeiten mit ihnen: "Ihr habt mich nicht gewollt, und ich wollte auch nicht zu Euch." Lieber wäre er nämlich in Berlin geblieben. Mit dieser Äußerung schaffte er es bis in die "New York Times".

  Lang ist das her, und mittlerweile will Meisner nicht mehr weg aus Köln. Selbst wenn Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch annehmen sollte, das er zu seinem 75. Geburtstag am ersten Weihnachtstag dieses Jahres stellen muss, würde er in der Stadt bleiben. Ja, manchmal denkt er darüber nach, sich in einem leerstehenden Pfarrhaus im Bergischen Land zur Ruhe zu setzen, einen Hund anzuschaffen und nur noch spazieren zu gehen und zu lesen - er liest viel und querbeet, sogar Bücher von Dieter Bohlen und Hape Kerkeling. "Aber ich würde ja doch in so vielen Gremien weiterarbeiten, dass das nicht realistisch wäre", meint er. Also Köln bis zum Schluss.

  Der Kardinal und die Kölner - kein einfaches Kapitel. Von Anfang an hat es geheißen, ein so konservativer Gottesmann passe nicht in die rheinische Metropole mit ihrer betont lebensfroh-liberalen Ausprägung des Katholizismus. Der Psychiater und Bestseller-Autor Manfred Lütz diagnostiziert ein "kulturell-mentalitätsmäßiges Missverständnis" zwischen Meisner und den Kölnern: Als Schlesier habe Meisner "einen viel herberen Humor, als wir Rheinländer das gewöhnt sind".

  Immerhin: Meisner hat Humor. Als sich ein Fotograf vor ihm hinkniet, um ihn zusammen mit dem gewaltigen Westportal des Doms aufs Bild zu bannen, witzelt er: "Ach ja, früher haben sie alle vor uns gekniet - jetzt nur noch die Fotografen, und auch die nicht länger als fünf Minuten."

  Meisner ist nicht nur Schlesier, er ist auch ein Mann aus dem Volk. Der Vater fiel im Krieg, die Mutter und ihre Kinder verschlug es aus Breslau nach Thüringen, ebenso wie einige ausgebombte Kölner, an deren Küchenschrank Meisner zum ersten Mal ein Bild des Doms sah -auf einer mit Heftzwecken befestigten Postkarte. An katholischen Feiertagen verbot die tiefgläubige Mutter den vier Söhnen den Schulbesuch. "Wir hingen dann auf der Straße herum", erinnert sich Meisner.

  Es muss am Dreikönigstag 1946 gewesen sein, als ihnen der Schuster Vogel zurief, sie sollten mal herkommen, da spreche der Erzbischof von Köln im Radio. "Noch heute hab ich das helle Stimmchen vom Kardinal Frings im Ohr", erinnert sich Meisner. "Damals hab' ich mir gedacht: Ich muss auch mal in den Dom."

  Nun ist er schon seit 19 Jahren nicht nur regelmäßig im Dom, sondern sitzt dort sogar auf dem erzbischöflichen Stuhl unter seinem eigenen Wappen. Im nördlichen Querschiff hängt für jedes Jahr seiner Amtszeit eine Stange an der Wand. "Da ist schon einiges zusammengekommen, aber andererseits ist auch noch Platz."

Mehr zu sich selbst sagt er im Weitergehen: "Der Herr holt sich seine Leute nicht vom Podest, er holt sie von den Melkkübeln." So also sieht er seinen Aufstieg vom schlesischen Flüchtlingsjungen zu einem der mächtigsten Männer der katholischen Kirche in Deutschland: Es ist nicht sein Verdienst, es ist das Werk Gottes. Meisner betrachtet sich als Werkzeug des Herrn. Und das ist wohl einer der Gründe, warum er so viele irritiert.

  Auch Katholiken verfügen heute meist nicht mehr über die unumstößliche Gewissheit im Leben und im Sterben, die für frühere Generationen selbstverständlich war. Anders Meisner. So wie Don Camillo in den alten Schwarz-Weiß-Filmen Zwiesprache mit dem gekreuzigten Jesus an der Wand seiner italienischen Dorfkirche hält, so bittet auch Meisner in schwierigen Situationen ganz selbstverständlich um den Rat des Herrn.

  Einmal zum Beispiel, in der Festmesse zum Domjubiläum 1998, schoss ihm beim Anblick der vielen jungen Familien durch den Kopf, dass er die falsche Predigt vorbereitet hatte - zu verkopft, zu theologisch. "Da habe ich mir einfach gedacht, ach, ich vertraue auf den Heiligen Geist." Er fragte einen Jungen, ob er ihm helfen wolle, stellte ihn auf der Kanzel neben sich auf einen Schemel und unterhielt sich mit ihm über Gott und die Welt.

  "Der Leitgedanke war, dass man das Wichtigste im Leben nicht sehen kann. Das Fundament der Säulen im Dom zum Beispiel bleibt unsichtbar, und wenn man draußen an den Fenstern des Doms vorbeigeht, erscheinen sie schwarz, die Schönheit der Kirche sieht man erst von innen." Der Junge gab so muntere und kluge Kommentare, dass es eine Sternstunde gewesen sein soll. "Nachher ist dann die Presse zu ihm hingegangen und hat nach seinem Namen gefragt, und da stellte sich heraus, dass es Konstantin Adenauer war, ein Urenkel des Bundeskanzlers. Da hieß es natürlich sofort: "Das war doch ein abgekartetes Spiel, das haben die vorbereitet." War aber nicht so."

  Meisners Lieblingsort im Dom ist die Marienkapelle mit dem "Altar der Stadtpatrone" von Stephan Lochner - ein so berühmtes Gemälde, dass Albrecht Dürer einst Eintritt zahlte, um es sehen zu dürfen. Auch die Glocken des Doms haben es Meisner angetan; er ist davon überzeugt, dass kein Geläut schöner ist. "Wenn ich für einen Tag Papst wäre, würde ich als erstes alle Glocken von hier nach Rom holen, denn da scheppert's ja nur."

  Wenn er nur beten will, geht Meisner nicht in den Dom. "Ich liebe ihn sehr, aber meine Kirche ist Maria in der Kupfergasse, da setz ich mich einfach in die Bank." Im Umkreis des Doms wird er überall erkannt. Kaum ist er auf der Domplatte, stürmt schon eine Gruppe von italienischen Priestern auf ihn zu und will sich mit ihm fotografieren lassen. Er verständigt sich in gebrochenem Italienisch. "Das hab ich mir selbst beigebracht, autodidaktisch." Als Verständigungshilfe für seine vielen Vatikan-Aufenthalte.

  Etwa 15 Mal im Jahr muss er nach Rom. Er mag die Stadt nicht. Der Verkehr, der Lärm, die Hektik. "Wir haben hier wenigstens den Rhein, die Römer haben nichts als den Tiber. Und dann der ganze Marmor, diese Palazzi, das ist nicht meine Welt." Wenn er auch ähnlich konservativ denkt wie der von ihm bewunderte Heilige Vater, so ist er doch ein völlig anderer Mensch als der "Professor Doktor Papst". "Du mit Deinen antirömischen Affekten", sagt der manchmal scherzhaft zu Meisner, der froh ist, wenn er vom Flugzeug aus wieder den Dom erkennen kann: "Ein Pilot hat mich mal mit ins Cockpit gelassen und mir erzählt, dass er sich immer am Dom orientiert. Da hab ich gesagt: "Ach, da haben wir ja was gemeinsam.""          

Wenn Meisner durch den Dom geht, wirkt er nicht wie die "Faust des Papstes", als die ihn die Bild-Zeitung einmal bezeichnet hat. Er sucht Kontakt, vor allem zu jungen Familien. "Ich hatte immer schon einen Draht zu Kindern, über Kinder erreicht man die Eltern", sagt er. Wenn er auf Geschwister trifft, werden sofort Erinnerungen an seine eigene Kindheit mit den drei Brüdern in Schlesien wach. "Wer ist bei Euch der Mittlere?", fragt er drei Jungen aus Bayern, die mit ihrer Mutter den Dom besuchen. "Ich war der Zweite, da muss man sich durchboxen." Ein Mann hält ihm seinen dreijährigen Sohn hin: "Bitte, Herr Kardinal, segnen Sie ihn!" Als Meisner kurz vor dem Dreikönigsschrein stehen bleibt, ergreift eine alte Frau mit echter Ehrfurcht seine Hand und küsst den Bischofsring. Manche Szene im Dom wirkt wie aus einer versunkenen Zeit.

  Etwas grübelnd steht der Kardinal anschließend vor dem schimmernden Schrein und stellt sich vor, wie schon im Mittelalter die Pilger darunter hergezogen sind. Die ganze Kathedrale ist nur für den Inhalt dieses Sarges errichtet worden. Einer der größten Bauten der Christenheit - für ein paar Knochen. Die Namen derer, zu denen sie einmal gehört haben sollen, werden von der Bibel nicht überliefert. Heiliggesprochen worden sind sie nie. Dass es drei waren, ist reine Spekulation. Könige waren es gewiss nicht. Und doch werden sie von allen nur die Heiligen Drei Könige genannt.

  "Ob die Gebeine echt sind, ist für mich zweitrangig", sagt Meisner lakonisch. "Der mittelalterliche Mensch wollte den Himmel schon auf Erden berühren, daher die große Bedeutung der Reliquien." Was heute verehrt werde, sei die Idee, sich auf eine Reise zu Gott einzulassen - so wie es die Heiligen Drei Könige getan haben. Auch Meisner, der aus einer Tradition tiefer Volksfrömmigkeit kommt, ist nicht so streng in der Lehre, dass er alles aus der Bibel wörtlich nimmt. Aber wie sein ehemaliger Kardinalskollege Ratzinger wehrt er sich dagegen, einen immer größeren Teil des Glaubens nur noch als Metapher, als schönes Bild, zu sehen und je nach herrschender Strömung umzuinterpretieren.

Dazu passt, dass ihm das neue Domfenster von Gerhard Richter zu beliebig ist - er hätte sich an der Stelle eher eine explizit christliche Darstellung vorstellen können, beispielsweise Märtyrer des 20. Jahrhunderts oder den "Kampf zwischen den Mächten der Finsternis und des Lichts": "Das hätte ja gar nicht unbedingt gegenständlich sein müssen."      

  In der Krypta in den Kellergewölben des Doms wird Meisner selbst einmal seine letzte Ruhestätte finden. Munter zeigt er auf einen leeren Fleck an der Wand: "Da komme ich hin, ich mache da unten die Reihe weiter." Auch seinen Kritikern wird vielleicht etwas fehlen, wenn er einmal verstummt ist - wieder einer weniger, der noch zum Widerspruch reizt. In jedem Fall wird es ungewohnt sein. Der Dom und sein Kardinal gehören schon so lange zusammen, dass man sich einen ohne den anderen kaum noch vorstellen kann. (dpa)
French Le cardinal Meisner dénonce l'activisme stérile de certains prêtres
May 31, 2008
Le 31 mai 2008 - E.S.M. - A la messe qu'il a célébrée vendredi dernier à la cathédrale de Cologne (D) et au cours de laquelle cinq diacres ont été ordonnés prêtres, le Cardinal Meisner a déclaré, dans son homélie :

"Pas plus que les autres, nous les prêtres ne vivons sur une île déserte, mais en plein milieu du monde. La place du sel est dans la soupe! Mais il ne faudrait pas négliger pour autant le danger d'être contaminé par le mode de pensée du monde: il est ainsi nécessaire de concentrer toutes ses forces et toute son attention sur l'efficacité sociale de la foi. Sinon, notre activité pastorale finirait par n'avoir pour seul objectif que la communauté paroissiale et l'expérience qu'elle a d'elle-même, en repoussant à l'arrière-plan le coeur même de la foi, notre unique médiateur, Jésus-Christ, au lieu de conduire à Lui.

L'idée que la foi peut se construire, l'idée qu'une communauté peut être fabriquée de toutes pièces, l'assurance que la vie religieuse n'est qu'une question d'organisation, est entrée profondément dans nos paroisses: elle y a provoqué beaucoup d'activisme, mais souvent pas davantage. Nous en avons la preuve dans nos propres rangs et dans nos propres communautés : cette prétention à pouvoir susciter une ouverture du coeur à la présence divine au travers d'une accumulation de méthodes et d'analyses diverses, par des expériences de dynamique de groupe, a englouti bien des énergies. Et bien souvent en vain!

Et c'est justement là, après tant d'efforts, que le véritable défi que pose la foi chrétienne devient évident et crève les yeux en nous obligeant à nous recentrer sur l'essentiel. "Ils regarderont vers Celui qu'ils ont transpercé", "Ce n'est pas vous qui m'avez choisi, mais c'est moi qui vous ai choisi" (Jn, 15, 16) "En ceci consiste l'amour: ce n'est pas nous qui avons aimé Dieu, mais c'est lui qui nous a aimés et qui a envoyé son Fils en victime de propitiation pour nos péchés" (1 Jn 4,10).

L'axe principal de notre vocation, que nous ne devons jamais perdre de vue, n'est pas dans le "vous", mais dans le "Je" du Christ. C'est le Christ qui est le premier, c'est le Christ qui met tout en mouvement, c'est Lui qui appelle. Nous-mêmes ne pouvons que recevoir, nous ne pouvons que répondre.

Nul ne pourra réaliser quoi que soit dans le Royaume de Dieu, si au long de sa vie ici-bas il ne s'est pas soumis totalement à l'amour prévenant de Dieu."

Source : Pro liturgia- Eucharistie Sacrement de la Miséricorde
German Kardinal Meisner nennt Deutsche „geistvergessenes Volk“
May 12, 2008
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat einen besseren Schutz der Familie gefordert. In einem Hörfunk-Interview nannte er es „schlimm“, dass die Familie weitgehend unter dem Gesichtspunkt der Ökonomie gesehen werde.

(domradio.de, 11.5.2008) Nicht die Familie müsse sich dem ökonomischen Tun anpassen, sondern umgekehrt, forderte er. Die Familie sei nicht ein gesellschaftlich gewachsenes Gebilde, sondern habe eine theologische Grundlage, sagte Meisner. Sie sei das „Abbild des dreifaltigen Gottes“. Deshalb gebühre ihr „aller Schutz und alle Förderung, die nur denkbar ist, damit auch das gesellschaftliche Leben, das ökonomische Leben und das kulturelle Leben gedeihen kann.“ Wer sich an der Familie vergreife, vergreife sich an der Kultur des Menschen. Zugleich bemängelte Meisner die Haltung vieler Politiker in ethischen Fragen wie Abtreibung und Stammzellforschung. „Ein geistvergessenes Volk, das tötet seine Kinder“, sagte er. Die Bilanz, dass es in Deutschland zu wenig Kinder gebe, müsse „die Politiker nun endlich zum Aufwachen bringen“, forderte der Kardinal.
German Ich mache weiter, wenn der Papst mich darum bittet
Apr 18, 2008
Im September wolle er dem Oberhaupt der katholischen Kirche mitteilen: „Es ist so weit, entscheide du, und ich tue, was du willst.“

(express.de, 17.04.2008) Vor 20 Jahren wurde er – trotz Widerstands im Domkapitel – auf Druck von Papst Johannes Paul II. zum Kölner Erzbischof gewählt. Am 25. Dezember wird er 75 Jahre alt.

Und dann muss Joachim Kardinal Meisner dem Pontifex maximus, Papst Benedikt XVI., seinen Rücktritt anbieten. Es ist allerdings bisher äußerst selten vorgekommen, dass ein Papst den Rücktritt eines Kardinals bereits im Alter von 75 Jahren akzeptiert hat.

Und Meisner will weitermachen, wenn der Papst ihn lässt. „Wenn der Papst mich darum bittet, ist das gar keine Frage. Dann ist das für mich selbstverständlich“, erklärte er jetzt. Bereits im September will er Papst Benedikt XVI. den Rücktritt einreichen. Er wolle ihm mitteilen: „Es ist so weit, entscheide du, und ich tue, was du willst.“

Ob er sich wünsche, dass Papst Benedikt XVI. ihn zu bleiben bitte, darauf antwortet Meisner: „Ich bin ganz offen. Unabhängig davon, ob man 75 Jahre alt wird oder nicht: Man kann noch zehn Jahre leben oder zehn Tage oder zehn Stunden. Dadurch, dass man immer damit rechnet, von Gott abberufen zu werden, lebt man intensiver.“

In der Regel entlässt der Papst Kardinäle in den Ruhestand, wenn sie 80 Jahre alt geworden sind. Wann auch immer Meisner in Ruhestand geht – er weiß, was er dann tun will: „Ich will zwei Bücher schreiben und ich möchte mich um kranke und einsame Priester kümmern. Das liegt mir am Herzen.“
German Kardinal Meisner zum Tode Chiara Lubichs
Mar 14, 2008
Das Interview im Wortlaut.

(domradio.de, 14.3.2008) Chiara Lubich, die Gründerin der Fokolar-Bewegung, starb in der Nacht zum Freitag im Alter von 88 Jahren im Fokolar-Zentrum Mariapoli bei Rom, wie ihre Gemeinschaft mitteilte. Lubich war eine der international prägenden Gestalten des Laienkatholizismus und der Ökumene. Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner erinnert im domradio-Interview an Lubich.

domradio: Herr Kardinal, heute nacht ist Chiara Lubich gestorben, Sie kannten sie.

Kardinal Meisner: Ja, ich kannte Chiara Lubich aus den letzten Jahrzehnten sehr intensiv. Ich bin ihr meistens in Rom begegnet, sie war Mitglied bei einigen Bischofssynoden, so dass wir uns vier Wochen lang gesehen haben und bei den Kaffeepausen auch einander begegnet sind. Und das letzte Mal als ich sie gesehen habe, war sie hier bei uns in Köln, bei mir hier im Haus und machte einen Besuch bei ihrer Fokularfamilie und hat dabei auch den Erzbischof besucht.

domradio: Sie hat eine große Bewegung ins Leben gerufen, wie bewerten Sie die?

Kardinal Meisner: Das fing wie immer bei den großen Erneuerern der Kirche damit an, dass sie aus einer persönlichen Situation Ende des letzten Weltkrieges versucht hat, das Evangelium zu leben in den Bedrängnissen des Krieges. Daraus ist die Fokularbewegung erwachsen, die heute auf der ganzen Welt verbreitet ist. Und namentlich in der kommunistischen Zeit in Mittel- und Osteuropa hat sie vielen Menschen wirklich geholfen ihre schwierige Situation als Christen zu bewältigen.

Wir hatten in Erfurt, als ich noch Weihbischof und Caritasrektor war, am katholischen Krankenhaus eine Gruppe Fokolarini-Ärzte und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im medizinischen Dienst. Auch in Berlin gab es die, im Elisabeth-Krankenhaus, auch in Leipzig, und das waren so Schwerpunkte und von dort ist es ausgestrahlt in die Gemeinden. Dann auch über die Grenzen der DDR weg nach Tschechien, nach Polen. In Tschechien hat die Fokolarbewegung besonders fruchtbaren Boden gefunden, da die Christenverfolgung dort eigentlich am intensivsten war und die Fokularbewegung mit ihren Methoden auf diese Situation am besten reagieren konnte.

domradio: Der Erzbischof von Köln nimmt Chiara Lubich auch  mit ins Gebet?

Kardinal Meisner: Natürlich, sie gehört zu den großen Zeugen des Glaubens im ausgehenden 20. und im Beginn des 21. Jahrhunderts und ihr Werk lebt weiter. Ich kann nur wünschen dass jetzt die Mitglieder und Mitgliederinnen ihres Werkes, der Versuchung widerstehen - es nicht zur inneren Spaltung kommen zu lassen. Denn mit dem Tod eines Gründers einer geistlichen Bewegung ist die Gründerzeit vorbei und da zeigt es sich immer, dass dann der Teufel versucht Gegensätze aufbrechen zu lassen und Spaltungen hervorzurufen. Also ich bitte alle Mitglieder des Fokulars jetzt noch inniger zusammenzuhalten als vorher und Chiara Lubich ist ja nicht von uns weggegangen - sie ist uns nur vorausgegangen. Sie ist, wie ich das immer zu sagen pflege am Grab eines lieben Menschen, sie ist aus der linken Hand Gottes in die rechte Hand Gottes übergewechselt und über das Herz Gottes bleiben wir mit denen die uns vorausgegangen sind in echter Kommunikation.
German Kardinal Meisner: Lebensrecht für "embryonale Menschen"
Feb 16, 2008
Nach der Stammzelldebatte im Bundestag hat Kölns Kardinal Joachim Meisner die Abgeordneten aufgerufen, sich für den Lebensschutz einzusetzen.

(domradio.de, 16.2.2008) Kompromisse auf Kosten der Schwächsten - und das seien die embryonalen Menschen - könne und dürfe es nicht geben, schreibt der Erzbischof in einem Beitrag für die Kölnische Rundschau. Denn jeden Kompromiss bezahlten diese Menschen, die ihre Stimme dagegen nicht selbst erheben könnten, mit dem Leben. Meisner betont, dass neueste Forschungen "ethisch unproblematische Alternativen" zu embryonalen Stammzellen hervorgebracht hätten. Dazu gehörten adulte Stammzellen sowie die erst kürzlich entwickelte Reprogrammierung reifer Stammzellen .
Spanish Cardenal Meisner a alemanes: "Vivimos en la mentira de creernos inocentes"
Feb 14, 2008
El Arzobispo de Colonia, Cardenal Joachim Meisner, denunció ante los demás miembros de la Conferencia Episcopal Alemana, que se está perdiendo la conciencia del pecado y de la culpa y "vivimos en la mentira de creernos inocentes".

WURZBURGO, 13 Feb. 08 / 01:03 pm (ACI).- "Pecado y culpa hoy sólo aparecen en el diccionario como términos de otra época", explicó el Arzobispo al presidir una Eucaristía con ocasión de la asamblea episcopal y lamentó que "los confesionarios, los lugares del perdón están casi vacíos".

"Donde no hay pecado ni culpa, no hay necesidad de un Reconciliador. Por eso Jesucristo ya no es solicitado como Reconciliador del mundo Uno sólo se interesa por Jesús como reformador de la sociedad. Por eso la Iglesia solo tiene oportunidad de ser un instituto del progreso social", indicó.

Asimismo, llamó a los alemanes a acercarse al sacramento de la reconciliación y explicó que "confesarse significa acercarse un poco más al amor de Dios, es comenzar a creer que Dios nos ama, y descubrir asimismo que hasta ese momento no hemos creído con el ardor suficiente, y por eso hemos de pedir perdón, por no haber creído en una amor que sobre pasa cualquier pecado."

También hizo un paralelo del hombre actual con el hijo pródigo, y recalcó que "ya no queremos ser hijos o hijas en el Hijo".

El hijo pródigo "abandona la casa de Padre porque dejó de creer. Cuando decide volver, tiene el corazón muerte aún. Cree que ya no es amado, cree que ya no es hijo. Pero el Padre lo esperó desde hace mucho. Desde hace mucho no hace más que alegrarse al pensar que el hijo podría regresar. El experimenta un amor tan grande que se ve nuevamente como hijo, vuelve nuevamente a la vida", explicó.

Finalmente, afirmó que "el que perdona poco, ama poco", y recordó la necesidad de compartir la alegría del perdón de Dios con los hermanos, y aprender a acoger uno mismo el perdón de Dios y verse con los ojos del Padre.
German „Schlesier mit herbem Humor“
Feb 10, 2008
Interview über Kardinal Joachim Meisner von Köln.

(08.02.08) KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Lütz, Sie haben schon die ganze katholische Kirche analysiert. Erklären Sie uns doch einmal das Phänomen Kardinal Meisner!

MANFRED LÜTZ: Es gibt bei kaum einer Person des öffentlichen Lebens einen solchen Gegensatz zwischen einem geradezu monströsen öffentlich-medialen Klischee und der Wirklichkeit. Wenn der Kardinal wirklich so wäre, wie er dargestellt wird, wäre er schrecklich - ist er aber nicht.

Was bezeichnen Sie als „monströses Klischee“?

LÜTZ: Was zum Beispiel auf den Leserbriefseiten des „Kölner Stadt-Anzeiger“ über ihn steht. Das würde über keinen anderen Menschen in Deutschland so veröffentlicht: Blanke Verachtung bis hin zum Hass gegen einen angeblich illiberalen, konservativen Hardliner.

Also ist Kardinal Meisner in Wirklichkeit liberal.

LÜTZ: Nehmen Sie die Bioethik: Da steht der Kardinal in vielen Fragen - abgesehen von der Abtreibung - den Grünen am nächsten. Oder die Familienpolitik: Da hat er sich zu einem Familiensplitting bekannt - gegen die CSU. Aber das wird öffentlich kaum wahrgenommen.

Politik ist das eine, Theologie oder Kirchenpolitik das andere.

LÜTZ: Ja, aber auch da sind falsche Bilder im Umlauf. 15 Jahre lang hat dieser Kardinal aufs Engste mit einem Generalvikar - Norbert Feldhoff - zusammengearbeitet, von dem jeder wusste, dass er in vielen Dingen komplett anderer Meinung war. Das zeugt von einer Liberalität, die kein anderer deutscher Bischof aufgebracht hätte. Auch weiß kaum jemand, dass Kardinal Meisner der deutsche Bischof ist, der am meisten für die Aussöhnung mit Polen getan hat. Oder der im Streit um die Schwangerenkonfliktberatung in seinem Erzbistum jahrelang den Schein ausstellen ließ, obwohl jedermann wusste, dass er dagegen war.

Aber da hatte der Papst ja auch noch nicht entschieden.

LÜTZ: Und als er entschieden hatte, sind alle Bischöfe ihm gefolgt - von Kardinal Lehmann angefangen. Also: Was das betrifft, gab es gar keinen Unterschied zu Kardinal Meisner. Doch die öffentliche Wahrnehmung war anders.

Sie schieben jetzt alles auf Klischees. Aber die kölsch-katholische Ansicht, dass der Kardinal „nicht ins Rheinland passt“, die kann doch nur verfangen, wenn es einen Anknüpfungspunkt in der Wirklichkeit gibt. Ein Klischee von Dieter Bohlen als Ausbund verkopfter Intellektualität - das würde einem ja auch kein Mensch abnehmen.

LÜTZ: Das stimmt. Es gibt da sicher ein kulturell-mentalitätsmäßiges Missverständnis. Zum ersten hat Kardinal Meisner als Schlesier einen viel herberen Humor, als wir Rheinländer das gewöhnt sind.

Ein Beispiel?

LÜTZ: Ich habe einmal auf einem Empfang erlebt, wie jemand den Kardinal mit triefenden Lobhudeleien zu seiner Predigt förmlich überschüttete. Seine Reaktion: „Ach wissen Sie, dafür werde ich bezahlt.“ Da war die Luft raus. Sehr witzig gekontert, finde ich, aber ich habe auch eine westfälische Großmutter. Andere Rheinländer würden sagen, ein bisschen zu heftig. Und zweitens ist der Kardinal „completely politically incorrect“. Er passt sich nicht an, er sagt, was er denkt - und das finde ich gut.

Sie sind ein Fan!

LÜTZ: Kardinal Meisner ist mein Bischof, nicht mein Idol. Aber ich gebe Ihnen ein Beispiel für diese „politische Unkorrektheit“: Zu sagen, das Richter-Fenster im Kölner Dom passe besser in eine Moschee, das war absolut politisch unkorrekt. Korrekt wäre: (fällt in Singsang) „Wie schön ist es doch, dass die moderne Kunst in der Kirche ihren Ort hat“ und so weiter und so weiter. Aber wo kommen wir eigentlich hin, wenn es über moderne Kunst keine kritische Debatte mehr geben darf.

Für die hiesigen Erzbischöfe ist typisch, dass sie den Kölnern in der Erinnerung zunehmend strahlender erscheinen. Was, glauben Sie, werden die Kölner über Kardinal Meisner im Jahr 2033 zum 50. Jahrestag seiner Kardinalserhebung sagen?

LÜTZ: . . . wenn er dann mit seinen knapp 100 Jahren aus dem Bergischen Land herunter nach Köln gerollt kommt (lacht). Hmm, also: Seit der Schlacht von Worringen haben die Kölner mit ihren Erzbischöfen Probleme. Die brauchen das zur Stärkung ihrer gemeinschaftlichen Identität: „Wir da unten gegen die da oben.“ Deshalb glaube ich: Noch in 50 oder 100 Jahren wird es in Köln keinen Personenkult um Kardinal Meisner geben. Was ja auch gut ist - den Starrummel überlassen wir Katholiken anderen. Aber in der von Alexander Mitscherlich prognostizierten „vaterlosen Gesellschaft“ wird Kardinal Meisner als eine von wenigen verbliebenen Vaterfiguren in Erinnerung bleiben - an der man sich reibt, die aber auch Orientierung gibt.

Kardinal Meisner, der Vater der Kölner. Das halten wir fest!

LÜTZ: Ja, und vielleicht ist es zur 50-Jahr-Feier der Kardinalsernennung mit der Erinnerung wie mit der Phase nach der Pubertät: Man kann Dinge gut finden, die der Vater gesagt hat, obwohl sie der Vater gesagt hat.

Das Gespräch führten

Joachim Frank und Matthias Pesch
German Kardinalatsjubiläum
Feb 10, 2008
Interview mit dem Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner.

(8.2.2008) domradio.de - Ihm sei "schwarz vor den Augen geworden", bekennt Kardinal Joachim Meisner, als ihn 1988 der Ruf des Papstes erreicht habe, von der Spree an den Rhein zu wechseln. Mehrfach habe er den Heiligen Vater gebeten, von seiner Berufung nach Köln abzusehen. Doch als der Papst bei seiner Entscheidung blieb, sei er ihr "ohne zu zögern" gefolgt, sagt Meisner, der am Sonntag sein Kardinalatsjubiläum feiert. Aus der "Muss-Ehe" zwischen Hirten und Herde wurde dann aus seiner Sicht überraschend schnell eine Liebesheirat. domradio-Redakteur und Diakon Dr. Marc Kerling traf den Erzbischof in der Jubiläumswoche.
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   * [Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner - 81 Bilder ]
     Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner - 81 Bilder (©KNA)

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   * [Ein Bild aus den ersten Jahren in Köln ] Ein Bild aus den ersten Jahren in Köln

Audio Beitrag

   * "Ich hätte das nicht durchgestanden, wenn ich nicht täglich an den Altar hätte treten können." Kardinal Meisner zum Kardinalatsjubiläum (9.2.2008)
   * "Wir standen vor São Paulo im Stau": Interview mit Generalvikar Dr. Dominik Schwaderlapp zum Kardinalatsjubiläum (9.2.2008)

domradio: Herr Kardinal, als Bischof von Berlin sind Sie am 2. Februar 1983 von Papst Johannes Paul II. in den Kardinalsrang erhoben worden. Als Kardinal kamen Sie dann von der Spree an den Rhein, von der DDR in den Westen - waren das nicht zwei völlig unterschiedliche Welten damals?
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner: Ich hatte schon ein wenig Noviziatsunterreicht gehabt in Berlin, denn ich war ja Bischof für ganz Berlin, auch den West-Teil. Und im West-Teil wohnten zwei Drittel der Katholiken, ein Drittel im Osten, so dass ich schon ein Einübungsfeld hatte in die westliche Welt, indem ich zehn Tage im Monat nach West-Berlin hinüber fahren konnte. Dieses Quantum habe ich auch immer ausgeschöpft.

domradio: Papst Johannes Paul II. hat den heutigen Kardinal Cordes als jungen Mann von Paderborn nach Rom geholt, am Sonntag reist er zu Ihnen, um in Ihrem Festgottesdienst zu predigen. Sind Sie eng miteinander verbunden?
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner: Erstmal bietet sich es an, dass der amtsjüngste Kardinal im deutschsprachigen Raum dem amtsältesten Kardinal die Predigt hält. Und zweitens: Natürlich bin ich mit Kardinal Cordes sehr verbunden. Ich habe mit ihm den ersten Weltjugendtag ausgerichtet. Er war verantwortlich für das Gesamte. Aber ich hatte mit ihm und mit Pater Manfred Endrich die deutsche Abteilung des Weltjugendtages bewältig damals, 1985. Das ist mir bis heute unvergesslich. Und weil ich als Kardinal oft in Rom zu tun habe, haben wir uns oft getroffen und haben miteinander gesprochen. Er ist wirklich für mich immer ein Vorbild gewesen in der Treue zum Papst und auch im Durchtragen schwieriger Probleme, die manchmal auf einen Bischof zukommen.

domradio: Sie sind fast seit fast 20 Jahren Erzbischof von Köln. Sie sind außerdem Mitglied vieler Kongregationen. Welche Weichenstellungen sind Ihnen ganz aktuell wichtig?
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner: Von einer ungeheuren Wichtigkeit ist der missionarische Impuls. Wenn eine Kirche nicht mehr missioniert, dann demissioniert sie. Und die Kirche ist keine Institution, sondern eine Expedition. Das müssen wir deutlich machen! Ich bin immer der Meinung, ein Christ ist dann erst ein reifer Christ, wenn er seinen Glauben an einen anderen weitergegeben hat, wenn er gleichsam Glaubenerzeugt hat. Ein Mann und eine Frau sind reif, wenn sie fähig sind, auch biologisch Leben weiterzugeben. Und so ist es auch bei einem Christen: Ein Christ ist erst wirklich reif, wenn er Glaubensleben weitergegeben hat. Darauf ist weltweit ein großer Akzent zu legen. Ein weiterer ganz wichtiger Akzent ist auch, dass wir wieder die Quellen des Lebens stärken müssen: Ehe und Familie sind ein so wichtiges Thema, gerade für die westliche Hemisphäre, wenn die Völker sich nicht selber ausrotten wollen.

domradio: Kann man ein Bischofsamt überhaupt ausführen ohne Liebe zur Liturgie und Eucharistie?
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner: Das ist die Voraussetzung, dass man Priester oder Bischof wird. Hier kann man sagen, in der Liturgie, was Paulus sagte: In ihm leben wir, in ihr leben wir, bewegen wir uns und sind wir. Ich bin jetzt im 46. Priesterjahr, im 33. Bischofsjahr, 25 Jahre Kardinal - ich hätte das nicht durchgestanden, wenn ich nicht täglich an den Altar hätte treten können. Und darum ist und bleibt, was Benedikt sagt: Dem Gottesdienst darf nichts vorgezogen werden. Weil es nämlich die Berührung des Menschen mit dem lebendigen Gott ist.
German Ende des Streits um den „Hassprediger“
Feb 06, 2008

Zum Ende der Session noch eine letzte sprachliche Anleihe beim Karneval: Am Aschermittwoch ist alles vorbei!

(ksta.de, 05.02.08) Das Kriegsbeil ist begraben, die Gemüter beruhigt, Frieden kehrt ein. Volker Beck, streitbarer Grüner aus Köln, und der Kölner Kardinal Joachim Meisner, ebenfalls streitlustig, beendeten einen monatelangen Händel - außergerichtlich, Meisner zog eine einstweilige Verfügung gegen Beck zurück.

Hintergrund: Beck hatte den Kardinal als „Hassprediger“ tituliert, weil dieser homosexuelle Partnerschaften kritisierte: „Alle sogenannten alternativen Modelle des menschlichen sexuellen Zusammenlebens sind aber unwahr und darum für den Menschen im Kern verderblich. Die Menschheit richtet sich hier selbst zugrunde.“ Der bekennende Homosexuelle Beck benutzte dafür die umstrittene Vokabel. Meisner sprach seinerseits von „persönlichen und beleidigenden Angriffen“ und erwirkte vor dem Kölner Landgericht eine einstweilige Verfügung. Diese wiederum akzeptierte Beck nicht und klagte vor dem Berliner Landgericht. Zwar bekundete er - auch auf Druck von Parteifreunden -, er wolle Meisner nicht mehr als „Hassprediger“ bezeichnen. Es gehe ihm aber um die Meinungsfreiheit.

Generalvikar Dominik Schwaderlapp begründete die Rücknahme der einstweiligen Verfügung offiziell damit, dass Beck nach öffentlicher Kritik erklärt habe, den Erzbischof „nicht in die Nähe von Terroristen oder Selbstmordattentätern“ rücken zu wollen. Vielleicht hatte das Erzbistum aber auch die Eingebung, nach der eine Fortsetzung des juristischen Streits wenig sinnvoll gewesen wäre. Beobachter prognostizierten dem Kardinal eine Niederlage vor Gericht.

Volker Beck feierte gestern einen „1:0-Sieg“ über den Kardinal. Zumal dieser die Anwalts- und Gerichtskosten beider Parteien tragen muss. Mit einem Hauch von Verwunderung weist der Grüne auf dem Umstand hin, dass er sich doch den Maulkorb, den das Erzbistum nun als Anlass für den Vergleich nannte, schon selbst im November umgehängt hatte, als er ankündigte, das H-Wort nicht zu wiederholen. Den folgenden Ärger samt 10 000 Euro hätte sich Meisner also leicht sparen können.
German "Ein Wort der Wegweisung"
Feb 06, 2008
Fastenhirtenbrief von Joachim Kardinal Meisner

(6.2.2008) Liebe Schwestern, liebe Brüder! Die diesjährige Österliche Bußzeit beginnt so früh im Jahr wie selten sonst.

Vielleicht ist das auch ein Fingerzeig Gottes. Denn so finde ich sehr früh Gelegenheit, Ihnen mit meinem Hirtenbrief zur Fastenzeit ein Wort der Wegweisung zu geben zu den strukturellen Veränderungen, die in den kommenden Jahren in unserem Erzbistum anstehen. Mit diesen Veränderungen sind wir oft über die Maßen beansprucht - in unserer Zeit, in unseren Überlegungen und Kräften. Dabei werden wir uns schmerzlich bewusst, dass Wesentlicheres zu kurz kommt.
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   * [Seit 1982 Kardinal: Erzbischof Joachim Meisner ]
     Seit 1982 Kardinal: Erzbischof Joachim Meisner (©dr)

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   * Erzbistum Köln

Mit dem gewählten Leitwort „Wandel gestalten - Glauben entfalten" wollen wir versuchen, wirklich aus der Not eine Tugend zu machen: Es gibt Wichtigeres für jede Gemeinde als ihre Organisationsform! Das Wichtigere ist zugleich auch das Bleibende - unabhängig davon, wie die äußeren Bedingungen des Gemeindelebens aussehen. Wir müssen versuchen, die nötige Gestaltung des Wandels so vorzunehmen, dass diese wichtigeren Inhalte unseres Christseins nicht nur keinen Schaden leiden, sondern sogar deutlicher ins Bewusstsein kommen.  Danach zu leben und zu handeln, sollen wir uns bemühen.

Auf eine wesentliche Eigenart des christlichen Gemeindelebens möchte ich in diesem Hirtenbrief hinweisen: Es ist die missionarische Ausrichtung. Die pilgernde Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch, da sie selbst ihren Ursprung aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes herleitet. Sie ist von Gott zu allen Völkern gesandt.  Darum nennt das Konzil sie das „allumfassende Sakrament des Heiles" (Lumen gentium 48). An dieser universalen Heilssendung nimmt jede noch so kleine Gemeinde und Gemeinschaft teil. So soll auch jeder Seelsorgebereich gleichsam wie ein Baum seine Zweige ausstrecken, um vielen Menschen Schatten vor der glühenden Sonne zu schenken. Die Kirche und damit auch unsere Seelsorgebereiche leben nicht aus sich selbst und haben nichts für sich selbst. Was sie haben, haben sie vom Heiligen Geist, und was ihnen gegeben wurde, wurde ihnen gegeben zur Weitergabe.

Was uns zur Weitergabe gegeben ist, zeigt sich in fünf pastoralen Schwerpunkten, die das Leben einer Gemeinde zu jeder Zeit kennzeichnen und deshalb auch bei unserem Erneuerungsprozess in keinem Seelsorgebereich fehlen dürfen: eine lebendige Feier der Liturgie, eine solide Glaubensverkündigung, eine besondere Sorge für unsere Jugend und Familien und das caritative Handeln. Weil uns das alles gegeben ist, um es weiterzugeben, folgt als Konsequenz: die missionarische Ausstrahlung als fünfter Schwerpunkt.  Denn - um ein Wort von Jean Danielou SJ aufzugreifen -: „Der Geist der Mission ist der Geist des Christentums schlechthin". "Wandel gestalten - Glauben entfalten", dazu möchte ich Ihnen drei Gedanken ans Herz legen:

1. Die Priester
Die zwölf Apostel, die Jesus um sich gesammelt hat, sind die Eckpfeiler der Sendung der Kirche. Die Gemeinschaft der Priester eines Bistums, die in einer Stadt, einem Dekanat oder einem Seelsorgebereich ihren Dienst tun, sind heute auch solche Eckpfeiler.  Es besteht keine Hoffnung auf Verwirklichung einer missionarischen Kirche, wenn nicht zuerst die Seelsorger vom missionarischen Geist und von der Energie des Heiligen Geistes tief durchdrungen sind.  Entscheidend ist das Selbstverständnis des Priesters, ob er sich nur als Kultdiener, Stubengelehrter oder Bürokrat betrachtet oder aber als Gesandter, als Missionar, als Apostel, als Prophet. Die Frage, die wir Priester uns immer wieder stellen müssen, heißt:
„Lebt in uns die Weite und die heilige Unruhe des Missionars?". Wenn wir unsere universale Heilssendung ernst nehmen, werden wir eine Neuordnung der Rahmenbedingungen unserer Seelsorge bedenken müssen. Und das tun wir zurzeit.
Wenn derjenige, der dem Presbyterium eines
Seelsorgebereiches vorsteht, im herzlichen Einvernehmen jedem Mitbruder entsprechend seinen Fähigkeiten zu seinem Platz verhilft, hat er eine wichtige Dimension seines Dienstes verstanden. Denn es geht darum, dass alle pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemäß ihrem jeweiligen Charisma und entsprechend der Ordnung der Kirche das Evangelium durch Wort und Tat verkünden. So dienen die vielfältigen Begabungen und Dienste dazu, Christus für die Menschen unserer Zeit berührbar zu machen.

2. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Berater
Paulus hat um sich eine Gruppe von Mitarbeitern geschart: Die Schwester Phoebe, die ihm und vielen geholfen hat; Aquila und Priska, denen alle Heidengemeinden Dank schulden; Maria in der römischen Gemeinde, die sich viel Mühe für andere gegeben hat. Jene Mitarbeiter, also die Laienchristen, nehmen in ihrer Weise an der Sendung der Kirche wesentlich teil. Sie dürfen in der gegenwärtigen Situation der Kirche nie und nimmer fehlen. Wie spontan und fruchtbar dieses Wirken in der Frühzeit der Kirche war, zeigt klar die Heilige Schrift selbst, insbesondere in der Apostelgeschichte sowie in den Apostelbriefen.  Das Presbyterium eines Gebietes oder der Presbyter einer Gemeinde hatte um sich eine größere oder kleinere Zahl von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, denen besonders der Weltdienst anvertraut war. Das ist heute nicht anders. Dazu kommen heute noch Gremien, die eine wichtige Funktion im Leben eines Seelsorgebereiches haben, z.B. der Kirchenvorstand, der Pfarrgemeinderat und andere Gruppierungen und Verbände, die das Leben unserer Gemeinden mitprägen. Mit pastoralen Gremien alleine ist es aber nicht getan, wenn dort nicht der missionarische Geist lebendig ist. Um es sehr deutlich zu sagen: Wo dieser Geist fehlt, schaden sie mehr, als dass sie nützen, sie bremsen dann mehr, als sie voranbringen.  Auch von den Mitarbeiterinnen, den Mitarbeitern und Beratern erwarten wir Weitblick, durch persönliches Glaubenszeugnis, durch Initiative und Verantwortlichkeit. Wer etwa im Pfarrgemeinderat mit über Gottesdienstzeiten berät, aber selbst den Sonntagsgottesdienst nicht besucht, macht seine Mitarbeit unglaubwürdig und unwirksam. Wir brauchen heute in unseren Seelsorgebereichen mehr denn je die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von der Liebe Christi gedrängt werden, sich für die Schwestern und Brüder in der Gemeinde und darüber hinaus einzusetzen. Ich danke allen, die das schon jahrelang tun und ohne deren Mitwirken wir schon längst Schiffbruch erlitten hätten.  Ich bitte Sie inständig, sich durch ein tiefes Gebetsleben für Ihren weitflächigen apostolischen Einsatz die nötige Kraft zu erbitten. Als Anregung und Hilfe füge ich dem Hirtenbrief ein Gebetsbildchen bei, das sich für das persönliche Gebet und auch als Eröffnungsgebet vor Sitzungen der Gremien und Verbände eignet, ein Gebet, das von der Gemeinde nach den Gottesdiensten abwechselnd gesprochen werden kann. Wir haben viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Seelsorgebereichen, die sich das Leben der Gemeinden zu einem Herzensanliegen machen. Wie der Apostel Paulus habe auch ich als Bischof allen Grund, vielen zu danken und ein „Vergelt's Gott" für diesen selbstlosen Einsatz zu sagen.

3. Wir schauen schließlich auf unsere Seelsorgebereiche und Pfarrgemeinden
Wie stellt sich nun das missionarische Bemühen in unseren Gemeinden konkret dar? Dazu gehören zunächst einmal die Beter und die so genannten Stillen unter uns. Als die Jünger den Herrn fragten, warum sie den Dämon von dem kranken Knaben nicht austreiben konnten, antwortete er: „Diese Art kann nur durch Gebet ausgetrieben werden" (Mk 9,29). Das inständige und anhaltende Gebet hat eine große Kraft. „Allein den Betern kann es noch gelingen…", schreibt Reinhold Schneider in einer ausweglosen Situation. Die Seelsorger, aber auch die Gläubigen werden es oft ganz nebenbei erfahren, dass es in unseren Pfarreien Beter gibt, die viel für das Volk beten und sich ganz Gott hinopfern um der Brüder und Schwestern willen. Es gehört sicher zu den großen Erlebnissen in geistlichen Gesprächen, wenn Gott uns in das Herz solcher Menschen schauen lässt. Zu dieser Gruppe gehören die Stillen im Land, die in allen Ständen und Altersgruppen zu finden sind. Ohne Auftrag und Wissen irgendeiner kirchenamtlichen Stelle tun sie Gutes in dem Haus, in dem sie wohnen, an der Arbeitsstelle, wo sie arbeiten, von Mensch zu Mensch, ganz still und selbstverständlich, spontan, angeregt vom Heiligen Geist.  Von diesem verborgenen Kern geht eine große Kraft in die Gemeinde aus.

Dann haben wir die so genannte „Sonntagsgemeinde".  Die versammelte Gemeinde am Sonntag darf kein Ofen sein, der sich selbst wärmt. Es kann dabei auch nicht nur um ein Mahl gehen, in dem man sich nur an der Gemeinschaft untereinander erfreut. Die Gläubigen sind Heilsträger für alle. Wie geschieht das? Wir sollen nicht nur Hörer des Wortes sein, sondern auch Handelnde und Vollbringer. Das Zeugnis im Alltag, das die Frucht der sonntäglichen Verkündigung ist, wird zu einer wirksamen Form der Evangelisierung unserer Umwelt. In den Fürbitten sprechen die Gläubigen ihre Sendung aus und vertreten beim gütigen Gott die Sache des ganzen Menschengeschlechtes.  In der Feier der Eucharistie wird das Werk der Erlösung für unser Heil und das der ganzen Welt vollzogen. Wir werden dann innerlich am Opfer Jesu teilnehmen, wenn wir uns mit ihm für die Schwestern und Brüder hingeben. Von hier aus könnte die sonntägliche Eucharistiefeier neue Impulse bekommen und die Pflicht zur Teilnahme an der Sonntagsmesse neu begründet werden.

Die Gemeinschaft der Gläubigen ist auch zu denjenigen gesandt, die kaum oder gar nicht in die Kirche gehen, die womöglich sogar den Kirchenaustritt erklärt haben, ja sogar zu solchen, die nie katholisch waren und mit der Kirche gar nichts zu tun haben. Es mag vielleicht überraschen, dass es unter diesen Gruppen Menschen gibt, die auf ihre Weise missionarisch tätig sind. Das ist eine Erkenntnis aus der Erfahrung. In irgendeinem Punkt vertreten sie manchmal in ihrer Umwelt die Sache Christi und treten für die Kirche ein. Die Gründe dafür sind vielfältig.  Manchen ist zu irgendeiner Zeit ein Glaubenszusammenhang aufgegangen, und sie haben sich das auch über einen Kirchenaustritt hinaus bewahrt.  Andere haben erfahren, dass der Pfarrer und die Gemeinde sie nicht abgeschrieben haben, sondern sie noch immer dazurechnen. Nichts wäre fataler, als wenn ein falscher Eifer in solchen Mitchristen den glimmenden Docht auslöschen würde. Mit einem glimmenden Docht kann auch ein großes Osterfeuer entzündet werden. Ein gutes Wort an der Tankstelle, im Kaufhaus, auf der Straße, kann einer glimmenden Lampe neues Öl zuführen.
Das Zweite Vatikanische Konzil betont, dass die ganze Kirche missionarisch ist, und dass die Evangelisierung eine Grundpflicht des Volkes Gottes ist. Ob unsere Gemeinden missionarisch sind, wird davon abhängen, ob es Personen und Gruppen in den Gemeinden gibt, in denen der missionarische Geist lebendig wird. „Wandel gestalten - Glauben entfalten", das ist eine ganz realistische Aufgabe, die vor uns steht. Es geht uns dabei nicht in erster Linie um den Umbau der Strukturen, sondern darum, das Evangelium, das wir allen Menschen schulden, in die Welt hineinzutragen. Dafür aber müssen wir unsere Strukturen so gestalten, dass sie uns dabei eine Hilfe sind und nicht ein Hindernis.

Ich bitte Sie alle um Ihr Verständnis und um Ihre Mithilfe! Als Erzbischof habe ich das Projekt nicht aus irgendeiner Laune heraus auf den Weg gebracht.  Ich habe mich mit den mir dafür gegebenen Gremien gründlich darüber beraten und es auch persönlich lange durchbetet. Helfen Sie mit! Ich bitte Sie - um Gottes und der Menschen willen - um Ihr Mitdenken, Ihr Mithandeln und Ihr Mitverantworten!  Dazu segne Sie alle der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.  Amen.

Köln, am Fest der Darstellung des Herrn 2008
+ Joachim Card. Meisner
Erzbischof von Köln
German Kardinal Meisner würdigt Gründer von „Kirche in Not“, an dem jeder Maß nehmen kann
Jan 25, 2008
Der Gläubige sollte für die anderen ein „Helfer zu Glaube, Hoffnung und Liebe“ sein.

KÖNIGSTEIN, 24. Januar 2008 (ZENIT.org).- Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat den Gründer des internationalen katholischen Hilfswerks Kirche in Not, Pater Werenfried van Straaten, als „Institution mit Passion“ bezeichnet.

Während der Heiligen Messe zur Feier des fünften Todestages des Prämonstratensers, der am 31. Januar 2003 im Alter von 90 Jahren gestorben war, erklärte Kardinal Meisner am Samstag, dass Pater Werenfried so intensiv von Gott gesprochen habe, dass er „von vielen gehört und erhört worden“ sei. Er habe „in göttlicher Vollmacht“ gesprochen, so dass ihn „auch die Kirche des Schweigens hinter Mauern und Stacheldraht vernehmen konnte“. An der Eucharistiefeier im gut gefüllten Kölner Dom nahmen unter anderem der Internationale Präsident des Hilfswerkes, Hans-Peter Röthlin, und der neue Generalsekretär aus Frankreich, Pierre-Marie Morel, teil. Erzbischof Luis Sako von Kirkuk (Nordirak) konzelebrierte.

„Unser Glaube kann und darf nicht unsichtbar bleiben“, bekräftigte Kardinal Meisner mit Blick auf Pater Werenfried. „Er nahm das Lob der Menschen über seine geniale Lebensleistung kaum zur Kenntnis und reichte alles im Lobpreis an den zurück, von dem alles Gute in die Welt hineinströmt. Wir wissen, ,Eigenlob stinkt', Gotteslob aber inspiriert und hebt den Menschen über sich selbst hinaus. Darum ging man wohl von Pater Werenfried immer etwas besser weg, als man zu ihm hinkam.“

Der Gründer von „Kirche in Not“ habe seinen Glauben „überlaut vor aller Welt verkündet“. Darum sei ihm „ein so unwahrscheinliches Werk der Nächstenliebe zugewachsen, so dass wir heute staunend und dankbar davor stehen“. Pater Werenfried habe sich seines Glaubens nie geschämt, sondern er hatte „einen unverschämten Glauben, so dass er viele durch seine Glaubenskraft überzeugte und sie mit elementarer Kraft in sein Werk hineinzog“. Er habe „ein großes Herz“ und „einen großen Mund“ gehabt, so der Kardinal.

Der heilige Paulus habe in seinem ersten Brief an die Thessalonicher den Glauben der Christen als „Werk ihrer Hände“ definiert (vgl. 1 Thess 1,3). Pater Werenfried sei „gleichsam unser Handwerksmeister gewesen“, fuhr Kardinal Meisner fort, der Priester und Laien gleichermaßen dazu aufforderte, „nicht Landräte und Verwaltungsorgane des lieben Gottes in seiner Weltregierung“ zu sein, sondern „Helfer zu Glaube, Hoffnung und Liebe“ - für alle Menschen. Pater Werenfried habe es darin „zu einer wirklichen Meisterschaft gebracht“. Es lohne sich, „als Priester und Bischof seine eigene Glaubenspraxis an Pater Werenfried zu orientieren“.

Der am 17. Januar 1913 in Mijdrecht bei Amsterdam (Niederlande) geborene „Speckpater“ habe seinen Mitmenschen gezeigt, „dass der Unglaube der Gläubigen darin besteht, dass sie zu wenig an die Kraft des Senfkorns glauben“. Die Welt wisse nicht, „was unsere wirkliche Kraft ist und wo sie liegt. Wir sind mit der Gnade Gottes einem solchen Giganten des Reiches Gottes in Pater Werenfried auf die Spur gekommen“.

„Kirche in Not“, ein Hilfswerk päpstlichen Rechtes, untersteht direkt dem Heiligen Stuhl und unterhält Niederlassungen in 17 Ländern in Europa, den USA, Kanada, Australien und Lateinamerika. Jährlich unterstützt die 1947 gegründete Hilfsorganisation mehr als 5.000 pastorale Projekte in fast 140 Ländern.
Spanish Cardenal Meisner: La alegría en el Señor es nuestra fortaleza
Jan 11, 2008
El Arzobispo de Colonia, Cardenal Joachim Meisner, destacó en una reciente homilía que los cristianos deben aprender de los Reyes Magos y tener, como ellos, los ojos abiertos y la disposición para ponerse en camino, de manera que el Señor irrumpa en sus vidas para entregarle sus dones y descubrir que "la alegría en el Señor es nuestra fortaleza".

COLONIA, 11 Ene. 08 / 01:03 am (ACI).- "Ser hombres nuevos: ese es el profundo mensaje que da el Niño Dios a nosotros los cristianos de ahora" agregó y que quien ve en Belén la Luz de su vida, regresa por otro camino, ya no se acercará al camino del mal, sino que seguirá a Cristo, explicó el Purpurado.

Tras comentar la importancia que todos los cristianos en el mundo anuncien el mensaje liberador que trae el Niño Dios, el Cardenal resaltó que ante el Niño en el pesebre "existen principalmente para los seres humanos dos posibilidades que muestra el evangelista (San Mateo): ponerse de lado de Herodes o de lado de los Magos" y exhortó a analizar la postura que cada uno tiene ante el Niño Dios.

Luego dijo que Herodes es el prototipo del hombre terco que "no quiere abrirse ante la nueva luz de Dios", que rechaza la Buena Nueva del Niño y que incluso se asusta ante la noticia del nacimiento del Mesías, ya que aquél busca proteger su poder e influencia, y recordó que hoy en día "sombras oscuras de Herodes se encuentran sobre nuestro pueblo." Asimismo señaló que "quien se queda ensimismado, encerrado en sus cuarto paredes, no va a poder ver la Luz".

Seguidamente aseveró que la postura contraria a Herodes, es la que sostienen los Reyes Magos ante el Niño en Belén, que al ver la estrella se llenaron de alegría y al llegar a la casa lo adoraron. "En Belén encuentran los Magos la luz de sus vidas, al adorar al Niño" Resaltó la importancia de la adoración a Jesucristo desde los inicios de la Iglesia católica hasta el día de hoy y recordó que quien reza está en el lugar correcto, dado que "es ahí donde el mundo regresa al orden en que Dios lo creó".

En la Catedral de Colonia se encuentran los restos de los Tres Reyes Magos, que son visitados todos los años por miles de fieles. El Cardenal Meisner recordó también el testimonio de un millón de jóvenes del mundo entero, que en la Jornada Mundial de la Juventud del 2005 en Colonia siguieron el camino de los Magos de Oriente.
German Der Erzbischof und der Ruhestand
Dec 21, 2007
Manchmal kokettiert sogar ein Kardinal. «Für die Diplomatie wäre ich ganz sicher nicht geeignet», bekannte der Kölner Erzbischof Joachim Meisner unlängst in einem Interview. Am ersten Weihnachtstag feiert das umstrittene Oberhaupt der Kölner Katholiken seinen 74. Geburtstag. Nächstes Jahr muss Meisner laut Kirchenrecht dem Papst seinen Rücktritt anbieten.

Köln (ddp-nrw, 20. Dezember 2007). Manchmal kokettiert sogar ein Kardinal. «Für die Diplomatie wäre ich ganz sicher nicht geeignet», bekannte der Kölner Erzbischof Joachim Meisner unlängst in einem Interview.

Am ersten Weihnachtstag feiert das umstrittene Oberhaupt der Kölner Katholiken seinen 74. Geburtstag. Nächstes Jahr muss Meisner laut Kirchenrecht dem Papst seinen Rücktritt anbieten. Ob Benedikt XVI. ihn dann mit dem 75. Lebensjahr in den Ruhestand schickt oder für weitere Jahre auf dem einflussreichen Bischofsstuhl der Domstadt belässt, ist zumindest offiziell noch offen.

»Wenn ich muss, dann bleibe ich«, sagte Meisner mit bemerkenswert wenig Enthusiasmus. Wenn der Papst sage, «Du kannst mich jetzt nicht allein lassen», dann gehorche er. Seine beiden Bischofsstationen Berlin und Köln seien jedoch »alles andere als Schonposten« gewesen.

Allerdings sorgte Meisner auch im vergangenen Jahr dafür, dass es im Schatten des Doms nicht allzu beschaulich wurde. So kommentierte er die Bewerbung von Horst Seehofer um den CSU-Vorsitz angesichts dessen außerehelicher Affäre mit der Bemerkung: »Wie will er denn Vorsitzender einer christlichen Partei werden? Wie weit sind wir eigentlich gekommen?»

Am meisten Aufsehen verursachte der Kölner Kirchenmann allerdings mit seinen Äußerungen zur Kultur. So hielt er das viel beachtete, vom weltberühmten Künstler Gerhard Richter entworfene neue Fenster des Kölner Doms eher für eine Moschee geeignet. «Wenn wir schon ein neues Fenster bekommen, dann soll es auch deutlich unseren Glauben widerspiegeln. Und nicht irgendeinen», kritisierte Meisner.

Dem Festgottesdienst zur Einweihung der mehr als 110 Quadratmeter großen Fensterfläche war der Kardinal demonstrativ fern geblieben. Er hätte sich figürliche Darstellungen wie Heilige oder Märtyrer des 20. Jahrhunderts für die Glasfenster gewünscht, konnte sich damit aber beim Domkapitel nicht durchsetzen, hieß es aus Meisners Umfeld. Inzwischen entschuldigten sich die geistlichen Hausherren des Doms beim Kardinal für ihren Alleingang.

Tagelang in den Schlagzeilen blieb Meisner wegen seiner Rede zur Einweihung des Kölner Diözesanmuseums Kolumba: «Dort, wo die Kultur von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte», sagte der Kardinal.

Seine Anlehnung an den von den Nationalsozialisten verwendeten Begriff «Entartete Kunst» löste eine Welle der Entrüstung aus. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, bezeichnete Meisner als einen «notorischen geistigen Brandstifter». Tatsächlich hatte dieser bereits zuvor die Abtreibungspille mit dem Giftgas in den NS-Vernichtungslagern und Abtreibungen mit den Massenmorden von Hitler und Stalin verglichen.

Gegen den Grünen-Politiker Volker Beck und den Kölner Kabarettisten Jürgen Becker, die Meisner vor diesem Hintergrund als «Hass-Prediger» bezeichnet hatten, war das Erzbistum erfolgreich juristisch vorgegangen.

Zu den Feiertagen werde es der Kardinal nun etwas ruhiger angehen lassen, hieß es. Im Ruhestand wolle er dann ins Bergische Land ziehen, wo er wandern und sich einen Hund Halten könne. Auch könne er dann seine Buchpläne weiter verfolgen.
German Erfreulicher Befund und Anruf: Kardinal Meisner zu den Ergebnissen des „Religionsmonitors“
Dec 21, 2007
„Ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung ist aufnahmebereit für die Antworten des Glaubens“.

KÖLN, 20. Dezember 2007 (ZENIT.org).- „Hochreligiöse“ Menschen in Deutschland sind nach den Ergebnissen des unlängst vorgestellten „Religionsmonitors“ der Bertelsmann-Stiftung „alles andere als eine kleine Minderheit“. Das bekräftigte jetzt der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner. Die Studie passe „genau in diese Zeit“, weil sie „die überwiegende Mehrheit der Menschen“ als „religiös erwartungsvoll“ zeige.

„Der Advent ist die Zeit der Erwartung, und so zeigt die neue Studie, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen in diesem Land nach wie vor religiös erwartungsvolle Menschen sind. 70 Prozent der Bevölkerung stufen sich als religiös ein, und 20 Prozent sagen sogar, dass Religion und Glaube einen enorm hohen Stellenwert für ihre persönliche Identität und Lebensgestaltung besitzen. Diese von der Studie als ‚hochreligiös‘ bezeichneten Menschen sind also in unserem Land alles andere als eine kleine Minderheit“, so Kardinal Meisner nach einer gestern veröffentlichten Presseerklärung.

„Auch ist der Glaube an einen persönlichen Gott unter den religiösen Menschen offenbar stark verbreitet. Was zweieinhalb Jahre nach dem Weltjugendtag in Köln zudem an der Studie besonders freut, ist die Tatsache, dass sich immerhin 52 Prozent der jungen Erwachsenen als klar religiöse Menschen und weitere 14 Prozent sogar hochreligiös bekennen. Die Forscher der Bertelsmann-Stiftung können nach eigener Aussage ‚ein langfristiges Aussterben der Religion in Deutschland, wie es immer wieder behauptet wird, definitiv nicht bestätigen‘. Der Mensch als Ebenbild Gottes ist und bleibt auf allen Längen- und Breitengraden der Welt der natürliche Verbündete Gottes.“

Aus diesem „erfreulichen Befund“ lässt sich nach Worten des Kardinals für die katholische Kirche und die anderen Konfessionen und religiösen „eine große Verantwortung herauslesen. Die Orientierung und Hilfe, die sie nicht nur bei den entscheidenden Lebensereignissen wie Geburt, Heirat und Tod leistet, ist in unserer Gesellschaft gefragt. Ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung ist aufnahmebereit für die Antworten des Glaubens. Diese Erwartungen darf die Kirche nicht enttäuschen. Ihre Stimme will gehört werden.“
German „Kein gefühliger Seelenbalsam“
Dec 20, 2007
Weihnachten geht auch Atheisten an – davon ist Kardinal Joachim Meisner überzeugt. Das Fest habe auch für Ungläubige eine existenzielle Bedeutung. Denn kein Mensch wolle ungeliebt sein – und Gott lasse keinen Menschen los, sagt der Kölner Erzbischof im Interview.

(bunte.de, 19.12.07) Können Sie einem Atheisten erklären, warum Weihnachten auch für ihn Bedeutung hat?

Kardinal Meisner: Gott lässt keinen Menschen los. Deshalb gibt es – wenigstens von Gott her – keine Gottlosen. Diese Beziehung ist entscheidend. Das wird Weihnachten in der Geburt Jesu Christi deutlich. Er ist wirklich wahrer Gott vom wahren Gott und zeigt damit, dass er den Menschen nicht loslässt.

Kann man sich also nicht von Gott lossagen?

Kardinal Meisner: Auf die Frage, ob ein Mensch den Satz über seine Lippen bringt: „Ich möchte niemanden haben, der mich liebt“, habe ich meistens die Antwort erhalten – auch von Atheisten: „Das wäre ja die Hölle!“ Woher kennen diese Menschen denn diese theologische Definition der Hölle? Der Mensch ist eigentlich nicht Urbild, sondern Abbild, nämlich Abbild Gottes. Darum kann kein Mensch ungeliebt sein wollen.

Hat die christliche Weihnachtsbotschaft überhaupt noch eine Chance in einer Gesellschaft, in der uns Meldungen über vernachlässigte und getötete Kinder immer wieder erschüttern?

Kardinal Meisner: Mit welch angespannten Erwartungen an Harmonie, Liebe und Frieden wird gerade Weihnachten überfrachtet! Angesichts einer Welt voll Krieg und unfassbarer Grausamkeiten sammeln sich hier tiefste Sehnsüchte der Menschen wie in einem Brennglas. Die Antwort von Weihnachten ist aber gerade nicht ein gefühliger Seelenbalsam, sondern die Unbequemlichkeit der Krippe: In diesem Kind hat Gott am eigenen Leib erfahren, was Menschsein heißt. Er macht sich damit gerade mit den Notleidenden gleich, und er appelliert an die Betrachter der Krippe: Lasst euch im Herzen bewegen von diesem Anblick!
Glaube ist keine Vertröstung sondern Lebenshilfe

Und welche Pflichten haben wir an Weihnachten?

An den Heiligen Drei Königen lässt sich beispielhaft ablesen, wie diese entscheidende Bewegung aussieht: Sie gehen vor dem Kind in die Knie. Das heißt: Auch wir müssen uns auf Augenhöhe mit diesem Kind begeben, um weihnachtliche Menschen zu werden. Dann können wir auch Engel für unsere Mitmenschen werden, gerade für die Schwächsten.

Auch Jesus wurde in ärmlichen Verhältnissen geboren – welche soziale Verpflichtung ergibt sich daraus heute für die Kirche?

Kardinal Meisner: In unseren Städten stand schon zu allen Zeiten neben dem Gotteshaus immer das christliche Krankenhaus. Das bedeutet: Glaube will immer in der Liebe aktiv werden. Glaube erweist sich darin eben nicht als eine folgenlose Vertröstung, sondern als konkrete Lebenshilfe mit Hand und Fuß.

Setzen das die Menschen heute auch so um?

Kardinal Meisner: In unserer globalisierten Welt wächst gottlob auch das Bewusstsein der Verantwortung für die fernen Nächsten auf allen Kontinenten, und es muss noch weiter wachsen. Entscheidend bleibt, dass jede hilfreiche Zuwendung getragen ist von der Liebe Gottes, der uns zuerst liebt und uns dadurch zum Guten befähigt.
German Meisner weist Schavan zu Recht in die Schranken
Dec 08, 2007
Kardinal Joachim Meisner hat der Bundesforschungsministerin Annette Schavan vorgeworfen, sie habe ihre christlichen Prinzipien aufgegeben. In der Tat zeigt die Christdemokratin einen unglaubwürdigen Spagat zwischen christlicher Moral und politschem Zweckdenken.

(Die Welt, 7. Dezember 2007) Die Politik darf es nicht akzeptieren, dass der Tod von Embryonen mit der möglichen Heilung von Menschen verrechnet wird.

Kölns Kardinal Joachim Meisner ist für seine entschiedenen, oft provozierend formulierten Positionsmeldungen bekannt, ja berüchtigt. Regelmäßig lösen sie im linksliberalen Milieu einen medial verstärkten Sturm der Entrüstung aus, besonders bei antiklerikalen Grünen wie Claudia Roth oder Volker Beck. Dieses Mal gehen die beiden mit Meisner aber überraschend konform: „Wo er recht hat, hat er recht“, kommentierte Beck, parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen, die Philippika des Kölner Erzbischofs gegen Annette Schavan. Die Bundesforschungsministerin (CDU) hatte beim CDU-Bundesparteitag mit einer raffiniert eingefädelten Blitzabstimmung einen Antrag auf Lockerung des Stammzellengesetzes durchgesetzt.
Nun steht sie als Umfallerin da, als eine Ministerin, die, wie Meisner es formulierte, „christliche Prinzipien aufgibt“ und sich damit gegen die katholische Kirche stellt, der sie selbst angehört.

Zweifellos hat der Kardinal Recht, wenngleich sich so mancher Katholik fragen dürfte, ob das Katholische bzw. Christliche in den christdemokratischen Parteien überhaupt noch Priorität beanspruchen darf. Auf zu vielen Feldern haben sich CDU und CSU in den letzten Jahren den allgemeinen Trends angepasst, ja anpassen müssen, um als Volkspartei wählbar zu bleiben. Für konservative Kritiker lautet so das Alleinstellungsmerkmal der Unionsparteien heute: Beliebigkeit.

Man gab sich, wie bei der Abtreibungsfrage, mit Formelkompromissen zufrieden oder laviert wie derzeit in der Familienpolitik. Das verbindliche „Wertefundament“ (Meisner), das es rechtfertigt, das „C“ im Parteinamen zu führen, ging dabei verloren.
Eine Politik, die es akzeptiert, dass die Forschung den Tod von Embryonen mit der möglichen Heilung von Menschen verrechnet, verlässt ihre selbst gesetzten ethischen Grundlagen. Und dies ausgerechnet in einem Augenblick, da der Wissenschaft der Durchbruch bei der Forschung mit Hautzellen gelungen scheint. Dass Annette Schavan nach der aufbrandenden Kritik an ihrer Entscheidung nach¿schob, sie habe als Ministerin immer die adulte Stammzellforschung gefördert, aber diese sei ohne vergleichende Embryonennutzung nicht Erfolg versprechend genug, zeigt einen höchst unglaubwürdigen Spagat zwischen Moral und Zweckmäßigkeit. Man kann eben nicht nur ein bisschen an Gott und seine Schöpfungsordnung glauben, sondern ganz – oder gar nicht.
Schlagworte
Stammzellen Meisner Schavan Christlich CDU
Der eigentliche Adressat von Meisners harscher Kritik ist deshalb Angela Merkel, die bei der Abstimmung ihr ganzes Gewicht in die Waagschale warf, um die Mehrheit des Parteitags gegen die Lockerung der Stammzellenforschung umzudrehen. Denn die Kanzlerin weiß, dass die SPD im Bundestag mehrheitlich für den verstärkten Import von Stammzellen votieren wird – und da soll die Koalition geschlossen auftreten. Macht in der Politik und Allmacht in der Forschung spielen sich so in die Hände.
German Heilmittel gegen Einsamkeit ist Heiligenverehrung
Nov 03, 2007
Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat zu einer Verehrung der Heiligen aufgerufen. Dies sei das «Heilmittel» gegen die Einsamkeit, unter der viele Menschen heute litten, sagte Meisner laut Redemanuskript in seiner Predigt zum Allerheiligenfest am Donnerstag in Köln.

(epd, 01.11.2007) Köln. «Wenn wir die Heiligen verehren, kommen nicht die Toten zu uns auf Besuch, sondern die Lebenden.» Die Kirche lebe mit der Gemeinschaft der Heiligen, so Meisner weiter.

So würden in jeder Messe nicht nur die Gläubigen angesprochen, sondern auch die unsichtbaren Glieder des Leibes Christi, die Heiligen. Erst in der Gemeinschaft mit ihnen werde der große Hunger nach «wirklicher Gemeinschaft durch die Welt» gestillt, wie ihn schon Friedrich Schiller und Karl Marx beschrieben hätten.

Allerdings sei die Gemeinschaft im kirchlichen Raum nicht immer das, was sie sein solle, bemängelte der Kardinal. Es gebe Gemeinden, die nur verwaltet würden. Eine Unmenge von Organisationen sei noch kein Beweis dafür, «dass eine Pfarrgemeinschaft da ist, dass die Wirklichkeit des lebendigen Christus in ihr berührbar wird».

Als wichtigste Gemeinschaft bezeichnete Meisner die Familie, denn sie umfasse «die Fülle des Lebens». Von ihrer substanziellen Gesundheit hänge das Leben der Gesellschaft und der Kirche ab. Aber diese Zelle sei heute nicht mehr intakt. «Nur dort, wo der Geist des Dienens, der Geist des Füreinander-Daseins in einer Familie zu Hause ist, da ist die Familie gesund und vital», betonte der Erzbischof.
German Kardinal Meisner darf nicht mehr Hassprediger genannt werden
Oct 31, 2007
Nach dem "Hassprediger"-Vorwurf gegen den Kölner Kardinal Joachim Meisner ist dem Grünen-Politiker Volker Beck eine Wiederholung dieser Äußerung gerichtlich verboten worden.

Köln (AFP) — Mit einer entsprechenden Einstweiligen Verfügung sei das Landgericht Köln der Auffassung des Kölner Erzbistums gefolgt, wonach die Äußerung eine Beleidigung und einen "Angriff auf die Ehre des Kardinals" darstelle, erklärte das Bistum. Bei Zuwiderhandlung droht Beck demnach ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro oder ersatzweise Ordnungshaft bis zu sechs Monaten. Beck prüft rechtliche Schritte gegen die Anordnung.

Die Antragsschrift habe darauf hingewiesen, dass der Begriff "Hassprediger" Personen bezeichne, "die unter religiöser Verbrämung volksverhetzende Aktivitäten entfalten und zu Gewalt aufrufen", erklärte das Kölner Erzbistum. In diesem Sinne werde der Ausdruck insbesondere in den Medien verwendet. Er stelle daher in Bezug auf den Kardinal eine schwere Beleidigung dar, die auch strafrechtlich relevant sei. Erst im Juni setzte das Erzbistum Köln eine Einstweilige Verfügung gegen den Kölner Kabarettisten Jürgen Becker durch, nachdem dieser Meisner ebenfalls als "Hassprediger" bezeichnet hatte.

Vor der Einleitung der gerichtlichen Schritte wurde Beck nach Angaben des Erzbistums schriftlich aufgefordert, "diese diskriminierende Beschimpfung des Kardinals" zukünftig zu unterlassen. Darauf habe der Grünen-Politiker allerdings nicht reagiert.

Der Grünen-Politiker bestätigte, dass ihm die Einstweilige Verfügung zugegangen sei. "Herr Beck lässt sie jetzt prüfen und wird dann entscheiden, ob er gegen sie rechtliche Schritte unternimmt", erklärte ein Sprecher seines Bundestagsbüros.

Am Vortag hatte Beck bedauert, Meisner im Magazin "Spiegel" als "selbstgerechten Hassprediger" bezeichnet zu haben. Seine inhaltliche Kritik an den Äußerungen des Erzbischofs zu Themen wie Homosexualität hielt er aber aufrecht. Die Predigten des Kardinals "würdigen immer wieder Menschen herab" und seien so "oft auch geeignet, Hass gegen diese Gruppen zu schüren", erklärte Beck.

Anlass für Becks Kritik war eine Predigt Meisners im Schweizer Wallfahrtsort Einsiedeln, bei der er Anfang Oktober gesagt hatte: "Die so genannten alternativen Modelle menschlichen sexuellen Zusammenlebens sind aber unwahr, und darum für den Menschen im Kern verderblich."
German „Heute ist uns der Wahrheitsdienst Mariens unentbehrlich“
Oct 30, 2007
Aus aktuellem Anlass veröffentlichen wir die Predigt, die der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner am Gedenktag Maria, Königin des Rosenkranzes (7. Oktober) in der Basilika des Wallfahrtsortes Maria Einsiedeln gehalten hat.

Wie die Pressestelle des Erzbistums am Samstag bekräftigte, hatte Kardinal Meisner mit seiner Predigt „das getan, was seines Amtes als Bischof ist: die kirchliche Lehre zu verkündigen sowie den Wert und die Würde von Ehe und Familie zu verteidigen“. Niemandem habe er mit seinen Worten das Existenzrecht abgesprochen, wie ein Grünen-Politiker behauptet hatte; vielmehr sei es ihm darum gegangen, „die Bedeutung von Ehe und Familie für die menschliche Gesellschaft“ zu unterstrichen. „Dies ist die ureigenste Aufgabe eines katholischen Bischofs.“

In Einsiedeln hatte Kardinal Meisner zur Beachtung der Wahrheit über den Menschen aufgerufen und unter anderem festgestellt: „Die Schönheit Mariens hat etwas zu tun mit ihrer Sündenlosigkeit. Die Sünde macht immer alt und hässlich. Eine Abtreibung etwa, so sagt man, macht eine Frau älter als ein halbes Dutzend Geburten. Menschliche Schönheit bedeutet, die Schönheit Gottes durch unser Wesen durchscheinen zu lassen.“

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Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Ist nach 90 Jahren Fatima-Bewegung die Botschaft von Fatima erledigt? Oder sind 60 Jahre Fatima-Sühnekreuzzug zum Gegenstand der Vergangenheit geworden? Und sind wir heute zum 30. Mal zu einer Marienfeier letztmalig in Einsiedeln versammelt? Ist die Botschaft Mariens im größer und einiger werdenden Europa erledigt? – Wir werden sagen müssen: Ganz im Gegenteil! Europa droht sich von seinen Wurzeln abzuschneiden. Europa ist dabei, unbegreiflicherweise die Quelle zu verstopfen, aus der sich sein reiches kulturelles und zivilisatorisches Leben entfaltet hat. Europa will den Namen Gottes aus seiner Verfassung und darin die Berufung auf Jesus Christus vermeiden. Der große Beter und Schriftsteller Reinhold Schneider schrieb in den letzten Kriegsjahren: „Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unseren Häuptern aufzuhalten.“ Das Wort kann man auch heute noch wegen seiner Aktualität wiederholen: „Allein den Betern kann es noch gelingen, Europa vor seiner Selbstzerstümmelung zu bewahren!“ Es scheint aus den Katastrophen des 20. Jahrhunderts nichts gelernt zu haben! Und darum bleibt die Fatima-Botschaft von Gebet und Buße das einzige Rettungsmittel, das unser christliches Europa und damit die außereuropäische christliche Zivilisation erhalten kann. Darin ist uns Maria als Orientierungspunkt, Mithelferin und Beterin unverzichtbar.

1. Der Mensch ist von Gott als die Krone der Schöpfung gedacht und ins Dasein gerufen. Maria aber ist die Krone des Menschengeschlechtes, sodass wir sagen können: Sie ist die Krone der Krone der Schöpfung. Wir müssen mit ihr intensiver arbeiten und uns von ihr mehr denn je Orientierung geben lassen.

Weil die Welt als Schöpfung aus der liebenden Hand Gottes kommt, ist sie von Glanz, Würde und Ehre geprägt und gezeichnet. Weil der Mensch die Krone der Schöpfung ist, gilt das in ganz besonderer Weise vom Menschen. Und weil Maria die Krone der Menschheit ist, finden wir gleichsam den Schöpfungsplan Gottes in ihr und bei ihr in Reinkultur wieder: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir“ (Lk 1,28). Sie ist wirklich die Krone der Krone der Schöpfung.

2. Die Weisheit der Menschheit beschreibt diesen Glanz und diese Würde des Daseins mit vier Wirklichkeitsbegriffen: das Dasein aus Gottes Hand ist immer eine Einheit, es ist also eines, es ist gut, es ist wahr, und es ist schön. Das sind auch unsere ganz persönlichen Prägestempel, die uns vor Gott und der Welt auszeichnen. Da wir diese Prägestempel weithin aus dem Blick verloren haben, nehmen wir sie kaum noch zur Kenntnis und werden von Minderwertigkeitskomplexen bestimmt mit allen sich daraus ergebenden negativen Konsequenzen. „Erkenne dich selbst“, heißt es in diesem Zusammenhang: „Erkenne Maria, weil sie voll der Gnade ist, damit du dich selbst und deine Berufung erkennen kannst!“

3. Das Dasein ist eine Einheit. – Der Mensch ist eins, weil er eine Person ist. Aber durch die Sünde ist er gespalten und auseinander gefallen: Er erfährt sich oft nur noch als Triebbündel, als zerfahren, als atomisiert. Er ist in seiner Persönlichkeit gespalten. Das diagnostizieren die Psychologen mit dem Wort „Schizophrenie“. Der Apostel Paulus schildert dasselbe, indem er im Römerbrief sagt: „Ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will. Ich unglücklicher Mensch“ (Röm 7,19.24). Die so genannte Aufklärung im 19. Jahrhundert meinte, wenn der Mensch weiß, was gut ist, dann tut er auch das Gute. Darum definierte man: „Wissen ist Macht“. Aber das war und ist ein Grundirrtum, wie Paulus sagt: „Ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will.“ Der Mensch ist nicht heil oder durch die Aufklärung allein zu heilen. Stalin und Hitler waren keine Monstren, sondern sie waren Menschen. Sie haben aber durch ihre Taten den naiven Aufklärungsglauben ad absurdum geführt. Und die Buche, unter der Goethe auf dem Eltersberg in Weimar den deutschen Humanismus definiert hat: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“, stand dann auf dem Appellplatz des KZ Buchenwald bei Weimar, auf dem die Menschenwürde mit Füßen getreten wurde. Franz Grillparzer hatte schon recht, wenn er schreibt: „Humanität ohne Divinität ergibt Bestialität“, das heißt: „Menschlichkeit ohne Göttlichkeit pervertiert zur Unmenschlichkeit“.

Der Prophet mahnt das Volk Gottes, indem er sagt: „Wie lange noch schwankt ihr nach zwei Seiten?“ (1 Kön 18,21). Maria ist dazu das große Gegenbild Gottes. Sie ist ohne Sünde und darum ganz bei sich selbst. Sie steht nicht außer sich, sondern ganz und gar in sich. Und sie ist nicht getrieben von Leidenschaften, sondern ruht ganz in Gott und damit ganz in sich selbst. Darum steht sie zu ihrem Auftrag, sie steht so unter dem Kreuz, sodass sich Gott ganz auf sie verlassen kann. Sie steht zu ihrem „Ja“-Wort von Nazareth bis Golgotha. Sie zeichnet sich aus durch Standfestigkeit und übersteht alle Katastrophen des Lebens. Maria ist zuverlässig. Auf sie kann sich Gott ganz und gar verlassen, und darum können auch wir Menschen uns auf sie verlassen. Wir wissen, woran wir bei Maria sind: Sie steht zu uns und spricht für uns und hält zu uns, wie das etwa das Schutzmantelbild der Mutter Christi zeigt: „Dein Mantel ist sehr weit und breit, er deckt die ganze Christenheit“. Er ist nicht durchlöchert und nicht zerfasert. Maria will uns zu wahren Menschen heranwachsen sehen, die mit Gott, den Menschen und sich selbst innerlich und äußerlich eins sind.

4. Die zweite Daseinsweise, die uns Menschen von Gott her geschenkt und eingeprägt ist, nennen wir das Gutsein oder die Güte. Denn Gott ist das höchste Gut, und darum kann sein Werk, der Mensch und die Welt, nicht ungut sein. Maria ist der gute Mensch schlechthin: die gute Mutter ihres Sohnes, die gute Gehilfin ihres Bräutigams, die gute Frau auf der Straße der Welt. Von Jesus heißt es: „Er hat alles gut gemacht“ (Mk 7,37). Er hat im Hause Mariens in Nazareth nichts Schlechtes gesehen und nichts Schlechtes gehört. So dürfen wir auch von Maria sagen, wo immer wir ihr begegnen: Sie hat alles gut gemacht – in Nazareth, in Bethlehem, in Kana, in Ägypten, in Jerusalem. Maria ist nicht des Bösen fähig. Sie kann nicht zum Unguten inspirieren. Von ihr geht man immer besser weg, als man zu ihr hingekommen ist. Die Wallfahrtsorte sind mit ihren vielen Votivgaben ein Beweis dafür: „Maria hat geholfen“, steht meistens darauf. Ihr gutes Herz strahlt in ihrer Güte auf alle Menschen aus, die in ihre Nähe kommen. Mutter Teresa von Kalkutta lebte und handelte und sprach immer mit dem Rosenkranz in der Hand, das heißt in der Nähe Mariens. Darum ging soviel Segen von ihm aus. Manche Kinder sagen ihren Eltern, dass sie immer besonders gut zu ihnen sind, wenn sie von einer Marienwallfahrt nach Hause kommen. Nicht nur, weil sie ihnen dann ein kleines Geschenk mitgebracht haben, sondern sie spüren etwas von der Güte und Menschenfreundlichkeit Mariens, die einfach auf Menschen in ihrer Nähe abfärben.

5. Das Sein in der Welt ist wahr, weil Gott die Wahrheit in Person ist. Der Mensch aber macht oft sein eigenes Dasein unwahr, wenn er das Schöpfungsgedächtnis verliert. Wenn er zum Beispiel meint, dass Mann und Frau nicht aufeinander bezogen sind, damit sie in der Ehe zur Familie werden. Alle so genannten alternativen Modelle des menschlichen sexuellen Zusammenlebens sind aber unwahr und darum für den Menschen im Kern verderblich. Die Menschheit richtet sich hier selbst zugrunde. Maria ist dagegen wahr wie klares Quellwasser. Bei ihr gibt es keine faulen Kompromisse: ihr „Ja“ ist ein „Ja“ – „Mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38). Und ihr „Nein“ ist ein „Nein“ – Das sagt und tut in ihrer Nachfolge die Kirche dann auch. Aber dafür erhält sie Widerspruch von der Welt, aber nicht von Gott.

Es ist in der Christenheit üblich geworden, in den großen Themen der Weltgeschichte mitzureden, aber es rührt sich kaum noch eine Stimme, die sich schützend vor die ungeborenen Kinder stellt und die Abtreibung mit allen Konsequenzen ablehnt, die laut uns stark sagt: „Embryonen sind ungeborene Kinder. Und darum darf man sie nicht als Ersatzteillager für kranke Menschenkörper verbrauchen“. Und die Stimme der Kirche sagt: „Euthanasie ist ein Attentat auf die Heiligkeit Gottes, weil alles menschliche Leben aus der Hand Gottes hervorgeht“. Und sie sagt: „Ehe und Familie sind nicht nur gesellschaftlich-soziologische Größen, sondern sie sind göttliche Realitäten und darum schützenswert und verteidigungswürdig“. Hier steht Maria als Mutter, die weiß, was ein ungeborenes Kind ist. Und sie leidet mit den Müttern, weil mit jeder Abtreibung auch ein Teil der mütterlichen Seele stirbt.

Maria widersteht der großen Versuchung, Jesus vom Kreuz herab zu nehmen, weil sie um den Willen des Vaters im Himmel weiß. Maria verbreitet eine saubere und wahrhaftige Atmosphäre um sich. Die Jünger versammeln sich vor Pfingsten im Abendmahlssaal von Jerusalem um sie. Man weiß bei ihr, woran man ist. Sie verweist immer auf ihren Sohn: „Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2,5). Der Satan aber ist der Vater der Lüge, Maria die Mutter der Wahrhaftigkeit, die dem Satan den Kopf zertritt. Maria täuscht nicht, sie orientiert, sie will nie etwas für sich, sondern immer für die Ihren. Sie ist darum die Mutter des guten Rates, denn sie wird nicht von Eigeninteressen bewegt, sondern von der Wahrheit, das heißt von Gott, der das Beste für uns Menschen will und tut.

Heute ist uns der Wahrheitsdienst Mariens unentbehrlich. Die Wahrheit wird gebeugt, verletzt oder verwundet, auch manchmal in der Kirche, um so genannter „höherer Werte“ willen auf vielen Gebieten menschlichen Lebens. „Die Wahrheit wird euch befreien“ (Joh 8,32), sagt Christus. Sie hat eine unwiderstehliche Überzeugungskraft. Haben wir keine Angst vor der Wahrheit! In Maria hat sie das liebenswürdige Gesicht der Mutter angenommen. „Sie haben keinen Wein mehr“ (Joh 2,3), sagt sie zu ihrem Sohn. Sie nimmt auch heute die Situation des Menschen wahr und sagt: „Sie haben keine Wahrheit mehr“. Und sie weiß, wo wahre Abhilfe geschaffen wird, indem sie zu Jesus geht, der gesagt hat: „Die Wahrheit wird euch befreien“.

6. Die Wirklichkeit der Welt ist schön, weil sie noch den Schimmer der Schöpfungshände Gottes trägt. Vielleicht ist diese Erkenntnis für uns heute am schwierigsten zu akzeptieren. Gott machte doch aus dem Chaos den Kosmos, das heißt aus dem Tohuwabohu das geordnete Schöne. Es ist nicht von ungefähr, dass die schönsten Menschenbilder der Welt Marienbilder sind. Denken wir nur an die Sixtinische Madonna in Dresden oder an die berühmte Pietà von Michelangelo in Rom oder die Lochner-Madonna im Kölner Dom. Wir singen im Marienlied: „Die Schönste von allen“. Die Schönheit Mariens hat etwas zu tun mit ihrer Sündenlosigkeit. Die Sünde macht immer alt und hässlich. Eine Abtreibung etwa, so sagt man, macht eine Frau älter als ein halbes Dutzend Geburten. Menschliche Schönheit bedeutet, die Schönheit Gottes durch unser Wesen durchscheinen zu lassen. Das ist in Maria durch die Gnade Gottes konkurrenzlos geschehen. Sie gewinnt jeden Schönheitswettbewerb. Damit macht sie uns auf ihre Schönheit Appetit, die darin besteht, die größtmögliche Übereinstimmung unseres Willen mit dem Willen Gottes zu erwirken.

Ich denke oft, wenn im Fernsehen eine Miss Amerika oder Miss Europa vorgestellt wird, ob Gott diesen Preis auch diesen konkreten Personen verleihen würde, oder würde er ihn nicht viel mehr einer Mutter inmitten einer großen Familie oder einer chronisch Kranken auf ihrem Krankenlager verleihen? Denn Schönheit ist nicht nur eine Frage nach der Figur, der Sportlichkeit und des Aussehens, sondern Schönheit ist der Widerschein der menschlichen Würde. Wo der Mensch durchlässig wird für die Wirklichkeit Gottes und damit auch immer für die Schönheit Gottes, wie bei Maria, dort erstrahlt auch der Mensch in der Harmonie der Schöpfung, in der inneren Ordnung des Schöpfers, die wir Schönheit nennen. Bei Maria dringt und strahlt Gottes Schönheit aus ihrem Antlitz, aus ihren Augen, aus ihrem Sprechen und Handeln. „Agere sequitur esse“, sagen die Philosophen – „das Handeln fließt aus dem Sein“. Weil Maria ganz schön im Bilde Gottes ist, schenkt sie und erweckt sie Schönheit dort, wo sie ist und wo sie lebt.

Die Wirklichkeit der Welt und des Menschen ist gleichsam stigmatisiert von dem Wirklichen schlechthin, das heißt von Gott. Er ist der Eine, der Gute, der Wahre und der Schöne. Wenn der Mensch zu sich selbst kommen möchte, um damit glücklich zu werden, dann gehe er zu Maria. Hier findet er ins Menschsein übersetzt, gleichsam in Reinkultur, wozu wir alle bestimmt und berufen sind: Ebenbilder des lebendigen Gottes zu werden, indem wir eins in uns selbst sind, gut, wahr und schön werden: ein wenig wie Maria, aber ganz sicher mit Maria. Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Kardinal wehrt sich gegen Hassprediger-Vergleich
Oct 28, 2007
Der Kölner Kirchenfürst Meisner hat die Triebhaftigkeit des Menschen und alternative Partner-Modelle kritisiert. Darüber ärgert sich der Grünenpolitiker Volker Beck und facht den Streit zwischen seiner Partei und der katholischen Kirche weiter an.

(Welt, 27. Oktober 2007) Nach dem Vorwurf des Grünen-Politikers Volker Beck, der Kölner Kardinal Joachim Meisner sei ein "Hassprediger", prüft das Erzbistum rechtliche Schritte. Das teilte ein Sprecher Meisners in Köln mit. Die Erzdiözese werde die vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" veröffentlichten Vorwürfe Becks genau prüfen. Bereits im Juni hatte das Erzbistum eine Einstweilige Verfügung gegen den Kölner Kabarettisten Jürgen Becker erwirkt, der Meisner ebenfalls als "Hassprediger" bezeichnet hatte.

Beck hatte sich laut "Spiegel" zu einer Predigt Meisners zum angeblichen Sittenverfall in Europa und zum "Triebbündel" Mensch, das sein Schöpfungsgedächtnis verloren habe, geäußert. Im Schweizer Wallfahrtsort Einsiedeln hatte Meisner dem Bericht zufolge Anfang Oktober mit Blick auf die zunehmend legalisierten eheähnlichen Gemeinschaften formuliert: Die "sogenannten alternativen Modelle menschlichen sexuellen Zusammenlebens sind aber unwahr, und darum für den Menschen im Kern verderblich. Die Menschheit richtet sich hier selbst zugrunde".

Beck, der selbst bekennender Homosexueller ist, sagte laut "Spiegel": "Kardinal Meisner betätigt sich einmal mehr als selbstgerechter Hassprediger, denn er spricht ganzen Gruppen von Menschen die Existenzberechtigung ab."

Das Erzbistum erklärt Meisners Predigt

Dazu hieß es aus der erzbischöflichen Pressestelle, Meisner habe mit seiner Predigt niemanden das Existenzrecht abgesprochen. Er habe vielmehr die Bedeutung von Ehe und Familie für die menschliche Gesellschaft unterstrichen. "Dies ist die ureigenste Aufgabe eines katholischen Bischofs. Das Recht dazu lässt er sich von niemandem nehmen", teilte der Sprecher des Kardinals mit.
Beck stellt seine Aussagen klar
Beck wiederum versuchte seine Bemerkung über Meisner im nachhinein richtig zu stellen. Er habe Kardinal Meisner "keineswegs in die Nähe von Terroristen, Islamisten und Selbstmordattentätern" stellen wollen. Er habe vielmehr auf die "grobe" Predigt Meisners im Schweizer Einsiedeln einen "groben Klotz" gesetzt, so Beck, weil sich der Kardinal darin als ein Religionsführer gezeigt habe, der "den rechten Glauben über die Rechte der Menschen" stelle. Der von ihm verwendete Begriff "Hassprediger" ziele somit auf den Inhalt der Predigt des Kölner Erzbischofs.

Erst am Mittwoch hatten sich die Grünen und der Augsburger Bistumssprecher Dirk Voß darauf verständigt, ihren öffentlichen Streit zu beenden. Voß nahm seinen Nazi-Vorwurf gegen die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth zurück. Der Sprecher der Grünen für Kirchenpolitik, Josef Winkler, erklärte daraufhin, es sei Zeit, diese Art der Auseinandersetzung zwischen dem Bistum und den Grünen zu beenden. Roth hatte den Augsburger Bischof Walter Mixa als "durchgeknallten spalterischen Oberfundi" angegriffen.
Voß hatte das mit der Hetze der Nazis gegen die Kirche verglichen und Roth "faschistoide Züge" vorgeworfen. Der Konflikt zwischen Grünen-Politikern und katholischen Würdenträgern findet kein Ende.
German Kardinal macht Nordic Walking
Oct 26, 2007
Der Kardinal macht Frühsport. Noch vor der Messe in der Kapelle des Erzbischöflichen Hauses „übt er sich, den erzbischöflichen kleinen Park mit zwei Stöcken schnellen Schrittes auf- und abwandernd, im Nordic Walking“.

(Kölner Stadt-Anzeiger, 25.10.07) Das Frühstück nach dem Gottesdienst fällt spärlich aus, Kardinal Joachim Meisner begnügt sich mit einem Apfel und einer Tasse Kaffee, sein Geheimsekretär, Kaplan Oliver Boss, lässt sich ein Müsli schmecken. Die Journalistin Gudrun Schmidt sitzt mit am Tisch. Sie hat den Kölner Erzbischof eine Woche lang begleitet - um eine Antwort auf die Frage zu finden: „Was macht eigentlich ein Kardinal den ganzen Tag?“

Was die Autorin in dieser Zeit erlebt hat, schildert sie in dem Buch „7 Tage mit dem Kardinal“, das Robert Boecker, stellvertretender Chefredakteur der Kirchenzeitung, mit hervorragenden Fotos illustriert hat. Schmidt hat den Kölner Oberhirten („Er ist ein christlicher Manager“) als offenen, zugänglichen Menschen erlebt, der „ungeheuer viel arbeitet“ und „sich immer wieder zum Gebet zurückzieht“, um Kraft zu tanken. Post bearbeiten („Der Kardinal will jeden Brief selbst lesen“), Besucher empfangen, Sitzungen abhalten, Predigten schreiben, Besuch beim Gemeindejubiläum, Einweihung einer Ausbildungsstätte für Pflegekräfte - und zwischendurch immer wieder beten. Der Leser erfährt eine Menge Privates: Nicht nur, dass die Schwestern Ingridis und Radegundis, die ihm den Haushalt führen, einen viel gerühmten schlesischen Mohnkuchen backen (Rezept wird mitgeliefert). Er liest auch von der Uhr im Büro, auf der stündlich eine andere Vogelstimme die Uhrzeit verkündet - ein Geschenk des Domkapitels -, vom exzellenten Kaffee, den Kaplan Boss mit seiner Espressomaschine braut, und davon, dass Meisner kaum zum Fernsehen kommt. Und wenn doch, dann interessiert ihn vor allem Historisches.

Wer Schmidts Buch liest, erfährt aber auch eine Menge darüber, wie und was der Kardinal denkt und glaubt. „Was er sagt, sagt er aus innerster Überzeugung“, hat die Autorin festgestellt. „Er misst alles am Wort Gottes und ist nicht nur streng gegenüber anderen, sondern auch gegen sich selbst.“ Die Autorin schreibt mit viel Sympathie für den Erzbischof, handelt kritische Äußerungen etwa in den Medien aber auf eine etwas undifferenzierte Art und Weise ab.

Gudrun Schmidt, 7 Tage mit dem Kardinal, 112 Seiten, 113 Abbildungen, Bachem Verlag, 19,95 Euro.
English Cathedral window shatters peace
Sept 05, 2007
Politicians say that Cardinal Meisner is aggravating tensions with Islam, others say he's trying to stir up an ancient debate.

The Times of London, September 4, 2007
Roger Boyes in Berlin

The Cardinal was not amused. When Gerhard Richter, one of the world’s most expensive living artists, designed an abstract stained glass window for Cologne Cathedral, Cardinal Joachim Meisner could barely conceal his anger.

“It belongs in a mosque or another house of prayer, not this one,” fumed the city’s Catholic Cardinal, who chose to attend an engagement in Poland when the window was unveiled. “If we are going to have a new window, then it should be one that reflects our faith, not just any faith.”

Politicians say that the Cardinal is aggravating tensions with Islam, while other churchmen say he is trying to stir up an ancient debate about how one should depict and visually pay tribute to God. Mr Richter, meanwhile, feels deeply misunderstood. “I would not have been able to work for a mosque,” said the 75-year-old, whose paintings are sold frequently for millions of pounds at auction. For the past three years he has been ranked as one of the top-earning artists in the world by Capital magazine and he has been hailed as “the Picasso of the 21st century”.

Mr Richter, who lives in Cologne, selected the order of the 11,200 individual panes of glass by random computer generation. The intention was to show that what appears to be coincidence is part of a divine design. The window is huge, spanning 110 sq m (1,200 sq ft), and when the sun shines in, the church is dappled with shades of red, blue, green and yellow.

The Cardinal would have preferred a saint or two.

The original window, sponsored by the Hohenzollerns, the Prussian royal family, depicted mediaeval heroes. Cardinal Meisner wanted the window to be replaced with glass paintings of the saints Maximilian Kolbe and Edith Stein - both of whom perished at the hands of the Nazis. But the supervisors of the cathedral settled on Mr Richter’s abstract design.

Islam has a tradition of barring the depiction of living beings in sacred spaces and the Cardinal clearly believes that Mr Richter has gone too far towards the Islamic iconoclasm. The atmosphere is raw in Cologne because of the popular opposition to a new mosque for the city’s 120,000 Muslims. The plans include high minarets that could visually challenge the towers of the cathedral, which reach a height of 157 metres. The Cardinal has gone on record about that too: “It leaves me with an uneasy feeling.”

The new window is garnering widespread praise, from the mayor, Protestant churchmen and art critics. Only the Cardinal, who has to celebrate Mass in the cathedral, has qualms.
German Kardinal warnt vor Anpassung an den Zeitgeist
Jun 10, 2007
Ein schärferes Profil der Christen hat der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner gefordert. In einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag warnte er am 8. Juni vor rund 7.000 Besuchern im Kölner Dom vor einer Anpassung an den Zeitgeist: „Die Welt hat sich vor dem Evangelium zu rechtfertigen und nicht umgekehrt.“

K ö l n (idea, 9.06.07) – Alle Kirchentagsbesucher „müssten ein wenig christusgeschärfter nach Hause fahren, als sie hierher gekommen sind“, so Meisner im Blick auf das biblische Leitwort des Protestantentreffens „Lebendig und kräftig und schärfer“. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider (Düsseldorf), ermunterte die Christen in seiner Predigt, ihren Glauben zu pflegen und sich Zeit dafür zu nehmen. Es bestehe die Gefahr, dass der Glaube in der Alltagsgeschäftigkeit austrockne. Gottes Wort entfalte auch heute eine „unbändige Kraft“ und schärfe Geist und Sinne. In dem Gottesdienst wirkte auch der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos mit.
German Kardinal Meisner wirft Kirchentag Beliebigkeit vor
Jun 05, 2007
Unmittelbar vor Beginn des 31. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Köln hat Kardinal Joachim Meisner dem Kirchentag Beliebigkeit vorgeworfen.

(dpa, 5. Juni 2007) Köln. „Das Programmbuch mit seinen 600 Seiten erweckt zunächst den Eindruck eines ,Leipziger Allerleis‘“, schreibt der katholische Erzbischof von Köln in einem Grußwort im heutigen „Kölner Stadt-Anzeiger“. Es sei „dringend zu wünschen“, dass aus der Fülle von Themen und Veranstaltungen eine „Kölner Eindeutigkeit“ entsteht, so Meisner weiter. Er zitiert dazu den französischen Schriftsteller und Reformkatholiken Léon Bloy (1846-1917), der den „modernen Predigern“ vorhält, „stundenlang zu salbadern und sich mit vollendeter Geschicklichkeit um das Ja und Nein herumzudrücken“.

Kirchentagspräsident Reinhard Höppner sagte dazu, er könne die Kritik „nicht nachvollziehen“. Das Programm habe „einen klaren roten Faden“. Es gehe darum, „sich im Glauben zu vergewissern und Kraft zu schöpfen, um Verantwortung für die Welt wahrzunehmen“.
German Kardinal pilgerte nach Lautenbach
May 16, 2007
Am Sonntag, dem 90. Jahrestag der ersten Marienerscheinung in Fatima, war Joachim Kardinal Meisner in Lautenbach. Aus seinem Besuch wurde ein kirchliches Happening. 500 Gläubige wohnten dicht gedrängt dem Wallfahrtsgottesdienst in der Kirche Mariä Krönung bei.

(baden-online.de, 15.05.2007) Lautenbach. »Wohl noch nie in seiner 800-jährigen Geschichte als Wallfahrtsort hat Lautenbach den Besuch eines Kardinals bekommen«,  sagte Lautenbachs Pfarrer Benno Gerstner am Sonntag zu Beginn des feierlichen Wallfahrtsgottesdienstes. Erst Joachim Kardinal Meisner habe dieses Ereignis Wirklichkeit werden lassen.
Im November 2005 habe der Kölner Erzbischof mit seinen Studienkollegen eine Führung durch die Wallfahrtskirche genossen. Gerstner fragte ihn, ob er nicht  zu einem Wallfahrtstag kommen wolle. Meisner habe spontan zugesagt – und sein Versprechen gehalten. »Eine meiner Schwächen ist: Ich kann nicht nein sagen«, fügte der Kardinal schmunzelnd an.
Für den Kardinalbesuch hatte sich Lautenbach herausgeputzt. Die Durchfahrtsstraße war mit gelbweißen Kirchenfahnen geschmückt. Obwohl der Gottesdienst erst auf 19 Uhr angesetzt war, kamen die ersten Gläubigen bereits gegen 13 Uhr, um sich in der Kirche einen guten Platz zu sichern. Um 15 Uhr war der benachbarte Schulhof vollgeparkt. Manche holten ein kleines Tischchen und Klappstühlchen aus dem Kofferraum und vesperten zwischendurch. Bald waren die etwa 350 Plätze in der Kirche belegt, sodass Helfer Dutzende von Stühlen aus dem Pfarrsaal und anderswo herbeitrugen. »Ich habe allein 60 Ersatzstühle aufgestellt«, bilanzierte Josef Huber, Mitglied des Pfarrgemeinderates.
Schließlich drängten sich 500 Gottesdienstbesucher in der Kirche. Wie immer mit dabei waren 50 Buswallfahrer aus Malsch, dem früheren Wirkungsort von Pfarrer Gerstner. »Ich war schon etwa 80-mal hier«, resümierte Busfahrer Roland Werner. Der Gottesdienst, dem Beichtgelegenheit bei Pfarrer i. R. Walter Sutterer sowie ein Rosenkranz vorausgingen, erhielt durch den Kirchenchor Lautenbach unter Dirigent Michael Erdrich seinen musikalischen Glanz. Begleitet wurde der Chor durch ein Orchester um Michael Klett und die Solisten Rebecca Ritter, Peter Erdrich und Markus Doll. Aufgeführt wurden eine Schubert-Messe, ein »Ave Maria« und »Ohne Vorbehalt und Sorge« aus eigener Produktion.
Gebet überwindet Mauern
In seiner Predigt rief Kardinal Meisner zu Buße und Gebet auf. Damit könne man, einem Psalm gemäß, über Mauern springen. Zweimal sei er einem Irrtum erlegen, sagte der 73-jährige Kardinal, der 56 Jahre – erst unter Hitler, dann unter dem SED-Regime in der DDR – in Diktaturen gelebt hatte. Er habe geglaubt, dass er den Untergang des Kommunismus nicht mehr erleben werde und, zweiter Irrtum, dass es danach keine Probleme mehr geben werde.
»Der Mauerfall brachte kein goldenes Zeitalter. Die Probleme wurden nur anders«, so Meisner, der auf das Jahr 1917 hinwies. Im selben Jahr, in dem der Kommunismus das Licht ausgeknipst habe, sei von den Marienerscheinungen in Fatima die Verheißung gekommen, dass die Sonne wieder aufgehen werde. Das Gebet sei die stärkste Botschaft der Welt. Es sei wie eine Himmelsleiter, die zu Gott führe. Jesus habe den Menschen am Ende seines Lebens vom Kreuz herab Maria geschenkt. Das Geschehen von Fatima, das sich am Sonntag auf den Tag genau zum 90. Mal jährte, könne man deshalb nicht einfach abhaken.
Europa wolle sich eine Verfassung ohne Gottesbezug geben. Ein ganzer Kontinent sei dabei, sich von Gott abzukoppeln, bedauerte er. Dies sei eine geistige Selbstverstümmelung. Meisner setzte dem die Macht des Gebetes entgegen. Zum Gottesdienst, der mit Applaus der Gläubigen endete, war beim Altar eine blumengeschmückte Statue der Muttergottes von Fatima aufgestellt, zu ihren Füßen ein Bild der Seherkinder. Es folgte eine Lichterprozession um den Wallfahrtsbezirk zur Mariensäule, ehe es wieder zur Kirche ging. Hier erklang noch eine Reihe von Marienliedern.
Abschließend trafen sich der Pfarrgemeinderat und Mitarbeiter der Pfarrei mit Kardinal Meisner zu einem Imbiss im Pfarrsaal. Meisner schaute sofort jovial in die Küche hinein, was es denn Gutes gebe. Es war ein herzhaftes Schwarzwälder Vesper. Auch sonst gab sich der eher konservative Würdenträger volkstümlich und leutselig. Als Pfarrer Gerstner an der Mariensäule zum nächsten Wallfahrtstag im Juni einlud, sprach Meisner ins Mikrofon: »Ich entschuldige mich jetzt schon.«
Zeugnis aus Lautenbach
Aussagekräftig war das Nummernschild an seinem BMW, das neben Köln, dem Amtssitz, und seinen Initialen »JM« auch die Zahl »1962«, das Jahr seiner Priesterweihe, aufwies. Übernachtet hat der erste Kardinal, der Lautenbach besuchte, im Gasthof »Kreuz«. Als Andenken erbat er sich einen historischen Beleg der Wallfahrt. Er sammle diese Zeugnisse von allen Wallfahrtsorten, die er besuche.
German Ökumene hat ihre Grenzen
May 16, 2007
Kardinal Meisner: Kein Abendmahl mit Protestanten.

(koeln.de, 15.5.2007) Auch während des Evangelischen Kirchentages, der vom 6. bis zum 10. Juni in Köln stattfindet, wird es kein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten geben. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner sprach sich im Vorfeld des Kirchentages gegen eine gemeinsame Abendmahlfeier der Angehörigen beider Konfessionen aus unterstrich mit dem Verbot der Teilnahme am evangelischen Abendmahl seinen schon früher verlauteten Standpunkt.

Grund für Kardinal Meisners erneute Ablehnung des gemeinsamen Abendmahls während des Kirchentages war die Einladung des Präses der evangelischen Landeskirche, Nikolaus Schneider, dass alle getauften Christen am Abendmahl der Protestanten teilnehmen könnten. Trotz unterschiedlicher Ansichten hinsichtlich mancher Fragen der Ökumene lobte Schneider die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche. Viele der Veranstaltungen während des Evangelischen Kirchentages finden in katholischen Kirchen und Einrichtungen statt.
German „Nicht vergessen, dem Papst den Rücken zu stärken“
May 16, 2007
Wir veröffentlichen die Ansprache, die der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner am 16. April zur Eröffnung der Papstausstellung im Kölner Maternushaus gehalten hat.

Verehrte, liebe Mitbrüder,
sehr geehrte, liebe Damen und Herren!

Im Zusammenhang mit der Einweihung der Edith-Stein-Statue am Petersdom in Rom im Oktober des vergangenen Jahres sagte mir nach den Feierlichkeiten ein älterer Herr mit Schweizer Dialekt: „Wenn Jesus 79 Jahre alt geworden wäre, würde er aussehen wie unser Papst.“ Ich erwiderte ihm, dass er vielleicht lange Haare und einen Bart hätte. Daraufhin entgegnete er: „Das kann sein, aber die Augen, die Hände, die Stimme und das Herz wären wie bei unserem Papst.“ Vielleicht hat dieser schlichte Christ das tiefste Geheimnis unseres Heiligen Vaters damit aufgedeckt und formuliert.

Als wir am 30. April 2005 um 18.30 Uhr samstags abends im Kölner Dom den Dankgottesdienst für die Erwählung von Papst Benedikt XVI. gefeiert haben, hatte ich zuvor den Domkapellmeister angerufen und gefragt, ob der Chor nicht eine Mozartmesse zu diesem Anlass singen könnte. Dies tat ich nicht nur, weil Kardinal Ratzinger Mozart liebt, sondern weil er selbst ein Mozart der Theologie ist, weil seine Theologie glasklar und von einer Schönheit ist, dass sie uns einfach das Herz abgewinnt. Zum Beispiel ist mir unvergesslich, wie der damalige Präfekt der Glaubenskongregation bei der Bischofssynode kurz vor der Fertigstellung des Weltkatechismus in der Synodenaula dem Weltgremium der versammelten Bischöfe Rede und Antwort stehen musste. In allen Sprachen hat er glänzend geantwortet. Neben mir saß Kardinal Lustiger und sagte: „So einen Menschen habe ich noch nie erlebt. Man wird gar nicht müde, ihm zuzuhören, so klar und in einer solchen Schönheit stellt er unseren katholischen Glauben dar.“

Jeden Menschen, den Gott ins Dasein ruft, betraut er mit einer einmaligen, nicht wegdelegierbaren Aufgabe. Dazu rüstet er den Menschen mit seinen Charismen, Begabungen und Gaben aus. Das wird in der Person unseres Papstes ganz besonders deutlich. Manchmal meint man, er wäre schon als Professor geboren worden. Papst Benedikt XVI. ist dann durch das Leben zu der Aufgabe geformt worden, die ihm die göttliche Vorsehung im Jahr 2005 im Konklave zugedacht hat. Er ist – wie er nach dem Konklave auf der Loggia des Petersdoms sagte – „ein demütiger und einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn“. Das ist er auch als Papst geblieben.

Seine erste Auslandsreise führte ihn zwar zu uns nach Köln, aber es war eigentlich eine Reise in die Weltkirche. Denn hier vor Ort begegnete er beim XX. Weltjugendtag den jungen Christen, die aus allen Erdteilen nach Köln gepilgert waren, um den Herrn anzubeten. Sicherlich war es eine besondere Fügung, dass die erste Auslandsreise den Heiligen Vater nach Deutschland führte. Das hat es dem Papst wohl auch hier so leicht gemacht. Er kam beispielsweise in mein Haus und sagte: „Ich wohne aber wieder im Prälatenzimmer wie immer“. Ich erwiderte ihm: „Heiliger Vater, ich muss dich wohl daran erinnern, dass du jetzt der Papst bist und nicht mehr einfach machen kannst, was du willst“. Zuvor hatte ich den Sicherheitskräften mitgeteilt, dass Kardinal Ratzinger immer in diesem Gästezimmer gewohnt hatte. Sie entgegneten mir allerdings, dass dies diesmal nicht möglich sei, weil dieses Zimmer zu nahe an der Straße gelegen sei. Also musste der Papst woanders wohnen.

Als wir den Besuch in Köln durchgesprochen haben, hatte ich vergessen zu fragen, ob der Heilige Vater im Dom auch die Krypta der Erzbischöfe besuchen wolle, um an den Gräbern von Kardinal Frings und Kardinal Höffner zu beten. Deshalb rief ich nochmals in Rom an. Der Papst zeigte sich völlig erstaunt und fragte mich, warum ich ihn denn anrufe: Das sei doch selbstverständlich. Schon da musste ich ihn daran erinnern, dass er jetzt Papst sei und nicht mehr einfach machen könne, was er wolle. Gerade über die Sicherheitsmaßnahmen könne er sich nicht einfach hinwegsetzen. „Ach so“, sagte er, „du hast ja Recht“. Er ist dieser ganz schlichte Mensch geblieben, der demütige und einfache Arbeiter im Weinberg des Herrn mit dem guten Herzen und dem genialen Kopf. Sofort kommt mir wieder der Ausspruch des Herrn aus der Schweiz in den Sinn: „Wenn Jesus 79 Jahre alt geworden wäre, würde er aussehen wie unser Papst.“ Ich muss sagen, dass er eigentlich Recht hatte.

Die Bedeutung von Kardinal Ratzinger für Köln liegt eigentlich nicht so sehr darin, dass er in Bonn Professor für Fundamentaltheologie war. Aus dieser Zeit zwischen 1959 und 1963 rührt die Bekanntschaft, ja die Freundschaft zu Kardinal Frings. Und daraus wiederum resultiert dann seine Berufung zum Konzilsberater. Ich sagte gelegentlich dem Heiligen Vater: „Du bist so eine Art Stiefvater des Konzils. Du warst nicht Konzilsvater, aber hast als einflussreicher Theologe ganz wesentlich die Inhalte des Konzils mitgeprägt.“ Darum sind wir ihm in Köln wirklich zu besonderem Dank verpflichtet, und vielleicht war Köln auch die Startbahn für ihn in die weltkirchliche Dimension hinein.

Ich erwähnte schon, dass ich mich bei unserem Domkapellmeister dafür eingesetzt hatte, dass beim Dankgottesdienst zur Erwählung von Papst Benedikt XVI. im Kölner Dom am 30. April 2005 eine Mozartmesse aufgeführt würde. Unser Domkapellmeister hat sofort alle Chöre in der Erzdiözese Köln angeschrieben, die die Krönungsmesse in ihrem Repertoire haben. So hatten sich an diesem Abend etwa 1.000 Sängerinnen und Sänger im südlichen Querhaus unseres Domes eingefunden. Das war ein Gottesdienst, der mir unvergesslich bleibt. In der Predigt habe ich daran erinnert, was der polnische Primas, Kardinal Wyszyński, bei der Abschiedsaudienz der polnischen Pilger von ihrem nun zum neuen Papst erwählten Landsmann, Karol Wojtyła, dem Heiligen Vater sagte: „Heiliger Vater, wenn wir nach Hause kommen, werden wir niederknien und Löcher in die Steine für dich beten.“ In meiner Predigt im Dom fügte ich die Frage an: „Wird unser Papst aus Deutschland sich auf unser Gebet, auf unsere Solidarität, auf unsere Fürbitte verlassen können?“ Alle Gläubigen im Dom erhoben sich von ihren Bänken und applaudierten minutenlang. Das Domradio hat mir eine Aufnahme auf CD von diesem Gottesdienst angefertigt. Ich habe sie dem Papst mitgenommen und gesagt: „Heiliger Vater, wenn du einmal meinst, du müsstest in den Tiber springen, höre dir erst den Gottesdienst im Kölner Dom an, und dann machst du weiter!“

Der Papst ist auch in der jetzigen Verkündigung glasklar. Er lässt die Darstellung des Glaubens in aller Schönheit aufleuchten. Er bringt den „splendor veritatis“, den Glanz der Wahrheit, zum Strahlen. Das beeindruckt die Menschen, und darum ist unser Papst wirklich ein großes Geschenk, nicht nur für unsere Kirche, sondern für die gesamte Christenheit, ja für die ganze Welt.

Am Vorabend der Inauguration des Heiligen Vaters gab der deutsche Botschafter beim Vatikan einen Empfang für den Bundespräsidenten, den Bundeskanzler und für die deutschen Kardinäle und Bischöfe. Der Bundespräsident sagte mir: „Herr Kardinal, durch die Wahl eines Deutschen zum Papst durch das internationalste Kollegium der Welt hat die Welt uns Deutschen unsere letzten Sünden des 20. Jahrhunderts vergeben.“ Ich entgegnete darauf: „Herr Bundespräsident, ich will dies ein wenig anders formulieren. Die Kardinäle haben den Geeignetsten und Würdigsten gewählt. Das er ein Deutscher war, war kein Hindernis für diese Wahl.“

Kardinal Ratzinger wollte mit seinem 75. Geburtstag in den Ruhestand gehen. Dies sollte allerdings kein klassischer Ruhestand sein, sondern er wollte nun endlich einmal die Bücher schreiben, die er noch für dringend notwendig für das Leben der Kirche ansah. Papst Johannes Paul II. sagte mir seinerzeit: „Reden Sie doch einmal mit Kardinal Ratzinger, dass er mir an der Seite bleibt.“ Der Papst sagte wörtlich: „Die theologische Qualität meines Pontifikates habe ich besonders auch Kardinal Ratzinger zu verdanken.“ Ich habe dann mit dem Präfekten der Glaubenskongregation gesprochen, der mir entgegnete: „Ich will doch nicht faulenzen, ich will wichtige Bücher, besonders das mir sehr am Herzen liegende Jesusbuch schreiben.“ Ich entgegnete ihm darauf: „Joseph, dazu hast du dann in deinem Ruhestand Zeit.“ Der Heilige Vater hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis: Als ich nach dem Konklave zum Treueversprechen vortrat, sagte er mir: „Du bist ein schlechter Prophet. Was ist denn jetzt mit meinem Ruhestand? Wann soll ich die Bücher schreiben?“ Ich bin froh, dass ich in dieser Weise ein schlechter Prophet bin. Als ich von der Huldigung zurückkam, weinte mein Nachbar im Konklave, der polnische Primas Kardinal Glemp, und auch mir liefen natürlich die Tränen. Ich sagte zu ihm: „Josef, warum weinst du denn?“ Er erwiderte: „Ist das nicht unglaublich: Ein halbes Jahrtausend hatten wir italienische Päpste gehabt. Der erste Nichtitaliener ist ein Pole, und der zweite ist ein Deutscher. Damit will uns doch die Vorsehung etwas sagen. Deutschland und Polen liegen beide im Herzen Europas. Müsste nicht wieder der europäische Kontinent so etwas werden wie das Noviziat für die Völker in den anderen Erdteilen? Und ich bin davon überzeugt: Der Novizenmeister war Johannes Paul II. und ist jetzt Benedikt XVI.“ Diese Deutung hat mich tief beeindruckt, und ich glaube, er hat weitgehend Recht behalten.

Kardinal Ratzinger habe ich durch unsere Situation in Ostdeutschland erst relativ spät persönlich kennen gelernt. Erst als ich Bischof von Berlin war, durfte ich an der einen oder anderen römischen Veranstaltung teilnehmen. Dort traf ich dann auf Kardinal Ratzinger. Ich kannte ihn natürlich durch seine Bücher schon lange. Seine „Einführung ins Christentum“ ist gleichzeitig meine Einführung in die katholische Theologie gewesen und geblieben. Es war eines der wichtigsten Bücher meines Lebens, und ich habe mich sehr gefreut, als wir dann im Jahr 1987 Kardinal Ratzinger beim berühmten Katholikentreffen in Dresden begrüßen durften. Er hatte sich zu uns aufgemacht und hat vor dem Treffen den versammelten Priester einen sehr schönen Priestertag gehalten. Das blieb uns unvergesslich. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass der damalige Vorsitzende der Berliner Bischofskonferenz, Kardinal Bengsch, 1977 von der Bischofsweihe Joseph Ratzingers in München zurückkehrte und uns sagte: „Joseph Ratzinger hat das großartig gemacht, wie es nicht anders zu erwarten war.“ Daran musste ich wieder bei seiner Inauguration denken: Er hat es großartig gemacht, wie es eigentlich nicht anders von ihm zu erwarten war.

Ich bin sehr froh, dass unser Erzbistum Köln aus dieser inneren Verbundenheit mit dem Heiligen Vater heraus eine Ausstellung organisiert hat, die dann auch in unsere Diözese und in unser Land hineingehen wird. Ich muss immer daran denken: „Werden denn unsere Kölner ihr Versprechen, das sie am 30. April 2005 im Dom abgegeben haben, nicht vergessen? Sie haben zwar nicht gesagt, dass sie niederknien und Löcher in die Steine beten werden, aber dass sie das Pontifikat dieses Papstes mit ihrem Gebet begleiten werden. Diese Ausstellung soll ein solches Memento sein, dass wir nicht vergessen, dem Papst den Rücken zu stärken. Wie die polnische Nation ganz hinter Johannes Paul II. stand, so sollte das auch ein wenig mit uns sein. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auch heute noch Grund haben in Deutschland zu sagen: „Wir sind Papst geworden!“ Darum hat auch die katholische Kirche in Deutschland einen neuen Qualitätsstand erreicht. Denn Bischöfe aus aller Welt fragen: „Wie geht ihr denn mit diesem oder jenem Problem im Mutterland des Papstes um?“ Hier können wir wirklich sein Pontifikat unterstützen, indem wir versuchen, seine Intention in unsere kirchliche Praxis umzusetzen. Darum danke ich allen, die sich bemüht haben, diese Ausstellung zusammenzustellen, und ich wünsche ihr eine weite Verbreitung und viel Erfolg. Vielleicht ist sie eine Einladung, einmal selbst nach Rom zu fahren, um den Heiligen Vater zu besuchen und ihm bei einer Generalaudienz zu begegnen. Diese Mittwochsaudienzen sind wirkliche Ereignisse geworden, sodass das römische Fremdenverkehrsamt dem Papst sogar eine besondere Auszeichnung zukommen lassen will, da er wie ein Magnet auf die Pilger aus aller Welt wirkt.

„Wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm“ (1 Kor 12,26), sagt Paulus im 1. Korintherbrief, und das gilt ganz besonders für uns Deutsche. Wir sind wirklich Papst geworden! Dazu heute nochmals: Herzlichen Glückwunsch!

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Kardinal Meisner zollt von der Leyen Respekt und Anerkennung
Apr 16, 2007
Kardinal Joachim Meisner lobt Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Er sei «ganz froh, dass sie nun endlich das Thema Familie in die Öffentlichkeit hineingetragen hat», sagte der Kölner Erzbischof in der ARD-Talksendung «Beckmann» (Ausstrahlung Montag, 22.45 Uhr). Dies sei in dieser Intensität bislang keiner Bundesregierung so gelungen.

Hamburg (ddp, 15.04.2007) - Kardinal Joachim Meisner lobt Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Er sei «ganz froh, dass sie nun endlich das Thema Familie in die Öffentlichkeit hineingetragen hat», sagte der Kölner Erzbischof in der ARD-Talksendung «Beckmann» (Ausstrahlung Montag, 22.45 Uhr). Dies sei in dieser Intensität bislang keiner Bundesregierung so gelungen. «Darin bewundere ich sie, und da bin ich auch sehr dankbar», fügte der Kardinal hinzu.

Der als konservativ geltende Meisner sagte zur Krippenplatzdebatte: «Ich bin gar nicht gegen die Krippenplätze. Aber das neunmonatige vorgeburtliche Leben eines Kindes im Mutterleib braucht nach der menschlichen Erfahrung noch eine Nachbereitung von mindestens drei Jahren.» Der Mutter, die zuhause bleibe, müsste man das Geld geben, was ein Kinderkrippenplatz kostet.

Nach Ansicht Meisners taugen Krippenplätze nur als «Alternative, und nicht als Normalmodell. Es ist keine Wahlmöglichkeit». Wissenschaftler seien sich einig, dass Kinder, die in den ersten Lebensjahren mit der Mutter aufwachsen, «zu Persönlichkeiten heranwachsen, die widerstandsfähig sind, belastungsfähig sind, die wirklich Säulen der Gesellschaft sind».

Für Meisner ist allerdings der Schwerpunkt in der Krippenplatzdebatte verrutscht. Es werde zu wenig über das Wohl der Kinder, und zuviel über die Interessen der Frau diskutiert, sagte er. «In der ganzen Familienpolitik bedauere ich, dass das Kind nicht im Mittelpunkt steht. Sondern nach meinem Empfinden steht die berufstätige Frau im Mittelpunkt: Wie können wir ihre Berufstätigkeit erhalten und dabei die Kinder versorgen?»
German Kardinal Meisner, Mozart und Benedikt
Apr 16, 2007
Zahlreiche Politiker gratulierten dem Oberhaupt der katholischen Kirche zu seinem 80. Geburtstag am heutigen Montag.

(Hamburger Abendblatt, 16. April 2007) Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb: "Ich weiß, dass viele Menschen in Deutschland sich mit Ihnen freuen und dies in zahlreichen Messen in den Diözesen zum Ausdruck bringen werden." Zudem nahm die CDU-Chefin an einem Pontifikalamt zu Ehren des Papstes in Berlin teil. Für das kommende Lebensjahr wünschte Merkel ihm "Gesundheit und Schaffensfreude, Kraft und Gottes Segen".

In der voll besetzten St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin würdigte der Kardinal und Kölner Erzbischof Joachim Meisner den Papst als "Mozart unter den Theologen". "Ihm gelingt es wirklich meisterhaft, die Noten des Evangeliums in hinreißende Musik umzusetzen", sagte der Geistliche, der im Gesicht von Papst Benedikt XVI. das Antlitz Jesu zu erkennen meint. Er schrieb dem Oberhaupt der katholischen Kirche zum Geburtstag: "Heiliger Vater, wenn Jesus 80 Jahre alt geworden wäre, dann würde er aussehen wie Du." Meisner zitierte aus seinem Gratulationsschreiben in der ARD-Sendung "Beckmann", die heute Abend ausgestrahlt wird.

Bundestagspräsident Norbert Lammert würdigte Benedikt als "eine der wenigen unbestrittenen Autoritäten unserer Zeit". Benedikt sei ein besonders eindrucksvoller Zeuge der Strahlkraft und der Nachdenklichkeit der europäischen Zivilisation. "Einfach sind seine Argumente selten, bequem nie", erklärte Lammert. Bundespräsident Horst Köhler hatte dem Papst bereits am Freitag gratuliert. "Als deutscher Bundespräsident war und bin ich stolz, dass Sie dieses unvergleichliche Amt innehaben", schrieb er an Joseph Ratzinger.
German Kardinal Meisner kritisiert Abtreibung und Embryonenforschung
Apr 10, 2007
Osterpredigt im Kölner Domю

Köln (ddp-nrw, 8.4.2007). In seiner Osterpredigt im Kölner Dom hat sich Kardinal Joachim Meisner am Sonntag deutlich gegen Abtreibung und Embryonenforschung ausgesprochen und vor der wachsenden Kinderlosigkeit in der Gesellschaft gewarnt. Menschen würden zunehmend über ihren gesundheitlichen Zustand definiert, beklagte Meisner. Dies zeigten die Praxis von pränataler Diagnostik und Abtreibung und der unbefriedigende Umgang mit unheilbar Kranken. «Das alles ist mehr oder weniger in Europa schreckliche Gegenwart», sagte der Kölner Erzbischof.

«Man versucht heute, ungeborene Kinder, das heißt Embryonen, als Heilmittel zu verarbeiten, um alt und krank gewordenes Leben sanieren zu können», erklärte er. «Ungeborene Kinder müssen sterben, um geborene Menschen zu heilen. Das kann doch nicht sein!»

Auf der anderen Seite wachse die Kinderlosigkeit in der Gesellschaft, klagte Meisner: «Westeuropa scheint sich aus der Geschichte verabschieden zu wollen», sagte er. «Es demontiert seine Zukunft, indem es nicht mehr Zuversicht und Freude vermitteln kann, damit Eltern Kindern das Leben schenken.»

Abtreibungen trügen zu diesem Prozess noch bei, warnte Meisner. «Wenn nur die Hälfte der jährlich abgetriebenen Kinder in unserem Land zur Welt käme, dann wäre damit eine echte Überlebenschance unserer Zivilisation gegeben», sagte er. Erst wenn alle Kinder, die jedes Jahr abgetrieben würden, leben dürften, wäre das Land ein Ort mit Leben, Zukunft und Hoffnung. «Dann wären wir ein österliches Land.»
German Kardinal Meisner kritisiert Familienpolitik der Bundesregierung
Mar 26, 2007
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat die Familienpolitik der Bundesregierung als «Scheckbuchpolitik» kritisiert.

Frankfurt/Main (dpa, 25.03.2007) - Der Kölner Kardinal Joachim Meisner kritisiert die derzeitige Familienpolitik als «Scheckbuchpolitik».
«Alle wichtigen Probleme - so glaubt man - lassen sich mit Geld lösen», schreibt Meisner in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

Der niedrigen Geburtenrate jedoch sei durch finanzielle Mittel nicht beizukommen. Die Gleichung «je mehr Krippen, desto mehr Kinder» sei falsch. So sei das Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren in keiner Gegend Deutschlands so ausgebaut wie in den neuen Ländern, «und nirgendwo ist die Geburtenrate so niedrig wie dort».

Flexible Arbeitszeiten oder Teilzeitbeschäftigung seien für Paare, die daran denken, ein Kind zu bekommen, wichtiger als Betreuungsplätze, sagte Meisner. Der von der Bundesregierung angestrebte Ausbau der Kinderbetreuung erwecke den Eindruck, Kinder seien zwar nötig für die Gesellschaft, aber eine Last für die Eltern. «Unser Land braucht eine Mentalität, die sagt: Kinder sind ein Geschenk und Elternschaft ist ein Ausdruck von Lebensfreude», betonte der Kardinal.
German „Deutschland braucht einen Mentalitätswechsel“
Mar 25, 2007
Kardinal Meisner zur Familienpolitik.

(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24. März 2007)
Der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Meisner hat die Familienpolitik der Bundesregierung als „Scheckbuchpolitik“ kritisiert, die an der demographischen Krise nichts ändern werde. In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schreibt Meisner: „Alle wichtigen Probleme - so glaubt man - lassen sich mit Geld lösen.“

Der niedrigen Geburtenrate jedoch sei durch finanzielle Mittel nicht beizukommen. Die Gleichung „Je mehr Krippen, desto mehr Kinder“ sei falsch. So sei das Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren in keiner Gegend Deutschlands so ausgebaut wie in den Ländern der ehemaligen DDR, „und nirgendwo ist die Geburtenrate so niedrig wie dort“. Flexible Arbeitszeiten oder Teilzeitbeschäftigung seien für Paare, die daran denken, ein Kind zu bekommen, wichtiger als Betreuungsplätze.

„Kinder sind ein Geschenk“

Der Kardinal fordert, Deutschland brauche einen Mentalitätswandel. Es herrsche die Einstellung vor, Kinder seien eine „Last“, ein „letzter Luxus, den man sich leistet, wenn alles andere schon erreicht ist“. Die derzeitige Familienpolitik, so Meisner weiter, „unterstützt - ungewollt - diese Mentalität“. Denn insbesondere der Ausbau der Betreuung für die unter Dreijährigen „suggeriert, Kinder seien zwar nötig für die Gesellschaft, aber eine Last für die Eltern. Und damit diese Last möglichst wenig Beschwerden macht, fördert der Staat die elternlose Kinderbetreuung, während die Eltern weiter erwerbstätig bleiben. Bestraft werden - de facto - die Mütter oder Väter, die auf Einkommen verzichten, um sich zu Hause selbst ihren Kindern zu widmen.“

Meisner appelliert an die Deutschen: „Unser Land braucht eine Mentalität, die sagt: Kinder sind ein Geschenk und Elternschaft ist ein Ausdruck von Lebensfreude.“ Die Familienpolitik solle „Maß nehmen am Wohl des Kinder“. Meisner fährt fort: „Ich finde es schlimm, wenn viele Mütter aus finanziellen Gründen sobald wie möglich nach der Geburt eine Erwerbstätigkeit aufnehmen müssen. Manchmal geht es nicht anders, aber dient das dem Wohl des Kindes?“

Kinder bräuchten in den ersten Lebensjahren eine „feste und intensive Beziehung zu ihren Eltern“. Daher müsse es „Eltern, insbesondere Müttern“, ermöglicht werden, in den ersten Lebensjahren beim Kind zu bleiben, etwa durch höhere Kinderfreibeträge. „Seitens der Wirtschaft sollten alle Möglichkeiten von Teilzeitarbeit bis hin zu Heimarbeitsplätzen ausgelotet werden.“ Vor allem müsse es Möglichkeiten geben, nach einer großzügig bemessenen „Babypause“ wieder in den erlernten Beruf einzusteigen. „Und wenn dennoch die volle Berufstätigkeit von Vater und Mutter erforderlich sein sollte“, so der Kardinal, „dann wäre einer Kinderkrippe die Tagesmutter auf jeden Fall vorzuziehen.“
German Die Osterbeichte, radikalste Öffnung für das Licht Christi
Mar 04, 2007
Interview mit dem Erzbischof von Köln.

KÖLN, 3. März 2007 (ZENIT.org).- Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat für ZENIT die tiefe Bedeutung der 40-tägigen Vorbereitungszeit auf Ostern zusammengefasst. Darüber hinaus ermutigte er zu einer guten Osterbeichte sowie zum täglichen Morgen- und Abendgebet. Das abendliche Schlafengehen sei nämlich „ein irdisches Zeichen für unseren Tod, der todsicher auf uns zukommt“, und das Aufstehen am Morgen ein „Realsymbol für die Auferstehung von den Toten“.

ZENIT: Was will uns die Fastenzeit sagen, warum ist sie so wichtig?

-- Kardinal Meisner: Die Fastenzeit oder vorösterliche Bußzeit, wie wir sie heute auch zu nennen pflegen, will den Menschen aus der Zerstreuung in die Konzentration sammeln: Was ist primär in meinem Leben und was muss darum sekundär sein?

Für einen Christen ist deshalb eventuell eine Kurskorrektur nötig, damit Gott absolute Priorität in seinem Dasein bekommt und alles andere, einschließlich sein eigenes Ich, sekundär wird. Dann überfordert er sich nicht selbst, und sein Leben wird groß, weit und wahrhaftig.

ZENIT: Wie begeht man die Fastenzeit im Sinne Christi?

-- Kardinal Meisner: Die Fastenzeit im Sinne Jesu zu begehen, bedeutet zunächst, dabei kein düsteres Gesicht zu machen, dann aber das eigene Leben soweit wie möglich dem Lichte Christi zu öffnen, damit unser Dasein bis in die dunkelsten Ecken unseres Lebens von seinem Licht erhellt, durchleuchtet und geheilt werden kann. Das geschieht am radikalsten in einer guten Osterbeichte.

ZENIT: Wie kann es gelingen, die Auferstehung und das ewige Leben nicht mehr in der Alltäglichkeit des Lebens zu vergessen?

-- Kardinal Meisner: Man muss sich bemühen, die normalen Lebensabläufe, die auf diese Großereignisse hindeuten, bewusst zu rekapitulieren. So ist das abendliche Schlafengehen ein irdisches Zeichen für unseren Tod, der todsicher auf uns zukommt. Darum sollte jeder vor dem Schlafengehen sein Herz so bereiten, dass er im Tod zum ewigen Leben einschlafen könnte. Und das Aufstehen am Morgen ist ein Realsymbol für die Auferstehung von den Toten. Darum sollte uns jeder Morgen – trotz Weckerklingeln und Müdigkeit – froh und tapfer Ja zum Willen Gottes und zum Tagewerk sagen lassen.
German Sehnsucht nach Ökumene
Feb 27, 2007
Präses Nikolaus Schneider und Joachim Kardinal Meisner wollen verstärkt ein Zeichen für die Ökumene setzen. Daher predigte der katholische Erzbischof bei der Passionsandacht in der evangelischen Johanneskirche.

(RP, 26.2.2007) „Ich hatte Manschetten, ob der Tempel voll wird.“ Diese Sorge von Hans-Peter Friedrich war unbegründet. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn des Gottesdienstes konnte sich der Dezernent für die Ökumeneabteilung bei der Evangelischen Kirche im Rheinland beruhigt zurücklehnen. Unablässig strömten die rund 300 Gottesdienstbesucher beider Konfessionen in die Johanneskirche. „Es füllt sich“ freute sich Friedrich darüber, dass die Premiere eines gemeinsamen Wortgottesdienstes von Präses Nikolaus Schneider und Kardinal Joachim Meisner in Düsseldorf so großen Zuspruch fand. „Es ist schön, dass man die Idee für diese neue Tradition hatte.“ Zweimal im Jahr - zum Start der Advents- und Passionszeit - gastiert seit 2005 jeweils der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland in einer katholischen Kölner Kirche. Und umgekehrt besucht der Kölner Erzbischof einen evangelischen Gottesdienst in Düsseldorf.

Gemeinsam will man so ein Zeichen ökumenischer Verbundenheit setzen. „Ökumene muss gelebt werden. Der intensive Ort für den gemeinsamen geistlichen Weg ist die Kirche“, sagt Präses Schneider. Und sein katholischer Kollege ergänzt: „Es ist wichtig, gemeinsam zu tun, was geht.“ Dazu zählt auch, dass sich das Erzbistum Köln sehr kooperativ in der Unterstützung des evangelischen Kirchentages im Jahr 2007 in Köln zeigt. „Wir werden einen ökumenischen Gottesdienst im Kölner Dom halten. Und ich freue mich auch besonders auf die gemeinsame Bibelarbeit“, betont Nikolaus Schneider. Bei der Basis beider Konfessionen kommt diese Zusammenarbeit gut an. Ebenso wie der ökumenische Gottesdienst in der Johanneskirche. „Der Kardinal hat zwar kein Wort von Ökumene in seiner Predigt verloren, aber er hat mit seiner Interpretation der drei Lesungen eine geschickte Lösung gefunden“, meint das Ordensschwestern-Trio aus dem Theresienhospital. In ihrem Alltag im Alten- und Krankenheim in der Altstadt erleben die drei älteren Frauen quasi täglich Ökumene. „Katholiken und Protestanten sind viel vertrauter miteinander geworden.“

Berührungsängste mit einem echten Kardinal hat auch ein Autogrammjäger in der Johanneskirche nicht: „Wann hat man als Protestant schon die Möglichkeit, in die Nähe eines Kardinals zu kommen?“ Präses Nikolaus Schneider weiß, dass seine Kirchenmitglieder sich über den gemeinsamen Auftritt beider Kirchenoberen freuen. „Man sehnt sich geradezu nach mehr Ökumene. Wir müssen Geduld haben im Umgang miteinander.“ Oder wie Kardinal Meisner es in seiner Predigt indirekter formuliert: „Der erste Schritt ist der schwierigste.“
German Meisner stellt sich hinter Mixa
Feb 25, 2007
„Krippenplätze sind nötig für den Ernstfall, für den Ausnahmefall.“ „Wir sind verpflichtet, um des Heiles unseres Volkes Willen, so eindeutig in dieser Sprache zu votieren“, sagte Joachim Kardinal Meisner zur Familienpolitikdiskussion in Deutschland.

(kath.net,  25. Februar 2007) Köln - Die familienpolitischen Äußerungen des Augsburger Bischofs Walter Mixa sind auch innerkirchlich umstritten. Nach scharfer Kritik von politischer Seite wehren sich nun einzelne Katholische Verbände und die evangelische Kirche gegen die Aussagen des Bischofs zu den Plänen der Regierung, die Zahl der Krippenplätze für Kinder bis drei Jahre zu verdreifachen. Mixa hatte mit seiner Bemerkung, eine solche Politik würde Frauen zu „Gebärmaschinen“ degradieren und vorrangig als Arbeitskräfte-Reserve für die Industrie betrachten, Proteste von allen Seiten ausgelöst. Rückendeckung erhält Mixa dagegen vom Kölner Joachim Kardinal Meisner:

„Das Thema Ehe und Familie ist ein ganz brennendes Thema. Und es hat bis jetzt in der Kirche, solange die Kirche existiert, immer Priorität. Und darum fühlt sich die Kirche auch zu dieser Thematik zuständig. Ehe und Familie gehört zu den Konstanten der Schöpfungsordnung. Und wenn wir dieser Absicht der Schöpfungsordnung gerecht werden wollen, müssen wir klar und eindeutig sagen, dass die Familie der natürliche Raum ist, in dem sich kleine Kinder und Größere entfalten können, so dass sie in ihrem Leben wirkliche Persönlichkeiten sind, die auch den Anforderungen des Lebens positiv entsprechen können.“

Wie zuvor Karl Kardinal Lehmann warnte Meisner mit Blick auf die damalige DDR vor einem zu großen staatlichen Einfluss auf die Kinderbetreuung. Für die Erziehung von Kleinkindern müsse die Familie die erste Wahl bleiben. Eine staatliche Einrichtung als permanente Alternative zur Familie sei eine Fehlentwicklung.

„Ich habe das am eigenen Leib und bitter in der DDR erfahren müssen. Und wir sollten das jetzt nicht nachahmen. Krippenplätze sind nötig für den Ernstfall, für den Ausnahmefall. Und so muss ich auch den Ausführungen von Bischof Mixa Recht geben. Wir sind verpflichtet, um des Heiles unseres Volkes Willen, so eindeutig in dieser Sprache zu votieren.“

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und der Katholische Deutsche Frauenbund hingegen wiesen die Äußerungen Mixas als „weit von der Wirklichkeit entfernt“ zurück. Die Kirche selber beschäftige im sozial-karitativen Bereich viele Frauen mit Kindern. Dort seien sie willkommene Arbeitnehmerinnen.
German Meisner geht mit Politikern ins Gericht
Feb 13, 2007
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner sieht Reue als eine Bedingung für eine mögliche Begnadigung früherer RAF-Terroristen wie Christian Klar.

(dpa, 13.02.07) Köln - "Wenn ich zur Beichte gehe, ist Reue wichtig. Dazu gehört der Wunsch, etwas, das geschehen ist, am liebsten ungeschehen zu machen. Weil das nicht möglich ist, muss ich wenigstens sagen können: Es tut mir Leid, und ich will es bei ähnlicher Gelegenheit nicht wieder tun", sagte Meisner der Kölner Zeitung "Express" (Mittwochsausgabe). "Diese Reue ist zwar keine Kategorie des Strafrechts, aber eine Kategorie echter Menschlichkeit. Darum erwarte ich Reue als Bedingung auch für eine Begnadigung im juristischen Sinn."

Bundespräsident Horst Köhler prüft derzeit, ob Klar begnadigt werden kann, bevor seine auf 26 Jahre festgesetzte Mindestverbüßungsdauer Anfang 2009 zu Ende ist.

Meisner äußerte sich auch kritisch zur "Vorbildfunktion" von Politikern. Ein Politiker müsse sich als Person des öffentlichen Lebens gegebenenfalls auch nach seinem persönlichen Lebensstil beurteilen lassen. "Wenn ein Politiker permanent ein Desaster nach dem anderen in seiner Familie erlebt, heißt es bei uns: Blendet das Private aus, in der Politik geht es um etwas ganz anderes", so der Kardinal. "Warum? Haben wir es denn bei ihm mit zwei verschiedenen Menschen zu tun? Oder ist er eine gespaltene Persönlichkeit? Dann ist er schizophren und gehört zum Arzt, aber nicht auf einen Ministersessel."
German Kardinal Meisner hat moralische Vorbehalte gegen Seehofer
Feb 13, 2007
Die katholische Kirche mischt sich in den Machtkampf um die CSU-Spitze ein: Der Kölner Kardinal Meisner ätzt gegen Horst Seehofers Parteichef-Ambitionen. Wer außereheliche Beziehung unterhält, gehöre zum Arzt, aber nicht auf den Ministersessel oder den eines Parteichefs.

(Spiegel, 13.2.2007) Köln - Eine außereheliche Beziehung und der Posten des CSU-Vorsitzenden? Für den Kölner Kardinal Joachim Meisner passt das nicht zusammen. Sollte Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer eine solche Beziehung unterhalten, habe er moralische Vorbehalte gegen eine Wahl von Seehofer zum CSU-Vorsitzenden, sagte Meisner dem Kölner "Express".

"Wie will er denn Vorsitzender einer christlichen Partei werden? Wie weit sind wir eigentlich gekommen?", sagte Meisner. Die Vermittlung von Werten durch die Politik erfordere "vorbildliches persönliches Verhalten" der Politiker, sagte Meisner. Ein Politiker als Person des öffentlichen Lebens müsse sich "gegebenenfalls auch nach seinem persönlichen Lebensstil beurteilen lassen".

Wenn ein Politiker "permanent ein Desaster nach dem anderen in seiner Familie erlebt, heißt es bei uns: Blendet das Private aus, in der Politik geht es um etwas ganz anderes. Warum? Haben wir es denn bei ihm mit zwei verschiedenen Menschen zu tun? Oder ist er eine gespaltene Persönlichkeit? Dann ist er schizophren und gehört zum Arzt, aber nicht auf einen Ministersessel", sagte der Kardinal nach Angaben der Zeitung.

"Wenn wir über Wertevermittlung reden, muss man an das private Leben öffentlicher Personen besondere Ansprüche stellen dürfen. Was soll denn ein mehrfach geschiedener Politiker über eheliche Treue sagen? Da lachen doch alle", sagte Meisner.
German Kardinal Meisner ist jetzt Ehrengardist
Jan 16, 2007
Als Ehrenmitglied ins Corps aufgenommen

(koeln.de, 15.1.07) Kardinal Meisner bewies am Freitag beim Litewka-Abends des Corps á la Suite der Ehrengarde der Stadt Köln einmal mehr seine karnevalistische Ader: Der Kölner Oberhirte wurde als Ehrenmitglied ins Corps aufgenommen. Gleichzeitig wurde er mit dem Ehrenstern mit Brillanten, der höchsten Auszeichnung des Corps á la Suite ausgezeichnet. Natürlich war die Freude im grün-gelben Korps besonders groß, denn schon seit Jahren haben sich zahlreiche Kölner Karnevalsgesellschaften und sogar das Festkomitee vergeblich um den Erzbischof bemüht.

Dass die EhrenGarde nun den "Zuschlag" bekam, begründete Joachim Meisner damit, dass in diesem Korps die drei K (Köln, Kirche, Karneval) besonders intensiv vorgelebt werden. Mit einer launigen Rede bedankte sich der Kardinal bei den Chefs des Corps á la Suite Helmut Schmidt und Heinz Breidenbach sowie bei EhrenGarde-Präsident Frank Remagen für die hohe Ehre nun einer der Grün-Gelben zu sein und bot den Anwesenden direkt an: "Ab jetzt heißt es nicht mehr Eminenz sondern Kamerad Jochen", was mit tosendem Beifall honoriert wurde.

Die Laudatio auf den Geehrten übernahm dessen Bruder Peter Meisner, der eigens aus dem Thüringischen Körner angereist war und seine Rede in der Gesellschaftsjacke der Körnerschen KG hielt, der er seit vielen Jahren angehört, hielt. Von ihm erfuhren die Gäste zahlreiche Anekdoten aus dem Leben Joachim Meisners und nicht zuletzt auch, dass der heutige Kardinal aus einer sehr karnevalsbegeisterten Familie stammt.
German „Die menschliche Person, Herzmitte des Friedens“
Jan 13, 2007
Predigt Kardinal Meisners beim internationalen Soldatengottesdienst in Köln (11. Januar 2007)

KÖLN, 13. Januar 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Predigt, die der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner vor zwei Tagen im Kölner Dom gehalten hat.

Der Kardinal lenkte die Aufmerksamkeit der Soldaten darauf hin, dass die „Ehre Gottes im Himmel die Garantie für den Frieden der Menschen auf Erden“ sei und dass dieser Friede im menschlichen Herzen beginne.

„Es stimmt wohl nicht, dass man zuerst die Zustände verändern muss, um dann den Menschen verändern zu können“, fuhr Kardinal Meisner fort. „Es geht genau umgekehrt: Man muss zuerst den Menschen erneuern, damit man dann auch die Welt erneuern kann.“

* * *

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

1. Der Sinn und der Zweck unserer Bundeswehr bestehen darin, den Frieden in unserem Land und den Frieden in Europa und der Welt sichern zu helfen. Wie aber geht das? Darüber gibt es die verschiedensten Theorien und die sich dann danach richtenden Handlungsmodelle. Papst Benedikt XVI. hat seine Botschaft zum Weltfriedenstag 2007 mit den Worten überschrieben: „Die menschliche Person, Herzmitte des Friedens“.

Der Friede, den wir zu schaffen und zu bewahren haben, hat also etwas mit der menschlichen Person zu tun. Und in der Tat, die Weltgeschichte ist die Geschichte des menschlichen Herzens. Alle guten und alle bösen Geister kommen in die Welt durch die Tür des menschlichen Herzens.

Habsucht, Genusssucht und Ehrsucht fangen im Herzen des Menschen an und bringen Streit, Neid, Krieg, Mord und Tod in die Welt. Die große Gefahr für die Welt ist das – wie der heilige Augustinus sagte – „Cor incurvatum in se“ – „Das in sich selbst verkurvte Herz“. Das Herz kann eine Mördergrube sein, aber auch eine Goldgrube.

Und hier liegt das Einsatzfeld für den Frieden in der Welt: im menschlichen Herzen. Es stimmt wohl nicht, dass man zuerst die Zustände verändern muss, um dann den Menschen verändern zu können. Es geht genau umgekehrt: Man muss zuerst den Menschen erneuern, damit man dann auch die Welt erneuern kann.

2. Der Mensch braucht Himmel, Höhe und Horizont. Als man den Himmel „den Engeln und den Spatzen” überließ, da fielen Welt und Menschen buchstäblich unter die Räuber. Denn wo der Mensch sich nicht mehr nach oben hin übersteigen kann, weil man den Himmel abgeschafft hat, greift er nicht selten zur Droge als einem Mittel der Selbstübersteigung. Letztendlich aber führt die Droge nicht zur Selbstübersteigung, sondern zur Selbstvernichtung.

Ich meine, es ist schon mehr als tragisch, dass der Mensch genau in dem Augenblick zur Droge griff, als man ihm den Glauben an den Himmel als “Opium für das Volk” diffamiert hat. Die Abschaffung des Himmels hatte außerdem zur Folge, dass der Mensch seinen Drang zum Überstieg zum Himmel hin nicht mehr verwirklichen kann, weil – wie erwähnt – der Himmel abgeschafft ist.

Dort drängte ihn aber dann die metaphysische Kraft zur Transzendenz in die horizontale Richtung. Er versuchte nun, seinen Ewigkeitshunger an den Gütern dieser Welt zu stillen. Dabei verzehrte er buchstäblich die Ressourcen der Welt - und wurde davon doch nicht satt. Der Raubbau an der Welt hat seinen Grund im Abbau des Himmels und seiner Reichtümer.

Eine Welt ohne Himmel fällt unter die Räuber. Das ökologische Problem ist ein theologisches. Verlieren wir den Himmel nicht aus den Augen und geben wir unseren Zeitgenossen den Himmel zurück - und damit Höhe und Horizont! Ich frage: Sind denn unsere europäischen Gesellschaften durch Säkularisierung stabiler geworden? Wir werden antworten müssen: Ganz im Gegenteil!

In dem Maße, in dem man Gott zur Privatsache machte, haben unsere Gesellschaften in Europa an wirklicher Lebensqualität, an kulturellem Niveau und an geistiger Substanz verloren. Das kann auch gar nicht anders sein. Wer nicht mehr beten kann “Ehre sei Gott in der Höhe”, wem Gott im Himmel nicht mehr heilig ist, dem kann auch auf Erden nichts mehr heilig sein. Es ist uns als Faustregel in die Hand gegeben: “Wie im Himmel, so auf Erden”.

3. Ohne Gott kein Mensch! Die Wahrheit des Menschen ist Gott. Ich meine, wir haben lange genug vom Menschen geredet: Lasst uns endlich wieder von Gott reden! Denn nicht der Mensch ist menschlich. Wer will denn das am Anfang des 21. Jahrhunderts noch allen Ernstes nach Auschwitz und all den Leiden, die die Welt durchmachen musste, behaupten!

Nur Gott ist menschlich, nämlich gott-menschlich in seinem Sohn Jesus Christus. Der österreichische Literat Franz Grillparzer sagte daher: “Humanität ohne Divinität ergibt Bestialität”. Menschlichkeit ohne Gottesglauben verkommt in Brutalität. Wer von Gott spricht, spricht immer auch vom Menschen. Gott hat uns in seinem Sohn Jesus Christus das Bild vom Menschen gegeben.

Im Grunde hat der Mensch deshalb eigentlich nur eine Alternative: entweder Bruder in Christus zu sein oder Genosse im Antichrist! Ich weiß, was ich damit sage. Der Gottmensch wirkt das göttliche Wunder der Brotvermehrung und der Lebenserhaltung. Der Menschengott dagegen wirkt das dämonische Wunder der Brotverminderung, d.h. der Lebensverminderung. Das ist keine Horrorvision der Zukunft: das ist todernste Gegenwart.

Abtreibung und Euthanasie sind gesetzliche Festlegungen in manchen so genannten zivilisierten europäischen Gesellschaften. Ich sage es noch einmal: Nicht der Mensch ist menschlich, nur Gott ist menschlich. Der heilige Irenäus von Lyon kann deshalb sagen: “Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch”. Lebendig ist der Mensch dort, wo er Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes, Raum in seinem Dasein gibt.

„Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11), sagt das Johannesevangelium zur Geschichte der Ankunft Gottes in der Welt. Christus Einlass und Wohnrecht in unserem Dasein zu gewähren, ist das Gebot der Stunde. Geben wir der Welt wieder Christus, damit sie eine Gesellschaft des Lebens wird.

4. Der Mensch ist als Ebenbild Gottes erschaffen, und darum ist er gottfähig. Das zeigt sich in der Anbetung Gottes durch den Menschen. Den Menschen begründet in seiner unantastbaren Würde, dass er die Fähigkeit besitzt, Gott anzubeten.

Die Anbetung hat ihren Grund allein darin, dass Gott ist. Darum ist Anbetung immer und überall möglich. Sie befreit den Menschen aus dem, was gegen Gott steht. Und das sind zunächst die Götter, heute wie damals. Darum muss man Gott allein anbeten und niemand sonst. „Aber sind die Götter nicht ohnehin längst tot?“, werden wir vielleicht einwenden.

Wer wach in seine Umwelt blickt, muss hier auf eine Gegenfrage antworten: „Gibt es in unserer Wirklichkeit nichts mehr, was angebetet wird neben Gott oder gegen Gott?“ – Worauf vertrauen wir? Woran glauben wir? – Sind nicht Erfolg, Image, soziale Würde, politischer Einfluss und öffentliche Meinung zu Mächten geworden, vor denen sich die Menschen beugen und denen sie wie Göttern dienen?

Würden unsere europäischen Gesellschaften nicht ganz anders aussehen, wenn diese Götter vom Thron gestürzt würden? Gott ist! Das bedeutet, es gibt die Hoheit der Wahrheit. Es gibt die Würde des Rechts über alle Zwecke und über alle Interessen hinaus. Es gibt den unantastbaren Wert des irdisch Wertlosen, z.B. den Wert des unheilbar Kranken, die unantastbare Würde des ungeborenen Kindes.

Es gibt die Anbetung Gottes selbst, die den Menschen vor der Diktatur der Zwecke und der Zwänge schützt und allein imstande ist, ihn vor der Diktatur der Götzen zu schützen. Was entsteht hier für eine Welt? Wahrlich trifft hier das Herrenwort zu: „Wie im Himmel, so auf Erden!“.

5. Was eröffnet sich hier für ein Einübungsfeld für die Angehörigen der Bundeswehr! Sie müssen Spezialisten in Sachen Würde des Menschen sein. Das ist das Ziel aller Friedensbemühungen. Es geht also nicht so sehr um die Umstände der Welt und ihrer Verhältnisse, sondern es geht um den Menschen.

Das ist auch der Inbegriff der Weihnachtsbotschaft, die von den Engeln auf den Fluren von Bethlehem verkündet wurde: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden (vgl. Lk 2,14). Die Ehre Gottes im Himmel ist die Garantie für den Frieden der Menschen auf Erden. Vielleicht ist dieser Gottesdienst im Hohen Dom zu Köln zum Weltfriedenstag 2007 ein größerer Beitrag zum Frieden, als wir ahnen. Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
English Top German Cardinal Starts $9 Million Family Fund in 2007 “Year of Marriage and the Family” in Cologne
Jan 12, 2007
Germany’s leading Cardinal has established a fund of €7 million ($9.1 million) dedicated to supporting marriage and the family.

COLOGNE, Germany, January 11, 2007 (LifeSiteNews.com) - Cardinal Joachim Meisner, Archbishop of Cologne diocese and the most influential Catholic leader in the country, has declared 2007 the “Year of Marriage and the Family” in Cologne, Zenit News Agency reported yesterday.

Pledging increased support for family life, Cardinal Meisner called for greater courage in promoting marriage and the family.

“Fathers, mothers and children need more support and guidance…marriage and the family will be at the center of numerous ecclesial events and projects,” he said upon announcing the archdiocesan focus of 2007.

The fund for marriage and the family will finance parish projects offering support to families and working toward the protection of life. Individual parish communities will be provided with guidelines from the archdiocese on incorporating the new projects into parish life.

“With our annual program we seek to encourage young people to enter into marriage and the new spouses to have children,” said Robert Kleine, director of Family Pastoral Care for the archdiocese.

Strongly pro-life and closely aligned with the Holy Father, Cardinal Meisner is known to be deeply concerned with protecting the family in modern society and an outspoken critic of liberal and dissenting Catholic leaders.
German Auch ein Fass Kölsch auf dem Altar
Jan 05, 2007
Auf großes Echo ist gestern Abend das Angebot an die Karnevalisten gestoßen, den Beginn der Session mit einem Pontifikalamt im Dom zu feiern.

(rundschau-online.de, 04.01.07) Zahlreiche Mitglieder von Karnevalsgesellschaften, Vertreter von insgesamt 38 Erwachsenen- und Kindertanzgruppen, unzählige Standartenträger, aber auch andere Kölner Bürger hatten sich im Dom versammelt, um mit Kardinal Meisner die heilige Messe zu feiern. Auch OB Fritz Schramma folgte der Einladung.

Auf vielfältige Weise wurden die Karnevalisten in das Messgeschehen einbezogen. So übernahm Festkomitee-Chef Markus Ritterbach die Lesung über die „Kinder Gottes“ (1. Johannesbrief), Kollegen sprachen die Fürbitten, darunter das kommende Dreigestirn, wobei Prinz Jacky I. für die Menschen betete, die „in diesem Dom ihren Dienst versehen für die Menschen: Schenke ihnen Freundlichkeit und Geduld und lohne ihnen einst ihr Mühen“.

Selbst die Verwendung der Kollekte bestimmten die Karnevalisten in eigener Regie. Das Geld kommt dem Projekt „Villa Kunterbunt" der Kölner Uniklinik zugute, in dem psychisch erkrankte Kinder behandelt und unterrichtet werden. Schließlich waren auch die Geschenke zur Gabenbereitung durch und durch kölsch: unter anderem eine Festkomitee-Kappe, ein Orden, Muuze als Symbol des kulinarischen Köln und ein Fässchen Dom-Kölsch.

Auf das Kölsch ging auch Kardinal Meisner in seiner Predigt ein. Von seinem Wesen her sei der Karneval mit dem Evangelium Christi gleichsam blutsverwandt, „lebt doch der Humor, der Mutterwitz, von dem Humus, also der Muttererde des Evangeliums“. Muttererde bedeute fruchtbares und fruchtbringendes Erdreich, von dem der Mensch leben kann. Sie gebe es in jedem Menschen, „weil doch jeder Mensch bestimmt ist zum Wachsen, zum Reifen und Fruchttragen“. Zur Fruchtbarkeit gehöre auch etwas Feuchtigkeit dazu, was ursprünglich das Wort Humor bedeute. „Hier muss man nicht gleich ans Kölsch denken.“ Die Frucht des Humors sei die Menschenwürde. „Achtung vor sich selbst und Achtung vor dem anderen ist das Ergebnis unseres Glaubens an die Menschwerdung Christi. Das ist der große Rahmen, in dem sich der Kölner und der rheinische Karneval abspielen sollten.“ Statt mit „Amen“ schloss Meisner mit „Kölle Alaaf!“.
German Mutter muss anerkannter Beruf werden
Jan 05, 2007
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat sich für die Anerkennung von Müttern als Berufstätige ausgesprochen.

Köln (dpa, 4.1.2007) Hier sei die Politik gefragt, sagte der 73-Jährige am Donnerstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Köln. "Das müsste in der Gesellschaft ein anerkannter Beruf sein, der sich auch in der Alters- und Krankenversicherung niederschlägt. Dann bekommt es auch in der Öffentlichkeit eine ganz andere Akzeptanz, Mutter zu sein." Denkbar sei zum Beispiel eine Rente für Mütter, doch die Einzelheiten könne nicht er ausarbeiten, das sei Sache der Politik.

Leider würden die Leistungen der Mütter in Deutschland nur unzureichend gewürdigt. "Ich mache dieses Theater jetzt zum zweiten Mal mit. In der DDR hat man den Frauen gesagt: "Wenn ihr zu Hause bleibt, verpasst ihr euer Leben."" Ähnliche Töne seien heute auch zu hören, sagte Meisner, der zu DDR-Zeiten Weihbischof von Erfurt und später Bischof von Berlin war. Dabei gibt es seiner Ansicht nach keine größere Form von Selbstverwirklichung, als Kinder zu haben. "Da sieht eine Mutter dann: "Ach, der hat meine Nase." Was gibt es Schöneres?"

Meisner wies darauf hin, dass die katholische Kirche nichts dagegen habe, wenn in einer Familie die Frau arbeiten gehe und der Mann zu Hause bleibe und die Kinder versorge. Nur während der ersten drei Lebensjahre des Kindes sei es besser, wenn die Mutter daheim sei. "Das Kind hat schließlich neun Monate unter dem Herzen der Mutter - und nicht des Vaters - gelebt", sagte Meisner. Dadurch entstehe eine ganz besondere Bindung, die auch von Hirnforschern nachgewiesen sei. Im übrigen wisse auch er, dass es heute oft eine wirtschaftliche Notwendigkeit sei, dass Vater und Mutter arbeiteten: "Die Eltern machen das ja nicht zum Spaß."
German Neuer Programmpunkt im karnevalistischen Kalender
Jan 03, 2007
"Jecker Gottesdienst" im Dom mit Kardinal Meisner

(koeln.de, 2.1.2007)Karneval goes Kölner Dom - so in etwa könnte der neue Programmpunkt im karnevalistischen Kalender lauten. Am Donnerstag, 4. Januar, also am Abend vor der Proklamation des neuen Dreigestirns, gibt es in dieser Session erstmals eine ganz besondere Unterstützung "von oben": Mit einem feierlichen Abendmahl mit Kardinal Meisner im Kölner Dom soll die jecke Zeit kirchlich eingeläutet werden.

Mit dem religionsübergreifenden Gottesdienst soll auch das Sessionsmotto "Mir all sin Kölle" unterstrichen werden. Ob die "jecke Messe" als fester Programmpunkt in der karnevalistischen Kalender aufgenommen wird oder doch eine Ausnahme bleibt, steht allerdings noch aus. Das entscheidet sich wohl erst, wenn die Kölner Jecken bewiesen haben, dass sie nicht nur feiern, sondern auch besinnlich sein können und am Gottesdienst teilnehmen.
German Kritik, aber auch Lob für den Kardinal
Dec 18, 2006
Kardinal Joachim Meisner und sein Generalvikar Dominik Schwaderlapp ernten viel Kritik für das Spar-Konzept „Zukunft heute“. Gleichzeitig gibt es Stimmen, die der Bistumsleitung vorwerfen, ein Klima der Angst zu verbreiten. Doch es gibt auch Verständnis für die notwendigen Maßnahmen.

(Kölnische Rundschau, 17.12.06) Rhein-Erft-Kreis: Kreisdechant Achim Brennecke findet offene Worte: „Ich ärgere mich hin und wieder auch schon einmal“, gibt er zu. Aber das komme ja in anderen Betrieben auch vor. Allerdings sei vor Ort zurzeit die Stimmung nicht die beste. Es gebe unterschiedliche Auffassungen darüber, wo gespart werden müsse.

„Das Konzept ,Zukunft heute löst natürlich sehr viel Unruhe aus“, sagt auch der Sprecher der Dekanatsräte im Rhein-Erft-Kreis, Karl-Heinz Lätzsch. „Nicht zuletzt kämpfen wir um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Es ist nicht schön, wenn Kirchen entweiht, Pfarrsäle geschlossen und Kindergartengruppen aufgelöst werden.“ Mit Kardinal Meisner und Generalvikar Schwaderlapp werde aber ein offener Austausch gepflegt.

Eine gewisse Resignation habe sich schon unter den Priestern breit gemacht, sagt Hoffsümmer. „Meisner nimmt Kritik nicht an und wird sich auch nicht mehr ändern.“

Rheinisch-Bergischer Kreis: Große Unruhe gab es im Seelsorgerbezirk Bergisch Gladbach-West. Dort wurde im November im Anschluss an die Gottesdienste eine Mitteilung von Kardinal Meisner und der erzbischöflichen Personalabteilung verlesen, dass Pfarrer Peter Felten (Pfarreien Paffrath und Hand), der Leiter des Pfarrverbandes, nach einem Gespräch mit Meisner das Pfarreramt „aus persönlichen Gründen“ niedergelegt habe. Der einzige verbliebene Pfarrer, Wolfgang Pollmeyer aus Schildgen, der jetzt die kommissarische Leitung der drei Pfarren übernimmt, steht zwei Jahre vor der Pensionierung. Und mit der Abordnung eines neuen Geistlichen ist nicht vor Sommer 2007 zu rechnen.

Gegenüber der Rundschau gab es vertrauliche Mitteilungen aus dem Klerus, dass Pastor Felten den Zwiespalt zwischen seinen persönlichen Vorstellungen hinsichtlich der Gestaltung des Pfarreramtes (Liturgie, Seelsorge) und den organisatorischen und administrativen Zwängen seines Amtes, verstärkt durch die massiven Sparerfordernisse, einfach nicht mehr überbrücken konnte.

Köln: Die Situation in der Stadt charakterisiert ein Geistlicher im Gespräch mit der Rundschau so: Der Klerus lasse sich in Personen, die „sich ihren Sandkasten erhalten“ wollten und nichts sagten und in Personen, die resigniert hätten und sich sagten: „Aufmucken hat keinen Zweck“. Außerdem gebe es Karrieristen, die dem Kardinal immer zustimmten. Viele in der Kirche seien misstrauisch geworden. Es herrsche ein Geist des Gehorsams. Mut und der Geist der Offenheit fehlten. Einen ordentlich installierten Pfarrer, so der Geistliche weiter, könne man nur versetzen, wenn er sich etwas zuschulden kommen lasse. „Nur: Wenn man den ständig unter Druck setzt, andauernd zum Personalchef einbestellt - wer kann da auf Dauer standhalten?“

Falls es anonyme Beschuldigungen gegen Priester gebe, wanderten diese in der Regel in den Papierkorb und würden vernichtet. Das habe der Priesterrat in seiner Beschwerdeordnung so beschlossen. Es sei denn, der Vorfall sei wirklich sehr gravierend: Dann müsse der betreffende Priester natürlich angehört werden.

Oberbergischer Kreis: Die ländliche Struktur der drei Dekanate sei vom Generalvikariat im Sparkonzept offenbar nicht hinreichend berücksichtigt worden, meinen viele Dekanatsratsmitglieder und Priester. So solle der Seelsorgebereich Gummersbach 350 Quadratmeter an Versammlungsfläche einsparen. Dies würde bedeuten, dass Teile bestehender Pfarrheime vermietet oder veräußert werden müssten, was allein aus architektonischen Gründen gar nicht gehe.

Zu befürchten stünde, dass die zumeist älteren unter den aktiven Gemeindemitgliedern künftig Wege von mehreren Kilometern in Kauf nehmen müssten.

Die Sparpläne hätten auch zu Spannungen zwischen Gemeindemitgliedern geführt. Oft würden die Personen, die Kölner Entscheidungen vor Ort auszuführen hätten, als Sündenböcke betrachtet. Von den insgesamt neun Kindergarten-Gruppen in katholischer Trägerschaft im Seelsorgebereich Gummersbach sollen fünf eingespart werden.

Rhein-Sieg-Kreis: Mit dem Meisner-Schwaderlapp-Kurs kommt man offenbar ganz gut klar. Das Sparprojekt „Zukunft heute“ mit den vielfach gravierenden Einschnittenwird vor Ort in den Kirchengemeinden ohne große Proteste umgesetzt.

Bonn: Bislang wurde das Sparkonzept weitgehend geräuschlos umgesetzt. Von der Kirche aufgegebene Kindergartenplätze haben die Kommunen übernommen. Es sind sogar neue Initiativen (Bürgerstiftung Rheinviertel) entstanden. Für Kritik hat jedoch die Neubesetzung an der Führungsspitze der Katholischen Hochschulgemeinde gesorgt.
German Evangelische Unterstützung für Kardinal Meisner
Dec 09, 2006
Der wegen des Verbots multireligiöser Gottesdienste an katholischen Schulen in die Kritik geratene Kölner Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner, hat Unterstützung aus der evangelischen Kirche und der evangelikalen Bewegung erhalten.

K ö l n / W o l f e n b ü t t e l (idea) – Meisner hatte seine Richtlinie damit begründet, dass das Gottesbild der nichtchristlichen Religionen nicht identisch sei mit dem Gott, „der Vater unseres Herrn Jesus Christus ist“. Daher seien gemeinsame Gottesdienste nicht möglich.

Die Entscheidung Meisners stieß bei Politikern auf Kritik. Die Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU/CSU, Ingrid Fischbach, erklärte, das Verbot sei angesichts der interreligiösen Dialogbemühungen „nur schwer nachzuvollziehen“. Die Angst vor einer Religionsvermischung sollte „nicht handlungsleitend sein“. Politiker von Bündnis 90/Die Grünen nannten den Erlass einen „Rückschritt“ und warnten vor einer „katholischen Parallelgesellschaft“. Dagegen hat der Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Friedrich Weber (Wolfenbüttel, Foto), die Weisung Meisners gegen Kritik verteidigt. Der Erlass präzisiere, was bei aller Notwendigkeit multireligiöser Integration in der Schule „um der Wahrung der religiösen Identität willen“ nicht überschritten werden dürfe.

Interreligiöse Gebete sind nicht möglich
Die Richtlinie des Erzbischofs liege auf der „gleichen Linie“ wie die jüngst veröffentlichten Zehn Thesen des Rates der EKD zum Religionsunterricht. Nach evangelischem Verständnis seien zwar gemeinsame religiöse Feiern möglich, nicht aber interreligiöse Gebete. Im Religionsunterricht gehe es mit Blick auf Gott um die Wahrheitsfrage. Sie verlange das „Beziehen einer klaren Position“.

Evangelikale: Religionsvermischung verhindern
Pfarrer Eberhard Troeger (Wiehl bei Köln) vom Arbeitskreis Islam der Deutschen Evangelischen Allianz kann die Empörung über Meisner nicht verstehen: „Er hat etwas ganz Selbstverständliches gesagt.“ Das biblische und das koranische Verständnis von Gott ließen sich nicht harmonisieren. Deshalb könnten Christen und Muslime nicht gemeinsam Gottesdienst feiern. Man müsse alles vermeiden, was nach einer Religionsvermischung aussehe, sagte Troeger auf idea-Anfrage.
German Dialog mit dem Islam muss sein
Dec 01, 2006
Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner besuchte unsere Redaktion. Themenschwerpunkte waren: Das Verhältnis von Religion und Gewalt, die Unmöglichkeit eines gerechten Krieges und das „C“ der Unionsparteien.

Düsseldorf (RP-Online, 01.12.2006). Herr Kardinal, fällt es Ihnen nach dem Dresdner Parteitag etwas leichter, der CDU das „C” zuzubilligen?


Meisner Wenn ich in der Vergangenheit die CDU kritisiert habe, dann doch nur, um ihr zu helfen. Sie muss sich als Volkspartei um große Mehrheiten bemühen. Wenn ihr das mit dem „C” nicht mehr gelingt, dann sollte sie daraus die Konsequenzen ziehen. Für uns als Kirche ist das „C” im Namen nun mal ein Richtmaß, nach dem sich politisches Handeln bewerten lassen muss. Ich hoffe, dass die Union sich auf ihre wesentlichen Grundlagen besinnt, die im christlichen Menschenbild und einer solidarischen Gesellschaft bestehen. Und ich hoffe, dass sie damit auch mehrheitsfähig wird in unserem Land.


In Dresden gab es ein heftiges Flügelschlagen zwischen der eher wirtschaftlich und der stärker sozialpolitisch orientierten Gruppe um Jürgen Rüttgers.


Meisner Die soziale Komponente ist ganz wichtig. Arbeitnehmern ist nicht gedient, wenn der Betrieb zugrunde geht. Zugleich hat ein Unternehmer die große Verantwortung zu tragen, dass er in seinem wirtschaftlichen Handeln der sozialen Dimension des Eigentums gerecht wird.


Rüttgers hat in Dresden ein schlechtes Ergebnis bekommen. Hat die Partei nicht begriffen, worum es geht?


Meisner Darüber kann ich nur spekulieren. Ich kann mir darauf keinen Reim machen.


Das „C” auf Krieg und Frieden übertragen: Hätte die Union beim Kriegseinsatz im Irak nicht an der Seite des Papstes sein müssen statt an der des US-Präsidenten, wie der CSU-Politiker Gauweiler kritisch angemerkt hat?


Meisner Der Protestant Peter Gauweiler hat meines Erachtens hier nicht zum ersten Mal richtiges Gespür bewiesen, und der damalige Papst Johannes Paul II. hat mit seinen Bedenken ebenfalls Recht behalten. Eine C-Partei hätte da also in der Tat auch etwas zurückhaltender sein können. Nun ist die Verteidigung des Friedens ohne Zweifel eine christliche Pflicht. Angesichts der zerstörerischen Waffengewalt, die wir inzwischen zur Verfügung haben, ist die alte Lehre vom gerechten Krieg allerdings heute kaum noch haltbar. Das können Sie in jüngeren Kirchendokumenten wie etwa im Weltkatechismus oder im neuen Kompendium der Soziallehre bestätigt finden.


Präsident Bush ist von dem Gedanken beseelt, dass er in göttlicher Mission handelt.


Meisner Da ist er nicht der einzige in der Weltpolitik, der das von sich annimmt. Als Mensch muss ich mich aber immer wieder korrigieren lassen; das heißt: Ich muss meine Berufung, sei es als US-Präsident oder als Manager oder als Bischof, vor einer höheren Instanz objektiv befragen lassen nach dem Motto: Habe ich das, was ich da vorhabe, vom Heiligen Geist, oder ist das bloß meine eigene Idee?


Was hat Benedikt XVI. den deutschen Bischöfen bei ihrem Rom-Besuch Mitte des Monats ans Herz gelegt?


Meisner Der Papst erkundigte sich eingehend nach der Lage der Jugend und der Familien. Er ist bestens über die Situation in Deutschland informiert und hat ein enormes Gedächtnis für all diese Dinge. Ein großes Anliegen ist ihm, dass die Kirche in Deutschland mit ihren nach wie vor reichhaltigen Mitteln den Mut hat, missionarischer zu sein. Ich glaube, dazu wird er uns sicher noch einiges ins Stammbuch schreiben. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf sein Jesus-Buch, das im kommenden Frühjahr erscheinen soll.


Von der Regensburger Vorlesung des Papstes fühlte sich der Islam brüskiert. Wie konnte das passieren?


Meisner Der Papst hat als Professor gesprochen und hat gewiss gemäß unseren akademischen Gepflogenheiten nicht damit gerechnet, dass ein historisches Zitat mit seiner Meinung gleichgesetzt werden könnte. In der Sache aber stellt sich der Papst der Problematik des 21.Jahrhunderts schlechthin, nämlich der Frage nach Religion und Gewalt, was letztlich ein zentraler Aspekt seines überragenden Themas „Glaube und Vernunft“ ist. Wenn wir da nicht zu einem Konsens kommen, weiß ich nicht, wie das 21. Jahrhundert zu Ende gehen soll.


Das bedeutet...


Meisner Es ist zu hoffen, dass der Islam den Weg zu einer höheren Rationalität des Glaubens mitgehen wird und seine geschichtliche Dimension entdeckt. Dann könnte eine dringend notwendige Textkritik des Koran erfolgen, wie wir Christen sie im Umgang mit unserer Heiligen Schrift lange schon betreiben. Im Islam kann das, was im Koran steht, ja nicht hinterfragt werden. Doch der Koran ist eben auch ein geschichtliches Buch. Darüber muss geredet werden.


Der Dialog ist schwer zu führen.


Meisner Aber wir kommen daran nicht vorbei.


Vorbehalte gegen die Kirche betreffen vielfach die Betonung kirchlicher Gebote und Verbote. Wo bleibt das Positive?


Meisner Wir müssen in der Verkündigung zuallererst über die Schönheit des Glaubens, über die Schönheit Gottes und die Faszination des Evangeliums predigen. Da haben wir einen großen Nachholbedarf.


Wie lassen sich breite Bevölkerungsschichten wieder mehr für die Kirche gewinnen?


Meisner Kirche ist Volkskirche, das heißt: Sie ist für das Volk da. Alles, was die Kirche hat, stammt von einem anderen, nämlich von Jesus Christus, aber sie hat dies alles nicht für sich, sondern für andere. Eine kirchliche Gemeinde verdient darum nur diesen Namen, wenn sie auch missionarische Gemeinde ist.


Manche Priester bei uns erwecken den Eindruck, als seien sie lieber Manager als Menschenfischer. Wo bleiben Letztere?


Meisner Ich habe in der Hinsicht große Hoffnung. 90 Prozent unserer Geistlichen sind schon apostolische Männer. Das gilt für die Priester, aber auch für jene, die sich als Verheiratete als ständige Diakone in Dienst nehmen lassen. Am vergangenen Samstag habe ich wieder sechs Männer zu ständigen Diakonen geweiht: hochbegabte Familienväter, fünf Kinder, sechs Kinder, promovierte Leute, die missionarisch in der Kirche wirken wollen. Das ist nur ein Beispiel.


Wie testen Sie Tüchtigkeit?


Meisner Wenn jemand Priester werden will und zu mir kommt, frage ich immer: Können Sie auf jemanden verweisen, der durch ihr Zeugnis Christ geworden oder in seinem Glauben gestärkt worden ist? Das heißt, ich teste die geistige Reife und Bereitschaft des Kandidaten, seinen Glauben weiterzugeben.


Hat der Weltjugendtag 2005 in Köln wirklich etwas religiös bewegt?


Meisner Er hat, wie es mir jetzt wieder der Papst erzählte, eine Erneuerungsbewegung breiteren Ausmaßes nach sich gezogen, deren Auswirkungen zum Beispiel auch in Kanada oder in der Slowakei zu spüren sind. Aber auch bei uns im Erzbistum Köln gibt es Zeichen dafür, dass etwas positiv in Bewegung gerät. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, aber da wächst etwas heran.


Verraten Sie uns, wie Sie Weihnachten feiern?


Meisner Mit Glanz und Gloria. Bei mir kommt in der Zeit alles an persönlichen Feiertagen zusammen: Ich habe am 1. Weihnachtstag Geburtstag. Ich wurde am 20. Dezember 1988 zum Erzbischof von Köln ernannt. Am 22. Dezember 1962 bin ich zum Priester geweiht worden und habe am 23. Dezember 1962 Primiz gefeiert. Da man zu Weihnachten eigentlich keine Gäste einladen kann, bitte ich nach alter Tradition am 22. Dezember unser Domkapitel und andere zu einem schlesischen Weihnachts-Abendessen. Da sind wir fast zu 40 Leuten.


Was gibt’s zu essen?


Meisner Traditionell Karpfen, mit einer Soße von dunklem Bier, zum Schluss natürlich Mohnklöße; außerdem gibt’s niederschlesische Kalbfleischwürste und dazu Andechser Doppelbock-Klosterbräu.


Ihr Weihnachts-Pflichtprogramm?


Meisner Am Heiligabend findet die Mitternachtsmesse statt. Dann kommt morgens der Weihnachts-Gottesdienst, anschließend gratulieren mir die Mitglieder der Domchöre zum Geburtstag, dann lade ich noch sechs bis acht Leute, die alleinstehend sind, zum Weihnachtsessen ein, und um drei Uhr nachmittags heißt‘s dann erst mal: Füße hochlegen.


Haben Sie Hobbys?


Meisner Ja, ich sammele alte Gebetbuch-Bilder. Von Kevelaer und aus dem alten Köln habe ich schon jeweils eine ganze Mappe. Am 2. Weihnachtstag ordne ich die Bilder ein, die sich im Laufe des Jahres angesammelt haben. Damit habe ich ein paar Stunden zu tun. Dabei höre ich mir gerne Musik an und lasse einfach mal die Seele baumeln.


Schauen Sie fern?


Meisner Gerne geschichtliche Sendungen, aber ich sehe selten fern. Ich glaube, dass ich auch nicht allzu viel verpasse.


Gehen Sie schon mal ins Kino?


Meisner Den Film „Der Untergang” über Hitlers letzte Tage habe ich im Kino gesehen.


Welche Botschaft haben Sie zum Advent?


Meisner Diejenige meines Bischofs-Wahlspruches: „Spes nostra firma est pro vobis”, zu deutsch: „Unsere Hoffnung für euch steht fest”, aus dem 2. Korintherbrief. Ich erhoffe für unsere Landsleute, dass sie in den adventlichen Tagen - trotz allem - ein wenig in die Tiefe ihres Herzens gelangen, um somit die Oberfläche ihres Lebens ein gutes Stück zu relativieren.
German Grußwort von Joachim Kardinal Meisner zum Ende des Fastenmonats Ramadan 2006
Nov 01, 2006
Wir veröffentlichen das diesjährige Grußwort des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan.

Köln, im Oktober 2006

Liebe muslimische Schwestern und Brüder!

In diesen Tagen geht für Sie der Fastenmonat Ramadan als eine Zeit des Gebets und der Besinnung auf Gott zu Ende. Zum festlichen Abschluss dieser Wochen sende ich Ihnen meine Grüße, verbunden mit der Hoffnung, dass der Allmächtige uns in unseren Anstrengungen für eine gute Zukunft stärken wird.

In Verantwortung vor Gott und in Respekt voreinander bemühen wir uns auch um den interreligiösen Dialog. Zu diesem Dialog in Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit ermutigt – auch allen anders lautenden Meldungen zum Trotz – der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI., immer wieder. Seine Ansprache beim Treffen mit Muslimen während des Weltjugendtages in Köln hat nach wie vor Gültigkeit: „Der interreligiöse und interkulturelle Dialog zwischen Christen und Muslimen darf nicht auf eine Saisonentscheidung reduziert werden. Tatsächlich ist er eine vitale Notwendigkeit, von der zum großen Teil unsere Zukunft abhängt.”

Sie, liebe Muslime, bitte ich, diese Botschaft des Papstes auch in Ihren Gemeinschaften zu verbreiten.

Gott segne und behüte Sie und Ihre Familien!

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Familienbild muss sich verbessern
Sept 12, 2006
Für Familien muss in Deutschland auch im Bezug auf das herrschende Bild von Ehe und Familie mehr getan werden. Diese Ansicht vertrat der Erzbischof Joachim Kardinal Meisner beim heutigen Journalistenempfang in Köln anlässlich des Welttages der sozialen Kommunikationsmittel.

KÖLN, 7. September 2006 (ZENIT.org).- Die Klage über zu geringe Geburtenzahlen in Deutschland sei zu wenig, wenn nicht gleichzeitig mehr für die inhaltliche Wertschätzung von Ehe und Familie getan werde, bekräftigte der Kardinal vor den Medienvertretern. "Hier lässt sich noch manches verbessern, und ich bitte Sie, sich ein offenes Auge für diese Notwendigkeit zu bewahren."

Wer die Bedeutung der Familien leugne, brauche sich "nicht zu wundern, dass unser Sozialsystem zusammenbricht". Das Erzbistum Köln habe für das kommende Jahr Ehe und Familie zum pastoralen Schwerpunkt gewählt und werde dabei vielfältige Angebote und Impulse geben. So werde dieses Thema beispielsweise sowohl in der Firmvorbereitung als auch an den katholischen Schulen verstärkt aufgegriffen. Kardinal Meisner fügte hinzu, dass nicht zuletzt der Weltjugendtag und die Reaktionen der Teilnehmenden verdeutlichten, dass es unter jungen Menschen ein sehr großes Interesse an Orientierung für Partnerschaft, Ehe und Familie gebe.

"Manche Menschen mögen uns für weltfremd halten, wenn wir – trotz aller gesellschaftlichen Realitäten – am Idealbild von Ehe und Familie festhalten. Glauben Sie mir, ich bin kein idealistischer Träumer, aber wenn wir das Ziel und das Ideal lebendiger Familien aufgeben, dann brauchen wir über ein Ziel wie den Weltfrieden erst gar nicht mehr zu reden."

Dr. Holger Dörnemann, Leiter des Referats Ehe- und Familienpastoral im Erzbistum Köln, erläuterte seinerseits den Planungsstand für das Schwerpunktthema Ehe und Familie, bei dem die verschiedenen Einrichtungen und Ebenen der Jugend- und Erwachsenenseelsorge kooperieren sollen. Darin seien besonders die katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen, die Erziehungsberatung und die Einrichtungen der Familienbildung einbezogen. In den Kreis- und Stadtdekanaten gebe es jetzt zehn Referenten für Ehe- und Familienpastoral als ortsnahe Ansprechpartner. Auch die Entwicklung von 85 Kindertagesstätten zu Familienzentren gehöre zu diesem Konzept, ebenso wie die "Woche für das Leben" 2007 und eine Familienwallfahrt der Bistümer Köln, Aachen und Trier am 6. Mai kommenden Jahres.
German Seit dem Weltjugendtag outen sich die Katholiken wieder
Aug 07, 2006
Ein Jahr nach dem Weltjugendtag in Köln sieht Kardinal Joachim Meisner selbstbewusstere Katholiken als früher.

Köln , 4.8.06 (Kipa) Das Grossereignis mit Papst Benedikt XVI. habe das "katholische Selbstbewusstsein und Siegesbewusstsein" wachsen lassen, sagte der Kölner Erzbischof gegenüber Deutschlands Katholischer Nachrichten-Agentur. Gott sei wieder zum Thema geworden. Meisner wörtlich: "Leute outen sich und sagen, ich bin ein katholischer Christ."

Meisner bezeichnete "katholische Minderwertigkeitskomplexe" als "die eigentlichen Sünden unserer Zeit". Der Weltjugendtag habe gerade den Älteren in dieser Hinsicht eine Lektion erteilt. Sie hätten gelernt, dass die Jugend ihnen in Glaubensfragen vorausgehe. Viele Erwachsene seien von deren intensiven Gebeten beeindruckt gewesen. "Dass sich einer so frei vor Gott hinstellt und betet. Und es kamen immer mehr hinzu und haben sich anstecken lassen", betonte Meisner.

Kraft hat in alle Welt ausgestrahlt

Um solche Impulse fortzusetzen, müssten in Zukunft "kleinere Brötchen gebacken" werden, sagte der Erzbischof. Doch im vergangenen Jahr seien schon "viele positive Bewegungen des geistlichen Lebens" entstanden, die nicht an die grosse Glocke gehängt worden seien. Meisner wörtlich: "Man ist erstaunt, welche Kraft vom Weltjugendtag ausgegangen ist, und zwar nicht nur in unserem Land, sondern in aller Welt."
German Jugendliche wollen keine, mit Weihrauch verzuckerte Speise'
Jul 12, 2006
Der Erzbischof von Köln sprach im KATH.NET-Exklusiv-Interview über Aufbrüche in der Kirche, Manoppello, Jugendpastoral und Fußball in Kirchen.

Einsiedeln (www.kath.net, 29. Juni 2006) „Sie suchen Verlässlichkeit, Verantwortlichkeit - und da muss ihnen geholfen werden“, sagte Joachim Kardinal Meisner im KATH-NET Interview bei der „Kirche in Not“-Wallfahrt nach Einsiedeln Mitte Juni, KATH.NET hat berichtet. Stefan Maria Bolli sprach mit dem Kardinal über den Weltjugendtag, Aufbrüche in der Kirche, Jugendpastoral und vieles mehr.

KATH.NET: Eminenz, was verbindet Sie mit Einsiedeln?

Joachim Kardinal Meisner: Natürlich die Muttergottes. Wer in Deutschland an Einsiedeln denkt, denkt an den größten Marienwallfahrtsort in der Schweiz. Und als Erzbischof von Köln denke ich ganz besonders an Einsiedeln, denn wir haben eine „Filiale“ der Muttergottes von Einsiedeln in Düsseldorf: Dort gibt es ein Heiligtum der Schwarzen Madonna von Einsiedeln.

KATH.NET: Die Wallfahrt von Kirche in Not steht unter der Frage „Weltkirche im Aufbruch?“. Wo sehen Sie konkret Aufbrüche in der Weltkirche?

Kardinal Meisner: Das sehe ich zuerst einmal bei mir vor Ort, wo ich sehe, dass Kranke und Sterbende zuversichtlich in den Tod gehen, dass enttäuschte Menschen, deren Liebe verraten wurde, nicht das Handtuch werfen sondern weitermachen. Wenn man einen Blick hat für dieses geistliche Geschehen in der Normalität des Alltages, so wird man feststellen, dass die Welt voller Aufbrüche und Wunder ist.

Im engeren Sinne meinen Sie natürlich etwas anderes: Was uns der Weltjugendtag gebracht hat in Köln – wir waren ja im Zentrum dieses Taifuns – ist schon sehr erstaunlich. Wir haben unter den Jugendlichen Aufbrüche, die ich zuerst gar nicht wahrgenommen habe: Die Vigilfeiern wurden an den verschiedensten Orten und auf verschiedensten Ebenen wiederholt.

Die Junge Union, die Nachfolgeorganisation der CDU von Nordrhein-Westfalen, der größte Landesverband der Bundesrepublik – die Hälfte nicht katholisch, wollten eine Vigilfeier halten. Da habe ich sie eingeladen zur Wallfahrtskirche zur Schwarzen Muttergottes in der Kupfergasse in Köln. Und wir haben es gehalten wie beim Weltjugendtag mit eucharistischer Anbetung und die knieten alle andächtig vor dem Allerheiligsten und haben mir geschrieben, auch die nicht-katholischen Jugendlichen: Wir wissen jetzt, wofür wir einzutreten haben, für welche Werte es sich lohnt in der Politik zu leben: Für die Ideale des „C“ des Christentums.

KATH.NET: Der Weltjugendtag ist für Sie eine besondere Erfahrung des Aufbruchs in der Weltkirche. Was gibt es jetzt konkret für Initiativen?

Kardinal Meisner: Wir haben für das erste Jahr nach dem Weltjugendtag gesagt, dass davon auszugehen ist, dass wir die Hochspannung wie in den Tagen des Weltjugendtages nicht erhalten können. Wir wollen dies einmal der Jugend selber überlassen und nicht schon wieder von „oben herab“ diese oder jene Initiative empfehlen.

Ich habe als Erzbischof von Köln für das Erzbistum die Jugendseelsorger überall erneuert, den Diözesanjugendseelsorger, in den Städten und Kreisen um einen Neuanfang zu setzen. Wir haben in diesem Sinne die Jugendlichen ihre eigenen Initiativen machen lassen. Das Resultat ist ganz erstaunlich.

Wir stellen fest, dass junge Menschen 14-tägig oder monatlich diese Vigilfeiern halten. Zum Beispiel in Bonn das so genannte Nightfever: Da kommen sie zusammen um 19 Uhr an jedem ersten Samstag im Monat, es wird das Allerheiligste ausgesetzt und etwa hundert Jugendliche bleiben in der Kirche zur Anbetung.

Die anderen hundert gehen mit kleinen Kerzen auf die Straße und sprechen Erwachsene und Jugendliche an: „Wir möchten Ihnen diese Kerze schenken, die können Sie direkt in Ihrem Anliegen vor der Monstranz oder dem Marienbild anzünden.“ Und zu 95 Prozent tun die das. Das dauerte dann jeweils von 19 bis 24 Uhr, und es waren dann so etwa 600 bis 1000 Leute da und die Beichtstühle waren alle besetzt.

Und es kamen nicht nur Katholiken, sondern es kommen auch junge Menschen, die angesprochen wurden und sagen: „Wir kommen mit dem Sinn unseres Lebens nicht zu Rande. Jetzt sprechen wir uns einmal aus.“ Daraus hat sich nun bereits eine Gruppe von Katechumenen gebildet, die Jesus, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, gefunden haben.

Oder in Köln haben Jugendliche einige Male schon eine Straßenmission durchgeführt auf eine qualitativ hochstehende Art und Weise. Sie haben ein Zelt in der Nähe aufgerichtet und die Interessierten eingeladen. Dann waren sehr qualifizierte Priester dort, unter anderem auch der Generalvikar, und sie haben halbstündlich Fünf-Minuten-Katechesen gehalten. Es gibt eine ganze Reihe solcher Initiativen.

Wir werden dann im September dieses Jahres mit einem Zweijahreszyklus anfangen zum Thema Ehe und Familie – eines der wichtigsten Themen, die die jungen Leute einfordern. Sie sagen: „Wir haben nur ein einziges Leben. Und Glaube, Leben und Liebe gibt es nicht auf Probe. Da ist sofort Ernstfall.“ Wir möchten gleich zu Beginn das richtige Fundament legen und erklären, wie man das macht.

Es ja heute nicht nur eine schwierige Frage, ob ich zum Priester berufen bin, sondern auch, wo ich die richtige Partnerin, den richtigen Partner finden kann. Und sie suchen Verlässlichkeit, Verantwortlichkeit, und da muss ihnen geholfen werden, damit wir wieder stabile und glückliche Ehen bekommen. Das ist die wichtigste Aufgabe, die die Kirche derzeit zu erfüllen hat, nicht nur für die Kirche selbst, sondern für unser Volk für Europa.

KATH.NET: Losgelöst von diesen Erfahrungen gekoppelt an den Weltjugendtag: Wie soll denn eine vernünftige Jugendpastoral aussehen, damit Jugendliche wieder an die Kirche herangeführt werden?

Kardinal Meisner: Man kann an so vielen Orten ansetzen: Beim Erstkommunionsunterricht, bei der Firmvorbereitung. Da darf man natürlich als Katechet nicht „blabla“ machen, sondern muss den Jugendlichen den Horizont öffnen.

Jeder Mensch, da er ja Ebenbild Gottes ist, will doch über sich selbst hinaus. Und wenn er eine Gesellschaft erlebt, wie Heinrich Heine sagt, wo „der Himmel den Engel und Spatzen übergeben worden ist“, wo also keine Möglichkeit gegeben ist, nach oben zu transzendieren, dann transzendiert er nach links und rechts. Das heißt, er zehrt die Ressourcen der Welt auf, auch seine eigenen (Konsumismus, Sexismus, Alkoholismus). Aber sein Herz wird doch nicht satt, es wird immer unglücklicher.

Und darum haben die jungen Leute es so satt, dauernd – auch kirchlich fromm – mit Weihrauch verzuckerte Speise zu bekommen, die sie auch auf jedem Marktplatz bei McDonalds kaufen können. Wir müssen den Mut haben, unseren Jugendlichen wieder Christus zu geben, was auch der Papst sagt: „Wer ihnen nicht Gott gibt, gibt ihnen zu wenig.“ Die Jugendlichen müssen wissen, ob die Kirche nur ein frommer Verein oder Verband ist oder ob da Gott ins Spiel kommt.

Abends spaziere ich manchmal bei uns ums Quartier. Da kam einmal so eine Gruppe Jugendlicher daher, und bei meinem Anblick sagten sie: „Lasset uns beten.“ Da habe ich sie an die Seite genommen und habe sofort mit ihnen zu beten begonnen: „Herr, Du hast uns hier zusammen geführt und die jungen Menschen möchten, dass sie mit ihrem Erzbischof zusammen beten. Wir wissen, dass wir bei Dir nicht Sprechstunden zu beantragen brauchen, sondern Du bist immer für uns da und das nehmen wir jetzt wahr.“

Dann habe ich mit Ihnen weiter gebetet, habe sie am Schluss gesegnet und gesagt: „Wenn ihr wieder einmal beten wollt, dann wohne ich da und klingelt einfach bei mir.“ Es hat keiner gelacht oder gegrinst. Wir haben zu viele Vorbehalte und Angst. Ich muss als Priester die Botschaft nicht verpacken in allen möglichen Kram, ich muss gleich mit der Tür ins Haus fallen.

KATH.NET: In der Schweiz ist Ökumene ein allgegenwärtiges Faktum. Wie sehen Sie Ökumene? Was sind vorrangige Ziele?

Kardinal Meisner: Ökumene bedeutet für uns einmal nach der Richtschnur von „Dominus Jesus“. Das heißt, wir müssen uns der katholischen Fülle bewusst sein, um uns dann in einer wirklich geschwisterlichen Weise mit den nicht-katholischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften in Kontakt zu treffen. Wir müssen immer unterscheiden zwischen der Ökumene mit den orthodoxen Kirchen und der Ökumene mit den protestantischen Gemeinschaften.

Und ich denke, dass wir noch unter diesem Pontifikat in der Ökumene mit den orthodoxen Christen zu einer großen Annäherung kommen werden. Wir sind ja im Hinblick auf die katholische Dogmatik fast deckungsgleich; da sind einige Dinge, namentlich der Primat des Papstes, aber in den anderen Dingen des kirchlichen Amtes, der Eucharistie und der Sakramente ist das mit den protestantischen Gemeinschaften viel schwieriger.

Aber wir sind auch gehalten und stehen unter dem Wort des Herrn, dass alle eins seien. Wir müssen miteinander leben, aber nicht, dass wir Ökumene machen können. Man kann die Einheit nicht machen. Wir können miteinander beten, arbeiten und dann wird uns die Einheit geschenkt. Ich vergleich das immer wieder mit einem Wagenrad: Da haben sie die Radnabe und den Reifen. Die Nabe und der Reifen werden verbunden durch die Speichen.

Ich vergleich das immer, dass Christus die Nabe ist und der Reifen die Welt, und wir müssen als Christen Christus mit der Welt verbinden. Je näher wir bei Christus stehen, desto enger stehen die Speichen zusammen. Und das meine ich mit Ökumene: Je näher wir bei Christus sind, desto näher sind wir beieinander. Dann muss Er uns das Wunder der Einheit schenken.

KATH.NET: Sie waren bereits in Manoppello. Was verbindet Sie mit dem dortigen Bild über das Antlitz Christi?

Kardinal Meisner: Ich bin der Meinung, das ist eines der frühesten Abbilder unseres Herrn und Erlösers. Und wir müssen immer daran denken, dass wir nach dem Ebenbild Christi, nach dem Ebenbild Gottes erschaffen sind. Das Gesicht nimmt im Leben eines Menschen eine ganz große Rolle ein: Sie haben in Ihrem ganzen Leben noch nie in ihr eigenes Gesicht gesehen, ich auch nicht meins. Wir haben immer nur unser Spiegelbild gesehen.

Und wenn wir früh die Morgentoilette machen, sollten wir nicht nur darauf achten, dass unser Kopf in Ordnung ist, sondern dass das Gesicht in Ordnung ist. Es hat einmal jemand gesagt, dass man mit 40 Jahren langsam die Verantwortung für sein Gesicht übernehmen sollte. Und das Gesicht müsste eigentlich immer so „dekoriert“ werden wie ein Schaufenster, sodass man gerne hineinschaut.

Wir werden bis ins Gesicht dem Gott ähnlich, den wir uns vorstellen. Im Gebet empfange ich gleichsam eine Impression des Antlitzes Gottes. So wie Mose: Als er vom Berg kam, musste er ein Tuch über sein Antlitz legen, weil sein Gesicht so den Glanz Gottes widerstrahlte. Und das müsste auch ein wenig bei uns sein: Dass wir ein Tuch über unser Gesicht legen und man etwas von unserem Gesicht ablesen kann von der Herrlichkeit des Herrn.

Manoppello führt uns wirklich, so meine ich, in die erste Generation der Kirche, ganz an die Quelle, dass wir dem Herrn ins Antlitz schauen – dem österlichen Herrn, wie Er sich in Manoppello zeigt.
Er ist ja konvertibel mit dem Turiner Leichentuch. Sie sehen bei Manoppello noch einige Verwundungen, die von der österlichen Verklärung überstrahlt werden, während sie in Turin „nur“ den leidenden Christus sehen. Und das ist auch eine Bestätigung des Evangeliums, dass der österliche Christus die Wundmale mitgebracht hat.

Wundmale sind in der Christenheit etwas Wichtiges: Wer ein christliches Leben zu führen sucht, der kommt nicht ohne Schrammen, Narben und Wundmale davon. Aber es gehört auch zu uns. Und wenn wir dann österlich verklärt sind im himmlischen Jerusalem: das wird ein Antlitz und eine Freude werden.

KATH.NET: Vor wenigen Tagen gab es in einigen deutschsprachigen Diözesen Aufregung um geplante Fußballspielübertragungen und Fußball-Spielen in Kirchen. Was sagen Sie dazu?

Joachim Kardinal Meisner: Das ist Quatsch! Unsere Kirchen sind nicht dafür da. Wir haben genug Orte für Fernsehübertragungen und Fernsehen. Das würde ich sofort untersagen bei uns. Man muss die Kirche im Dorf lassen, das ist das Haus Gottes. Wo Gotteshäuser entweiht werden, da geht es auch mit den Häusern der Menschen abwärts.

Das habe ich als Bischof im Kommunismus erlebt. Schauen sie sich doch einmal die sozialistischen Großbauten an: Da hat man gesagt: Die Neubaustädte ohne Kirche und dann sind solche Kaninchenställe zustande gekommen wie diese Plattenbauweise – ein völlig inhumanes Leben. Weil man eben Gott ausgegrenzt hat. Und damit richtet sich der Mensch selber zu Grunde.

KATH.NET: Eminenz, Herzlichen Dank für das Interview!
German Katholischer Kardinal Meisner unterstützt Familiensplitting
Jul 03, 2006
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat sich für einen Umbau des Ehegattensplittings zum Familiensplitting ausgesprochen. Der Grund: Ehepaare hätten heutzutage häufig gar keinen Kinderwunsch mehr. Das seien "nach katholischem Eheverständnis gar keine Ehen".

Berlin (rpo, 28.06.06). Meisner stellte klar, dass die Ehe aus christlicher Sicht nicht nur eine dauerhafte Treuebindung darstelle, die Partnern wie Kindern ein "beständiges und liebevolles Zuhause" geben solle, sondern auch ein "Sakrament" sei. Das 1958 eingeführte Ehegattensplitting habe damals Ehe und Familie in einem Sinn gefördert, der dem katholischen Eheverständnis weitgehend entsprochen habe.

Die Realität habe sich aber seitdem "erheblich verändert". Meisner betonte, heute gebe es sehr viele Partnerschaften, die mit der Absicht der Kinderlosigkeit geschlossen worden seien und vom Ehegattensplitting profitieren würden. "Solche Beziehungen sind nach katholischem Eheverständnis gar keine Ehen", erklärte der Kölner Erzbischof.

Familien mit Kindern geschehe heute Unrecht, beklagte der Kardinal. Solche Familien sicherten auch die Zukunft der Kinderlosen, ohne dafür einen gerechten Ausgleich zu erhalten. Die auf Kinder ausgerichtete Ehe werde derzeit nicht privilegiert, sondern benachteiligt. Die Ersetzung des Ehegatten- durch ein Familiensplitting sei eine "mögliche Option", um dies zu ändern, betonte Meisner.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla hatte sich im Zuge der Diskussion über ein neues Grundsatzprogramm für eine Umwandlung des Ehegattensplittings in ein Familiensplitting ausgesprochen. Insbesondere in Reihen der CSU hatte Pofallas Forderung heftige Kritik ausgelöst.

Ehen ohne Kinderwunsch seien "eigentlich gar keine Ehen" und deshalb auch nicht zu bevorzugen, meint der Kölner Kardinal Meisner. Foto: AP
Bild vergrößernEhen ohne Kinderwunsch seien "eigentlich gar keine Ehen" und deshalb auch nicht zu bevorzugen, meint der Kölner Kardinal Meisner.
German Kardinal Meisner für Ehesplitting-Reform
Jul 03, 2006
Staat soll Familien mit Kindern mehr unterstützen

BERLIN (dpa, 27.06.2006) Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat sich für eine Reform des steuerlichen Ehegattensplittings zu einem Familiensplitting ausgesprochen. "Der Staat muss daran interessiert sein, stabile Verhältnisse für künftige Generationen zu schaffen. Dazu war das Ehegattensplitting früher ein gutes Instrument. Der Wandel der gesellschaftlichen Verhältnisse hat das geändert", so Meisner.

CDU-Generalsekretär Pofalla hatte einen Umbau des Ehegattensplittings vorgeschlagen. Kanzlerin Merkel (CDU) unterstützt dies, CSU-Chef Stoiber (CSU) ist dagegen.

Laut Meisner müsse sich der Staat - auch aus demographischen Gründen - viel mehr als bisher bemühen, Familien mit Kindern zu unterstützen. Dabei dürfe man sich nicht nur auf die Fremdbetreuung der Kinder konzentrieren. "Die Ersetzung des Ehegattensplittings durch ein reguliertes Familiensplitting ist aus meiner Sicht also durchaus eine mögliche Option", schreibt Meisner.

Problematisch sei, dass dadurch ungewollt kinderlose Ehepaare schlechter als bisher gestellt werden: "Ich gehe aber davon aus, dass für Christen und Nichtchristen in unserer Gesellschaft die Lebensfähigkeit kommender Generationen hohes Gewicht hat, hinter dem sie eigene Nachteile zurückzustellen bereit sind. Ohnehin wäre eine Ehe, die nur um des finanziellen Vorteils willen eingegangen würde, nach katholischer Auffassung nichtig."